Grundlagen

Dieser Text versucht, einen grundlegenden Einblick in die wichtigsten Konzepte unserer Welt zu geben. Mir geht es dabei vor allem darum, etwas verständlich auf die für mich wichtigsten Inhalte zu reduzieren, damit ich mich selbst immer wieder auch ohne Vorkenntnisse in jedes Thema einarbeiten kann. ~ Henry Herkula

Gliederung

Vorwort

Dieser Text versucht, einen grundlegenden Einblick in die wichtigsten Konzepte unserer Welt zu geben. Mir geht es dabei vor allem darum, dieses Wissen auf die für mich wichtigsten Inhalte zu reduzieren, damit ich mich selbst immer wieder leicht einarbeiten kann. Gleichzeitig entwickle ich einen Ansatz, dieses Wissen erklärbar zu machen und eigene Vorstellungen darin einzuarbeiten.

In diesem Zusammenhang werde ich häufig vorsichtige Formulierungen wie zum Beispiel “meiner Ansicht nach” benutzen, um deutlich zu machen, dass es sich um meine eigenen vorläufigen Schlussfolgerungen handelt. Wenn ich mit neuem Wissen konfrontiert werde, dann zögere ich nicht, meine eigenen Vorstellungen anzupassen und den Text zu überarbeiten. Für mich steht im Vordergrund, eine Erklärung zu finden, die verschiedene Überzeugungen nachvollziehbar miteinander verbindet und mir in meinem Alltag weiterhilft.

Zunächst möchte ich jedoch näher darauf eingehen, warum ich mich überhaupt mit dem Schreiben eines solchen Textes beschäftige. Ich möchte damit klarstellen, welche Ziele ich verfolge und unter welchen Bedingungen dieser Text gedeutet werden kann. Ich versuche mein Bestes zu geben, um verständlich und aufrichtig zu sein, damit dieser Text dabei helfen kann, etwas mehr zu hinterfragen, anstatt mehr von etwas überzeugt zu sein.

Im Anschluss gehe ich näher darauf ein, wie ich dazu gekommen bin, mein Wissen in Form von Fachbereichen und Fragen zu strukturieren. Außerdem versuche ich, einen Einblick zu ermöglichen, wie ich diesen Text generell schreibe. Dabei ist es für mich besonders wichtig, den Text einfach und konkret zu halten, sodass er von jedem Interessierten gelesen werden kann.


Motivation

[Status: Stärkere Überzeugung, Recherche in Bezug auf Individualismus und Glückstheorien]

Motivation als Bewertungsmethode des Motivs, das eine einzelne Person als besonders angenehm und wichtig erachtet.

Ich möchte im folgenden Kapitel vermitteln, was ich unter einer Motivation verstehe, was meine Motivation ausmacht, was Glück für mich bedeutet, warum ich davon überzeugt bin, dass unsere Handlungen wahrscheinlich vorherbestimmt sind und warum ich denke, dass es sich trotz dieser Überzeugung und trotz unseres auf uns selbst bezogenen Wesens lohnt, sich für andere Individuen und für eine für alle bessere Welt einzusetzen. Diese Erklärungen sollen deutlich machen, wie meine Motivation in Bezug auf diesen Text verstanden werden kann. Und sie sollen deutlich machen, was ich neben allen möglichen Motiven selbst als wesentlichen Antrieb meines Handelns begreife.

Ich möchte ebenfalls darauf hinweisen, dass die Begriffsdefinitionen, die ich hier verwende, noch nicht weiter hinterfragt werden, da es mir an dieser Stelle vor allem darum geht, meine Position und meine damit zusammenhängende Argumentation zu erläutern. Für alternative Vorstellungen verweise ich auf die Philosophie-Kapitel zu den Fragen: "Was ist Glück?" (wird bearbeitet) und "Was ist eine Handlung?" (wird bearbeitet), in denen ich auch noch einmal auf mögliche Kritik zu meinen eigenen Vorstellungen eingehe.

I. Was ist Motivation? Was sind Antriebe?

Motivationen sind für mich die angenehmen Vorausdeutungen, die mir wiedergeben, dass ich wahrscheinlich ein angenehmes Gefühl empfinden werde, weil ich einem größeren unangenehmen Gefühl eines Bedürfnisses entgegenhandle.

Angenehmes und Unangenehmes sind Unterscheidungskriterien von Gefühlen. Angenehmes ist etwas, was einem gut tut. Unangenehmes ist etwas, was einem schlecht tut.

Bedürfnisse machen deutlich, dass uns etwas fehlt oder in Zukunft fehlen könnte. Wenn uns etwas fehlt, dann entsteht ein unangenehmes Gefühl, das uns dazu bewegen soll, diesen Zustand so zu verändern, dass wir nicht mehr dieses Gefühl haben. Wenn uns in Zukunft etwas fehlen könnte, dann ist unser Körper darauf angewiesen, anfangs zu experimentieren und später abzuschätzen, wie er handeln soll, um damit das bei Unterlassung entstehende unangenehme Gefühl zu vermeiden.

Manche Handlungen bringen ein angenehmes Gefühl mit sich.

Ein angenehmes Gefühl scheint etwas zu sein, dass das unangenehme Gefühl, das bei Unterlassung der Handlung entstehen kann, vorsorglich unterbindet. Damit scheint es möglich zu sein, angenehme und unangenehme Gefühle gegenüberzustellen.

Manchmal kann es sein, dass angenehme und unangenehme Gefühle gleichzeitig in verschiedenen Bereichen auftreten.

Weiterhin bringen manche Handlungen ein kleineres unangenehmes Gefühl mit sich, können aber den Körper so verändern, dass in Zukunft die größeren unangenehmen Gefühle schwächer sind oder nicht mehr auftreten.

Sie können den wesentlichen angenehmen praktischen Teil eines Ziels bezeichnen, solange dessen angenehme Folgen eine stärkere Wirkung auf meine Berurteilung haben, als dessen unangenehme Folgen.

Als Umformulierung eines Bedürfnisses ist die Motivation dazu in der Lage, einen Grund dafür zu liefern, warum ich so handle, wie ich handle, weil eine Handlung meiner Ansicht nach generell ein Mittel ist, dass dazu dient, einen Zielzustand zu erreichen, in dem ein Bedürfnis aufgelöst wird.

Die Umformulierung eines Bedürfnisses als Motivation ist meiner Meinung nach notwendig, damit ein Bedürfnis nicht nur als etwas Unangenehmes, sondern auch als etwas Angenehmes begriffen werden kann.

Für mich ist die Aufteilung der Gefühle in Angenehmes und Unangenehmes grundlegend, weil sie Es ermöglicht meiner Ansicht nach erst ein Verständnis für die Unterscheidung einer Handlung in gut und schlecht.

Ohne dieses Gefühl scheint es schwierig, nachzuvollziehen, warum Handlungen in gut und schlecht eingeteilt werden, da i

, damit wir eine Handlung überhaupt in gut und schlecht beurteilen können. Für mich erfolgen moralische Urteile dementsprechend über die Frage, ob eine Handlung eine angenehmere Situation für irgendwen in irgendeiner Weise hervorbringen kann.

Das bedeutet nicht, dass alles Angenehme immer gut und alles Unangenehme immer schlecht sein muss. Das bedeutet auch nicht, dass wir aus einem angenehmen oder unangenehmen Gefühl schließen können, was für jedes Individuum gut oder schlecht ist. Was ich , dass ein höchstes Glück etwas Angenehmes sein muss, damit nachvollziehbar wird, warum man sich bewusst unangenehmen Situationen aussetzt.

Im folgenden Teil möchte ich ausführlich erklären, wie sich diese Überzeugung entwickelt hat.


Zunächst einmal gehe ich davon aus, dass eine Motivation ganz grundlegend angenehme Antriebe bezeichnet. Damit meine ich (1.) sowohl die vollständige Gruppe aller angenehmen Antriebe (gesamte Motivation, Motivationen), als auch (2.) vordergründig das subjektiv in einer beliebigen Kategorie am höchsten bewertete Element aus dieser Gruppe (Hauptmotivation).

Für mich umfassen Motivationen innerhalb dieser Einleitung nur die angenehmen Antriebe, weil sie sich sonst nicht von den Motiven einer Handlung unterscheiden würden. Eine Definition von Motivation als Motiv stünde ebenfalls im Konflikt mit der eher positiven Wortbedeutung des Motiviertseins (ich bin motiviert = ich freue mich darauf). Aus diesem Grund sehe ich Motivationen auch generell (also auch über dieses Kapitel hinaus) als angenehme Antriebe, auch wenn mir andere Verwendungen des Wortes bekannt sind, die zum Beispiel auch unangenehme Antriebe zulassen.

Ein Antrieb ist etwas, das etwas anderes auslöst oder in Bewegung setzt. Ein Antrieb im Kontext von Handlungen ist der Teil eines Ziels, der uns dazu bringt, etwas zu tun (sozusagen der praktische Teil eines Ziels).

Eine Motivation (2) ist für mich damit das wesentliche angenehme Element des praktischen Teils eines Ziels. Unangenehme Antriebe bezeichnen in diesem Zusammenhang die Teile eines Ziels, die sich auf dessen unangenehme Folgen beziehen. Wenn ich zum Beispiel durch meinen Hunger zu einer Nahrungsaufnahme gezwungen werde, dann muss ich mir ein Ziel fassen, dessen Folgen für mich sehr unangenehm sein können: Ich muss zum Beispiel etwas essen, was mir nicht schmeckt. Oder ich muss essen, wenn es mir zeitlich nicht passt. Wenn diese unangenehmen Folgen einer Zielsetzung eine stärkere Auswirkung auf meine Beurteilung meiner Motive haben, als die positiven Folgen, dann bin ich nicht mehr motiviert (ich freue mich nicht mehr darauf). Es lässt sich also nur von einer Motivation sprechen, wenn die angenehmen Antriebe die unangenehmen Antriebe überragen.

Der praktische Teil eines Ziels oder auch der Antrieb einer Handlung ist mit den erwarteten Folgen oder Ergebnissen verbunden, die aus der Umsetzung eines Ziels entstehen. Angenehme und unangenehme Antriebe einer Handlung werden demnach in Bezug auf die erwarteten angenehmen oder unangenehmen Folgen des Handelns bemessen. In diesem Zusammenhang könnte man möglicherweise zwei Typen von Folgen unterscheiden, die aus der Umsetzung eines Ziels entstehen können und demnach einen Einfluss auf unser Handeln haben könnten: 1. Die Folgen, die während des Handelns entstehen, wenn das Ziel noch nicht erreicht wurde. 2. Die Folgen, die entstehen, wenn das Ziel erreicht wurde. Ich muss allerdings beide Folgentypen überprüfen, ob sie überhaupt zutreffen können.

Zwei Beispiele zu den Folgentypen in Bezug auf angenehme Antriebe: 1. Wenn ich mich gut fühlen möchte, weil ich es mag, zu schwimmen, dann fasse ich mir das Ziel, irgendwo hinzuschwimmen, um mich während des Schwimmens gut fühlen zu können. Der angenehme Teil der Zielvorstellung wäre demnach die Vorstellung des ersten Folgentyps, dass ich mich dann gut fühle, wenn ich schwimme, während das Erreichen des Schwimmziels und des damit zugehörigen Zustands eher irrelevant ist.

Wenn ich mich hingegen gut fühlen möchte, wenn ich mich ins Bett lege, dann fasse ich das Ziel, mich ins Bett zu legen, um mich daraufhin gut zu fühlen. Der angenehme Teil der Zielvorstellung wäre demnach die Vorstellung des zweiten Folgentyps, dass ich mich dann gut fühle, wenn ich wirklich im Bett angekommen bin und mein Ziel und den damit zugehörigen Zustand erreicht habe.

Mir erscheint vor allem der erste Folgentyp als schwierig, da nicht klar ist, ob ein Ziel nicht bereits erreicht wurde, wenn die Folgen des wesentlichen Ziels einsetzen. Mein Ziel ist ja im ersten Beispiel gerade nicht, unbedingt irgendwo hinzuschwimmen, sondern ganz generell zu schwimmen. Hierbei wird der Abschluss eines anderen Ziels wiederum nur als ein Mittel dafür benutzt, mein eigentliches Ziel umzusetzen. Ich denke, dass wir aus diesem Grund auf den ersten Folgentyp verzichten können, da ich davon ausgehe, dass ein Ziel immer dann erreicht wird, wenn der Zustand der Auflösung abgeschlossen ist.

Alle angenehmen und unangenehmen Antriebe einer Handlung beziehen dementsprechend ihre Wirkung aus den erwarteten Folgen der Erfüllung eines Ziels und dementsprechend aus der Vorstellung des Zielzustandes.

Weiterhin hat der praktische Teil von Zielen zwei Aspekte, die ich nun kurz näher vorstellen möchte.

Der praktische Teil von Zielen muss (1.) irgendwie auf uns einwirken, ansonsten kann er nichts in uns auslösen.

Und der praktische Teil von Zielen ist (2.) auf ein anscheinend erreichbares Ziel ausgerichtet.

Wenn man hingegen davon ausgeht, dass ein Ziel nicht erreichbar ist, dann kann man keinen Antrieb dafür empfinden, da es unmöglich ist, sich auf dieses Ziel zu beziehen. Zum Beispiel könnte ich mir vorstellen, dass ich gern heute Nachmittag ein Musikinstrument spielen würde, dann muss ich jedoch davon ausgehen, dass es grundsätzlich möglich ist, dass ich ein Musikinstrument spielen kann, um einen Antrieb für die Handlung des Spielens aufbauen zu können. Wenn ich gern ein Musikinstrument spielen möchte, aber weiß, dass mir keines zugänglich sein wird, dann kann sich normalerweise kein Antrieb aufbauen, da ich davon ausgehe, dass ich das Musikinstrument ja nicht spielen kann. Wie soll es möglich sein, einen Antrieb für etwas zu haben, was man selbst für unmöglich hält? Das bedeutet nicht, dass das Ziel generell unmöglich oder nicht erreichbar sein muss, nur eben dass es nicht möglich ist, einen Antrieb für etwas zu haben, wenn man es selbst für unmöglich hält. Ich weiß nicht, ob diese Argumentation stichfest ist, aber ich weiß auch nicht, wie ich sie anders angehen soll.

Gleichzeitig sind Antriebe nur auf ein anscheinend erreichbares Ziel ausgerichtet, wenn die Person lebt. Wenn eine Person keine Mittel mehr für ein Ziel formulieren kann, dann kann diese Person keine Motivation für ein Ziel empfinden.

Ein weiteres Beispiel soll nun zeigen, wie Antriebe (der praktische Teil eines Ziels) wirken, um als Motivation zu dienen.

