27. Juli 2010 / , , / 6c

Scott-Pilgrim-Spiel, hm?

Ich werde ja fast dazu gezwungen alles zu mögen, was derzeit von Scott Pilgrim bei mir so auf dem Radar auftaucht. Dabei wusste ich vor einem Jahr noch nicht einmal wirklich, wer dieser Scott Pilgrim eigentlich ist. Das erste Mal habe ich bei Slashfilm davon gehört, dass eine verdammt durchgeknallte Comic-Reihe verfilmt werden soll und zwar von Edgar Wright, dem Typen, der hinter Shaun of the Dead und Hot Fuzz steckt. Ich dachte mir dann so: "Scheiße, warum hast du noch nie etwas von diesem merkwürdigen Scott Pilgrim gehört? Das musst du ändern. Jetzt sofort."

Nach einigen Minuten auf Wikipedia und Amazon wurde mir bewusst, dass ich den Namen Bryan Lee O'Malley nicht mehr vergessen durfte, denn dieser feine kanadische Gentleman war dafür verantwortlich, dass wir uns an einem Comic erfreuen dürfen, der davon handelt, dass ein Typ aus einer Band mit dem Namen "Sex Bob-Omb", ja genau, die umherlaufenden Bomben aus Super Mario, ein Mädchen auf einer Party anspricht, sie sich ineinander verlieben und er daraufhin ihre sieben Ex-Freunde besiegen muss, um mit ihr letztendlich zusammen sein zu können. Zu kompliziert, zu abgedreht, zu verrückt? Woah, ich bin begeistert. Und Edgar Wright soll das verfilmen? Ich kann nicht mehr.

Kommen wir zum nächsten Teil. Der Film sieht fantastisch aus. Die ganze Comic-Geschichte macht, wie man es schon erwarten könnte, riesige Computerspiel-Referenzen und fühlt sich aus diesem Grund auch natürlich eher wie ein Spiel an, als wie ein Drama in der Realität. Der Film übernimmt diese Anlehnungen und wird dadurch zu einem reinen Fest für Oldschool-Computerspielfans. Und ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie mein Herz einen Höhenflug macht, wenn ich "reines Fest für Oldschool-Computerspielfans" schreibe. Aber das zeigt der Trailer des Filmes euch am besten gleich selbst, also nicht wie mein Herz irgendwo rumfliegt, sondern wie der Film aussieht.

Nun, und eines Tages lese ich wieder Slashfilm und stolpere über einen Artikel, der die Ankündigung eines Scott-Pilgrim-Spiels von Ubisoft enthält. Erst denke ich mir so: Hm, Verfilmungs-Spiel. Argh, Ubisoft. Dann schaue ich mir das genauer an und kann meinen Augen nicht trauen: "downloadable side-scrolling old-school beat-em-up". Ich bin kein genereller Fan von Oldschool Beat'em Ups (Mortal Kombat und Streetfighter haben mich nie interessiert), aber in der Sekunde war mir das vollkommen egal. Es ist genau das richtige für den Comic und das beste daran: Es ist keine beliebige Verfilmungs-Lizenz, die sie verwurschteln, sondern es wird eigenständig produziert. Juhu.

Und dann kommt für mich der Hammer. Irgendwann noch später im Jahr 2009, kommt von Pitchfork eine Nachricht, die sagt, dass zusätzlich zum Oldschool-Feeling des Spieles auch noch 8-Bit-Musik eingespielt werden soll. Und zwar von niemand geringerem als meiner absoluten Lieblingsband Anamanaguchi, die natürlich den kompletten Soundtrack machen. Das war einfach zu viel. Das sind zu viele gute Dinge auf einmal und ich verstehe es nicht, wie so etwas zustande kommen konnte. Ich bin einfach hin und weg. Und alles. Bam.

Und dann erwache ich langsam aus meinem Nerd-Koma und mir wird klar, dass ich das Spiel erstens vorerst nicht spielen werde, weil ich weder eine Playstation noch eine Xbox besitze, zweitens es für mich, wenn ich ehrlich bin, sowieso nicht so wirklich interessant ist, weil es halt wirklich nur ein klassisches Kampfspiel ist und drittens ich eigentlich immer noch überhaupt keine Ahnung vom Comic oder vom Film habe, da ich immer nur von anderen etwas gehört habe.

Das Spiel wird in seinem Genre gut sein, das bezweifle ich nicht. Aber es wird auch nicht mehr als ein kleiner Snack sein, den man mal an einem Abend mit seinen Freunden zu sich nimmt, sich dann aber ohne weitere Gedanken dem nächsten größeren Spielehappen widmet. Selbst die Geschichte von Scott Pilgrim ist nichts Weltbewegendes und klingt in ihrer Erzählweise doch relativ banal. Aber na gut, manche behaupten ja auch, dass die Geschichte eines Klempners, der eine Prinzessin vor einer Echse rettet, mit zum besten gehört, was die Videospielgeschichte je hervorgebracht hat. Also sollte ich mich bei meiner Kritik vielleicht ein wenig zurücknehmen.

Dennoch denke ich, dass Scott Pilgrim in allen Facetten ein absoluter Nerd-Überlauf ist. Auch wenn mir das Spiel nun nicht vollkommen zusagt, so muss ich trotzdem zugeben, dass ich es in seiner Machart anerkenne und auch liebe. Wer jetzt noch etwas zu den Comics erfahren möchte, dem empfehle ich mal kurz beim Comicnerd vorbeizuschauen und sich dann die englische Wikipedia-Seite zu Scott Pilgrim anzugucken. Und vergesst nicht auch Bryan Lee O'Malley, Anamanaguchi und Edgar Wright einen Besuch abzustatten. Absolut großartige Typen und die freuen sich doch auch.