14. Dezember 2010 / / 11c

Das wichtigste Objekt

Ich bestelle mir morgen meinen neuen PC. 6-Kern-Intel-i7 3,4 GH, 24 GB RAM, AMD Radeon 5870 1 GB, 3 Festplatten (256 GB SSD, 2×2 TB Western Digital 24/7), Blu-Ray-Combo-Laufwerk und irgendwie noch einen etwas größeren Lüfter, der die Radeon bei anspruchsvolleren Spielen in Zaum hält. Sieht bisher alles ganz gut aus, aber ich fühl mich schrecklich, meinen alten PC im Stich zu lassen. Das Teil hat mir die letzten fünf Jahre viel Freud gebracht, das Leid unterschlage ich jetzt mal. So viele Beschwerden gab es meinerseits nicht.

Schade ist nur, dass ich seit einigen Monaten nicht mehr richtig spielen kann. Viele Spiele liegen ungeöffnet in meinem Schrank und selbst die Performance einiger älterer Spiele, die früher ohne weiteres funktioniert hätten, lässt stark zu wünschen übrig. Und das nur, weil die Grafikkarte herumzickt und trotz Kühlung immer heißer wird. Man darf den Computer allerdings trotzdem nicht unterschätzen, denn auf ihm entstanden alle Celles-Corner-Folgen, alle Kurzfilme und selbst Autocheiria hat er nach mehreren Tagen des Transkodierens fertiggestellt. Das verlangt viel Durchhaltevermögen, gerade bei so einem Menschen wie mir.

Doch seine Zeit auf dem Abstellgleis ist gekommen. Vielleicht wird es ein Linux-, vielleicht ein Internet– oder vielleicht sogar ein Spiele-Rechner. Oder er wird etwas vollkommen anderes, etwas viel Besseres, was wir uns zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht vorstellen können. Oder er landet eben am wahrscheinlichsten in den Fängen meiner Eltern, wo er sicherlich noch einige schöne Jahre als Arbeitsrechner vor sich hat, bis er dann irgendwann einmal in einer finsteren Nacht im Sondermüll verschwinden wird.

Und es klingt sicherlich merkwürdig, aber der PC ist mir ernsthaft ans Herz gewachsen. Er ist zwar nur ein Werkzeug, aber ein gutes, ein Werkzeug, das man nicht missen möchte und das man schon sehr lange besitzt, mit dem man eine wunderbare Zeit erlebt hat und dem man letztendlich auch so viel schuldet. Ich habe noch nie so wirklich darüber nachgedacht, aber mein PC ist eines der wenigen Objekte, die fast mein gesamtes künstlerisches Schaffen miterlebt haben. Vom ersten Foto mit meiner PowerShot 710 IS über das Schreiben von zwei Büchern bis hin zur Entwicklung aller meiner filmischen Arbeiten. Er war da.

Und doch erinnere ich mich noch so, als wäre es erst gestern gewesen, wie dort diese Kiste stand, mit dem Dell-Logo. Sie schaute mich an, ich schaute sie an. Es war Liebe auf den ersten Blick. Und obwohl mein erster Dell-Computer und davor auch mein erster Computer überhaupt ebenfalls wichtig für meine Entwicklung gewesen sind, so ist dieser Computer, über den ich gerade eben immer noch diese Zeilen schreibe, das wichtigste Objekt in meinem Leben gewesen. Kein Buch allein, kein Film, keine Konsole, kein Handy, kein Fernsehen haben mich so sehr geprägt, wie dieses Objekt. Ich danke dir.