10. November 2010 / , / 12c

Warum ich nicht mehr so häufig über meine persönlichen Auffassungen schreibe

Religion, Politik, Feminismus, Sprachkritik und Erziehung sind Themen, die ich früher in meinen Blogs häufiger besprochen habe und denen ich mich in einer direkten Konfrontation immer noch stellen würde. Heutzutage ist es aber so, dass ich in vielen dieser Diskussionen im Internet kaum noch einen Sinn sehe. Sie können zwar zu interessanten Gesprächen führen, aber die Frage ist, zu was für einem Preis?

Ich bin in diesen Fällen sehr zwiegespalten. Auf der einen Seite ist es natürlich so, dass ich es für richtig halte, dass alles kritisiert werden sollte, was dazu führt, dass sich Menschen unsicher oder unverstanden fühlen. Das gilt für die Texte von Zeitungen genauso wie für meine Texte. Auf der anderen Seite sehe ich jedoch die Arroganz und Aggressivität, mit denen in bestimmte Gespräche hineingegangen wird. Es wird nicht versucht, das Gegenüber zu verstehen, sondern man versucht, seine persönliche Meinung mit Hilfe von Streitigkeiten in den Vordergrund zu rücken.

Ich liebe Diskussionen und ich halte es für extrem wichtig, dass man mit Rhetorik und Zuspitzung jemanden aus der Reserve lockt, damit er das sagt, was er wirklich meint, anstatt das, was er für angemessen hält. Dennoch ist es so, dass Diskussionen in den Schmutz gezogen werden, wenn man nur mit Vorurteilen und ungerechtfertigten Behauptungen argumentiert. Anstatt über die Themen oder die Schwerpunkte zu sprechen, werden Diskussionen über die Personen hinter dem Gespräch geführt. Es stehen nicht ihre Aussagen, sondern ihre Zugehörigkeiten im Mittelpunkt. Und wenn man die Zugehörigkeit nicht kennt, dann nutzt man halt seine Vorurteile, die man aus den ein oder zwei Kommentaren der Person gewonnen hat, dazu, jemanden in eine Gruppe zu pressen und ihm zu unterstellen, dass er aufgrund dieser Zugehörigkeit falsch denkt.

Es werden Feindbilder geschaffen und man fühlt sich gut dabei, weil man ja im Recht ist, weil man ja diskriminiert wurde und so. Anstatt Standpunkte zu hinterfragen und anzufangen, an sich selbst zu zweifeln, sieht man jede Kritik als Angriff auf die persönliche Ehre. Wie kann sich eine Person anschicken, etwas zu hinterfragen, was unsere Gruppe als grundlegend festgelegt hat. Wenn selbst die Festen unserer Meinungsübereinkunft nicht mehr gelten, dann würde das ja bedeuten, dass wir keine Gemeinschaft mehr wären. Wir wären ja auf uns allein gestellt und müssten unsere Meinung _allein_ verteidigen, anstatt im Windschatten einer größeren und uns weit überlegeneren Vision zu stehen. Nein, so weit lasse ich das nicht kommen.

Ich habe keinen Bock mehr auf Diskussionen, die man mit einer Agenda begegnen kann. Das führt nur dazu, dass man sich in einen Streit verzettelt und aufhört, eigenständig zu denken. Logik setzt aus und man tendiert dazu, alles zu verneinen, was das Gegenüber zu sagen hat. Und dann kommt der nächste dazu und fängt wieder von vorne an. Es ist ein endloser Kampf, der nur dazu führt, dass man unkreativen Schrott produziert. Keine Seite wird gewinnen und jeder wird nur in seiner eigenen Meinung bestätigt. Dabei wollte man doch eigentlich einen Fortschritt machen, neue Ideen präsentieren und Menschen zusammenführen. Meine Erfahrungen damit sagen mir allerdings immer nur, dass man Fortschritte nicht mit Blogbeiträgen macht.

Ich will es nicht komplett ausschließen, gerade bei kleineren Blogs besteht eben doch noch die Möglichkeit, mit Kommentaren wirklich etwas zu bewegen. Aber wenn man ein größeres Blog betreibt, können Kommentare einen fast daran hindern, ein Thema überhaupt produktiv anzugehen. Aus diesem Grund empfehle ich, dass man sich immer bewusst macht, worauf man sich einlässt, wenn man eine Diskussion führen möchte, die auf die oben genannten Themen eingeht. Man lässt sich darauf ein, dass man sich in ständigen Rechtfertigungen verliert und den Fokus der Kritik verliert.

Letztendlich weiß ich selbst nicht, wie man damit umgehen sollte. Auf der einen Seite sind solche Diskussionen gut, weil sie dazu führen, dass Menschen ihre Standpunkte überdenken, aber auf der anderen Seite kann es auch sein, dass man sich ständig nur rechtfertigen muss und das Ziel einer Diskussion verfehlt wird. Ich weiß es nicht, ich schreibe jedenfalls aus diesem Grund nicht mehr so häufig über bestimmte Themen. Hin und wieder kommt noch ein solcher Artikel, wo ich dann über eine kleine Randerscheinung einer bestimmten Thematik nachdenke. Aber generell passiert das eher selten. Ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist, ich bin in den meisten Fällen einfach nur ausgelaugt.

Achso und ich schreibe nicht mehr so häufig über Politik, weil ich mit meiner Auffassung auch arg daneben liegen könnte und ich nichts Falsches verbreiten möchte. Und ein Großteil meines Freundeskreises fühlt sich der Politik gegenüber sowieso hilflos und interessiert sich aus diesem Grund nur sehr wenig für entsprechende Artikel.