Und wieder da.
Sich selbst einen Fehler einzugestehen, ist ziemlich schwierig, deshalb will ich es auch nicht zu lang machen. Zunächst einmal möchte ich sagen, dass mir die Tage, die ich zu Fuß unterwegs gewesen bin, sehr dabei geholfen haben, mich selbst zu verstehen. Ich habe meine Umgebung anders wahrgenommen, ich habe mich selbst vor Probleme gestellt, die ich noch nie bewältigen musste und ich war eine bestimmte Zeit lang glücklich. Trotzdem kam an einer bestimmten Stelle der Moment, an dem ich es nicht mehr ausgehalten habe. Meine Schultern taten mir weh, meine Füße hatten dicke Blasen bekommen, aber noch viel mehr als physische Schmerzen hat mich ein Gefühl des Verlustes gequält. Ich kann das nicht richtig beschreiben. Es hat sich nicht wie Einsamkeit oder Heimweh angefühlt. Es war mehr ein Wissen darüber, dass man etwas verloren hat, was man nicht verlieren sollte.
Ich weiß, es sieht ein wenig lächerlich aus, wenn man etwas groß ankündigt, sagt, dass man unbedingt das Wort "Abenteuer" neu erfinden möchte und dann nach ein paar Tagen müde und eingeknickt nach Hause zurückkehrt. Doch, was soll ich sonst tun, wenn mir plötzlich auffällt, dass es nicht mehr das Richtige für mich ist? Was nützt es mir, wenn ich jetzt zwei Monate jemandem etwas vorlüge und dann erst mit einer billigen Ausrede nach Hause zurückkehre? Natürlich hätte mir das alles schon früher auffallen können, ich hätte meinen Körper langsam an die sich verändernden Umstände anpassen und mich an kleineren Reisen ausprobieren können, aber für mich war das alles wie ein Traum. Und das Erwachen erfolgte demzufolge umso schmerzhafter.
Und nun sitze ich hier in meinem Zimmer und bin zerrissen. Auf der einen Seite bin ich von mir selbst enttäuscht, dass ich einen Traum, auf den ich schon seit vier Jahren zuarbeite, einfach nach ein paar Tagen wieder hinschmeiße. Auf der anderen Seite bin ich jedoch unendlich glücklich darüber, diese Erfahrung vorerst abschließen zu können; ich wünsche niemandem dieses Gefühl des Verlustes. Trotzdem bleibt offen, was ich nun machen werde. Ich habe definitiv Lust durch Deutschland zu reisen, aber nicht zu Fuß, nicht so lange. Ich muss darüber nachdenken. Ich hoffe, ihr versteht das.











Auch dieses Eingestehen ist eine Stärke. Ich denke viele wären erstmal weiter gelaufen. Und weiter, und weiter, ohne irgendetwas davon zu haben. Sich selbst einzugestehen, dass das falsch ist, ist wohl eher weniger schwer, aber zu den anderen zu gehen, ihnen in die Augen zu schauen und zu sagen "Hey, hier bin ich schon wieder!", das ist ein echt großer Brocken. Und gerade wenn das dann so jemand wie du macht. Von mir sind die Leute gewohnt, dass ich Dinge vielleicht nicht zu Ende denke oder mittendrin einfach aufhöre, weil ich nicht mehr will.
Vielleicht sind kleinere Touren auch eher etwas für dich — bei mir ist das so. Ich habe eher wenig davon, einen Monat lang weg zu sein, aber wenn ich drei Tage durch die Berge wanderklettre, dann erfüllt mich das total. Wobei ich auch nicht weiß, wie das im Flachland aussehen würde. In den Bergen ist es einfach so, naja schwer zu beschreiben. Oft ist man alleine mit seinen Begleitern. Allein mit dem Berg und dann steht man auf den verschiedenen Spitzen und das hat etwas Befreiendes. Wenn man keine Straßen sieht, und keine Strommasten. Einfach nur du und die Natur und bei mir ist es auch immer irgendwie "der Abgrund". Ich schaue die Bergwand hinunter und denke mir einfach nur "Fuck, das ist das Leben und es ist endlich".
Ich freue mich jedenfalls, dass du wieder da bist, und um eine Erfahrung reicher. :)
Was bedeutet das Leben für die Menschen? Es bedeutet Glück, aber auch Angst vor der Zukunft. Probleme anzugehen und sie zu lösen ist auch ein Teil unseres Lebens. Manchmal ist es schwer und schmerzhaft und es vergeht wohl kaum ein Tag, an dem wir nicht mit irgendeiner Schwierigkeit zu kämpfen hätten. Aber auch das gehört zu unserem Leben. Es ist das Schicksal der Menschen, dem niemand ausweichen kann.
Dein Abbruch hat auch etwas Gutes. So hast Du genügend Geld gespart, um Dir andere Träume erfüllen zu können oder Kurztrips o.ä. sind auch möglich. Dazu kommt, dass Du deiner Familie keine Sorgen mehr bereitest und sie sich den Kopf mit etwaigen Unfällen nicht mehr zerbrechen.
Das Dir die Schultern schmerzten und dergleichen: Würdest Du (hätten wir) die zehn Kilometer pro Tag eingehalten, wäre das meiner Meinung nach überhaupt kein Problem gewesen (auch ohne vorheriges Training), da man nach jedem Kilometer eine Pause hätte machen können. Somit waren die Blasen auch ein gewolltes Übel.
Lange Rede, kurzer Sinn: Man kann sich nicht über jedes "Was wäre wenn" den Kopf zerbrechen. Es ist alles gut, so wie es passiert ist.
Willkommen zurück. Hast bei mir nichts an Charakter eingebüßt. Ich denke es ist besser so, als dass du dich da quälst nur um irgendwelchen leuten was zu bweisen. Dann kannste ja doch zur Party kommen!
Hey das ist doch kein Problem udn der Artikel ist ehrlich und wir verlieren dich jetzt nicht.:-)
Und Möglichkeiten zum Reisen gibt es viele.