WWGT?
Was würde Google tun? So heißt das Buch vom New Yorker Journalismus-Professor und Blogger Jeff Jarvis, und genau diese Frage wird gestellt, in allen Bereichen. Das Buch besitzt dabei zwei größere und einen kleineren Teil über Googles Ideen, mögliche Praxis am Beispiel unterschiedlicher Wirtschaftszweige und die Auswirkungen auf die nächste Generation. Es ist nicht nur ein Buch über Google, sondern vielmehr über das Internet und wie es unser Leben verändern könnte, wenn wir doch nur dazu bereit wären, Veränderungen in unser Leben zu lassen.
Jarvis postuliert dabei vier grundlegende Verhaltensnormen für Firmen im Internetzeitalter: Erstens, Jarvis Gesetz, die Kontrolle grundsätzlich dem Kunden zu überlassen, zweitens, Googles Herangehensweisen zu befolgen (Klein bedeutet neuerdings groß — durch das Internet Produktionskosten senken und mit weniger Kosten mehr wirtschaften; Masse der Nischen — nicht die Masse, sondern das Individuum in den Vordergrund stellen und damit den Kunden an die Firma binden; Offenheit und Transparenz — Bloggen, alles veröffentlichen und zur Plattform für kommunikative Menschen werden, die bei einer Problemlösung behilflich sein können; Vermittler überflüssig machen und alles direkt anbieten), drittens, Zuckerbergs elegante Organisation umzusetzen, dem Kunden also genau die Werkzeuge zu bieten, die er braucht, um sich selbst besser organisieren zu können und viertens, Craig Newmarks Grundsatz, dem Kunden aus dem Weg zu gehen und ihn das machen zu lassen, was er möchte.
Der zweite Teil beschäftigt sich mit der praxisnahen Anwendung dieser Grundsätze und versucht unter anderem ein Restaurant, eine Bank oder eine Fluggesellschaft zu googlefizieren. Es wird eine Zukunft erträumt, in der wir uns als Gäste eines Restaurants über die beliebtesten Speisen durch dynamische Bewertungen auf der Speisekarte informieren können. Oder wir werden zum Designer unserer eigenen Autos und besprechen mit den Entwicklern bestimmte Modifizierungen, die unser Auto einzigartig machen würden. Nach Jarvis führt die Googlefizierung sowie die Transparenz und Ordnung unserer Daten zu einer besseren, aufgeräumteren und pragmatischen Welt.
Jarvis ist großartig darin, Hoffnung hervorzurufen, und ich kann jedem dieses Buch empfehlen. Viele Themen sind fragwürdig und ihre Umsetzung so gut wie ausgeschlossen. Aber man sollte es so wie Jarvis sehen: Lasst uns darüber diskutieren! Lasst uns Probleme direkt angehen und sie lösen! Vielleicht machen wir durch unsere Ideen ja die Welt ein kleines bisschen besser. Und das halte ich für eine wunderbare Aussage. Das Buch streut viele dieser wunderbaren Ideen, und wenn man als Unternehmer gerade erst dabei ist, das Internet für sich zu entdecken, dann ist das Buch genau das richtige.











"Vielleicht machen wir durch unsere Ideen ja die Welt ein kleines bisschen besser."
Das glaube ich nicht. Sie wird vielleicht auf der einen Seite besser, aber jede gute Idee wird genauso missbraucht für Verbrechen (Einstein Atombombe; Facebook Datenpool).
Mal ganz davon abgesehen, klingt das Buch für mich eher populär, als wissenschaftlich. Es WWGT zu nennen und dann allgemein übers Internet schreiben, klingt für mich wie: "Titel reizvoll -> coole Idee, aber im Buch selbst nur rumgesponn".
Aber angesichts der Tatsache, dass ich es nicht gelesen habe, lasse ich mich natürlich gern vom Gegenteil überzeugen, wobei es mich nicht reizen würde, das Buch zu lesen.