Wenn ich zum Beispiel einen Rasenmäher aus dem Garten in die Garage bringe, dann ist das direkte Ziel dieser Handlung, dass ich den Rasenmäher irgendwie in die Garage bringe. Jetzt kann ich aber fragen, warum ich das machen möchte und gelange damit zu den Antrieben meiner Handlung: Vielleicht weil meine Kinder sonst damit spielen, was ich nicht möchte. Oder vielleicht weil der Rasenmäher nach dem Regnen rostet. Oder weil es mir gefällt, dass alles geordnet ist. Oder weil ich es als gute körperliche Ertüchtigung empfinde und Spaß habe, Gartengeräte herumzufahren.

Ich argumentiere nun dafür, dass meine Motivation sowohl (1.) die gesamte Menge der als angenehm empfundenen Antriebe sein kann oder (2.) der Antrieb, den ich subjektiv am höchsten bewerte. In meinem konkreten Beispiel ist es nun möglich, dass man die Auflistung der von mir als angenehm bewerteten Antriebe als meine Motivation (1) bezeichnet. In diesem Fall wären das für mich: Die angenehme körperliche Anstrengung und mein Gefühl für Ordnung. Weiterhin ist die Ordnung aber für mich der wichtigste angenehme Antrieb (2) und damit wohl am wesentlichsten meine Motivation.

Ich gehe davon aus, dass ein Individuum unterschiedliche Motivationen für unterschiedliche Ziele besitzen kann, da innerhalb der Sprache Motivationen beliebige Ziele darstellen können, von einem obersten, endgültigen Ziel wie Glück bis hinab zu den niedrigsten, konkretesten Bewegungszielen.

Nun möchte ich näher darauf eingehen, was ein Ziel ist, nachdem ich bereits einen Teil seiner Aufgaben vorweggenommen habe.

II. Was ist ein Ziel?

Ein Ziel ist für mich (1.) die Vorstellung der Auflösung einer Sache, die sich auflösen lässt. Das Ziel ist die Vorstellung vom Endzustand eines Prozesses, der diesen wiederum auflöst. Damit befindet sich das Ziel hinter dem Prozess: erst muss der Prozess stattfinden, damit das Ziel erreicht werden kann.

Zum Beispiel rollt eine Kugel auf einen Endpunkt zu. Wenn die Kugel das Ziel (1) erreicht, löst sich die Bewegung auf. Der Endzustand lässt sich jedoch erst erreichen, nachdem die Bewegung stattgefunden hat.

Im Zusammenhang mit einer Handlung muss die Auflösung von uns selbst initierbar sein und ein Ziel wird dadurch (2.) der Auslöser eines Zustandes, der mit den Mitteln des Ziels zusammenhängt. Mittel sind im Kontext von Handlungen alle solchen Handlungen, die zum Erreichen eines bestimmten Ziels beitragen1.

Eine bewusste Bewegung erreicht beispielsweise ihr Ziel, wenn die Bewegung stoppt und einem bewusst wird, dass eine weitere Bewegung für dieses Ziel nicht mehr notwendig ist. Die bewusste Bewegung löst sich damit meiner Ansicht nach im Ziel auf. Gleichzeitig wird durch das Erreichen des Ziels der Zustand ausgelöst, der mit dem Erreichen des Ziels zusammenhängt und zwar das Im-Ziel-Angekommensein.

Diese Beispiele von Bewegungen dienen anschließend als Bild für die mögliche Entwicklung des eigenen Lebens hin zu bestimmten Auflösungs- und Auslösungsmomenten. Für mich ist ein Ziel, wenn es auf das Leben ausgerichtet ist, die Vorstellung der Auflösung eines Wunsches und allgemeiner eines Bedürfnisses, sowie der Auslösung der mit den Wünschen und Bedürfnissen zusammenhängenden Zustände. Ich setze Bedürfnisse und die damit zusammenhängenden Gefühle damit als grundlegendstes Element der Zielbestimmungen im Leben2.

Eine Motivation ist der wesentliche angenehme praktische Teil eines Ziels (2), das auf ein oder mehrere Bedürfnisse ausgerichtet ist. Wie hängen nun aber Bedürfnis und Motivation miteinander zusammen? Meiner Ansicht nach besteht der Kern der Verbindung darin, dass das Unwohlsein eines Bedürfnisses mit einer Zielfestlegung als auflösbar bestimmt wird. Damit wird das Bedürfnis zu einem Grund und einem Antrieb, da es nun eine konkrete Auflösung ausdrücken kann, während vorher unklar gewesen ist, ob das Bedürfnis gestillt werden kann.

Ein Bedürfnis wird für mich also nur dann zu einer Motivation, wenn: 1. das Bedürfnis als auflösbar bestimmt wird. Das bedeutet, dass es von einem Individuum so gedacht wird, dass es gestillt oder beseitigt werden kann. 2. das Bedürfnis mit einem überwiegenden Anteil an angenehmen Folgen in Verbindung gebracht wird. Ein Bedürfnis kann angenehme und unangenehme Folgen für die Umsetzung haben: Vielleicht muss ich mich zu etwas zwingen, aber hin und wieder mag ich es auch. Diese angenehmen und unangenehmen Folgen stehen einander gegenüber und wenn die angenehmen Folgen überwiegen, kann bei dem Bedürfnis von einer Motivation gesprochen werden. 3. das Bedürfnis den wesentlichsten Anteil an der Benutzung der Mittel trägt. Wenn jemand also etwas tut, dann sollte die Motivation seiner Ansicht nach den größten Anteil an der Auslösung der Handlung haben.

Mit diese Eigenschaften sollte es möglich sein, die Motivation einer Person als etwas festzulegen, von dem die Person überzeugt ist, dass es anscheinend der wesentliche Grund für ihr Handeln ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass es der tatsächliche oder einzige Grund für das Handeln sein muss. Vielmehr sollte man eine postulierte Motivation als das Element begreifen, dass ein Mensch aus seiner Sicht als wesentlich oder wichtig ansieht.

Wenn Bedürfnisse wiederum nicht mit diesen Eigenschaften bestimmt werden, ist nicht klar, was man tun soll, um das Unwohlsein zu beseitigen. In diesem Fall lösen die Bedürfnisse keine Handlungen aus, da der Einfluss der Bedürfnisse nicht mehr mit erhöhter Aufmerksamkeit erfolgt.

Das Ziel und die darin ausgedrückten Wünsche und Bedürfnisse sind aufgrund dieser Herleitung dann der Ursprung dafür, dass wir handeln. Wenn wir uns wiederum kein auf ein Bedürfnis ausgerichtetes auflösbares Ziel setzen können, dann können wir nicht handeln.

Auch die Ziele, die sich anscheinend auf die Aufrechterhaltung einer Sache beziehen (mein Ziel besteht darin, weiterzuleben; weiter glücklich zu sein), sind meiner Ansicht nach auf einen Zustand ausgerichtet, der die damit zusammenhängenden Prozesse und Tätigkeiten auflöst.

Ich gehe von zwei möglichen Antworten aus. Entweder handelt es sich bei solchen Zielen um Ellipsen oder Verkürzungen, die wiederum aufgelöst werden können. Beim Weiterleben bedeutet das, dann man lediglich eine Krankheit überwinden möchte (mein Ziel besteht darin, weiterzuleben, anstatt nichts gegen die Krankheit zu unternehmen - Ziel: die Krankheit beseitigen; wenn die Krankheit beseitigt ist, muss ich nicht mehr das Ziel fassen, weiterzuleben, da mein Weiterleben nicht mehr bedroht ist) oder etwas tut, um sich in seinem Leben wieder gut zu fühlen (mein Ziel besteht darin, auf eine bestimmte Weise weiterzuleben, damit es mir gut geht - Ziel: gut fühlen; sobald ich mich gut fühle, muss ich mich dementsprechend nicht mehr unbedingt auf eine bestimmte Weise verhalten).

Oder aber man geht davon aus, dass sich solche Ziele, die etwas aufrecht erhalten wollen, sich doch wenigstens in unserer Vorstellung auflösen lassen, weil sich die Auflösungsmomente zumindest denken lassen: die Verunmöglichung des Todes oder des Unglücks, auch wenn sie vielleicht unmöglich umzusetzen sind.

III. Was ist ein Wunsch? Was ist ein Bedürfnis?

Wünsche und Bedürfnisse können im Alltagsgebrauch sicherlich austauschbar verwendet werden. Ich denke allerdings, dass es sinnvoll ist, eine Unterscheidung einzuführen, um erschwerende Faktoren bei Bedürfnissen deutlich zu machen.

Ein Wunsch ist für mich erstens eine etwas konkretere Formulierung eines Bedürfnisses, weil ein Wunsch auf eine mögliche Beseitigung des Bedürfnisses hinweist. Und zweitens macht ein Wunsch deutlich, dass die Erfüllung des Bedürfnisses erschwert ist. Ein erschwerender Faktor könnte zum Beispiel sein, dass wir Wünsche vielleicht nicht unbedingt selbst erfüllen können oder es für uns wesentlich anstrengender ist, den Wunsch selbst zu erfüllen. Wäre ein Bedürfnis zum Beispiel ohne erschwerende Bedingungen erfüllbar, müssten wir dafür keinen Wunsch äußern, sondern könnten einfach handeln, um das Bedürfnis zu befriedigen. Ich habe zum Beispiel das Bedürfnis, durch Sauerstoff am Leben zu bleiben, aber ich muss normalerweise nicht den Wunsch dazu äußern, weil mir das Atmen in den meisten Fällen ohne Probleme gelingt. Demnach ist ein Ziel, das sich auf einen Wunsch anstatt auf ein einfaches Bedürfnis bezieht, möglicherweise eher für uns wichtiger, da es sich an ein subjektiv schwieriger erfüllbares Bedürfnis richtet.

Ein Bedürfnis ist für mich ein konkretes, aber nicht vollkommen konkretisiertes, verschieden intensives Unwohlsein. Für gewöhnlich möchte man Bedürfnisse befriedigen, um das Unwohlsein zu beseitigen. Verschiedene Bedürfnisse können allerdings in Konflikt miteinander stehen, wenn sie nicht gleichzeitig aufgelöst werden können. Daraus folgt: Wenn man ein Bedürfnis hat, möchte man es auflösen, solange es nicht ein anderes Bedürfnis gibt, das in Konflikt mit dem ursprünglichen Bedürfnis steht.

Ein Leben besteht normalerweise aus vielen verschiedenen in Konflikt stehenden Bedürfnissen: Zum Beispiel kann man das Gefühl mögen, etwas zu essen, aber man kann es nicht unendlich lange genießen, da man auch irgendwann einmal atmen muss. Aus diesem Grund muss ein Individuum bewerten, welches Bedürfnis gerade am wichtigsten ist und am ehesten aufgelöst werden muss. Das wiederum kann ohne Zutun des Bewusstseins erfolgen. Zum Beispiel können wir nur eine begrenzte Zeit, unsere Luft anhalten, bevor uns unser Körper das Bedürfnis zum Weiteratmen aufzwingt.

Bedürfnisse können gelöst werden, indem ihnen entsprochen wird (zum Beispiel bei der Erfüllung eines Wunsches oder beim Ausüben einer gewollten Tätigkeit) oder indem man das Bedürfnis verliert (zum Beispiel möchte ich plötzlich eine Lieblingsspeise nicht mehr essen, obwohl ich mich darauf gefreut habe, weil ich gerade eben bereits etwas anderes gegessen habe).

Für mich entsteht hier ein Dilemma, da Bedürfnisse auf zwei Wegen gelöst werden können, die beide, wenn sie ausschließlich umgesetzt werden, in für mich nicht wünschenswerte Szenarien hineinführen.

Zunächst einmal scheint es kein Problem damit zu geben, den Bedürfnissen grundsätzlich zu entsprechen. Doch es kann auch Fälle geben, in denen wir nicht genügend Informationen über die Folgen unserer Bedürfnisbefriedigung besitzen, sodass in diesen Fällen extremere Bedürfnisse entstehen können, die die vorherigen ersetzen und zu einem subjektiv größeren Unwohlsein führen. Das heißt: Die Bedürfnisbefriedigung, die ursprünglich zu einem geringeren Unwohlsein führen sollte, führt, aufgrund unreflektierter und teilweise unvorhergesehener Folgen, zu einem größeren Unwohlsein. Gleichzeitig lassen sich aber generell niemals alle Folgen abschätzen und man muss häufig mit den Mustern arbeiten, die einem zur Verfügung stehen. So kommt es jedoch generell immer darauf an, welche Ebene an Reflexion man für die Bedürfnisbefriedigung zulassen möchte. Eine zu geringe Ebene führt möglicherweise zu größeren Bedürfnissen und damit zu mehr Unwohlsein, eine zu hohe Ebene belastet das Leben durch nicht endendes Nachdenken.

Ein Beispiel für ein Verhalten, bei dem möglicherweise zu wenig reflektiert werden könnte, sind Versprechen, die häufig gerade aufgrund ihrer Zeitlichkeit zu Schwierigkeiten führen. Zum Zeitpunkt des Versprechens erscheinen die Folgen nur positiv, da man sofort das Vertrauen einer anderen Person gewinnt und es in den meisten Fällen nicht sofort einlösen muss. Wenn man also jemandem etwas verspricht, dann löst man ein Bedürfnis nach sozialer Anerkennung und besitzt im Moment des Versprechens keine Nachteile. Man denkt aber möglicherweise nicht darüber nach, dass das Versprechen zu einem späteren Zeitpunkt schwierigere Tätigkeiten als das Nichtgeben des Versprechens mit sich bringt, sodass daraus ein größeres Unwohlsein entsteht.

Auf der anderen Seite könnte man versuchen, Bedürfnisse aufzulösen, indem man sie auf irgendeine Weise verliert. Auf den ersten Blick scheint diese Herangehensweise ebenfalls seine positiven Seiten zu haben. Möglicherweise fällt einem auf, dass ein neuer Wertgegenstand nichts zum eigenen Glück beitragen würde, man verliert das Bedürfnis danach und fühlt sich anschließend besser. Wenn man diesem Gedankengang jedoch weiter folgt, könnte man zu dem Schluss kommen, dass man, um wirklich vollständig glücklich sein zu können, einfach alle Bedürfnisse beseitigen muss. Und dann ist es nur noch ein weiterer Schritt, bevor man sich ständig in einen Zustand versetzt, in dem man nichts mehr fühlen kann. Man macht sich zu einem Stein. Vielleicht mag dieser Ausweg für einige befriedigend erscheinen, für mich ist er das nicht, weil ich das Individuum und seine Gedanken für wichtig erachte, um einem äußeren Druck etwas entgegensetzen zu können. Wir können uns aus diesem Grund nicht immer zu einem Stein machen, da wir nicht wissen, was es mit sich bringt. Das beinhaltet zum Beispiel auch Selbstmord, da wir nicht wissen, was Selbstmord für Folgen auf unsere Bedürfnisse hat.

