10. Juni 2010 / , / 10c

Was ich mir vom Öffentlich-rechtlichen Rundfunk wünsche

Ab 2013 wird es eine einheitliche GEZ-Gebühr von 17,98 Euro pro Monat für alle Haushalte geben. Das haben die Ministerpräsidenten der Länder gestern in Berlin beschlossen. Ob man nun einen Fernseher oder ein Radio besitzt, spielt dabei keine Rolle mehr. Bisher wurde es so geregelt, dass wenn man nur einen internetfähigen Rechner besitzt, nicht mehr als 5,52 Euro bezahlen musste. Das kam vor allem auch Betrieben zu Gute, bei denen Fernseher und Radio in den meisten Fällen sowieso nicht genutzt wurden. (via)

Aber nun gut lassen wir unsere verfassungsrechtlichen Bedenken einmal beiseite, die uns dazu auffordern würden, darüber nachzudenken, wie der Staat jemanden für etwas besteuern kann, das er nicht einmal benutzt und reden darüber, was der Öffentlich-rechtliche Rundfunk mit den neuen Einnahmen alles anstellen könnte. Denn natürlich ist es nicht so, dass es sich bei den neuen Rundfunkgebühren unbedingt um etwas Schlechtes handeln muss.

Allerdings ist es auch so, dass es viele Punkte gibt, über die ich gerne diskutieren würde. Wenn man nämlich schon versucht, Leute zur Kasse zu bitten, die das Angebot nicht nutzen, dann muss mit dem eingenommenen Geld auch etwas passieren, was der Allgemeinheit dient. Hier nun also meine Wünsche:

1. Das gesamte selbstproduzierte Programm sollte unbegrenzt zur Verfügung stehen.

Es ist unglaublich, aber es gibt schon mehrere Versuche Sendungen, die im Fernsehen gelaufen sind, im Internet zu veröffentlichen. Da waren ja mal die Mediatheken von ARD und ZDF und Arte besitzt immer noch sein Plus-7-Programm. Doch mir reicht das persönlich nicht. Es gibt Sendungen, die für medien– und geschichtsrelevante Forschungen genutzt werden könnten, die aber bereits 20 oder 30 Jahre alt sind und es gibt genügend wissenswerte Berichte, die allein aufgrund der fehlenden Online-Umsetzung in den Archiven der ARD vergammeln. Mit einer solchen Umsetzung würde außerdem eine unglaubliche Zusammenstellung der deutschen Geschichte ermöglicht, die zudem noch für jeden frei zugänglich wäre.

Weiterhin sollte mir nicht vorgeschrieben werden, welche Programme ich angucken kann und welche nicht. Besonders verstörend sind bei diesem Aspekt die Jugendschutz-Maßnahmen, die bestimmte Videos beispielsweise nur von 22:00 Uhr bis 6:00 Uhr freischalten. Außerdem müssen bei vielen ARD-Produktionen die Rechte geklärt werden, weil eine Veröffentlichung im Internet nicht vorgesehen war. Das ist meiner Meinung nach eine Ausrede. Wenn sie wirklich wollten, dann wäre es kein Problem alle Sendungen ins Internet zu stellen. Arte macht das ja schließlich auch.

2. Es sollten keine Formate unterstützt werden, die von den privaten Sendern abgedeckt werden.

Fußball-Lizenzen, Spielfilme, Boulevard-Magazine, Frühstücksfernsehen oder die siebente oder achte Serie, die dem immer gleichen Muster verfallen sind, sollten nicht mehr gefördert werden. Ich habe nichts dagegen, wenn Menschen sich für Sport oder auch für Boulevard interessieren. Allerdings sollte dafür nicht die ARD verantwortlich sein. Es geht nicht darum, dass die ARD alle Sparten abdeckt, sondern, dass sie Formate unterstützt, die bei der Masse zwar nicht so gut ankommen, aber dennoch einen wertvollen Beitrag zur Kunst oder Gesellschaft leisten.

Die ARD sollte experimentelle Formate unterstützen und fördern. Sie sollte Dinge ausprobieren und sich nicht darauf verlassen, dass die nächste neue Serie schon ihren eigenen Weg gehen wird. Ich kann die ganzen Berufs– oder Liebeskitschserien einfach nicht mehr ertragen. Sie bieten immer nur mehr vom gleichen, ohne sich auch nur ein bisschen mit kritischen Themen auseinanderzusetzen. Wo sind die Serien, die sich mit homosexuellen, pädophilen, behinderten, drogenabhängigen oder kranken Menschen beschäftigen, ohne sie sofort negativ darzustellen? Wo sind die Außenseiter, die keine Freunde haben und sich immer wieder in Konflikte stürzen, obwohl man weiß, dass sie sich dadurch selbst zerstören? Wo sind die Serien, die kein glückliches Ende nehmen?

3. Es sollten Berichte unterstützt werden, die eine längerfristige Recherche erfordern, aber dadurch einen umfassenderen Einblick in ein bestimmtes Thema ermöglichen.

Für mich ist die wichtigste Errungenschaft des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks die Unabhängigkeit von wirtschaftlichen Interessen. Aus diesem Grund sollten Berichte gefördert werden, die gesellschaftliche Relevanz besitzen, aber aufgrund des Recherche-Volumens oder des zu geringen Interesses niemals in Auftrag gegeben werden. Was ist mit den Frauenrechten in Afrika? Wie steht es um die Wasserversorgung in Indien? Welche politischen und wirtschaftlichen Themen werden uns in Zukunft verfolgen?

Mit dem eingenommenen Geld könnten verschiedenste Außenstellen eingerichtet werden, die eine ständige Überprüfung der aktuellen Situationen in Krisenherden erlauben würden. Der Staat würde es schaffen seinem Bildungsauftrag wirklich einmal nachzukommen, anstatt wieder nur leere Parolen in den Raum zu schreien. Es würde zu einem vielfältigeren Programm führen und das Fernsehen könnte auch wieder für die jüngere Generation relevant werden.

~.~

Natürlich muss ich auch einsehen, dass meine Wünsche nicht unbedingt überall auf Zuspruch stoßen werden. Menschen, die mit dem Tatort groß geworden sind oder die Fußball nun einmal lieber auf der ARD ohne Werbung schauen, werden solche Ideen nicht unbedingt mögen. Trotzdem denke ich, dass sie einen wichtigen Teil dazu beitragen könnten, die Menschen über aktuelle Probleme und Entwicklungen in der Gesellschaft besser zu informieren.

Ich denke aber auch, dass es bereits jetzt eine Vielzahl an Sendungen gibt, die die oben beschriebenen Ansprüche erfüllen. Hier sei auch ein weiteres Mal auf Arte verwiesen, das durch den deutsch-französischen Austausch ein wunderbares Programm aufgestellt hat. Auch 3sat, Fritz, RadioEins und das Kulturradio sind großartige Kanäle, die ich auf keinen Fall missen möchte. Es ist auch nicht so, dass es keine Serien gibt, die sich mit gesellschaftlichen Problemen beschäftigen. Was soll man tun, wenn die Tochter krebskrank ist? Wie lebt eine deutsch-türkische Familie? Was macht unser Staat alles falsch?

Es fehlt an der generellen Anerkennung dieser Formate und der öffentlichen Präsenz. Letztendlich aber gelten meine Wünsche auch weiterhin und ich hoffe, dass es genügend Menschen gibt, die bis 2013 versuchen ihre Ideen umzusetzen und den Öffentlich-rechtlichen Rundfunk dadurch umzukrempeln.