9. Februar 2011 / , / 3c

Vielleben

Mit der Arbeit an "Notiz" und der Rekapitulation meiner bisherigen Filme ist mir eine Sache besonders deutlich geworden: Die vergangenen zwei Jahre haben mein Leben mehr geprägt als alle Jahre zuvor. Und das hat vor allem zwei Ursachen: Zum einen habe ich die Schule abgeschlossen, und zum anderen habe ich angefangen, Filme zu drehen. Das klingt beides zunächst einmal nicht übermäßig herausragend, aber diese beiden Elemente haben zu großen Teilen dazu beigetragen, dass ich erstmals in meinem Leben auf etwas stolz sein konnte.

Ab dem Ende der Schulzeit im Sommer 2009 begann für mich eine der schwierigsten Zeiten überhaupt, da ich mich generell gegen einen Zivildienst sträubte und bis heute nur schlechte Erfahrungen daraus mitgenommen habe. Ich konzentrierte mich deshalb zu dieser Zeit vordergründig auf meine Freizeit und versuchte dort so produktiv und kreativ wie nur möglich zu sein. Es funktionierte, und in den beiden Jahren entstanden ein Spielfilm, vierzehn Kurzfilme, zwei Alben und fünf EPs. Ich habe im Oktober Xesier reaktiviert und versuche seitdem dort wieder regelmäßig etwas zu schreiben. Es läuft allgemein alles sehr gut, und ich habe es bisher ausnahmslos geschafft, mein selbstauferlegtes Pensum einzuhalten. Nun steht jedoch 2011 meine weitere Ausbildung auf dem Programm, und ich weiß noch nicht, wie ich mit Xesier weiter verfahren werde, da es ohne weitere Unterstützung für mich sehr schwierig werden wird, sowohl die Blogs als auch mein Studium gleichzeitig zu betreiben. Dieses Thema wird mich also in den folgenden Monaten noch weiter beschäftigen.

Allgemein beschäftigt es mich, wie sich mein Leben und meine Meinung weiter verändern und vor allem warum. Ich bin gespannt darauf, was für Gespräche ich führen und worüber ich noch so schreiben werde. Ich kann mir jedenfalls jetzt nicht vorstellen, dass ich auch weiterhin genügend Themen zusammen bekomme, um hier regelmäßig etwas zu veröffentlichen. Aber selbst wenn mir nichts einfallen sollte, dann bleibt mir immer noch die Möglichkeit, über irgendein beliebiges Standardthema wie Religion oder Politik zu schreiben. Da kann ich mich dann wenigstens auch mal wieder über etwas aufregen. Irgendwie geht mir das ja ein wenig verloren. Ich weiß auch nicht. Vielleicht sollte ich jetzt auch noch mehr zu den Höhen und Tiefen der vergangenen Jahre schreiben, aber dann fällt es mir wieder so schwer, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Es war ja schon schwierig genug, sich selbst einzugestehen, dass die letzten beiden Jahre mich am meisten beeinflusst haben.

Ich bin einfach nicht gut darin. Aber egal, mein Leben ist sowieso nicht so interessant. Zum Beispiel habe ich jetzt auch "Besseres Deutsch" von Peter Kruck fertig gelesen und weiß noch nicht so wirklich, was ich davon halten soll. (Ihr merkt schon: Das ist langweilig.) Es ist auf jeden Fall ein tolles Buch, aber ich muss es wohl noch ein paar Mal lesen, bevor sich mein Stil wenigstens ein bisschen verbessert. Ich überlege einfach zu lange, wie ich etwas schreiben soll und dann wirkt es irgendwie nicht mehr wie ein zusammenhängender Text, sondern nur noch wie ein Haufen Sprachbruckstücke, die irgendwie aneinandergereiht wurden. Das gefällt mir auch nicht, aber ich hoffe ja, dass das nur übergangsweise so ist. Irgendwann bin ich dann so firm, dass ich von vornherein gut schreibe. Vielleicht ist es aber zurzeit auch einfach nur eine mentale Blockade, die mich davon abhält, gut zu schreiben. In jedem Fall bin ich zurzeit etwas durch den Wind, aber das legt sich wieder. Ich denke einfach über zu viele Dinge gleichzeitig nach, und da wird es dann schwierig für mich, das alles voneinander zu trennen.