Für mich scheint es also auf eine Situation hinauszulaufen, in der man darüber nachdenken muss, ob es sinnvoll ist, ein Bedürfnis zu stillen oder es auf irgendeine Weise anderweitig zu ersetzen oder zu verlieren. Urteile können sich allerdings täuschen, und Entscheidungen können sich über die Zeit hinweg3 in ungewollte Richtungen entwickeln, die zu größeren Bedürfnissen führen. Der Umgang mit diesem Problem steht im Zentrum meiner Vorstellung von Glück und meiner eigenen Motivation.

IV. Was ist ein Zweck? Was ist eine Intention oder Absicht?

Bevor ich zu meiner eigenen Motivation übergehe, möchte ich noch kurz auf einige weitere Begriffe eingehen, die ich jetzt noch nicht angesprochen habe, die aber ebenfalls in das Begriffsfeld der Ziele, Wünsche und Bedürfnisse hineinfallen4. Auf diese Begriffe möchte ich hier und später weniger umfangreich eingehen, weil sie sich für mich in der Alltagssprache mit den anderen Begriffen überschneiden oder sie auch ersetzen. Das bedeutet nicht, dass sie für mich keine Anwendung haben, sondern lediglich, dass sie in meinen Erklärungen eher eine untergeordnete Rolle einnehmen.

Ein Zweck unterscheidet sich für mich nur geringfügig von einer Motivation, denn er versucht ebenfalls einen Grund oder ein weiteres Ziel für ein bereits vorhandenes Ziel zu finden. Der Zweck meiner Anstrengungen ist es, glücklich zu werden. Meine Motivation für die Anstrengungen ist es, glücklich zu werden. Ich habe das Ziel, glücklich zu werden. Es werden in allen drei Anwendungen Ziele besprochen, aber Zweck und Motivation versuchen darüber hinaus Ziele zu besprechen, die andere Ziele begründen können. Die Motivation scheint sich weiterhin eher auf das Individuelle zu beziehen (meine/deine Motivation zu handeln), während der Zweck sich scheinbar auf etwas im Objekt Befindliches bezieht (der Zweck der Handlungen).

Motiv ist für mich nur ein anderer Begriff für einen auf Handlungen bezogenen Antrieb. Und ein Antrieb ist, wenn er auf Handlungen bezogen ist, wie oben bereits erwähnt, der Teil eines Ziels, der Handlungen auslöst.

Absicht und Intention sind für mich nur andere Begriffe für Antrieb, die sich stärker auf den bewussten, durchdachten Anteil (anstatt eines eher emotionalen Anteils) beziehen.

Fantasie, Hoffnung, Sehnsucht, Streben, Traum, Vision und weitere schwierig umzusetzende Bedürfnisbegriffe sind für mich Alternativen zum Wunsch.

Appetit, Begierde, Drang, Gier, Interesse, Lust, Hunger, Regung, Durst und weitere eher allgemeinere Bedürfnisbegriffe sind für mich Alternativen zum Bedürfnis.

Verben des Wollens sind auf Ziele ausgerichtet. Sie haben für mich für die Besprechung der Motivation zunächst keine größere Relevanz, da sie für mich in Bezug auf ihre Substantive keine neuen Begriffe besprechen. Sie teilen sich für mich in Verben, die ein Ziel direkt ansprechen (wollen, begehren, möchten, fordern, hoffen auf, brauchen, verlangen nach, streben nach, erwarten, vorziehen, bestehen auf, beharren auf, träumen von) und Verben, die einem weiteren Objekt Ziele aufdrängen (raten, zwingen, verpflichten, empfehlen, bitten, auffordern). Der Unterschied lässt sich auf die Fähigkeit des Verbs, mehr Objekte aufzunehmen, zurückführen.

Damit möchte ich die Heranführung an den Begriff der Motivation beenden und dazu übergehen, konkreter zu besprechen, was meine eigene Motivation kennzeichnet und wie sie das Problem des Überdenkens der Bedürfniserfüllung versucht zu klären.

V. Was ist meine Motivation? Was ist Glück?

Meine generelle Motivation für meine Ziele, aber auch die konkrete Motivation für diesen Text, besteht darin, mein Leben so zu gestalten, dass ich so glücklich wie möglich sein kann und keine Angst davor haben muss, dieses Glück wieder zu verlieren.

Glück ist für mich in diesem Zusammenhang ein angenehmer Zustand, der von den Wünschen eines Individuums abhängig ist. Vielleicht kann man auch von einem Zustand der Zufriedenheit sprechen, der einen vielseitigen, tiefergehenden und eher dauerhaften Genuss in sich enthält, der sich durch die Erfüllung von Wünschen ergibt. Mehrere erfüllte Wünsche führen zu mehreren angenehmen Zuständen. Der Begriff der Freude beschreibt für mich das Bewusstsein über das eigene Glück. Glück oder Freude lässt sich in diesem Zusammenhang von Lust dadurch abgrenzen, dass Lust meist nur kurzzeitig wirkt und vordergründig auf körperliche Genüsse ausgerichtet ist.

Wenn ein Individuum glücklich ist, dann befindet es sich für mich genau in dem Zustand, den es sich gewünscht hat und der ihm gefällt. Mit dem Eintreten in diesen Zustand erfüllt sich der von dem Individuum geäußerte Wunsch (in der Form eines Ziels) und löst sich auf. Wenn sich ein Individuum jedoch in einem Zustand befindet, den es sich zwar gewünscht hat, der ihm jedoch nicht gefällt oder nicht mehr gefällt, dann ist es weniger glücklich, verliert damit sein Glücksgefühl für diesen Wunsch und passt daraufhin seine Wünsche an, um ein neues Glück anzuvisieren.

Wenn sich ein Individuum nichts mehr wünscht, erreicht es das höchste Glück, Glückseligkeit, da es sich sonst erneut etwas wünschen würde, damit seine Bedürfnisse gestillt werden können. Für mich ist es demnach möglich, dass ein Individuum wunschlos glücklich (glückselig) werden kann, indem seine Bedürfnisse vollständig zufriedengestellt wurden (zum Beispiel auch, wenn sich das Individuum in einem Zustand befindet, in dem regelmäßige Bedürfnisse wie das Essen regelmäßig befriedigt werden). Selbst der Wunsch nach der Aufrechterhaltung dieses Zustandes hört auf zu existieren, wenn das Individuum keine Angst mehr davor hat, dass sich der Zustand des anhaltenden Glücks verändern könnte.

Das bedeutet jedoch nicht, dass im Zustand der Glückseligkeit keine Veränderungen oder Handlungen mehr möglich sein müssen, denn ein Wunsch kann auch darin bestehen, bestimmte angenehme Handlungen weiter auszuführen, damit sie ein bestimmtes Gefühl erzeugen oder eine bestimmte Auswirkung haben, die von uns gewünscht wird. Handlungen könnten erst überflüssig werden, wenn das angenehme Gefühl und die bestimmten Auswirkungen, die mit diesen Handlungen verbunden sind, vollständig durch etwas anderes ersetzt werden. Wenn das allerdings möglich werden sollte, dann gäbe es keinen Unterschied mehr zwischen den verschiedenen Umsetzungen des Wunsches, da dem Wunsch nicht nur emotional, sondern auch physikalisch absolut vollständig entsprochen wäre.

Wenn wir uns also zum Beispiel wünschen würden, dass wir immer die Fähigkeit besitzen wollen, weiter laufen zu können und auch wirklich zu laufen, um damit ein Vorbild für andere Individuen sein zu können, dann kann eine Umsetzung dieses Wunsches nur beinhalten, dass wir wirklich weiterhin laufen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Gefühlswelt und damit die Glückseligkeit anderer Individuen so wenig wie möglich beeinflusst wird, denn ansonsten müsste in diese Individuen eingepflanzt werden, dass ich eine Auswirkung auf sie habe. Wenn wir uns allerdings nur wünschen würden, weiterhin laufen zu wollen, ohne uns auf unsere Umwelt zu beziehen, könnte uns vielleicht in Zukunft eine Maschine für virtuelle Realität das Gefühl des Laufens immer, wenn wir laufen wollen, in unser Gehirn einpflanzen. Glückseligkeit muss deshalb nicht unbedingt alle Handlungen auflösen, wenn es uns wichtig bleiben sollte, Auswirkungen auf die reale Welt haben zu wollen. Diese Auswirkungen sind aber gleichwertig von den anderen Individuen abhängig und unsere Wünsche werden an dieser Stelle wohl genau so weit wie nötig eingeschränkt werden müssen, um die anderen Individuen so wenig wie möglich in ihrem eigenen Glück zu beeinflussen. Dieses etwas weit hergeholte Beispiel soll deutlich machen, dass uns unsere Wünsche zwar glücklich machen, wir aber möglicherweise gar nicht genau wissen, wie unsere Wünsche in Sprache übersetzt werden können, damit die Folgen eintreten, die wir unbewusst und bewusst erwarten. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, dass versucht wird, unsere Wünsche so zu erfüllen, dass sie dem entsprechen, was wir erwarten, ohne die Glückseligkeit anderer Individuen einzuschränken. Würde ein Wunsch die Glückseligkeit eines anderen Individuums einschränken, muss ein Kompromiss gefunden werden. Je stärker die Einschränkung der Glückseligkeit eines anderen Individuums, desto weniger Wirkungskraft darf der eigene Wunsch ausüben. Dennoch muss der Wunsch solange versucht werden, umgesetzt zu werden, bis derjenige, der den Wunsch geäußert hat, mit den Ergebnissen bewusst und ohne Beeinflussung zufrieden ist.

Das Bewusstwerden über eigene Wünsche stelle ich mir hingegen als einen Annäherungsprozess vor, bei dem sich die Wünsche in der Persönlichkeitsentwicklung während des Älterwerdens herausbilden. In diesem Zusammenhang würde ich mich freuen, wenn wir nicht die Horrorvorstellung unterstützen, dass jemand bewusst versucht, unsere Gefühle zu unterdrücken, damit wir uns als emotionale Steine nichts mehr wünschen und damit für immer glücklich sind. Für mich ist das ein unzumutbarer Zustand, da unsere Existenz in diesem Fall durch die Wünsche eines anderen Individuums und nicht durch selbst geäußerte Wünsche eingeschränkt wird. Gleichzeitig muss einem Gottkomplex vorgebeugt werden, der dazu führen kann, dass die individuelle Glückseligkeit anderer Individuen nicht mehr entsprochen werden kann, weil die Wünsche eines Individuums so stark in die Glückseligkeit anderer Individuen eingreifen, dass die anderen Individuen kein Glück mehr aufgrund ihrer eigenen Wünsche empfinden können. Das bedeutet, dass Wünsche unter gewissen Bedingungen eingeschränkt werden können. Eine solche Bedingung könnte darin bestehen, dass am Anfang des Lebens, eine eingeschränkte Wunschperiode überstanden werden muss, in der den Individuen nur lebenserhaltende Wünsche erfüllt werden und sie in eine Situation gebracht werden, in der sie auf ihre Körperlichkeit angewiesen sind.

Glück muss ebenso kein für immer gleich bestimmter Zustand für ein Individuum sein, sondern kann sich immer wieder neu ausrichten. Das Glück muss aber für einen für dieses Individuum angemessenen Zeitraum genossen werden können. Ein Individuum, das in dem Moment, in dem es sein Glück erreicht, nicht mehr mit dem Zustand zufrieden ist, sollte meiner Ansicht nach nicht als glücklich bezeichnet werden, weil das Individuum diesen Zustand nicht in einem für ihn angemessenen Zeitraum positiv wertschätzen konnte. Gleichzeitig sollte immer die Möglichkeit bestehen, mit dem vergangenen Selbst und neuen Erfahrungen Entscheidungen revidieren zu können, um zu verhindern, dass man für immer in einer selbstverschuldeten Reflexionslosigkeit verbringt (zum Beispiel, wenn man sich bewusst wünscht, für immer ein Stein zu sein). Bei solchen Wünschen sollte jedoch bei jedem erneuten Wünschen, eine längere Zeit in solchen Zuständen zugestanden werden, um zu verhindern, dass dem Wunsch nicht entsprochen wird.

Weiterhin erscheint mir die Einführung von Abstufungen sinnvoll, weil Individuen auch in als persönlich als negativ empfundenen Situationen kleine Momente eines Glücks erleben können: zum Beispiel ein angenehmer Abend mit der Familie, trotz ständiger Streitereien. Diese Vorstellung hilft dabei, Formen des Glücks nachzuvollziehen, bei denen jedoch noch nicht alle Wünsche des Individuums erfüllt sind.

Eine wesentliche Schwierigkeit besteht für mich darin, den Unterschied zwischen längerer Lust und kurzem Glück auszumachen. Vielleicht ließe sich das darüber klären, dass Lust die Tendenz hat, in einen zukünftigen Zustand überzugehen, der nicht mehr angenehm ist, während ein Glückszustand dazu tendiert, das Angenehme eher beizubehalten. Wenn jemand also ausdrückt, dass er sich bei dem oben beschriebenen Abend mit der Familie trotz ständiger Streitereien glücklich fühlt, hat dieses Individuum möglicherweise die Erwartung, dass dieser angenehme Zustand (zeitweise angenehme Abende mit der Familie) auch in Zukunft so erhalten bleibt.


Nachdem ich meine Vorstellung des Glücksbegriffs ein wenig näher erläutert habe5, möchte ich darauf zu sprechen kommen, unter welchen Voraussetzungen es meiner Ansicht nach überhaupt erst möglich ist, ein bestimmtes Glück zu erreichen. Für mich müssen dafür folgende Bedingungen zutreffen: Ein Individuum ist (1.) derzeit unter mindestens einer Bedingung nicht glücklich, ist (2.) davon überzeugt, dass sich sein Leben verbessern kann und verspürt (3.) einen Antrieb zu einer Veränderung.

Diese Voraussetzungen sind vor allem notwendig, weil ein Individuum nur selbst darüber bestimmen kann, wann es glücklich ist. Selbst wenn ihm alle typischen Glücksmomente zur Verfügung stehen, könnte ein Individuum ohne den Antrieb, diese Sachen als Glück für sich zu akzeptieren, unglücklich sein. Ein höchstes Glück erreichen zu wollen, schließt die Vorstellung ein, dass sich eben etwas an den eigenen Gefühlen (zum Positiven) verändern kann und dass man diese Veränderung auch annimmt und durchführen möchte.

