Was ich mir vom Öffentlich-rechtlichen Rundfunk wünsche
Ab 2013 wird es eine einheitliche GEZ-Gebühr von 17,98 Euro pro Monat für alle Haushalte geben. Das haben die Ministerpräsidenten der Länder gestern in Berlin beschlossen. Ob man nun einen Fernseher oder ein Radio besitzt, spielt dabei keine Rolle mehr. Bisher wurde es so geregelt, dass wenn man nur einen internetfähigen Rechner besitzt, nicht mehr als 5,52 Euro bezahlen musste. Das kam vor allem auch Betrieben zu Gute, bei denen Fernseher und Radio in den meisten Fällen sowieso nicht genutzt wurden. (via)
Aber nun gut lassen wir unsere verfassungsrechtlichen Bedenken einmal beiseite, die uns dazu auffordern würden, darüber nachzudenken, wie der Staat jemanden für etwas besteuern kann, das er nicht einmal benutzt und reden darüber, was der Öffentlich-rechtliche Rundfunk mit den neuen Einnahmen alles anstellen könnte. Denn natürlich ist es nicht so, dass es sich bei den neuen Rundfunkgebühren unbedingt um etwas Schlechtes handeln muss.
Allerdings ist es auch so, dass es viele Punkte gibt, über die ich gerne diskutieren würde. Wenn man nämlich schon versucht, Leute zur Kasse zu bitten, die das Angebot nicht nutzen, dann muss mit dem eingenommenen Geld auch etwas passieren, was der Allgemeinheit dient. Hier nun also meine Wünsche:
1. Das gesamte selbstproduzierte Programm sollte unbegrenzt zur Verfügung stehen.
Es ist unglaublich, aber es gibt schon mehrere Versuche Sendungen, die im Fernsehen gelaufen sind, im Internet zu veröffentlichen. Da waren ja mal die Mediatheken von ARD und ZDF und Arte besitzt immer noch sein Plus-7-Programm. Doch mir reicht das persönlich nicht. Es gibt Sendungen, die für medien– und geschichtsrelevante Forschungen genutzt werden könnten, die aber bereits 20 oder 30 Jahre alt sind und es gibt genügend wissenswerte Berichte, die allein aufgrund der fehlenden Online-Umsetzung in den Archiven der ARD vergammeln. Mit einer solchen Umsetzung würde außerdem eine unglaubliche Zusammenstellung der deutschen Geschichte ermöglicht, die zudem noch für jeden frei zugänglich wäre.
Weiterhin sollte mir nicht vorgeschrieben werden, welche Programme ich angucken kann und welche nicht. Besonders verstörend sind bei diesem Aspekt die Jugendschutz-Maßnahmen, die bestimmte Videos beispielsweise nur von 22:00 Uhr bis 6:00 Uhr freischalten. Außerdem müssen bei vielen ARD-Produktionen die Rechte geklärt werden, weil eine Veröffentlichung im Internet nicht vorgesehen war. Das ist meiner Meinung nach eine Ausrede. Wenn sie wirklich wollten, dann wäre es kein Problem alle Sendungen ins Internet zu stellen. Arte macht das ja schließlich auch.
2. Es sollten keine Formate unterstützt werden, die von den privaten Sendern abgedeckt werden.
Fußball-Lizenzen, Spielfilme, Boulevard-Magazine, Frühstücksfernsehen oder die siebente oder achte Serie, die dem immer gleichen Muster verfallen sind, sollten nicht mehr gefördert werden. Ich habe nichts dagegen, wenn Menschen sich für Sport oder auch für Boulevard interessieren. Allerdings sollte dafür nicht die ARD verantwortlich sein. Es geht nicht darum, dass die ARD alle Sparten abdeckt, sondern, dass sie Formate unterstützt, die bei der Masse zwar nicht so gut ankommen, aber dennoch einen wertvollen Beitrag zur Kunst oder Gesellschaft leisten.
