16. Dezember 2010 / / 14c

Zivildienst, Wehrdienst, Zwangsdienst

Ich bin gerade sehr aufgebracht, weil ich mir den Artikel von Frédéric Valin auf Spreeblick durchgelesen habe und ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich noch wirklich freundliche Worte dafür finden kann. Ich fasse es gerne noch einmal so zusammen: Die Wehrpflicht gehört mit zu den ungerechtesten und schlimmsten von der Allgemeinheit akzeptierten Dingen, denen ich in diesem Land bisher begegnet bin.

Scheiß auf Zivildienst! Scheiß auf Grundwehrdienst! Ich habe absolut kein Problem damit, wenn Menschen das machen, was ihnen selbst liegt und was sie im Leben voranbringt. Der Wehrdienst ist allerdings eine Lektion für einen Fehler, den man nicht begangen hat. Man wird dabei zum Spielball von Staat und Gesellschaft und muss sich Menschen unterordnen, die man in vielen Fällen nicht leiden kann. Noch schlimmer, wenn man sich ihnen nicht unterordnet, wird man bestraft, weil man ja auf seine Vorgesetzten hören muss.

Zu Argumentieren, dass man beim Zivildienst oder beim Grundwehrdienst Erfahrungen macht, die man sein ganzes Leben nicht vergessen wird, ist so, als würde man einem Vergewaltigungsopfer erklären, dass schon alles nicht so schlimm gewesen ist, weil es ja auch positive Momente dabei gegeben hätte. Ich habe kein Bock mehr auf Menschen, die denken, es ist schön, anderen Menschen ihren Willen aufzudrängen, weil man das ja irgendwie mit der Gemeinschaft und Gesellschaft rechtfertigen kann.

Es ist dieser Übergang von der Jugend zu diesem konservativen, nachdenklichen "Vielleicht war ja doch nicht alles schlecht?"-Gehabe, der mir so sehr in diesem Artikel aufstößt. Es ist mir vollkommen egal, ob die Bundeswehr ein Staat im Staate wird oder ob jetzt ein paar soziale Stellen überlegen müssen, wie sie mit ihrem Personal auskommen. Wir sind nicht mehr am Anfang des 20. Jahrhunderts, wo politische Machtkämpfe in Deutschland noch mit Putschversuchen ausgetragen wurden.

Ich bin glücklich darüber, dass die Wehrpflicht abgeschafft wurde, aus welchen Gründen auch immer. Jeder soll allein darüber bestimmen können, wie er sein Leben als Erwachsener gestaltet. Und es sollte nicht dazu gehören, eine Erklärung schreiben zu müssen, in der man beschreibt, warum man sich dem Dienst an der Waffe verweigert. Die Regierung sollte mir lieber einen Brief schicken, in dem sie mir erklärt, warum ich nach dem ersten und zweiten Weltkrieg nochmal eine Waffe in die Hand nehmen sollte. Und dann entscheide ich, ob ich das will oder nicht.