Als stark naturwissenschaftlich orientierter Mensch möchte ich jedoch auf ein damit einhergehendes Problem zu sprechen kommen: Wenn davon ausgegangen wird, dass Individuen an so etwas wie die Gesetzmäßigkeiten des Universums gebunden sind, dann erscheinen alle vorgebrachten Voraussetzungen fragwürdig, weil nicht geklärt wurde, wie so etwas wie eine Handlung überhaupt existieren soll.

Was ist denn überhaupt ein Ich? Und wie kann dieses Ich irgendetwas “versuchen” oder “überzeugt sein” oder “glücklich werden wollen”, wenn es doch in jedem Fall von bestimmten Zuständen abhängig ist? Zum Beispiel kann ich nicht über etwas nachdenken, was ich nicht kenne. Ich kann auch nicht anders handeln, als mir von meiner Wahrnehmung vorgegeben wird (ich kann keinen Ball fangen, den ich nicht wahrgenommen habe). Und ich kann mich auch nicht für eine Variante “entscheiden”, da ich ja immer Gründe für genau diese Entscheidung habe und diese Gründe ja ebenfalls ihre Ursache haben. Wenn das aber der Fall ist, dann kann ich niemals selbst handeln, da alles von meinem Ausgangszustand bestimmt wurde. Ich folge also innerhalb dieser Argumentation lediglich einem festgelegten Pfad6.

Auch wenn die Argumente in dieser Hinsicht eher für eine Determinierung sprechen, ist die Frage nach dem ersten Ursprung, dem ersten Anfang einer jeder Handlung, jedoch nicht ohne Weiteres auflösbar und führt zu weiteren gedanklichen Problemen, denn: Wie kann etwas anfangen, ohne durch etwas anderes ausgelöst worden zu sein? Und wenn es durch sich selbst ausgelöst wurde, warum sollten sich Entscheidungen nicht auch selbst auslösen können? Diese Fragen sprechen gegen eine Determinierung, überzeugen mich aber nicht in dem Maße, da für mich das Aufgeben der klassischen Kausalität zu größeren Schwierigkeiten führt.

Wenn ich nun diese Annahmen mache, widerspreche ich mir dann nicht aber selbst, wenn ich trotz meiner Vorstellung eines Determinismus, der seit dem Beginn unseres Universums besteht und für unsere gesamte Geschichte gilt, doch von einer Handlung, die jemand anscheinend frei ausführt, ausgehe?

Ja, allerdings widerspreche ich mir in diesem Fall bewusst, weil ich die Sprache meines Textes verständlich halten und die Frage nach einer freien Entscheidung nicht ohne Weiteres zurückweisen möchte. Schließlich konfrontiert uns unsere Erfahrung jeden Tag aufs Neue damit, dass wir uns scheinbar für etwas entscheiden können. Diese Erfahrung hatte dann möglicherweise auch einen Einfluss auf unsere Sprache, was uns aufgrund ihrer großen Bedeutung meiner Ansicht nach wiederum dazu bringt, trotz logischer Probleme an Freiheit als Basis und Begriff für die individuelle Entscheidung festzuhalten.

Aus diesem Grund gehe ich in diesem Kontext zunächst einmal davon aus, dass wir so etwas wie Individuen sind, die Handlungen begehen können. Außerdem, dass wenn unsere Bedürfnisse in Zusammenhang mit einem Wunsch noch nicht alle zufriedengestellt wurden, wir noch nicht glücklich sind. Und abschließend, dass wenn noch nicht all unsere Wünsche erfüllt sind, wir aber davon überzeugt sind, dass sich unser Leben verbessern kann und wir einen Antrieb zu einer Veränderung haben, wir dann auch selbst so glücklich wie möglich werden wollen.

Meiner Ansicht nach ist es unter diesen Voraussetzungen nicht möglich, sein Leben nicht verbessern zu wollen. Denn selbst wenn ein Individuum in einer schwierigen Situation sein Leben beenden möchte, muss es sich wünschen, dass seine zukünftige Existenz oder Nichtexistenz besser als das ist, was ihm gerade widerfährt. Es möchte nicht, dass sein Leben schlechter wird, weil es eben vermeiden möchte, dass ihm etwas Ungewolltes zustößt.

VI. Welches Glück wünsche ich mir?

Wenn ich nun also davon ausgehe, dass ich einen Einfluss auf mein Leben ausüben kann, noch nicht so glücklich wie möglich bin und den Antrieb verspüre, etwas verändern zu müssen, dann ist es mir nicht anders möglich, als zu versuchen, mein Leben zu verbessern, damit ich irgendwann zufrieden sein und ein höchstes Glück erreichen kann.

Gleichzeitig – und das ist mir sehr wichtig und meiner Ansicht nach eine wichtige Voraussetzung für die Glückseligkeit – müssen auch die Wünsche aller anderen denkenden Individuen erfüllt werden, da ansonsten immer die Gefahr besteht, dass das eigene Glück eingeschränkt oder gemindert wird, weil die Interessen der anderen nicht ausreichend genug berücksichtigt wurden.

Solange man mit anderen zusammenlebt, die auf das eigene Leben in irgendeiner Weise Einfluss ausüben können, muss dieser Grundsatz bedacht werden. Wenn er nicht bedacht wird, führt das zu schwierigen Auseinandersetzungen, da die permanente Unterdrückung und Abwehr anderer Interessen sehr anstrengend ist. Da wir aber nie wissen, ob ein anderes denkendes Individuum einen Einfluss auf uns ausüben kann oder nicht, sollten wir grundsätzlich davon ausgehen, dass es diese Möglichkeit besitzt und wir dessen Wünsche immer mit bedenken müssen.

Ich gehe bei diesen Annahmen immer davon aus, dass meine Umwelt direkt mit meinem Glück verbunden ist, weil ich davon überzeugt bin, dass ich selbst ebenfalls einen Anteil an meiner Umwelt besitze: Lebe ich zum Beispiel in einer Großstadt, dann profitiere ich womöglich von einer ausgebauten Infrastruktur. Lebe ich nicht in einer Großstadt, kann ich nicht davon profitieren.

Ich wünsche mir eine Verbesserung der Lebensumstände aller, weil diese Verbesserung gleichzeitig auch zu einem besseren Leben für mich selbst führt. Letztendlich wünsche ich mir deshalb eine Welt ohne Leid, eine Welt mit einem angenehmen Zusammenleben, eine Welt, in der die Grundbedürfnisse aller erfüllt werden können.

VII. Wie soll uns Wissen dabei helfen, glücklich zu werden?

Ich gehe davon aus, dass eine bessere Welt erreicht werden kann, wenn wir versuchen, die Probleme unserer Welt anzugehen und zu lösen. Und ich gehe davon aus, dass sich die Probleme unserer Welt lösen lassen, wenn man die Welt, in der wir leben, besser versteht, da man dadurch die Zusammenhänge sowie die Entstehung der Probleme begreifen und ihr Auftreten dadurch eher verhindern kann.

Aus diesem Grund besteht das Ziel dieses Textes in der Ausarbeitung umfangreicher persönlicher Wissensgrundlagen, die dabei helfen sollen, jene Probleme anzugehen, die eine bessere Welt verhindern. Dabei kann es sich für mich jedoch nur um einen Versuch handeln, weil ich das Dazulernen unter den bisherigen Bedingungen für unabschließbar halte, da jede neue Information veränderte Gedanken zur Folge hat und sich daran ein neues Verständnis anschließt. Deshalb ist es für mich wichtig, diesen Text ständig zu verbessern und zu aktualisieren, damit mir diese Grundlagen so gut wie möglich auch in Zukunft beim Lösen von Problemen helfen können.

Ich lade jeden dazu ein, sich an dieser Suche nach einem erweiterten Verständnis zu beteiligen, um dadurch zu eigenen Überzeugungen zu gelangen, die eine bessere Welt möglich machen.

Mir ist zudem bewusst, dass eine “bessere Welt” für jeden anders aussieht. Ich gehe jedoch davon aus, dass wir aufgrund unserer ähnlichen Grundbedürfnisse zunächst einmal für dieselbe Ausgangssituation kämpfen werden. Wenn dann jedoch die Zeit kommen sollte, bei der wir uns aufgrund unserer Individualität unterschiedliche Welten wünschen, gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Ich hoffe jedoch, dass wir darauf setzen, uns besser miteinander zu verständigen. Falls unsere Vorstellungen dann keinen Kompromiss erreichen, aber wir sie nach Gesprächen immer noch für erstrebenswert erachten, dann sollten wir sie im Privaten verwirklichen, solange sie andere nicht übermäßig in ihrem Glück beeinflussen. Was dieses “übermäßig” ausmacht, muss eine Gesellschaft, in der nicht jeder völlig isoliert leben möchte, für sich selbst festlegen. Egal wie aber eine Gesellschaft das festlegt, sie sollte in ihren Überlegungen immer versuchen, das Glück eines jeden einzelnen Individuums zu berücksichtigen. Das Individuum hingegen sollte die Entscheidung einer solchen Gesellschaft respektieren, solange das keinen zu starken Eingriff in die eigene bisherige Lebensführung darstellt, um damit sein eigenes Glück sicherzustellen und keine weiteren Einschränkungen zu erfahren.


Herangehensweise

Im folgenden Abschnitt möchte ich erläutern, wie ich vorgehe, um mir persönliche Wissensgrundlagen anzueignen und konkret diesen Text zu schreiben. Ich bin davon überzeugt, dass dieser Abschnitt aus zwei Gründen hilfreich sein kann: 1. Die Inhalte dieses Textes könnten besser verstanden werden, weil ich die Methoden aufzeige, unter denen sie entstanden sind. 2. Die Methode wird selbst zu einem Inhalt, der vermittelt und angepasst werden kann. Damit kann sie ebenfalls in Zukunft verbessert werden.

Für dieses Projekt habe ich mich dazu entschieden, mir zunächst Wissen anzueignen, dieses Wissen dann zu sortieren und anschließend in einem zusammenhängenden Text auszuformulieren. Ich halte diese stark schreiborientierte Methode für sinnvoll, weil ich davon ausgehe, dass Erklärungen in Textform hilfreich dabei sind, Gedanken auch nach längerer Zeit wieder aufgreifen und verändern zu können. So lassen sich Texte zum Beispiel besser verändern, als Videoaufzeichnungen oder Sprachnachrichten, weil Buchstaben eben schneller als Bild und Ton ausgetauscht werden können.

Die zwei vorangehenden Schritte sind für mich dabei notwendig, um mich auf die Erklärungen im Text vorzubereiten. Nur wenn ich mich umfassend bilde und dieses Wissen dann in eine konkrete Struktur bringe, kann ich davon ausgehen, dass mein zukünftiges Ich dem Text vertraut. Wenn ich im Gegensatz dazu bewusst lügen würde, dann würde mein zukünftiges Ich dem Text möglicherweise insgesamt nicht trauen. Und das möchte ich vermeiden, damit der Text seine Funktion als umfangreiche persönliche Grundlagen nicht verliert.

Bevor ich allerdings genau darauf eingehe, wie meine Gliederung in Wissenssuche, Sortierung und Text ausgestaltet ist, möchte ich noch einige über die Zeit hinweg gesammelte Prinzipien vorstellen, die mir schon häufiger bei der Textgestaltung geholfen haben. Sie sind für mich alle gleichwertig, aber ich habe sie in der Schrittfolge sortiert, in der ich sie anwenden würde, um einen Text zu überarbeiten:

  1. Konkretheit: Ich versuche, Fragen so zu beantworten, dass meine Antwort die Frage ohne Widersprüche beantwortet und dabei keine Zeit verschwendet, denn ich gehe davon aus, dass Erklärungen, die vom Thema abweichen, schwieriger zu verstehen sind.
  2. Ehrlichkeit: Wenn ich denke, dass ich meine eigenen Positionen zu stark einbringe, dann spreche ich das an, damit ich die Glaubwürdigkeit meines Textes erhalten kann.
  3. Ausgeglichenheit: Ich versuche, Überzeugungen aus der jeweiligen Position der einzelnen Vertreter vorzustellen und damit so positiv wie möglich zu verfahren, damit diese nicht von vornherein abgelehnt werden (Prinzip der wohlwollenden Interpretation). Eine Meinungsvielfalt ermöglicht einen besseren Einblick in den Umfang eines Inhalts, sodass man lernt, mit allen Argumenten umzugehen.
  4. Transparenz: Ich versuche, Leser über offene Herleitungen zu eigenen Gedanken anzuregen, damit eine Auseinandersetzung ermöglicht wird, die dabei helfen soll, die vermittelten Inhalte besser zu verstehen. Gleichzeitig soll über die auf das Verständnis ausgerichteten Schlussfolgerungen auch eine kritische Diskussion über die Inhalte zustandekommen, damit dieser Text verbessert und erweitert werden kann.

Wie suche ich nach Wissen?

Mein wichtigstes Ziel besteht darin – wie in der Motivation beschrieben –, mir ein umfangreiches Wissen anzueignen, um Probleme, die eine bessere Welt verhindern, lösen zu können. Andererseits möchte ich aber auch konkret diesen Text hier schreiben, der mir wiederum dabei helfen soll, das erste Ziel zu erreichen. Das führt jedoch dazu, dass ich andere Methoden als sonst nutze, um mich mit neuem Wissen auseinanderzusetzen.

I. Wie bin ich mit der systematischen Wissenssuche in Kontakt gekommen?

Bevor ich auf meine konkreten Methoden eingehe, möchte ich erläutern, wie sich diese über meine Entwicklung hinweg überhaupt herausbilden konnten. Angefangen hat meine bewusste Aufnahme neuer Informationen wahrscheinlich mit meinen ersten digitalen Interessen. Vor allem Computerspiele (ca. um 1998) haben mich dazu gebracht, sodass ich angefangen habe, regelmäßig Technik-Nachrichten im Internet zu lesen, was zu einem immer stärker werdenden Interesse für alle Themen geführt hat.

Zur gleichen Zeit entwickelte ich aus drei besonderen Ereignissen heraus ein erstes Verständnis für ein philosophisches Denken. In chronologischer Reihenfolge: 1. Mein Vater führte mich an Science-Fiction heran, sodass ich mit Fragen konfrontiert wurde, die ich so noch nie erlebt habe und die in meinem Alltag bisher noch nie eine Rolle gespielt haben: Was unterscheidet einen Menschen von einer ausreichend komplexen Maschine? Wie sieht eine zukünftige Welt aus, in der Menschen keine Arbeit mehr besitzen, weil all ihre Bedürfnisse sofort erfüllt werden?7 Wie würden wir mit vollkommen anderen Lebewesen kommunizieren? 2. Der Tod wird mir schlagartig bewusst, als Menschen aus meiner Umgebung sterben.8 Ich setze mich zum ersten Mal mit der Frage auseinander, was Sterblichkeit bedeutet und warum Menschen plötzlich nicht mehr da sein können. 3. Mein Alltag besteht aus den immer gleichen Abläufen, was dazu führt, dass ich mich damit auseinandersetze, was eine Existenz letztendlich überhaupt für eine Bedeutung hat, wenn sie sich ständig wiederholt. - Diese drei Ereignisse führen dazu, dass ich anfange, mich nicht nur für philosophische Fragen zu interessieren, sondern selbst Ansichten zu entwickeln, die mit meinen Beobachtungen übereinstimmen sollen.