Die ARD sollte experimentelle Formate unterstützen und fördern. Sie sollte Dinge ausprobieren und sich nicht darauf verlassen, dass die nächste neue Serie schon ihren eigenen Weg gehen wird. Ich kann die ganzen Berufs– oder Liebeskitschserien einfach nicht mehr ertragen. Sie bieten immer nur mehr vom gleichen, ohne sich auch nur ein bisschen mit kritischen Themen auseinanderzusetzen. Wo sind die Serien, die sich mit homosexuellen, pädophilen, behinderten, drogenabhängigen oder kranken Menschen beschäftigen, ohne sie sofort negativ darzustellen? Wo sind die Außenseiter, die keine Freunde haben und sich immer wieder in Konflikte stürzen, obwohl man weiß, dass sie sich dadurch selbst zerstören? Wo sind die Serien, die kein glückliches Ende nehmen?
3. Es sollten Berichte unterstützt werden, die eine längerfristige Recherche erfordern, aber dadurch einen umfassenderen Einblick in ein bestimmtes Thema ermöglichen.
Für mich ist die wichtigste Errungenschaft des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks die Unabhängigkeit von wirtschaftlichen Interessen. Aus diesem Grund sollten Berichte gefördert werden, die gesellschaftliche Relevanz besitzen, aber aufgrund des Recherche-Volumens oder des zu geringen Interesses niemals in Auftrag gegeben werden. Was ist mit den Frauenrechten in Afrika? Wie steht es um die Wasserversorgung in Indien? Welche politischen und wirtschaftlichen Themen werden uns in Zukunft verfolgen?
Mit dem eingenommenen Geld könnten verschiedenste Außenstellen eingerichtet werden, die eine ständige Überprüfung der aktuellen Situationen in Krisenherden erlauben würden. Der Staat würde es schaffen seinem Bildungsauftrag wirklich einmal nachzukommen, anstatt wieder nur leere Parolen in den Raum zu schreien. Es würde zu einem vielfältigeren Programm führen und das Fernsehen könnte auch wieder für die jüngere Generation relevant werden.
~.~
Natürlich muss ich auch einsehen, dass meine Wünsche nicht unbedingt überall auf Zuspruch stoßen werden. Menschen, die mit dem Tatort groß geworden sind oder die Fußball nun einmal lieber auf der ARD ohne Werbung schauen, werden solche Ideen nicht unbedingt mögen. Trotzdem denke ich, dass sie einen wichtigen Teil dazu beitragen könnten, die Menschen über aktuelle Probleme und Entwicklungen in der Gesellschaft besser zu informieren.
Ich denke aber auch, dass es bereits jetzt eine Vielzahl an Sendungen gibt, die die oben beschriebenen Ansprüche erfüllen. Hier sei auch ein weiteres Mal auf Arte verwiesen, das durch den deutsch-französischen Austausch ein wunderbares Programm aufgestellt hat. Auch 3sat, Fritz, RadioEins und das Kulturradio sind großartige Kanäle, die ich auf keinen Fall missen möchte. Es ist auch nicht so, dass es keine Serien gibt, die sich mit gesellschaftlichen Problemen beschäftigen. Was soll man tun, wenn die Tochter krebskrank ist? Wie lebt eine deutsch-türkische Familie? Was macht unser Staat alles falsch?
Es fehlt an der generellen Anerkennung dieser Formate und der öffentlichen Präsenz. Letztendlich aber gelten meine Wünsche auch weiterhin und ich hoffe, dass es genügend Menschen gibt, die bis 2013 versuchen ihre Ideen umzusetzen und den Öffentlich-rechtlichen Rundfunk dadurch umzukrempeln.











Ich stimme dir in vielen Punkten zu. Wobei… das ZDF-Morgenmagazin schau ich mir zwar mittlerweile kaum noch an, aber trotzdem ist es um einiges besser als das Frühstücksfernsehen der privaten Sender — von daher sollte das schon bleiben ;)
Die noch stärkere Ausrichtung zum "Nischenformat", dass ja gerade durch die wirtschaftliche Unabhängigkeit überhaupt bestehen kann, fände ich auch begrüßenswert. Formate für ältere Mitmenschen wie etwa Schlagersendungen und dergleichen würde ich nicht absetzen lassen (was ja soviele fordern; denn diese Zielgruppe ist trotz ihrer Marktirrelevanz schlicht riesig), aber vielleicht zu großen Teilen auf ein oder zwei Extrasender auslagern.
