Ulysses
Ich komme mit dem Lesen von James Joyce' Roman nicht voran. Es ist ein unglaublich unverständliches Großwerk, dessen Bedeutung ich zwar durch mehrfache Wikipedialektüre mittlerweile nachvollziehen kann, dessen Wesen mir aber weiterhin verschlossen bleibt. Ebenso der Spaß. Es mag eines der großen Bücher sein, die den Roman des 20. Jahrhunderts umfangreich im Stil beeinflusst haben, aber es liest sich einfach nicht schön. Der ständige Wechsel zwischen personalem Erzählen und dem Bewusstseinsstrom ist eine ungemeine Anstrengung und verhindert das sachliche Verständnis einfachster Vorgänge. Natürlich lassen sich die einzelnen Handlungselemente dadurch außergewöhnlich gut rekonstruieren. Wenn ich aber jeden Abschnitt zwei oder drei Mal lesen muss, bevor es dazu kommt, dann hat das Buch seine Ausstrahlung meiner Meinung nach verloren.
Dabei ist die Geschichte eigentlich gar nicht so schlecht. Langweilig, ja. Schlecht, nein. Man muss sich nur darauf einlassen. Es geht um einen Tag in Dublin und den verschiedensten Begegnungen sowie merkwürdigen Zusammenhängen. Das ist bodenständig, fast wie eine Landschaftsmalerei und interessant (in den Bildern). Ich kann mich auch sehr wohl in die unterschiedlichen Figuren hineinfühlen, auch wenn sie meist in ihrer eigenen Welt herumtollen und nicht unbedingt dazu bestrebt sind, sich in Gesprächen großartig zu offenbaren. Aber vielleicht liegt es ja auch nur an mir? Ich lese eine deutsche Übersetzung und habe damit eigentlich schon den ersten Fehler begangen. Ulysses ist ein beeindruckendes Werk der englischen Literatur und sollte dementsprechend auch in Englisch gelesen werden. Es gibt zum Beispiel ein Kapitel, das von einer Geburt eines Kindes berichtet und sich dabei sprachlich aus dem frühsten Englisch bis hin zum modernen Englisch der damaligen Zeit entwickelt. Das empfinde ich als beeindruckend.
Aber nein, ich muss mir die deutsche Version kaufen. Weil ich zu faul bin. Und es stimmt ja auch, denn wahrscheinlich hätte ich im Original noch weniger verstanden und alle fünf Sätze Leo.org (wahrscheinlich sogar in noch kürzeren Abständen) um Rat gefragt. Ich kann jedenfalls keine Empfehlung für das Buch aussprechen. Vielleicht schreibe ich ja noch einen Anschlussartikel, wenn ich das Buch komplett durchgearbeitet habe, aber das wird meiner Meinung nach nur noch eine Fleißarbeit. Hey, nichts gegen eine Fleißarbeit, die aus dem Lesen von Büchern besteht. Ich habe mir aber von so einem wichtigen Buch einfach mehr erwartet. Wäre ich doch bloß bei den Sachbüchern geblieben, dort wird man wenigstens nicht so maßlos enttäuscht, da man schließlich ja schon weiß, was einen erwartet.











Ähnlich gehts mir gerade mit "Der Herr der Fliegen". Ich komme einfach nicht voran. Und dadurch, dass ich das Buch meist auf den Zugfahrten lesen, ist es auch noch ein wenig in Mitleidenschaft gezogen worden, was mir unendlich leid tut. Henry, ich bezahle dir das Buch!