Mein Interesse für Unterhaltung und meine ersten philosophischen Ansätze führen dazu, dass ich mich immer intensiver mit den grundlegenden Fragen des Seins auseinandersetze und in den Nerd-Sachen des Internets (Blogs, Science-Fiction, Computerspiele) einen Weg finde, um mich über Jahre hinweg zu motivieren. Diese Entwicklung erhält ihren bisher wichtigsten Ansatzpunkt in meiner Wahrnehmung von einer zusammengehörenden Wirklichkeit, als ich ungefähr 18 Jahre alt bin. Bisher wurde ich intensiv durch Unterhaltung und Philosophie angetrieben, was meine Wissenssuche anbelangt. Nun aber bemerke ich, dass für mich Philosophie und Wissenschaft zusammengehören. Ich interessiere mich plötzlich für alles, weil ich in der Verbindung von Philosophie und Wissenschaft für mich erkenne, dass alles miteinander verbunden ist. Ich höre damit auf, Philosophie als eine komplizierte Form des Sprechens zu betrachten und fange an, kreativ tätig zu sein, um mir darüber Mittel anzueignen, die mir helfen, in einen Austausch mit meiner Umwelt zu gelangen. Ab jetzt möchte ich so verständlich wie möglich meine Umwelt kennenlernen und verbessern.

Dies führt dazu, dass ich heutzutage bewusst nach Quellen suche, die mir neues Wissen so verständlich und so wissenschaftlich gesichert wie möglich anbieten. Alles andere wird nicht sofort verworfen, aber erhält nicht mehr dieselbe Aufmerksamkeit.

II. Welche Methoden nutze ich zur Wissenssuche?

Doch wann und wie suche ich nun bewusst nach diesen Quellen? Ich habe versucht, deutlich zu machen, wie ich zu meinen Fragen und Überzeugungen gelangt bin, die mich auch in diesem Text beschäftigen. Nun möchte ich noch darauf eingehen, wie ich genau vorgehe, um mir dieses Wissen anzueignen.

Meine Wissenssuche gliedert sich konkret in vier Bereiche: 1. Ich sammle von meinen bisherigen Wissensquellen neue Informationen. Jeden Tag führe ich deshalb Gespräche, lese Blogs, nehme neue Fragen auf, vergleiche sie mit meinen eigenen Überzeugungen und versuche herauszufinden, wo diese Überzeugungen zusammenbrechen.

2. Ich suche im Internet, in Bibliotheken, bei anderen Individuen bewusst nach Anregungen, die mir dabei helfen sollen, eine konkrete Frage zu beantworten.

3. Ich lasse mir von anderen Individuen neue Wissensquellen empfehlen, die mich zu komplett neuen Überzeugungen führen können, um mich nicht von mir selbst einschränken zu lassen.

4. Ich versuche meine Wissenssuche ständig zu verbessern, um darüber nach und nach alle Elemente, die mir die Wissenssuche erschweren, abzuschaffen.

Wenn ich nun allerdings an einer bestimmten Arbeit (wie zum Beispiel dieser hier) sitze, dann konzentriere ich mich sehr viel stärker auf die Beantwortung der einzelnen Fragen, die ich über die Zeit hinweg gesammelt habe. Neue Überzeugungen sind immer noch wichtig für eine Verbesserung des Textes, spielen aber bei der Ausarbeitung nur noch eine sekundäre Rolle, da sie mich sonst davon abhalten würden, überhaupt etwas zu schreiben, da ich ständig hinterfragen müsste, ob das, was ich schreibe, überhaupt stimmt und mich das wiederum beim Schreiben direkt hemmen würde.

Ich nutze für meine Wissenssuche Artikel aus dem Internet, Bücher, Beobachtungen, meine und die Erfahrungen anderer und schreibe diese in Kurzform nieder. Zusammenfassungen sind für mich generell eine wichtige Methode, um Wissen überhaupt sinnvoll aufzunehmen. Nur wenn ich für mich selbst erklären kann, wie etwas funktioniert und wie es mit anderem Wissen zusammenhängt, kann ich davon ausgehen, dass ich es verstanden habe.

Ich verfolge Blogs und andere Internetmedien hauptsächlich per RSS-Feed, einer Übersetzung der Inhalte einer Webseite in eine für Programme auslesbare Form. Ein solches Programm kann somit alle Nachrichten einer Webseite für mich lokal abspeichern. Das Besondere an Feeds besteht darin, dass sie mich vom Design und dem strukturellen Aufbau einer Webseite unabhängig machen, sodass ich mich vollständig auf den Inhalt konzentrieren kann.

Weiterhin nutze ich mehrere eigene Webseiten, um interessante Inhalte und Trends für mich selbst aufzuschreiben und besser zu sortieren. Meine eigenen Webseiten helfen mir dabei, Inhalte so darzustellen, dass ich schnell wieder auf sie zugreifen kann, und sie ermöglichen es mir, dass ich die Inhalte über Links so miteinander verbinde, wie ich es für sinnvoll erachte.


Warum wird Wissen sortiert?

Um etwas verstehen zu können, ist es notwendig, die Beziehungen einer Information zu anderen Informationen zu kennen. Wenn wir also etwas besser verstehen wollen, dann ist es notwendig, ein System zu entwickeln, mit dem wir die Beziehungen von Informationen untereinander effizient darstellen können.

Eine Information ist eine Wissenseinheit beliebigen Umfangs, die einen Unterschied deutlich macht. Ein Unterschied bezeichnet die Andersartigkeit einer Sache im Vergleich mit einer weiteren Sache.

In diesem Zusammenhang wäre vielleicht die Einführung eines Standardzustandes angebracht, da diese Vorstellung vielleicht dabei behilflich sein kann, nachvollziehbar zu machen, wie eine Information, obwohl sie in ihrer kleinsten Definition nur eine Sache beinhaltet, sich immer auf mindestens zwei Sachen (für einen Unterschied) beziehen muss. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob so etwas generell angenommen werden kann oder sollte. Jedenfalls: Eine Information gibt an, wie sich etwas von einem Standardzustand unterscheidet. Ein Standardzustand ist die Vorstellung, dass eine der beiden Sachen im Unterscheidungsprozess, den eine Information beinhaltet, bereits vorausgesetzt ist.

Wenn wir zum Beispiel davon ausgehen, dass wir einen schwarzen Punkt auf einer weißen Wand beschreiben wollen, wäre der Standardzustand (der Wand) "weiß", da wir diesen voraussetzen müssen, um einen schwarzen Punkt überhaupt wahrnehmen zu können. Wäre der Standardzustand jedoch "schwarz", dann könnten wir den Punkt nicht wahrnehmen, die Information wäre verloren und wir könnten sie nicht beschreiben.

Ein Wissenssystem wiederum sollte aber nicht nur erkannte Beziehungen darstellen, sondern uns diese Beziehungen auch so vermitteln, dass wir sie leicht erlernen und erneut lernen können. Das Ziel dieses Systems besteht also darin, so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen, damit wir diese in unserem Leben für unser Wohlbefinden einsetzen können. Das Wissenssystem sollte uns deshalb die Beziehungen (1.) schnell erfassen und (2.) konkret voneinander abgrenzen lassen, damit es zu keinen Missverständnissen kommt und wir dennoch alles effizient verarbeiten können.

Allerdings kann es ein perfektes System nicht geben, da die Ansprüche jedes Individuums unterschiedlich ausgeprägt sind. Weiterhin ist es nicht möglich, unseren wissenschaftlichen Fortschritt zu erahnen. Wir können also keine Fachbereiche für etwas anlegen, was wir nicht kennen. Und wer bestimmt überhaupt, wie greifbar ein solcher Bereich zu sein hat? Die Verzweigungen eines Systems sind eine weitere Schwierigkeit: Behandeln Chemie und Physik nicht dieselben Phänomene, nur auf einer anderen Ebene? Ist die Psychologie nicht einfach nur eine abstrakte Form der Neurobiologie? Worin liegt der Unterschied zwischen Ethik und Politik? Wo fangen Wirtschaftswissenschaften an, wo hört Soziologie auf?

Noch ein weiteres Problem besteht in der Zuordnung zu diesen Kategorien: Je komplizierter die Ordnung, desto schwieriger wird es, ein konkret behandeltes Thema richtig einzugliedern (beispielsweise nur einem Fachbereich zuzuweisen).

Ein System, das bestimmte Eingriffe in die bisherige Ordnung vornehmen möchte, hat aber nicht nur das Problem, Wissen besser ordnen und zusammenführen zu müssen. Auch die durch die Vergangenheit geschaffenen sozialen Argumente würden ihm zu schaffen machen. Denn unsere Sprache, unser Bildungssystem, unser gesamtes Denken baut auf den bisher vermittelten Fachbereichen auf. Und es gilt, Macht und Einfluss zu verteidigen. Wenn wir also damit anfangen, uns zu weit von den bekannten Begriffen zu entfernen, haben wir das Problem, dass wir nicht mehr verstanden werden. Man müsste Übersetzungen schaffen und unser gemeinsamer Forschungsdrang würde gebremst werden.


Wie möchte ich Wissen sortieren?

Um ernsthafte Veränderungen bei der Sortierung von Wissen zu bewirken, muss man entweder bisherige Systeme als Grundlage akzeptieren und seine Vorstellungen darauf aufbauen oder sehr viel Einfluss besitzen und dadurch einen Großteil der Betroffenen von seinem eigenen System überzeugen. Da ich nicht davon ausgehe, dass Veränderungen sofort vonstattengehen, verfolge ich deshalb den ersten Ansatz.

I. Welche traditionellen Fachbereiche gibt es und wie kann man sie miteinander verbinden?

Als ersten Punkt meiner Systematisierung möchte ich das Zusammenführen von traditionellen Fachbereichen vorstellen. Hierbei werden bereits bekannte Begriffe wie Physik, Chemie oder Biologie weiterverwendet, aber durch klar herausgearbeitete Verbindungen stärker voneinander abhängig gemacht. Dadurch soll eine Auseinandersetzung mit den Bereichen gefördert und ihr Verständnis vereinfacht werden.

Bisher bieten Schulen und Universitäten nur eine sehr ungenaue Grenze zwischen den Bereichen an. Aus der Perspektive der Lernenden erscheint es verständlich, dass Bereiche wie Physik und Chemie nicht unbedingt zusammengehören, aber was sie konkret voneinander unterscheidet und worin sie sich ähneln, wird meistens nicht genau genug erläutert.

Es besteht aber auch kein Bedürfnis nach einer Zusammenführung, weil dies einen Mehraufwand bedeuten würde, während die Bereiche doch bisher auch unabhängig voneinander funktioniert haben. Deshalb konzentrieren sich Lehrkräfte und Dozenten vordergründig darauf, den Schülern ihr eigenes Feld näherzubringen, anstatt Verbindungslinien zu anderen Wissenschaften zu ziehen und damit einen wesentlich umfangreicheren Einblick zu gewähren. Das führt zu einer Spezialisierung, die zwar eine geradlinige Forschung fördert, aber es erschwert, bereichsübergreifende Zusammenhänge zu entdecken, da die Bereiche unter diesen Voraussetzungen ja nicht versuchen, aufeinander stärker einzugehen.

Um eine Zusammenführung der unterschiedlichen Bereiche zu ermöglichen, muss es zunächst einmal gelingen, herauszufinden, welche Aufgaben die bisherigen Begriffe ausüben. Hierbei konzentriere ich mich besonders auf die in der Schule eingeführten Bereiche, da diese einer großen Zahl von Individuen bekannt sind und damit eine erste Annäherung darstellen, über die Einteilung von Wissen nachzudenken. Es folgt eine unvollständige Liste:

  • Mathematik: Mengen, Zahlen, Variablen, Gleichungen, logische Zusammenhänge, Wahrscheinlichkeiten
  • Informatik: Rechensysteme, Informationsverarbeitung, Sicherheit
  • Physik: Naturgesetze, Bewegungen, Aufbau der Welt im Innersten, Stabilität, Energie, Elektrotechnik, Atomtechnik
  • Chemie: Umwandlungen, Eigenschaften von Stoffen, Materialentwicklung
  • Biologie: Aufbau und Einteilung von Lebewesen, Medizin
  • Psychologie: Auswertung von Handlungen und Verhaltensweisen
  • Sprachen: Ausdruck und Verständnis in Bezug auf verschiedene Gruppen
  • Kommunikationsformen (Kunst, Musik, Schauspiel, Fotografie, Medien): Nutzung und Verständnis von unterschiedlichen Ausdrucksmöglichkeiten
  • Politik / Wirtschaft / Geografie: Verständnis von Zusammenleben und den daraus entstehenden Bedürfnissen
  • Philosophie / Ethik / Lebensgestaltung: Verständnis von Entscheidungen und Begriffen

Im Anschluss an die Nennung und die Vermittlung der Funktionen der Bereiche muss nun überprüft werden, wie diese miteinander in Beziehung stehen und wie diese Beziehung konkret aussehen soll? Soll zum Beispiel der Einfluss jedes Fachs auf jedes andere Fach dargestellt werden?

Ich habe mich dazu entschieden, die Verbindungen so herauszuarbeiten, dass sich die späteren Bereiche mit immer höheren Abstraktionsebenen beschäftigen. Der Begriff Abstraktionsebene soll dabei verdeutlichen, dass es so etwas wie einen Größen- und Komplexitätsunterschied zwischen einzelnen Atombewegungen, den Bewegungen von Tieren und sozialen Bewegungen gibt, diese aber dennoch aufeinander aufbauen.

