Begrenzungen
Als ich heute mit dem Auto unterwegs war, ist mir ein elementarer Bestandteil meines Lebens klar geworden. Dieser beantwortet zwar nicht alle Fragen, die ich an mich selbst stelle, aber es erklärt zumindest in Teilen, warum ich mich so sehr für alles Mögliche begeistern kann. Doch bevor ich den heutigen Verlauf der Dinge beschreiben kann, muss zunächst einmal eine Vorbedingung geklärt werden, die mir dabei geholfen hat, diese Sache über mich selbst zu erfahren.
Ich habe die Angewohnheit, über eine Sache oder mich selbst zu viel nachzudenken. Ich analysiere, versuche alle möglichen Wege zu betrachten und entscheide mich nach einer ausführlichen inneren Zwiesprache meist für eine bestimmte Richtung, mit dem Nebeneffekt die Alternativen mehr oder weniger aufzugeben. Doch das Entscheiden fällt mir dabei unglaublich schwer, da ich weiß, dass es so viele Möglichkeiten gibt, etwas falsch zu machen und sich dadurch von einer neutralen Herangehensweise zu verabschieden. Außerdem werden viele meiner Überlegungen von anderen Überlegungen unterbrochen, die eine neue Perspektive aufzeigen und das vorher Gedachte infragestellen.
Das ist der Grund, warum es mir so schwer fällt, klare Gedanken zu fassen und etwas umschweifend ohne größere Pausen zu formulieren. Solange ich nicht vollständig von einer Sache überzeugt bin (und wann ist man das schon einmal), kann es also passieren, dass ich anfange zu stocken. Das hat jedoch nichts mit fachlicher Unsicherheit zu tun, sondern beschreibt einen Denkprozess, da mir der gewöhnliche Ablauf in den meisten Fällen sehr wohl bekannt ist. Doch anstatt diese Standards für alles uneingeschränkt anzuwenden, hinterfrage ich bei jeder Methode den Sinn ihrer Anwendung auf einen Beispielvorgang. Dies hat zur Folge, dass ich mich selbst behindere, wenn ich versuche, jemanden etwas scheinbar Elementares beizubringen. Ich überlege ständig, ob das von mir Gesagte, den Vorgang, den ich verinnerlicht habe, korrekt beschreibt.
Die Suche nach allen Möglichkeiten beschränkt sich jedoch nicht auf das Finden von richtigen Formulierungen, sondern lässt sich sehr leicht auch auf mein komplettes Leben übertragen. Dieser Zusammenhang ist mir heute bewusst geworden. Ich fahre also nun mit dem Auto durch die Wälder auf der Bundesstraße zwischen Herzberg und Luckau, und ich werde sentimental. Ich schaue auf die Bäume, betrachte die Landschaft und in mir erwächst die Idee, einen Film in dieser Umgebung zu drehen, zu dieser Zeit, ja, eigentlich genau in diesem Moment. Doch nein, das ist unmöglich. Ich habe meine Kamera nicht dabei, ich habe niemanden den ich aufnehmen könnte und ich bin von der Fahrt immer noch sehr geschafft. Ich bin traurig und glücklich zugleich, da ich weiß, dass ich zwar jetzt nichts aufnehmen kann, aber die Landschaft dennoch einen Eindruck bei mir hinterlassen hat.
Doch dann ist es mir plötzlich klar: Ich werde hier wahrscheinlich niemals einen Film drehen. Wann soll das auch jemals geschehen? Was soll das überhaupt für ein Film sein? Wer soll mitspielen? Was für eine Handlung soll er haben? Wie wird man über diesen Film denken? Ich habe hier sowieso noch diesen Film, den ich beenden möchte und dort will ich noch die Musik machen, und mir wird klar, dass ich einfach keine Zeit dafür habe. Das ist mein Leben. Es ist paradox. Auf der einen Seite schubst mich meine Kreativität in eine Richtung und zeigt mir diese Orte, die mich so sehr begeistern. Auf der anderen Seite weiß ich, dass ich bestimmte Dinge niemals umsetzen werde, weil ich einfach zu viele Dinge nebenher betreibe. Doch dieses Dilemma ist nur eine Folge meiner Kreativität und erklärt nicht vollständig, wieso ich mich nun für alles Mögliche interessiere.
