Erzählen

Created: 2016-05-06 Updated: 2020-11-07 History Videos

Status: unfinished
Confidence: Ich muss noch mehr dazu forschen, da ich noch keine zufriedenstellenden Antworten gefunden habe.

Begriff

Definitionen von grundlegenden Wörtern sind häufig schwierig, weil sie ein breites Spektrum unterschiedlicher Funktionen abdecken sollen. In Bezug auf das Erzählen möchte ich in meinem Definitionsversuch vor allem die Art der Vermittlung in den Vordergrund setzen, da für mich dieser Aspekt am ehesten erklärt, warum in unserem Denken nicht einfach alles als Erzählung bezeichnet werden kann. Da eine Definition darum bemüht ist, Wörter voneinander abzugrenzen, halte ich dies für einen sinnvollen Startpunkt.

Das Erzählen ist demnach eine Art der Vermittlung von bestimmten Informationen (in konkreterer Ausrichtung vor allem auch Emotionen), bei der über die anleitende Präsentation von Veränderungen innerhalb einer beliebigen Ausdrucksform ein Kommunikationsziel erfüllt werden soll.

Wenn zum Beispiel ein Zeuge in einem Gerichtsprozess aussagt, dass ein Beschuldigter zur besagten Zeit am Tatort gewesen ist, dann wird zunächst einmal nur eine logische Verknüpfung zwischen einer Frage (War der Beschuldigte zu der Zeit am Tatort?) und einer fehlenden Information (Der Beschuldigte war am Tatort.) erzeugt. In diesem Fall würde ich bisher nur von einer Wirklichkeitsbeschreibung eines Zustands in der Vergangenheit sprechen.

Sobald der Zeuge allerdings beschreibt, was der Beschuldigte den Tag über gemacht hat und wie er dann zum Tatort gelangt ist, werden die Zuhörer dazu angeregt, die beschriebenen Veränderungen zu verfolgen, um unter Umständen selbst zu einer Schlussfolgerung zu gelangen. Dieses zweite Verfahren der Anleitung der Verfolgung von Veränderungen über die Darstellung logischer Zusammenhänge beschreibt für mich eine Erzählung, in diesem Fall eine mündliche Erzählung im Gegensatz zu Erzählungen im Film, in der Musik oder in Computerspielen.

Dabei ist gesondert zu betonen, dass der Wahrheitsgehalt der einzelnen Bestandteile bei genau dieser Erzählung sehr wichtig ist (das Gericht ist an der Wahrheit interessiert, um eine mögliche Schuld zu klären). Dennoch ist der Wahrheitsgehalt nicht allein relevant, sondern wird durch den logischen Zusammenhang der Veränderungen ergänzt, der eine Herleitung der Zuhörenden ermöglicht. Die kann wiederum nicht nur die Beweiskraft der Zeugenaussage erhöhen, sondern macht die Zeugenaussage in diesem Beispiel zu einer Erzählung.

Untersuchungselemente

Untersuchungselemente sind mögliche Einteilungskategorien, um die Intentionen und die Botschaft eines Textes zu strukturieren und darüber mögliche Interpretationen wahrscheinlicher zu gestalten. Je wahrscheinlicher eine Interpretation ist, desto eher wird ein Text zugänglich, um darüber neue Sichtweisen kennenzulernen. Die nachfolgenden Überkatagorien lassen sich auf unterschiedliche Textsorten anwenden, besitzen aber ihren Ursprung vor allem in der Forschung zur Erzählung und werden deshalb aus dieser Perspektive erläutert.

Geschichte/Erzählung/Récit: Eine Erzählung (oder im Alltag geläufiger eine Geschichte) kann als das Produkt eines Erzählprozesses bezeichnet werden. Ein Prozess ist erzählend, wenn die Empfänger der Kommunikation vom Sender rhetorisch dazu angeleitet werden, die dargestellten Veränderungen zu verfolgen. Eine Erzählung basiert dabei auf den Erfahrungen des Senders. Diese werden jedoch durch Weltwissen (zum Beispiel Geschichtswissen oder Wissen über das Verständnis bestimmter Symbole) angereichert und vom Empfänger in sein eigenes Verständnis übersetzt.

Handlung

Handlungen beschreiben Veränderungen in einem vorliegenden Text. Handlung ist damit der Begriff für die Eigenschaft eines Textes, dass sich im Text etwas verändert. Handlungen grenzen sich von Welten dahingehend ab, dass sie eine bestimmte Perspektive einnehmen.

Figuren

Figuren oder Charaktere bezeichnen handlungstragende, mit Eigenschaften ausgestaltete Individuen oder Träger von Veränderungen. Eine Figur wird an manchen Stellen auf die Handlungsfähigkeit oder die Reflexionsfähigkeit verkürzt.

Welt

Die Welt einer Erzählung ist die gedachte Wirklichkeit, in der sich einzelne Aspekte der Veränderung realisieren. Eine ausgedachte Welt kennzeichnet sich durch bestimmte Abweichungen von der Realität, die Autorinnen die Möglichkeit geben, nicht nur von der Wahrheit abzuweichen, sondern überhaupt kreativ sein zu können.

Erzählinstanz

Die Erzählinstanz ist die vermittelnde, manchmal auch personifizierte Eigenschaft eines Textes, etwas auf eine bestimmte Weise zu kommunizieren. Die Personifizierung hilft dabei, als Bild zu verdeutlichen, wie die Informationsübertragung gedacht werden kann (zum Beispiel wie bei der oben erwähnten mündlichen Erzählung einer Geschichte eines Zeugen). Insgesamt ist es aber problematisch, die Erzählinstanz zu sehr zu vermenschlichen, da sonst nichtmenschliche rhetorische Kommunikationsformen wie Schrift, Strukturierung und geistige Interpretation in der Analyse vernachlässigt werden.

Essays

Genres

Horror