Und mein Traum wären ja Sender, die Sendungen und Filme aus dem Ausland auch tatsächlich in der Originalsprache ausstrahlen würden (gerne auch wie oft bei Arte im Zweikanal-Ton) und je nach Sprache auch mit deutschen Untertiteln. Aber dieser Wunsch wird sicherlich nie in Erfüllung gehen.
Das ZDF-Morgenmagazin kenne ich leider nicht, aber sicherlich könnte man die dort besprochenen Themen auch in die allgemeinen Nachrichten mit übernehmen. ;)
Meiner Meinung nach ist es ja heute so, dass ARD und ZDF die ausgelagerten Sender für alte Menschen sind, die du forderst, wobei sie sich selbst wohl nicht so sehen würden. Auch kotzt mich vielleicht an den ganzen Serien nur an, dass diese konkret auf das ältere Publikum zugeschnitten sind und ansonsten niemanden mehr fordern.
Deinen Vorschlag mit ausländischen Filmen finde ich ebenfalls unterstützenswert. Allerdings fände ich es schwierig, einen ganzen Sender mit ausländischen Filmen zu bestücken. Vielleicht wäre da ein allgemeiner Kultur-Sender wie Arte besser geeignet.
Eins vorne weg: ich weiß jetzt grad nicht wer, aber "jemand von da oben" meinte, dass die öffentlich-rechtlichen dadurch nicht mehr Geld bekommen. Es dient jediglich der Vereinfachung und der besseren Kontrolle (zur Zeit nachzulesen auf ARDtext Seite 413 und 414). Also denke ich nicht, dass sich dadurch etwas am Programm ändern wird. Dann noch eine Sache zu "Die ARD sollte experimentelle Formate unterstützen und fördern." -> dafür sind die dritten Programme da. Für mich hat es nichts mit Bildung zu tun, wenn ich Amateur-Filme fördere. Klar gehören die auch gefördert. Aber der Bildungsauftrag wird doch damit nicht erfüllt. Da find ich es bildender Fußball zu gucken.
Ich stimme zu, dass es mehr Sendungen über aktuelle Probleme jeglicher Form geben sollte.
Aber wie gesagt, nur weil es ab 2013 ein anderes Gebühreneinzugssystem gibt, wird sich denke ich, nicht viel ändern.
Natürlich verdienen sie mehr. Anstatt wie bisher üblich, die GEZ-Gebühren pro Gerät zu erheben, wird sie jetzt standardmäßig für jeden Haushalt erhoben. Es wird nirgendwo etwas weggekürzt. Es gibt keinen Grund, warum sie jetzt nicht mehr einnehmen sollten.
Die "experimentelle[n] Formate" haben nichts mit Amateurfilmen zu tun, sondern bezeichnen einfach neue Ansätze. Sie können genauso wie andere Sachen teuer produziert werden.
Das, was ich vorgeschlagen habe, sind Wunschvorstellungen, denn gerade das ist ja das Problem, der Öffentlich-rechtliche Rundfunk wird obwohl sie mehr verdienen nichts verändern.
Wie gesagt, ich kann nur das sagen, was ich gestern von Politikern gehört habe, die daran mitgewirkt haben. Und die gingen alle nur von einem moderneren Modell aus. Warum die meinten, dass es dadurch weder mehr, noch weniger für die Sender gibt, weiß ich auch nicht. Aber so wurde es vorgetragen.
Und experimentelle Filme erfüllen, meines Erachtens, genauso wenig den Bildungsauftrag. Ich habe die Bezeichnung "Amateur-Filme" gewählt, weil ich dachte, dass du auch Filme sehen möchtest, von Nachwuchskünstlern und so.
Politiker erzählen sowas, weil sie einfach keinen Grund sehen, etwas zu verändern. Sie sind glücklich damit, wie sie die Medien für ihre Zwecke benutzen können.