Der Titel ist eine Anspielung auf das in den USA sehr populäre Armband "WWJD" (what would Jesus do?
Hört sich durchaus spannend an. Wenn man mit mehreren Lesern des Buches über dessen Inhalt diskutieren kann, dürfte das abendfüllend werden. Leider bin ich buchtechnisch derzeit ausgelastet.
@Matti: Du bist viel zu pessimistisch. Das Buch soll dich dazu anregen, Unternehmer im Internetzeitalter zu werden und die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Du kannst nichts schlecht machen, weil die Offenheit deiner Konkurrenz dazu beiträgt, dass du aus dem Markt gedrängt wirst.
Inwiefern empfindest du es als Spinnerei? Was suggeriert dir die Frage, was im Buch möglicherweise nicht vorkommt?
@David: Korrekt.
@Madse: Was liest du denn zurzeit? Hast du eine Empfehlung?
Wenn wir alle Unternehmer im Internetzeitalter werden, wird die Welt ein besser Ort? Ich sehe da keinen Zusammenhang, zumal es sicherlich auch negative Seiten daran gibt.
Für mich klingt es so, also ob der Autor Google und Internet für untrennbar hält. Dass da mit Worte wie Googlefizierung stehen macht es für mich zu einer etwas aus der Luft gegriffenen "Spinnerei" (nicht im Sinne von "du bist ein Spinner", sondern sich irgendwas zusammen spinnen). Zumal von den vier Grundsätzen einer auf Google "basiert".
"…Googles Herangehensweisen…"
Was hat diese Herangehensweise überhaupt mit Google zu tun?
Bei dem Titel "WWGT" erwarte ich so eine Art parodie auf die Machtsucht von Google, aber nicht eine von Google entwickelte Internetvision.
Und deshalb kann ich mit dem Buch nichts anfangen. Zumindest mit den Informationen, die ich aus deinem Artikel erhalte. Ich kenne das Buch ja sonst nicht.
Ja. Die Welt wird ein besserer Ort, weil der Mensch nicht mehr als Stück Vieh behandelt wird, das es für sein Geld auszuschlachten gilt. Ich stelle mir unter einem Unternehmer im Internetzeitalter eine Person vor, die sich die im Buch angesprochenen Thesen zu eigen macht und versucht seine Kunden nicht mehr als seine Feinde, sondern als seine Partner auf Augenhöhe zu betrachten. Aber vielleicht solltest du zunächst erklären, was du dir darunter vorstellst, bevor du nach einem Zusammenhang fragst.
Google ist das erste Unternehmen, das das Internet als mehr als nur ein weiteres Medium begriffen und die Regeln für das Wirtschaften total umgeworfen hat. Jarvis sieht in Google den Inbegriff für ein Unternehmen, das seine Position erkannt hat, mit den Menschen zusammenarbeitet und damit sehr viel Geld verdient. Jetzt stellt er dementsprechend die Frage: Was würde Google tun, wenn es ein Restaurant, eine Bank oder eine Fluggesellschaft wäre?
Nur weil man eine andere Vorstellung von Google besitzt, muss das nicht bedeuten, dass das Buch nicht trotzdem sehr gute Anregungen liefern kann. Es geht in dem Buch nicht um Google, sondern es geht darum, wie man sich Googles Erfahrungen und Herangehensweisen an Probleme zu Nutze machen kann. Es sind dabei ganz einfach Googles Herangehensweisen, weil Google diese Herangehensweisen benutzt. Es ist auch meine Zusammenfassung der Regeln (also wie ich sie abspeichere) und nicht die Gliederung des Buches.
Okay, du machst es nicht "besser". Unternehmen wirds immer ums Geld gehen. Egal ob Internetunternehmen oder nicht.
Kunden auf Augenhöhe behandeln hat zB in meinen Augen nichts mit Google/Internet zu tun.
Google ist ein stink normales Unternehmen, dass eine inovative Idee hatte -> Internet nutzen. Das heißt für mich nicht, dass es damit automatisch ein super Unternehmen ist, welches auch Restaurants und Banken unterhalten kann.