  • Philosophie und Mathematik: Die Philosophie beschreibt unterschiedliche Antworten auf grundlegende Fragen. Diese Perspektiven können zudem als Werkzeuge genutzt werden, um Zusammenhänge sichtbar zu machen. Die Mathematik ist ein solches Werkzeug im Umgang mit der Welt.
  • Mathematik und Informatik: Die Informatik kann als Automatisierung und Vereinheitlichung mathematischer Prozesse angesehen werden.
  • Mathematik und Physik: Die Physik nutzt die Mathematik und erschafft eigene Theorien zum Verständnis der Welt. Diese Theorien beschreiben die Wirklichkeit so gut, dass Voraussagen über bestimmte Verhaltensweisen annähernd zutreffen.
  • Physik und Chemie: Die Chemie baut auf den Theorien der Physik auf, um die Reaktionen von Stoffen miteinander zu beschreiben. Hierbei ist besonders das Atommodell hervorzuheben, das diese Beziehungen erklärt.
  • Physik und Geografie: Physikalische Theorien beschreiben die Funktionsweise der Phänomene unseres Planeten.
  • Chemie und Biologie: Die Biologie setzt auf das Zusammenwirken der Moleküle des Atommodells aus der Chemie und erklärt darüber die Funktionsweise von lebendigen Individuen.
  • Biologie und Psychologie: Die Psychologie betrachtet die Eigenheiten des Körpers und erörtert darauf aufbauend die Verhaltensweisen eines Individuums.
  • Psychologie und Sprachen: Sprachen sind das Medium des Informationsaustausches zwischen mehreren Individuen.
  • Psychologie und Kommunikationsformen: Die Kunst nutzt die Aspekte der Wahrnehmung, um bestimmte Informationen besser zu vermitteln.
  • Psychologie und Politik: Die Politik geht auf die Überzeugungen von Individuen ein und beschreibt die Umsetzung der Wünsche einer Gesellschaft.
  • Psychologie und Philosophie: Die Philosophie ist der Versuch von Individuen, sich mit grundlegenden Fragen auseinanderzusetzen

Die Verbindungen in dieser Auflistung sollen einen ersten Eindruck vermitteln, wie eine solche Verknüpfung aussehen kann. Im Verlauf des Textes werde ich dann konkretere Beispiele vorstellen und immer wieder auf verschiedene Bereiche verweisen.

Das Hauptproblem dieses Ansatzes besteht für mich jedoch darin, dass eine Identifikation mit den Themen der Fachbereiche nicht unbedingt gegeben ist, sodass es schwierig wird, deren Relevanz nachzuvollziehen. Weiterhin ist nicht geklärt, ob eine solche Fachbereichsauswahl ausreichend ist, um unsere Welt umfangreich zu beschreiben. Vielleicht muss es den Versuch geben, neue Fachbereiche zu gründen oder generell auf Fachbereiche zu verzichten. Davon möchte ich mich aber distanzieren.

II. Wie können Fragen motivieren?

Um eine bessere Identifikation mit den Themen zu ermöglichen, beschäftigt sich der zweite Ansatz damit, die Kategorien so zusammenzufassen, dass mit ihnen eine konkrete Frage gelöst werden kann.

Während Begriffe wie Physik oder Chemie keine Involviertheit mit dem Thema voraussetzen, geben uns Fragen die Möglichkeit, sich mit dem Fragesteller zu identifizieren. Dadurch fällt es uns wesentlich einfacher, bestimmte Antworten mit den Bereichen zu verbinden. Wenn wir wissen wollen, was ein Lebewesen ausmacht, wenden wir uns an die Biologie. Wenn wir herausfinden wollen, welche Rhetorik ein Text anwendet, dann zur Literaturwissenschaft.

Die Verknüpfung von Fragen und Wissen kann aber auch vollkommen neue Bereiche ansprechen. Das Wissen wird dadurch nicht mehr nur den einzelnen Fachbereichen zugeordnet, sondern vielmehr den einzelnen Fragestellungen. Doch bald bemerken wir, dass immer ein gewisser Ballast an Erklärungen mitschwingt. Immer wieder erklären wir beispielsweise, was Atome sind. Dies führt dazu, dass wir mit weiteren Fragen ergründen, woher dieser Ballast stammt. Man fängt damit an, die Fragen in Kategorien zu sortieren und bemerkt bald darauf, dass man dadurch zu Bereichen gelangt, die den traditionellen Kategorien entsprechen. Die Bereiche, die wir aus den Fragestellungen entwickelt haben, führen also dazu, dass wir mit steigender Komplexität, immer weniger über den Ursprung der Antwort erklären müssen.

Unser zweiter Ansatz führt uns also wieder zurück zu den ursprünglichen Begriffen, nur bleibt diesmal die Fragestellung erhalten, die uns motiviert hat, überhaupt damit anzufangen. Was jetzt noch fehlt, ist eine klare Gliederung dieser Fachbereiche.

III. Welche Fragen beantworten die Fachbereiche?

Hier setzt meine Entscheidung an: Ich möchte auf Grundlage des ersten Ansatzes die bestehenden Begriffe weiterverwenden und ihre Abhängigkeit zueinander stärker herausarbeiten, aber nutze die Konzentration des zweiten Ansatzes auf Fragen, um die persönliche Motivation an den Fachbereichen zu verbessern. Auf dieser Grundlage entsteht auch die Gliederung des Textes.

  • Philosophie (Was bedeutet das alles? Wie lassen sich grundlegende Fragen beantworten?): zum Beispiel Ästhetik (Was ist eine Wahrnehmung?), Erkenntnis (Was ist Wissen?), Metaphysik (Was existiert wieso?), Ethik (Wie sollte man generell handeln?)
  • Mathematik (Wie kann man die Welt zählbar machen?)
  • Informatik (Was beinhaltet die Verarbeitung von Informationen?)
  • Physik (Wie funktioniert die Natur?)
  • Chemie (Wie reagieren Stoffe miteinander?)
  • Biologie (Was kennzeichnet Lebewesen?)
  • Psychologie (Warum handelt man so?)
  • Soziologie (Was macht das Zusammenleben aus?): Geschichte (Wie wird die Vergangenheit betrachtet?), Wirtschaft (Wie organisiert man den Austausch von Mitteln zur Bedürfnisbefriedigung?), Politik (Wie sollte man konkret handeln?)

Die Reihenfolge orientiert sich an einer steigenden Komplexität der Fachbereiche, die sich dadurch auszeichnet, dass immer mehr Elemente vorausgesetzt werden.

Weiterhin sind in meiner Einteilung Bildung und Kommunikation eigene Hauptbereiche, weil sie eine Vielzahl meiner Alltagserlebnisse abdecken und ich sie aus diesem Grund ausführlicher betrachten möchte.

  • Kommunikation (Wie kann man Informationen austauschen?): Sprachen (Wie funktioniert unser Austausch?), Deutsch (Wie sprechen wir miteinander?), Rhetorik (Wie kann man jemanden überzeugen?)
  • Bildung (Was bedeutet es zu lernen?): Pädagogik (Was bedeutet es zu lehren und zu erziehen?)

Mit der Zeit verliert jedoch jedes System an Bedeutung, weil neue Informationen eine andere Herangehensweise erfordern. Aus diesem Grund ist diese Liste unvollständig und wird erweitert oder verändert werden, je nachdem ob sich weitere Erkenntnisse einfügen lassen oder nicht.


Wie möchte ich diesen Text schreiben? Was ist ein Status?

Nachdem geklärt ist, mit welchen Fachbereichen ich mich auseinandersetze, möchte ich nun näher darauf eingehen, wie ich innerhalb der einzelnen Bereiche arbeite, um meinen Text zu vervollständigen.

Dabei steht für mich im Vordergrund, dass ich zunächst einmal Fragen sammle, die immer und immer wieder innerhalb des Fachbereichs besprochen werden. Diese grundlegenden Fragen sind für mich die wesentlichen Gliederungspunkte des Textes. Im Anschluss versuche ich, diese so konkret wie nur möglich zu beantworten, damit dieser Text auch als Nachschlagewerk dienen kann.

Sobald ich eine umfangreiche Sammlung an Fragen erstellt habe, versuche ich nachzuvollziehen, welche dieser Fragen für eine Einführung zuerst beantwortet werden müssen, damit man sich den Bereich so gut und schnell wie möglich selbst erschließen kann. Dabei lässt sich natürlich sehr gut darüber streiten, welche Sortierung am besten funktioniert. Ich werde jedoch in den meisten Fällen versuchen zu erklären, warum die Fragen an dieser Stelle im Text auftauchen. Der Anfang jedes Fachbereichs ist zum Beispiel vor allem durch eine Selbstrechtfertigung gekennzeichnet (Was ist der Fachbereich und warum ist er vorhanden?), weil es mir wichtig erscheint, nachzuvollziehen, was und warum etwas gemacht wird, bevor man sich darauf einlassen kann, die einzelnen Fachbereiche genauer verstehen zu wollen.

Genereller betrachtet, gibt es drei wesentliche Herangehensweisen, nach denen ich die Fragen sortiere: 1. Ich sortiere die Fragen nach den wenigsten gedanklichen Voraussetzungen, sodass ich mit den einfachsten Vorstellungen beginne. 2. Ich sortiere die Fragen nach den meiner Ansicht nach besten Voraussetzungen, um andere Fragen zu verstehen, sodass ich mit den Vorstellungen beginne, die den meisten Einfluss auf andere Ansichten haben. 3. Ich sortiere die Fragen nach wissenschaftlichen Fragebögen und sortiere die Fragen danach, welche Auffassungen am meisten diskutiert werden. Diese drei Herangehensweisen lassen sich leider nicht kombinieren. Aber ich versuche mein Bestes, um auf diese Art und Weise den wichtigsten Erkenntnissen effizient näher zu kommen.

Ein weiteres Element bei der Strukturierung der Fragen besteht für mich darin, dass ich eine Selbsteinschätzung treffe, wie weit ich bisher in meinen Untersuchungsbemühungen gekommen bin. Dieses Status steht direkt nach einer Frage und gibt eine Übersicht darüber, woran ich gerade arbeite und wie ich über meine bisherigen Ausarbeitungen denke. Diese Methode habe ich durch den Blogger Scott Alexander9 kennengelernt, der seine Beiträge häufig mit einer kurzen Selbsteinschätzung beginnt, um Interessenkonflikte zu vermeiden, Menschen über mögliche unangenehme Inhalte zu informieren oder die eigene Wissensgrundlage deutlich zu machen.

Meine Statusangaben folgen keiner klaren Hiearchisierung. Es soll allerdings deutlich werden, dass zum Beispiel die Konstruktion einer Überzeugung als wesentlich schwächer betrachtet werden muss, als eine klare mit mehreren Quellen belegte Darstellung verschiedener Positionen mit einer anschließenden Diskussion über eine konkrete Entscheidung. Vordergründig besteht mein Ziel darin, Statusangaben dort zu machen, wo ich denke, dass eine solche Information sinnvoll angebracht werden kann und einen besseren Zusammenhang liefert.

Mein Ziel besteht darin, dass ich alle Fachbereiche so gut verstehe, dass ich irgendwann diesen Text nicht mehr brauche. Bis dahin sind diese Grundlagen allerdings das wichtigste Werkzeug meiner Erkenntnis, weil sie es mir ermöglichen, in Textform eine Diskussion mit mir selbst zu führen.


Wie beantworte ich Fragen? (wird bearbeitet)

Rhetorische Fragen, Fragen, die keine Antworten erwarten? Was ist das?

Bisher habe ich meine Methode nicht vollständig vorgestellt, weil es mir wichtig erschien, zunächst einmal den Kontext und die Ziele meiner Arbeit deutlich zu machen, da ich davon ausgehe, dass die Ziele einen Hinweis darauf geben können, welche Mittel sinnvoll angewendet werden können, da Mittel wiederum dafür da sind, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Nun möchte ich jedoch eine genaue Beschreibung ergänzen.

Wie im vorherigen Kapitel beschrieben, besteht meine Herangehensweise darin, Fragen zu sammeln, selbstständig zu formulieren und anschließend den Versuch zu unternehmen, sie zu beantworten. Für mich steht dabei vor allem im Vordergrund, dass ich anderen meine eigene Wahrnehmung zugänglich mache. Um jedoch dieses Ziel zu erreichen, muss ich erstens klären, was Fragen für mich sind und wie Antworten auf diese Fragen Bedeutungen vermitteln, die wiederum von anderen interpretiert werden können und ich muss zweitens erläutern, wie ich überhaupt Fragen beantworte, damit man meine Antworten besser verstehen kann.

Um dieses Kapitel jedoch nicht unendlich lang werden zu lassen, versuche ich zunächst einmal die groben Ideen zu umreißen, um dann in späteren Ausführungen umfangreicher auf solche Themen wie Ausdrücke und Bedeutungen einzugehen. Das hat damit zu tun, dass ich denke, dass unsere Wahrnehmung einen großen Einfluss auf diese Konzepte besitzt, aber ich dennoch bevor ich zur Wahrnehmung komme, gern eine kurze Beschreibung davon geben möchte, was Fragen genau für mich sind und wie ich vorgehe, um sie zu beantworten.

I. Was sind Fragen? Was sind Ausdrücke? Was ist eine Bedeutung?

[Status: Recherche in Bezug auf Bedeutungstheorien]

Fragen sind Ausdrücke, die (1.) die Unvollständigkeit einer Information vermitteln, (2.) vervollständigt werden können und (3.) pragmatisch eine Aufforderung zur Vervollständigung beinhalten. Wenn ich eine Frage stelle, möchte ich deutlich machen, dass ich eine Information besitze und weiß, dass diese Information unvollständig ist. Gleichzeitig drücke ich die Aufforderung aus, dass mir mein Gesprächspartner dabei helfen soll, meine geäußerte Frage zu beantworten. Nehmen wir diese Beispielsfrage: "Wie ist dein Name?" Ich weiß, dass Individuen einen Namen besitzen können, aber ich weiß nicht, wie der Name meines Gegenübers ist. Aus diesem Grund stelle ich eine Frage, damit mir mein Gegenüber dabei hilft, diese Information durch eine Antwort zu ergänzen.

Antworten sind Ausdrücke, die Fragen durch Informationen vervollständigen können. (Im Beispiel: "Mein Name ist Lisa.") Informationen wiederum sind Wissenseinheiten (Wissen wird über Informationen ausgedrückt), haben einen beliebigen Umfang (sie müssen mindestens eine Sache beinhalten, aber können theoretisch unendlich viele beinhalten) und machen einen Unterschied deutlich, da sie angeben wie eine Sache von einer anderen Sache abweicht. Diese andere Sache ist ein Standardzustand, da diese Sache für einen bestimmten Kontext vorausgesetzt werden und nicht in der Information als solcher vorhanden sein muss.

Auf der Wahrnehmungsebene bedeutet das: Ein schwarzer Punkt auf einer Wand ist nur sichtbar, wenn der Standardzustand (der Wand) "weiß" ist. Wäre die Wand ebenfalls schwarz, dann wäre die Information verloren, da der schwarze Punkt nicht mehr wahrnehmbar ist.