Dass ich mich so sehr für die Welt begeistern kann, liegt meines Erachtens nach an meiner Angst das Falsche zu tun. Ich kann mich nicht für eine bestimmte Sache entscheiden, die den Rest meines Lebens bestimmen soll, sondern ich gehe davon aus, dass eine bisher unentdeckte Möglichkeit, mein Leben vollkommener machen könnte. Aus diesem Grund suche ich nach etwas, das mich glücklicher macht. Aus diesem Grund suche ich nach einer Möglichkeit, das Leben aller Menschen zu verbessern. Aus diesem Grund bin ich Künstler, kreativ, was auch immer. Das ist der Grund, warum ich größtenteils optimistisch denke. Ich weiß, dass ich niemals alles wissen, alles erfahren, alle Filme drehen oder alle Spiele machen kann, die mir wichtig sind, aber ich versuche trotzdem etwas Besseres aus meinem Leben zu machen, weil mir genau das bewusst ist. Ich weiß, dass ich nichts weiß und dass es demnach etwas geben könnte, das gut ist, das ich aber bisher noch nicht entdeckt habe.











"Ich kann mich nicht für eine bestimmte Sache entscheiden, die den Rest meines Lebens bestimmen soll, sondern ich gehe davon aus, dass eine bisher unentdeckte Möglichkeit, mein Leben vollkommener machen könnte."
Wie ist es dann bei dem Thema Liebe? Wenn du eine Freundin hast, suchst du dann auch ständig nach einer neuen, die dich vollkommender macht? Oder klammerst du Beziehungen aus? Was ist mit (deinen) Freunde fürs Leben?
Ich würde es wahrscheinlich ausklammern, weil ich eine Person im Gegensatz zu einem gewöhnlichen Interesse durch dieses Verhalten verletzen würde.
Du vergisst hierbei aber generell, dass ich zu meinen Entscheidungen stehe, wenn ich sie einmal getroffen habe.
Wie kommst du darauf, dass ich das vergessen habe? Ich ging davon aus, dass du dazu stehst.
"Wenn du eine Freundin hast, suchst du dann auch ständig nach einer neuen, die dich vollkommender macht?"
Diese Äußerung hat nahegelegt, dass ich mit nichts zufrieden bin und selbst, wenn ich eine Beziehung eingehe, noch nach etwas Besserem suche. Deshalb habe ich noch einmal den Hinweis gegeben.
Achso :-).
Nein, so war das nicht gemeint. Meine Wortwahl war ein wenig unglücklich. Aber ich denke du wusstest worauf ich hinaus wollte.
Zum ersten Teil deines Beitrags:
1. http://www.youtube.com/watch?v=s7CUSmv-G9s
2. http://www.sockenblog.com/2011/01/richtige-entscheidung
Mir geht es mit allen wichtigen Entscheidungen so. Und viele ziehen sich dann unendlich lang hin, weil ich zu große Angst habe, mich falsch zu entscheiden – denn auch wenn ich mir aktuell mit meiner Entscheidung sicher bin, kann es ja sein, dass ich morgen komplett anders darüber denke. Dadurch entsteht eine ziemlich große Unsicherheit in mir, die mich festnagelt.
Deshalb zum zweiten Teil:
"Zeiten ändern sich, das Leben ändert Dich. Jeden Tag zeichnest Du vor Deinem inneren Auge. Imaginäre Bilder entstehen, verschwimmen und lösen sich auf. Es ist nicht so, dass sie besser als die Gegenwart wären. Es ist nur so, dass Du meinst, sie wären es. Bunte Farben in jeder Ecke und an jeder Wand, ein farbenfrohes Wunschtraumland und in der Mitte Du — befreit und aufgeräumt. Doch plötzlich wackelt alles, wackelt und zerbricht. Du fällst auf dein Gesicht, stehst auf und bist zurück in dieser Welt, an der Dir so wenig zu gefallen scheint. Läufst angeleint los, bis Dich die Leine stört. Und während die Realität Dich am Boden hält, beginnst Du zu lachen."
Einerseits ist das dieser Gedanke, dass irgendwann schon diese tolle, perfekte Zukunft kommen wird. Andererseits ist da dieser Gedanke, dass das nie passiert. Und dass es garnicht darum geht, in dieser Perfektion anzukommen. Sondern darum, dieses "normale" Leben mit all seinen Fehlern und Schwächen zu genießen und zu leben. Und wenn man das kann, dann ist glaube ich alles ganz einfach.
Ich weiß nicht einmal, ob diese Unentschlossenheit nun negativ oder positiv sein soll. Ich würde sie eher als etwas Positives einschätzen, da ich durch sie zu einem Menschen werde, der sich für nahezu alles interessiert. Aber sie hindert mich nun einmal auch daran, ein Leben ohne Verpflichtungen und größere Sorgen zu führen.