"Es geht in dem Buch nicht um Google, sondern es geht darum, wie man sich Googles Erfahrungen und Herangehensweisen an Probleme zu Nutze machen kann."
-> Dann kann ich auch Uli Hoeneß fragen, der ein Unternehmen erfolgreich aus seinen Schulden geführt hat. Warum Google?
Also ist das Buch eine Beschreibung einer speziellen Herangehensweise eines speziellen Unternehmens. Nochmal: Warum Google? Ist Google perfekt? Wäre dann wirklich die Welt besser? -> Glaub ich nicht. Von daher spricht mich das Buch überhaupt nicht an.
Du musst dir der Veränderung bewusst werden. Google ist vor 13 Jahren aus einem Studentenprojekt entstanden und ist heute eine der wertvollsten Marken (Platz 2 nach Apple), das am schnellsten wachsende Unternehmen und gleichzeitig wohl das Unternehmen mit dem größten Einfluss auf unsere Onlineaktivität.
Viele Unternehmer verstehen den Wandel, den das Internet mit sich bringt, nicht und machen eben dasselbe wie vor 100 Jahren, ohne darüber nachzudenken, was das für sie und ihr Geschäft bedeutet. Ein Fußballverein der durch einen passablen Manager wieder schwarze Zahlen schreibt, ist kein Paradigmenwechsel. Ein Studentenprojekt, das jeder Mensch, der mit dem Internet zu tun hat, kennt, schon. Aber das meine ich gar nicht. Schau dir einfach mal an, was Google alles macht und wie sie damit Erfolg haben.
Ich finde Google-Kritik völlig gerechtfertigt, aber man muss auch sehen, was dieses Unternehmen geleistet hat. Niemand hat gesagt, dass es eine Eigenschaft von Google ist, dich als Partner auf Augenhöhe zu betrachten. Du konzentrierst dich so sehr auf Google. Das Buch hätte aber auch lauten können: Wie führe ich ein modernes Unternehmen? Google wird hierbei nur als Vorzeigebeispiel herangeführt, weil sie sehr gut im Problemlösen sind, plus der ganzen Gründe, die ich schon vorher aufgeführt habe.
Gut, wenn du es so siehst. Für mich ist Google ein "Vorzeigebeispiel" wie jedes andere. Gerade weil so viele noch dasselbe tun wie vor 100 Jahren finde ich Google in deinem Artikel –und daraus schlussfolgere ich auch auf das Buch– überbewertet.
Ich finde wiederum die Beschreibung Uli Hoeneß als passabel viel zu untertrieben. Das hängt davon ab, wie man in der Materie drinsteckt. Von daher finde ich, dass das Buch ganz interessant sein kann, aber nicht für mich.
Anscheinend werden aber die Firmen, die das gleiche Geschäft wie noch vor 100 Jahren führen, nach und nach von Firmen, die wie Google agieren, ausgebootet. Und das halte ich für einen Gewinn.
Nein. Im Vergleich zur Weltwirtschaft ist ein Fußballverein keine Leistung. Du würdest dich auch nicht dafür interessieren, ob ein Amerikaner eine Football-Mannschaft aus den roten Zahlen geholt hat, wenn du über beeindruckende Leistungen in der Weltgeschichte nachdenkst.
Googles Leistungen sind beeindruckend in der Weltgeschichte? Aha, merke ich aber nichts von. Deswegen, wen die Sache interessiert, findet sie beeindruckender als die, die ihren Lieblingsverein schuldenfrei sehen wollen.
Gut, ein Verein ist wirklich ein zu kleiner Vergleich. Nehmen wir Michael Jackson. Wer sich nicht für (solche) Musik interessiert, wird ihn nicht als weltbewegend anerkennen. Deswegen denke ich, dass sowohl Michael Jackson, als auch Google in 100 Jahren kaum noch Erwähnung finden.