21. Dezember 2010 / / 2c

Weihnachten

Ich liebe und hasse Weihnachten zugleich. Ich liebe das Beisammensein, die Ruhe, das Essen, die Freizeit und den Schnee. Ich hasse den Stress, die Musik, Glühwein, teilweise die Dekoration und den Schnee. Wenn der 24. Dezember dann aber langsam näher rückt, dann fühle ich mich wieder wie ein kleines Kind, dass sich auf nichts mehr anderes konzentrieren kann. Das ganze hat seinen Ursprung in einem perfiden Plan, den meine Eltern vor vielen Jahren entwickelten. Ein Plan, der meinen Bruder und mich zu willenlosen Weihnachtssklaven macht. Glücklichen.

Der 24. Dezember beginnt eigentlich so ähnlich wie der 23. Dezember, allerdings mit einem kleinen Unterschied. Ich wache auf und ich weiß es einfach. Heute passiert etwas Großes und ich kann es nicht abwarten. Ich laufe hinunter in die Küche. Meine Eltern haben sich bereits zum Frühstück hingesetzt, ich begrüße sie, sie begrüßen mich. Man isst gemeinsam, aber man spürt die Spannung. Sie ist da, ich sehe sie im Kaffee meiner Eltern, ich sehe sie im Brötchen auf meinem Brettchen, sie ist irgendwo dort drüber, bei den hell erleuchteten Kerzen.

Meine Eltern reden über das Schmücken des Weihnachtsbaumes, des Wohnzimmers, ich lese gelangweilt ein paar Schlagzeilen in der Lausitzer Rundschau. Da hört man Schritte näher kommen, meine Oma tritt herein, setzt sich und fängt an, sich über die Glätte des Hofs zu beschweren. Sie schiebt die Schuld elegant auf das Wetter. Ich habe fertig gegessen und gehe zurück in mein Zimmer. 9:00 Uhr morgens, viel zu zeitig, um sich über die Welt den Kopf zu zerbrechen.

Es ist 11:00 Uhr, ich habe die letzten zwei Stunden damit zugebracht, mich abwechselnd unter meiner Bettdecke zu verkriechen und ein wenig das Weihnachtsprogramm im Fernsehen abzuklappern. Meine Konzentration hält sich in Grenzen, aber ich bin zu wach, als dass ich nochmal einschlafen könnte. Ich rolle mich daher aus meinem Bett und beginne damit, mich für einen kleinen Spaziergang zurecht zu machen.

Es ist 11:24 Uhr. Ich bin im Schnee gefangen. Er ist überall und greift ständig nach meinen Beinen. Meine Schuhe halten das nicht aus, müssen sie aber. Sie halten es doch aus. Das Dorf ist genauso verschneit wie an den meisten anderen Tagen des Dezembers auch. Früher hat man mir kurz vor der Bescherung erzählt, dass der Weihnachtsmann anscheinend nicht im Haus sein könnte und wir ihn deshalb draußen suchen gehen müssten. Und merkwürdigerweise hat er es dann doch immer geschafft, genau den Weg zu nehmen, den mein Vater bewachen sollte. Und natürlich hat ihn mein Vater nicht aufgehalten. Ach man, gutes Personal und so. Aber ich schweife ab.

Ich schaue auf die Ziegelei. Sie ist von oben bis unten weiß bedeckt. Ich sehe Brankes Teich und den Ziegeleiteich. Sie sind beide zugefroren, aber wahrscheinlich ist das Eis sehr dünn. Ich war sowieso nie ein guter Eisläufer. Der Wald hat hier oben etwas Magisches und im Eis der Eisenbahnschienen spiegelt sich die Sonne. Hier fahren keine Räumfahrzeuge. Hier liegt es fast genauso, wie es heruntergefallen ist. Mir wird kalt, ich gehe zurück.

Zuhause angekommen, bemerke ich, wie die Räume sich langsam der Jahreszeit anpassen und wie meine Mutter damit beschäftigt ist, ihren Weihnachtsplan vorzubereiten. Mein Vater sitzt vor der Beleuchtung des stattlichen Weihnachtsbaumes. Mein Bruder liest. Ich kann den Plan riechen und er riecht so verdammt gut. Er riecht nach Gebratenem, er riecht nach Pommes, er riecht nach viel zu wenig Soße. Es ist mittlerweile 17 Uhr.

Wir essen, der Baum ist geschmückt, die Geschenke verstaut. Es entfaltet sich wieder einmal genau das Gefühl in mir, das mir bereits am Anfang des Tages bestätigt hat, dass heute etwas Großes passieren muss. Dieses Gefühl, gleich etwas Besonderes zu erleben. Die Düfte steigen über die Luft in meine Nase und ich weiß, dass es kein besseres Essen als an Weihnachten geben kann. Meine Eltern wissen, was sie tun. Sie sind Profis. Ich meine, sie können gut kochen. Ziemlich gut.

Das Gefühl breitet sich aus, es gibt Nachtisch. Der Nachtisch ist beseitigt. Im Fernseher läuft ein Weihnachtsspecial und wir bewegen uns langsam auf die Couch zu, um den restlichen Abend, in früheren Jahren bei mir auch noch die Bescherung, zu zelebrieren. Wir machen es uns auf der Couch gemütlich und schauen auf Sat.1 "Die Geister, die ich rief". Was sonst? Vielleicht noch auf RTL2 "Prinzessin Mononoke". Der Tag ist gelaufen, die Mission war erfolgreich, meine Eltern sind stolz. Ich bin glücklich.

Plan B: Wir sehen uns auf Facebook.