Im Beispiel auf der Sprachebene: Der Ausdruck "Name" beinhaltet unterschiedliche Konzepte über Referenzierungen, aber ist in meinem Wissen für ein bestimmtes Individuum ohne Inhalt ("Ich weiß, dass Individuen Namen besitzen, aber für ein bestimmtes Individuum kenne ich den Namen nicht."). Die Information des Namens des bestimmten Individuums ist unvollständig. Der Name des Individuums (Lisa) ist jedoch ein Unterschied, weil der Name auch anders sein könnte oder es überhaupt keinen Namen geben muss. Ein solcher Nullzustand (die Nichtexistenz) ist für mich in diesem Fall auch der Standardzustand, da wir ansonsten nicht dazu in der Lage wären, so etwas wie einen Namen bestimmen zu können.

Auf der Wahrnehmungsebene lässt sich damit jedoch nicht argumentieren, da sich dort die Nichtexistenz darüber auflöst, dass sie in anderen Wahrnehmungen aufgeht (Materie und Form einer Sache lassen sich nicht mehr von anderen unterscheiden). Wir können demnach nicht wissen, ob ein idealer schwarzer Punkt auf einer idealen schwarzen Wand existiert, da es keine Möglichkeit gibt, dies zu überprüfen, weil unsere Wahrnehmung ihn nicht erkennen kann. Wir können natürlich dennoch behaupten, dass der schwarze Punkt trotz fehlender sichtbarer Unterschiede auf der schwarzen Wand existiert, dann jedoch nicht mehr auf Wahrnehmungsebene, sondern auf der Sprachebene. Wir gehen dann davon aus, dass der Punkt existiert, weil wir über Sprache etwas ausformulieren können, was auch anders sein könnte (Fiktion).

Auf der Sprachebene können wir also sagen, dass der Standardzustand immer das Nichtvorhandensein oder die Andersartigkeit einer sprachlichen Information sein kann. Die Antwort "Mein Name ist Lisa" ist dann vor allem deshalb nur eine mögliche Antwort auf die Frage "Wie ist dein Name?", weil es möglich ist "Lisa" durch andere sprachliche Ausdrücke zu ersetzen. Wenn es aber kein Konzept von Name gibt, das sich in irgendeiner Weise von etwas anderem unterscheidet, dann ist es unmöglich, die Frage zu beantworten.

Ein Ausdruck ist ein sprachliches Konstrukt beliebiger Form und beliebigen Umfangs, und damit der Versuch überhaupt eine Sache über Sprache fassbar zu machen. Jeder Wortteil, jedes Wort, jede Wortgruppe, jeder Satz, jeder Absatz, jeder Paragraph, jeder Text im engeren und weiteren Sinn (Filme, Computerspiele und weitere Medien) sind Ausdrücke. Ein Ausdruck ist damit das Ergebnis einer Übersetzung der Wirklichkeit in eine Sprache. Eine Sprache bezeichnet für mich in diesem Zusammenhang lediglich ein System zur Kommunikation zwischen Individuen.

Um herauszufinden, welche Informationen von einer Frage verlangt werden, muss man ein Verständnis für den gesamten Ausdruck entwickeln. Eine Frage wie „Peter kommt heute?“ ist rein syntaktisch und semantisch nicht verständlich, da die Position der Wörter und die Bedeutung der Einzelwörter nicht mit einer unvollständigen Information einhergehen. Vielleicht ließe sich eine semantische Funktion des Fragezeichens ableiten, aber eigentlich liegt das Verständnis der Frage in der Phonologie und damit in der Betonung. „Peter kommt heute?“ oder „Peter kommt heute?“ Aus diesem Grund ist es notwendig, die Frage auch pragmatisch zu verstehen, da sonst eine Mehrdeutigkeit auftritt und die Beantwortung der Frage unterschiedlich ausfallen kann.

Innerhalb dieses Textes werden Ausdrücke vordergründig in der Form von umformulierten Was-, Warum- und Wofür-Fragen gestellt, da diese Fragetypen eher eine umfangreiche Auseinandersetzung mit einer Thematik erlauben. Wie schon vorher angemerkt, dient die Frageform dazu, das Interesse für die Lösung eines Problems zu steigern, indem wir uns in den Fragesteller hineinversetzen können (Wie möchte ich Wissen sortieren? / II). Die genannten Fragetypen haben die allgemeine Form einer W-Frage (Fragewort + Situationsinformationen?): Was ist eine Frage? Oder W + X? Diese Ausführungen versuchen dementsprechend weiter zu klären, was nun eine W-Frage ist.

Bevor ich jedoch die Frage danach, was eine Frage ist, beantworten kann, gehen mir zunächst andere Fragen durch den Kopf, Fragen, die den Kontext der gestellten Frage klären wollen. Zum Beispiel: Warum möchte jemand überhaupt wissen, was, warum oder wofür X ist? Wie viel Zeit hat die Person? Wofür braucht sie diese Information? Und welches Vorverständnis kann ich voraussetzen? Diese Fragen möchte ich kurz naiv besprechen.

Da ich grundsätzlich von mir selbst als der Person ausgehe, die den Text lesen und bewerten wird, sehe ich die Frage nach dem Warum zunächst einmal als Selbstvergewisserung der eigenen Vorstellungen. Jeder, der den Text liest, soll sich fragen, was er unter einem bestimmten Ausdruck oder einem bestimmten Konzept versteht und ihn mit den Ausführungen vergleichen.

Mir geht es weiterhin darum, so viele Informationen so strukturiert und sinnvoll wie möglich einzubringen, um darüber ein vollständiges Abbild meiner Gedanken zu ermöglichen. Aus diesem Grund rechne ich mit einem größeren Zeitaufwand und einer damit einhergehenden intensiven Auseinandersetzung mit den eigenen Vorstellungen. Dementsprechend gehe ich davon aus, dass man unbegrenzt Zeit hat, stelle das Wichtigste aber dennoch immer an den Anfang.

Ich selbst brauche die vorgestellten Informationen, um mich hinterfragen und verbessern zu können. Nur wenn ich ganz klar ausformuliere, von was ich überzeugt bin, kann ich bewusste Änderungen an diesen Vorstellungen vornehmen. Würde ich sie nicht ausformulieren, bestünde die Möglichkeit, dass ich etwas vergesse oder mich nicht mehr bewusst, mit all meinen Argumenten auseinandersetze.

Zuletzt besteht noch die Frage nach dem Vorverständnis. Ich möchte den Text so formulieren, dass jede Frage so beantwortet wird, dass auch jemand, der sich bisher nur die vorherigen Fragen angeschaut hat, damit etwas anfangen kann. Das ist auch das generelle Ziel, das ich mit diesen Grundlagen verfolge. Natürlich kommt man nicht darum herum, Wörter einzuführen und diese mit einem konkreteren Inhalt zu füllen. Mein Ziel besteht aber darin, soweit es geht, alltagssprachliche Ausdrücke zu verwenden, um das Gefühl eines Gesprächs aufrecht zu erhalten, da ich auch nicht davon ausgehen kann, dass ich selbst immer verstehe, was ich mit bestimmten Ausdrücken gemeint habe.

  • Entgegen dem Bekannten argumentieren, um klarer herauszuarbeiten, wo es Probleme gibt

Philosophie

Was ist Philosophie?

[Status: Konstruktion einer Überzeugung]

Die Philosophie ist ein Fachbereich, der sich mit den fundamentalen Voraussetzungen einer Sache beschäftigt. Dabei stellt sie außerordentlich grundlegende Fragen und beantwortet diese, indem ein Ausdruck bestimmt, eine ausführliche Begründung gegeben oder im Idealfall beides gleichzeitig durchgeführt wird.

In Abgrenzung zu anderen Fachbereichen beschäftigt sich die Philosophie vordergründig mit solchen grundlegenden Fragen, die viele andere Fachbereiche gleichermaßen betreffen können (zum Beispiel mit Fragen wie „Was ist eine Bedeutung?“ oder „Was ist das Gute?“). Diese können wiederum auf ein festes Wissensgebiet reduziert werden, sodass sie eine konkrete Anwendung in der Welt erhalten.

Es folgt eine ausführliche Beschreibung dieser Auffassung. Dazu möchte ich zunächst erläutern, warum Voraussetzungen für mich das wesentliche Merkmal der Philosophie sind.

I. Was sind grundlegende Fragen?

Innerhalb der Philosophie als institutionalisiertem Fachbereich begegnen mir immer wieder zwei wesentliche Verwendungsmöglichkeiten10 des Begriffs: zum einen eine Philosophie, die sich mit der Bestimmung von Ausdrücken beschäftigt und danach fragt, was das Wesen einer Sache ausmacht und zum anderen eine Philosophie, die sich mit der Begründung von Meinungen und Handlungen beschäftigt und dementsprechend Argumente für unterschiedliche Entscheidungsmöglichkeiten bespricht. In der Philosophie wird bei dieser Aufteilung hin und wieder eine Grenze zwischen theoretischer und praktischer Philosophie oder zwischen Sein und Sollen gezogen. Beide Grenzen sind jedoch nicht ganz identisch mit der zwischen Bestimmung und Begründung.

Trotz dieser relativ strikten Zweiteilung gehe ich davon aus, dass beide Verwendungsmöglichkeiten ineinander verwoben sind, was dazu führt, dass ich die beiden Varianten der Philosophie nicht deutlich voneinander trennen möchte. Das zeigt sich für mich an folgendem Zusammenhang: Innerhalb einer Ausdrucksbestimmung muss man die Verwendung einer konkreten Definition wenigstens immer vor sich selbst begründen, während andersherum eine Begründung nicht ohne die Verwendung bestimmter Ausdrücke möglich ist.

Wenn ich zum Beispiel Freiheit definieren möchte, besteht die Möglichkeit, wenn ich aufrichtig erscheinen möchte, dass ich begründe, wie ich dazu komme, Freiheit so zu definieren. Ansonsten besteht auch für mich selbst die Frage, warum ich diese Definition überhaupt gewählt habe und was mich dahingehend beeinflusst hat.

Diese Situation führt dazu, dass die Philosophie zwei Aspekte beinhaltet, die schwierig zusammenzuführen sind, da sie unterschiedliche Handlungen beschreiben. Noch einmal kurz zur Wiederholung: Der eine Aspekt beschäftigt sich mit der Herausarbeitung der Definition von Ausdrücken, der andere mit der Begründung von Meinungen und Entscheidungen. Der eine Aspekt ist eher abstrakt, der andere eher konkret. Was beide jedoch meiner Ansicht nach verbindet, ist die Suche nach den Bedingungen, unter denen die Verwendung des Konzepts oder die konkrete Entscheidung gerechtfertigt ist. Und ich denke, dass auf dieser Grundlage eine Bestimmung des Ausdrucks Philosophie möglich wird. Auf der Grundlage von fundamentalen Voraussetzungen.

Die Philosophie ist demnach ein Fachbereich, der sich mit den grundlegenden Aspekten einer Sache beschäftigt. Diese grundlegenden Aspekte können zu Fragen umformuliert werden, um einen intuitiveren Zugang zu erhalten: so lässt sich der Ausdruck „Philosophie“ in grundlegende Fragen wie zum Beispiel „Was ist Philosophie?“, „Wofür wird Philosophie verwendet?“ und „Wie begründe ich mein Philosophie-Verständnis?“ übertragen. Grundlegende Fragen sind in diesem Zusammenhang Fragen, die sich nicht direkt mit der konkreten Sache auseinandersetzen, sondern eher indirekt, indem sie sich auf die Voraussetzungen der Sache konzentrieren.

Aus diesem Grund befasst sich eine Philosophin zum Beispiel eher damit, was mit dem Ausdruck „Frühstück“ verbunden wird und was man darunter versteht, als danach, was man heute selbst zum Frühstück hatte. Hier wird versucht, die Voraussetzungen für die Verwendung des Ausdrucks Frühstück zu klären, indem die Beziehungen zu anderen Ausdrücken und die Verwendungsart thematisiert werden, anstatt direkt nach dem Inhalt einer konkreten Anwendung des Ausdrucks zu fragen.

Weiterhin wird philosophisch aber zum Beispiel auch danach gefragt, warum ich zu einer bestimmten Zeit zum Beispiel nach Hause gegangen bin, anstatt danach, wann ich nun genau nach Hause gegangen bin. Hier wird die philosophische Fragestellung vielleicht nicht sofort deutlich, aber es geht um die Begründung einer konkreten Entscheidung, so wie es auch bei anderen Handlungen eines gelungenen Lebens der Fall wäre. Es wird versucht, die Voraussetzungen zu klären, die zu meiner Handlung geführt haben, indem nach den Gründen dafür gefragt wird, anstatt nach dem Inhalt eines Teils meiner Handlung. In diesem Fall wäre der Inhalt eines Teils meiner Handlung die Uhrzeit, die aber für die Beantwortung der Frage nach meinen Gründen nur ein Indiz, aber nicht ohne Kontext die Begründung darstellt. Eine Antwort wie „Ich bin nach Hause gegangen, weil es 20 Uhr war.“ lässt offen, warum die Uhrzeit für den Sprecher relevant gewesen ist.

Innerhalb der Philosophie wird versucht, festzustellen, wie solche grundlegenden Fragen genau formuliert werden können und auf welche Weise man sie beantworten kann, da es eben nicht immer eindeutig ist, ob es sich überhaupt um eine grundlegende Frage handelt. Der Fachbereich innerhalb der Philosophie, der sich dieser Aufgabe widmet, nennt sich meistens Metaphilosophie.

Während sich andere Fachbereiche ebenfalls mit grundlegenden Fragen beschäftigen können und dadurch einen gewissen philosophischen Charakter erhalten, konzentriert sich die Philosophie vordergründig auf solche Begriffe, die die Voraussetzungen aller Bereiche betreffen könnten: zum Beispiel mit Fragen danach, was unter Sinn zu verstehen ist, was Wissen ausmacht oder was es bedeutet, etwas wahrzunehmen? Diese Universalität ist der Grund dafür, warum ich die Philosophie in diesem Text an die erste Stelle der Fachbereiche gesetzt habe. (Fachbereich der grundlegenden Fragen)

II. Was bedeutet es zu philosophieren?

Der wichtigste Aspekt der Philosophie besteht für mich in der Tätigkeit des Philosophierens, das heißt: selbstständig grundlegende Fragen stellen und diese mit dem eigenen Denken in ihrem vollen Umfang erschließen. Man sucht nicht eine bestimmte Antwort und gibt sich mit ihr zufrieden, sondern man versucht, alle Perspektiven zu erfassen, sie gegeneinander abzuwägen und sie anschließend in einer einfachen, verständlichen Sprache zu verinnerlichen. Philosophie wird damit zu einem Organisationswerkzeug für unser Wissen und dadurch zu einem alltäglichen Begleiter. (Selbst grundlegende Fragen stellen und umfangreiche Antworten finden)

Ein weiterer wichtiger Aspekt philosophischer Arbeit besteht darin, die verschiedenen Antworten zu den Fragen den entsprechenden Kontexten zuzuordnen, sodass ein Ausdruck in einem anderen Zusammenhang etwas anderes bedeuten kann. Ein Ausdruck wie „Liebe“ kann zum Beispiel in unterschiedlichen Kontexten sowohl ein positives emotionales Geständnis gegenüber einem anderen Individuum („Ich liebe dich.“) oder aber lediglich ein positives Gefühl bei der Bewertung von Essen („Ich liebe Spaghetti!“) sein.

