17. November 2010 / , , / 2c

Die Angst, die falsche Musik zu hören

Ich habe genauso wie jeder andere Mensch auf dieser wundervollen Welt gewisse Ängste, die mich manchmal etwas in den Wahnsinn treiben können. Und heute möchte ich euch genau über so eine etwas kleinere aber umso seltsamere Angst berichten. Es geht um die Angst, dass die Musik, die man für ein bestimmtes Filmprojekt benutzen möchte letztendlich nicht die richtige Musik ist, die man sich für ein bestimmtes Projekt gewünscht hat.

Es geht um die Angst, dass die Musik, die man hört, nicht das ist, was den Film am besten wirken lässt. Es geht um die Angst, sich selbst und andere zu enttäuschen, weil man nicht noch länger gesucht hat, sondern sich letztendlich für den einfachen Weg entschieden hat. Und jedes Mal versuche ich mir einzureden, dass Kunst so nicht funktioniert. Man wird nicht besser, indem man mehr Dinge kennenlernt, sondern man wird besser, weil man überhaupt bestimmte Dinge ausprobiert.

Doch es hilft nichts. Ich befinde mich wieder einmal in einer merkwürdigen Situation, denn ich lade seit mehreren Tagen kostenlos angebotene Musik von den unterschiedlichsten Netlabels herunter. Ich frage nach, ob ich die Musik benutzen darf, ich schaue mir meine Filmaufnahmen an und dann bin ich plötzlich unzufrieden. Ich weiß nicht wieso. Normalerweise springt mein Selbstbewusstsein, was Musik und Filme anbelangt nicht ständig zwischen "absolut perfekt" und "das macht chronisch taub".

Doch es hilft nichts, ich bin schon wieder auf dem nächsten Netlabel, ich schaue auf die About-Seite, wieder eine BY-NC-SA-Creative-Commons-Lizenz, dann immer schön runterladen. "Du wirst schon das richtige finden!", versucht mir mein Unterbewusstsein vermutlich damit verständlich zu machen. Die Zeit läuft. Es ist Abend und meine Situation hat sich nicht sehr groß verändert. Kurze Pause.

Nachdem mein Abendbrot verschlungen ist, sind auch die Downloads fertig. Ich öffne Foobar, höre mir die ersten Lieder an, mir gehen wieder diese Gedanken durch den Kopf. Ich weiß ganz genau, wenn ich ein Lied höre, in welcher Situation und in welcher Szene ich es benutzen würde. Generell. Ich habe sofort ein Bild vor Augen und könnte sofort anfangen, etwas umzusetzen. Der umgekehrte Weg ist schwieriger. Man sucht nach einer Nadel im Heuhaufen. Doch das schreckt mich meistens nicht ab. Ich bin da pedantisch und stöbere lieber noch ein paar Tage zusätzlich in den Archiven längst vergessener Netlabels, als dass ich die falsche Musik für eine Szene benutze. Diese Gedanken.

Die Angst wird stärker, ich lege mich in mein Bett, höre andere Musik, Musik, die ich wahrscheinlich niemals in Filmen verwenden würde. Das baut mich auf. Was kann man schon für seine Ängste, sie kommen und gehen, wie sie wollen. Man ist so verletzlich. Wenn man alle Ängste eines Menschen kennt, dann hat man ihn völlig unter seiner Kontrolle. Das macht mir Angst. Ich gehe schlafen, morgen wird alles besser, morgen werde ich die Musik finden, die zur Szene passt. Da bin ich mir sicher.