Warum erfüllen sie keinen Bildungsauftrag? Gerade die Vielfalt und die unterschiedlichen Ansätze von experimentellen Formaten ermöglichen kreatives Denken und stärken das Selbstvertrauen von unterrepräsentierten Interessen. Dadurch bekommen Menschen einen Einblick in Dinge, die sie vorher nicht kannten. Wie wäre zum Beispiel eine Serie über das Leben von Computerspielern in einer deutschen Familie die auf Senioren zugeschnitten ist?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Serie mehr bildet als zb Rote Rosen. Ich denke, Dich ingteressiert einfach nur mehr. Und genauso könnten auch Sturm der Liebe gucker argumentieren. Dass ihre Serie auch Bildungsanspruch hat.
Du kannst außerdem nicht alle Menschen alle Dinge zeigen und beibringen wollen. Wenn Du Senioren eine Computerspiel-Folgen etc. beibringen willst, müsstest Du genauso Kinder auf die Situation in Tibet aufmerksam machen, Jugendliche auf das Problem der Unvereinbarkeit von Relativitätstheorie und Quantenmechanik, Ausländer auf das Problem von Weißen in afrikanischen Staaten…
Du kannst nicht allen alles beibringen. Und deshalb sollten sich die Öffentlich-rRechtlichen hauptsächlich auf die breite Masse konzentrieren. Ich denke, "für den Rest" sind Arte, NDR, MDR… zuständig. Klar kann man bei ARD und ZDF auch noch was verbessern, aber ich finde es jetzt auch nicht schlecht.
Es kommt darauf an, wie du dir Bildung vorstellst. Bildung ist im Grunde genommen nur Wissensvermittlung. Welches Wissen jedoch wichtig und welches unwichtig ist, bestimmen die Bildungseinrichtungen und die Öffentlich-rechtlichen Sender.
Ja, natürlich könnte man sagen, dass "Rote Rosen" uns bildet. Aber nur, wenn es nicht schon tausend andere Serien gäbe, die das gleiche Konzept verfolgen. Ich habe doch oben bereits erwähnt, dass es wenige Serien gibt, die sich kritischen und politischen Themen stellen und das finde ich falsch.
Viele ältere Menschen verstehen zum Beispiel das Internet nicht. Es gibt aber keine Produktion im deutschen Fernsehen, die auch nur ansatzweise etwas dagegen unternimmt, obwohl das Internet die größte Erfindung seit dem Buchdruck ist. Ganz im Gegenteil, die Politik und die Medien versuchen das Internet als Falle darzustellen, in der man für alles bezahlen muss und ständig hintergangen wird.
Ich würde vorschlagen, dass ARD und ZDF ein Querschnitt aller Unterprogramme ist, in den man dann die besten Sendungen aller Nischensender zusammenfügt und somit ein gemeinschaftliches Programm für die gesamte Gesellschaft anbietet. Wenn man mehr haben möchte, kann man zum Nischensender wechseln.
Ich halte es für falsch, wenn ARD und ZDF sich auf die breite Masse konzentrieren. Man sollte lieber versuchen so viele unterschiedliche Sendungen und Ansichten wie möglich auf den Hauptsendern zu vereinen, damit die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sich die Menschen mit Themen beschäftigen, die sie vorher nicht interessiert haben.
Ich finde, Du siehst das einfach alles zu eng. Vorallem vom Bildungsauftrag scheinen wir verschiedene Meinungen zu haben. Aber dazu sind ja Blogs da: zum diskutieren.
Ich würde sagen, wir lassen es fürs Erste (Wortwitz…cool^^). Mir fällt nämlich grad nicht ein, wie ich erklären soll, was ich denke :-). Und mit dem Zweiten sieht man sowieso besser ;-].
[…] hat – weil gerade in den Schlagzeilen – passend einen Text zu seinen Wünschen geschrieben, wie das öffentlich-rechtliche Fernsehen ein Stück besser wer.… Ich stimme in vielen Fällen überein, habe mich sogar dazu hinreissen lassen, einen längeren […]