14. Juni 2011 / , / 0c

Untersuchung

Morgen steht eine ärztliche Untersuchung an, und ich fühle mich nicht wohl dabei. Es muss sein, sagt man mir. Versicherungen brauchen Absicherungen. Äh, aber sind Versicherungen nicht eigentlich dazu da, mich abzusichern? — Hm, also kommen wir gleich zu Punkt Nummer zwei: Ich mag Versicherungen nicht. Das Konzept dahinter ist sicherlich nobel. Man schließt sich zu einer Gemeinschaft zusammen, die Geld sammelt, um im Notfall den Bedürftigen zu helfen. Die Umsetzung bereitet mir Kopfzerbrechen. Das Bild einer Versicherung ist das einer elitären Manager-Vereinigung, die sich nach meinem Geld verzehrt und mich dann unter Generalverdacht stellt, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert und ich Teile dieses Geldes zurückhaben möchte.

Ja, wirklich, ich möchte keinen Unfall erleiden. Unglaublich, aber wahr. Aber das interessiert sie nicht. Sie möchten mich analysieren, um mit Wahrscheinlichkeiten meinen Anspruch auf das Geld zu ermitteln, und sie möchten sich bewusst in mein Leben einmischen, damit ich sie nicht in Anspruch nehmen muss. Sie wollen sich selbst überflüssig machen, solange ich nur weiter Geld einzahle. Sie hinterfragen alles und wollen alles wissen. Sie machen mir Vorwürfe für fehlendes Wissen und verstecken sich hinter ihrem Berg aus "ehrlichen, zahlungsfreudigen Kunden". Ich habe keine gute Beziehung zu ihnen, sie vermitteln sich als emotional und höchstprofessionell, doch ihre Werbung stinkt nach Blendung.

Es sind nicht nur Versicherungen. Es sind auch andere Einrichtungen, die mir dieses Gefühl vermitteln, ein Gefühl der Abhängigkeit, weil sie wissen, ich muss zu ihnen kommen. Ich muss mich versichern, ich muss das Geld zahlen, während sie mir weder Wärme entgegen bringen noch sich der Allgemeinheit öffnen. Es handelt sich schließlich um einen Wettbewerb, jede nach außen getragene Information ist tödlich. Ich will schließlich nur zu den besten Konditionen versichert werden, und wenn ich mich nicht versichere, dann bin ich ein moralisch Ausgeschlossener.

Versicherungen sind für mich furchtbar, weil sie unpersönliche Institutionen darstellen, die nicht versuchen mir die Angst vor dem Ungewissen zu nehmen, sondern mich dazu anleiten, sie noch mehr zu fürchten. Denn was passiert, wenn ich einmal einer solchen Situation gegenüber stehe? Man hilft mir und erhöht die Einzahlungen. Sie wollen schließlich das Geld zurück, das sie an mich durch den Unfall verloren haben. Ich bezahle sie doch schon im Voraus dafür, dass sie mir helfen. Warum dürfen sie den Vertrag verändern, wenn es nur darum geht, ihren Teil des Vertrages überhaupt einzuhalten?

Ich weiß, ich dramatisiere die Situation etwas, aber ich mag Versicherungen und größere sich undurchschaubar gebende Institutionen nicht. Ich habe Angst davor, aufgrund meiner Verfassung in eine Schublade gesteckt zu werden und nicht als der Mensch erfasst zu werden, der ich bin. Ich bin ein Individuum und kein Holzklotz, den man ohne Gefühle auf seine Anfälligkeiten hin untersucht. Es braucht Verständnis und kein System der Angst. Ich verschließe mich dabei auch nicht vor der Wirklichkeit, aber die angebrachten Begründungen um die Einsparungen und die Verbesserungen des Systems machen es für mich insgesamt einfach unsympathisch.