7. Dezember 2010 / , / 5c

Laufen

Ich bin schon immer ein Läufer gewesen. Kein guter Läufer. Ja, nich einmal ein passabler Läufer. Aber dennoch ambitioniert. Ich war nie der beste, aber manchmal war ich trotzdem stolz auf mich. So kam es, dass ich anfing, regelmäßig zu laufen. 5 km, 10 km, 20 km, alles war machbar, solange man sich nicht mit der Geschwindigkeit übernahm. Dann kam eine Zeit, in der ich das Laufen vernachlässigte. Andere Dinge waren mir wichtiger und Sport betrieb ich ja immer noch. Und jetzt laufe ich doch wieder.

Als Läufer fühlst du dich schwach, denn du läufst nur für dich selbst. Wenn du während des Laufens stoppst, dann hast du nicht deine Freunde oder deine Familie, sondern nur dich selbst enttäuscht. Niemand macht dir einen Vorwurf. Niemand außer dir selbst. Du bist am Boden und dir wird auf sehr schreckliche Art bewusst, dass du dich völlig erschöpft hast und dich trotzdem noch die zehn weiteren Kilometer nach Hause schleppen musst. Niemand kann dir helfen, du hast kein Handy mit. Du stehst dort und weißt, dass dieser Weg unweigerlich zurückgelegt werden muss.

Als Läufer fühlst du dich stark, denn du läuft für Freiheit, für Unabhängigkeit, für dein eigenes Leben. Du bewegst dich von Ort zu Ort, ohne dass dich etwas aufhalten könnte, du belächelst Autofahrer für ihre Regeln. Du spürst die frische Luft in deiner Kehle, du fühlst den Schweiß, der deinen Hals herunterläuft, du merkst mit jedem Schritt, wie du stärker wirst. Nicht nur körperlich, nein, innerlich. Du weißt, dass du alles schaffen kannst, solange du es dir nur fest genug vorstellst und daran arbeitest.

Die Wahrheit steckt dazwischen. Es kommt darauf an, was man vom Laufen erwartet. Es kommt darauf an, was man mit dem Laufen erreichen möchte. Es kommt darauf an, wie man überhaupt laufen möchte. Reicht es schon aus, zehn Minuten auf dem Laufband zu verbringen oder wird man erst glücklich, wenn man nach drei Stunden völlig durchnässt aus der Kälte in die warme Stube zurückkehrt? Man muss selbst wissen, wo seine Grenze liegt, nur dann wird man Spaß daran haben.

Ich habe mich dazu entschlossen, langsam und in Ruhe anzufangen. Doch ich laufe jetzt wieder jeden Tag. Fünf und acht km/h bei fünfzehn Prozent Steigung im Wechsel von jeweils fünf Minuten für insgesamt eine Dreiviertelstunde. Das reicht völlig. Ich bin völlig durchgeschwitzt und gönne mir im Anschluss immer eine erholende Dusche. Solange es mir Spaß macht, solange werde ich laufen. Und es macht mir immer noch Spaß. Noch.