Eliezer Yudkowsky spricht darüber hinaus von der Aufgabe der Philosophie, herauszufinden, weshalb wir die gefundene grundlegende Frage überhaupt gestellt haben und warum eine solche Frage trotz guter Begründungen immer wieder gestellt wird.11 Dieser Schritt kann uns dabei helfen, der Gefahr zu entgehen, intensiv über Begriffe zu diskutieren, ohne eine sinnvolle Anwendung für sie zu besitzen. (Grundlegende Fragen hinterfragen)

Eine weitere wichtige Aufgabe besteht darin, sich zu fragen, welche Informationen notwendig wären, damit sich die eigenen Überzeugungen verändern ließen und wenn es keine gibt, welche konkreten Gründe man dafür anführen kann, auf einer nicht widerlegbaren Meinung zu bestehen. Dieser Schritt verhindert, dass eine Überzeugung überproportional großen Raum im eigenen Denken einnimmt, ohne dass sie regelmäßig herausgefordert wird. (Falsifizierbarkeit der eigenen Überzeugung überprüfen und gegebenenfalls begründen)

III. Welche Informationen zur Philosophie sind noch erwähnenswert? (wird bearbeitet)

Philosophie ist ein ursprünglich griechisches Wort und bedeutet übersetzt: Liebe zur Weisheit12. Der Begriff entstand in Griechenland ca. um 500 v.u.Z. am Übergang von Mythos (Erzählungen) zu Logos (auf Vernunft basierenden Erklärungen). Am Anfang der Philosophie stand die Frage nach der Beschaffenheit der Natur und die Philosophie war identisch mit der Wissenschaft.

Thales von Milet befasste sich als erster überlieferter westlicher Philosoph damit, wie sich die Welt aus nur einem einzigen Prinzip heraus entwickeln könnte. Diese Art des Denkens bestand über mehrere Jahrhunderte und änderte sich erst mit den Sophisten, Wanderlehrern, die ihr Wissen für Geld verkauften. Diese dachten darüber nach, dass jede Überzeugung vom Individuum abhängig sein könnte und es deshalb keine objektive Wahrheit über die Welt gibt. Dies führte zu einer stärkeren Beschäftigung mit dem Menschen und seiner Sprache. Und einige Sophisten veranlasste das dazu, die gesamte Philosophie lediglich als ein geschicktes Überreden zu begreifen. Diese Vorstellung wurde jedoch mit dem Erstarken des sokratischen Denkens abgelegt, obwohl die Frage, ob es eine relative oder eine allgemeingültige Wahrheit gibt, nicht gelöst wurde. Diese Uneinigkeit in den selbst grundlegendsten Überzeugungen hat dazu geführt, dass sich die Philosophie auch heutzutage noch mit denselben Fragen beschäftigt und versucht, sie zu deuten, um darüber möglicherweise der Wahrheit wenigstens zu einem kleinen Teil näherzukommen.

Siegfried König grenzt die Philosophie von der Religion ab, indem er sagt, dass Religionen konkrete Antworten auf bestimmte grundlegende Fragen liefern, während die Philosophie nur mögliche Antworten anbieten kann. In einigen Religionen wird zum Beispiel die Frage nach dem Ursprung des Lebens mit Gott beantwortet, der uns zum Beispiel erschaffen haben soll. Die Philosophie würde hingegen sagen, dass es bisher keine eindeutige Antwort auf die Frage gibt und zwischen den verschiedenen Möglichkeiten verhandeln.

Weiterhin geht König von einem familiären Verhältnis zwischen Wissenschaft und Philosophie aus, welches darin besteht, dass die einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen durch die Philosophie in ihren Grundannahmen hinterfragt werden: Wenn etwas aus der Wissenschaft unklar ist, wird es dementsprechend zu einer grundlegenden Fragestellung. Während der umgekehrte Prozess meist über Nützlichkeit erfolgt: Wenn etwas aus der Philosophie in der Welt effektiv angewendet werden kann, wird es zu einem empirischen wissenschaftlichen Bereich.

Abschließend erklärt König, dass der „gesunde Menschenverstand“ und das pragmatische Handeln kein Ersatz für die Philosophie darstellen, da sie sich mit der plausibelsten Antwort zufriedengeben, während die Philosophie alle möglichen Antworten anstrebt.13

Jonas Pfister14 unterscheidet die Philosophie in Bedeutungs- und Begründungsfragen. Bedeutungsfragen möchten klären, wie Begriffe definiert werden, während Begründungsfragen sich für die Argumente bestimmter Meinungen interessieren. Diese Unterscheidung konzentriert sich darauf, welche Aufgaben von der Philosophie erfüllt werden können. Ich halte sie jedoch für unnötig, da sich die beiden Kategorien teilweise überschneiden können, was Pfister in seiner Aufteilung auch selbst bemerkt und deshalb die beiden Kategorien voneinander abhängig macht . Das ist zum Beispiel der Fall, wenn man erläutern soll, welchen Grund man hat, bestimmte Begriffsdefinitionen zu bevorzugen bzw. welche Begriffsdefinition man verwendet, um eine bestimmte Meinung zu begründen.

Im nachfolgenden Abschnitt möchte ich auf eine konkrete Vorstellung der Philosophie eingehen, die ich teilweise kritisiere, die aber so an heutigen Institutionen gelehrt wird. Bevor ich jedoch meine Kritik ausführe, möchte ich die Gedankengänge kurz skizzieren: Das Philosophie-Institut in Leipzig am Anfang des 21. Jahrhunderts trennt in ihrer Einführungsvorlesung nicht stark zwischen Philosophie und Philosophieren. Für sie bezeichnet das Philosophieren und damit die Philosophie als Ganzes die Beschäftigung mit dem Sein und stellt damit einen Versuch dar, nur über das Denken zu Erkenntnis zu gelangen. Es soll keine Beschäftigung mit dem, was konkret existiert sein, sondern mit der Fragestellung, was es heißt zu sein. Darunter fällt auch die Frage, warum überhaupt etwas ist und nicht vielmehr nichts? Die Forschung in der Philosophie findet dann über die Frage statt, was es bedeutet, wenn eine bestimmte Sache ist. Die Methode in dieser Forschung ist das Nachdenken und das Reflektieren. Der Test für die Richtigkeit einer philosophischen Argumentation besteht dann im Verständnis und der Zustimmung zur vorgebrachten Argumentation. Wenn etwas in der Philosophie richtig ist, soll es für alle zu jeder Zeit gleich richtig sein. Der Streit über die Richtigkeit ist dann häufig sehr intensiv, weil es in diesem Zusammenhang kein bisschen Rechthaben gibt. Standards der Naturwissenschaft sollen sich nicht auf die Philosophie übertragen lassen, weil sie eine andere Disziplin bezeichnen und von außen versuchen, etwas zu erläutern. Die Standards der Philosophie sind angeblich das Verstehen, die Schärfe und Kohärenz der Argumente sowie der eigene Ausdruck. Weiterhin sollte das bereits oben genannte Prinzip der wohlwollenden Interpretation im Vordergrund stehen (dem Text, solange man kann, eine Richtigkeit unterstellen). Einige Methoden beim Widersprechen einer Überzeugung sind zum Beispiel der Nachweis, dass ein Autor etwas sagt, was er gar nicht hätte sagen müssen oder dass im Text möglicherweise ein Missverständnis vorlag oder etwas nicht richtig zu Ende gedacht wurde.

Mein Hauptproblem mit dieser Perspektive liegt vordergründig in der Überbetonung der Sonderstellung der Philosophie. Ich denke ebenfalls, dass es nicht sinnvoll wäre, die Durchführung empirischer Forschungsmethoden bei der Philosophie zu erzwingen, da ich ihre Aufgabe nicht darin sehe, physikalische Theorien zu formulieren. Wenn die Philosophie allerdings versucht, eine abgeschlossene begriffsinterne Alternative zur wissenschaftlichen Erklärung der Welt zu schaffen, dann frage ich mich, wie diese Überzeugung innerhalb einer sich ständig verändernden Sprache gerechtfertigt werden kann. Selbst der Versuch bloß eine kohärente, idealisierte Sprache schaffen zu wollen, scheitert für mich an dem Problem des Sprachwandels, da die zukünftige Erweiterung der Sprache in der heutigen Definition des Begriffs nicht eingearbeitet werden kann, da sie ja noch nicht existiert. Begriffe lassen sich nur abschließend klären, wenn sie sich in einem abgeschlossenen System befinden. Ein solches System kann jedoch niemals alles erklären, weil darüber hinaus neue Entdeckungen gemacht werden können, die das System nicht berücksichtigen kann. Aus diesem Grund halte ich den Versuch, einen Begriff nur aus sich selbst heraus zu verstehen, immer für den Startpunkt einer zeitlich gebundenen Überzeugung.

An einer solchen Überzeugung festzuhalten, möchte ich jedoch vermeiden, weil es durch neue Erkenntnisse möglicherweise einfacher und effizienter beschrieben werden könnte. Weiterhin würde das Festhalten an der Vergangenheit dazu führen, dass uns nicht daran gelegen ist, Antwortmöglichkeiten zu untersuchen, sondern der Welt eine konkrete Antwort überzustülpen. Das ist für eine konkrete praktische Anwendung sicherlich sinnvoll, allerdings meiner Ansicht nach nicht für eine philosophische Untersuchung.

Eine weitere Möglichkeit Philosophie zu denken, besteht darin, davon auszugehen, dass Philosophie, der einzige Fachbereich ist, in dem Theorie und Praxis zusammenfallen, da die Praxis der Philosophie das Denken ist, obwohl das Nachdenken im Normalfall ein wesentlicher Bestandteil der Theorie ist.
Es könnte sein, dass es deshalb keine Theorie in der Philosophie gibt.


Wofür wird Philosophie verwendet?

Die Philosophie strukturiert mögliche Perspektiven eines Begriffs (und den dazugehörigen grundlegenden Fragen), damit man sie einfach erfassen, sie gegeneinander abwägen und sich dann in einem konkreten Kontext sinnvoll für eine der Perspektiven entscheiden kann. (Strukturierung von möglichen Perspektiven)

Mit dieser Arbeit unterstützt die Philosophie die Suche nach Wissen, weil sie sowohl neue Kategorien eröffnet, als auch vorhandene Kategorien miteinander verbindet und hinterfragt.

Sie unterstützt damit aber auch den politischen Entscheidungsprozess, da sie sich ebenfalls mit der Angemessenheit verschiedener Antworten auseinandersetzt. In welcher Weise ist es zum Beispiel vertretbar, wenigen Menschen für das Wohlergehen der Mehrheit zu schaden? (Handlungen begründen)

Darüber hinaus ermöglicht es der philosophische Austausch, dass man seine eigenen Vorstellungen infrage stellen kann, um darüber zu einer besser begründeten Überzeugung zu gelangen.

Eine argumentativ begründete Überzeugung ist ein Mittel dafür, anderen Menschen nachvollziehbar zu machen, warum wir so handeln, wie wir handeln, um darüber ein friedliches Zusammenleben besser organisieren zu können. Oder aber die Überzeugungen helfen dabei, das eigene Selbstbewusstsein auszubauen und damit zu einem größeren Selbstvertrauen zu gelangen. (Überzeugung von Menschen und Hinterfragung von Vorstellungen)


Wobei kann mir die Philosophie helfen?

Die folgenden Antworten sind vereinfachte Möglichkeiten, die nicht immer zutreffen müssen, aber Anhaltspunkte für die Auseinandersetzung mit der Philosophie geben können. Sie sind deshalb aus der Ich-Perspektive geschrieben.

Ich kann glücklich werden, indem ich mir durch die Beschäftigung mit schwierigen Problemen bewusst werde, was ich mir wünsche und was mich interessiert.

Durch das Nachdenken über philosophische Themen, erlange ich ein größeres Selbstbewusstsein und ein größeres Selbstvertrauen, da ich mich bei philosophischen Betrachtungen in unterschiedliche Situationen hineindenken muss. Damit kann ich mich in schwierigen Situationen besser auf meine Ziele ausgerichtet entscheiden.

Logisches Denken ermöglicht es, andere Menschen von meinen Gedanken zu überzeugen, da ich meine Vorstellungen über Argumente nachvollziehbar begründen kann.15

Ich kann meinen Alltag, mein Lernen und mein Denken strukturieren, da ich mein Wissen in bewusst definierte Konzepte einteile.


Was ist Wahrnehmung? Was ist ein Ich? Was ist eine Sache?

[Status: Recherche, Konstruktion einer Überzeugung]

Eine konkrete Wahrnehmung ist ein bewusst gewordener Unterschied; der Prozess des Wahrnehmens wiederum, der ebenfalls als Wahrnehmung bezeichnet werden kann, ist das Bewusstwerden eines Unterschieds.

Das Ich (Inneres) und die Welt (Äußeres) sind zwei notwendige voneinander abgrenzte Teile, mit denen es möglich wird, eine Wahrnehmung zu beschreiben. Ohne diese Einteilung ist nicht klar, worauf sich eine Wahrnehmung beziehen soll. Wer nimmt wahr, wenn es kein Inneres gibt? Was wird wahrgenommen, wenn es kein Äußeres gibt? Das gilt meiner Ansicht nach auch, wenn man davon ausgeht, dass das Äußere vom Inneren konstruiert wird.

Eine Sache oder Ding ist ein Platzhalter für alles, was wahrgenommen oder nicht wahrgenommen werden kann.

Im weiteren Verlauf dieses Kapitels möchte ich darauf eingehen, unter welchen Voraussetzungen ich zu diesen Beschreibungen gelangt bin. Zunächst möchte ich jedoch erklären, warum ich Wahrnehmung an die erste Stelle meiner inhaltlichen Ausarbeitung gesetzt habe.

I. Warum steht Wahrnehmung am Anfang?

Wie bei jedem Anfang stellt sich zunächst die Frage, wieso gerade dieser Aspekt vor alle anderen gesetzt wurde? Wenn wir die einführenden Fragen ausblenden: Warum ist die Frage nach der Wahrnehmung an erster Stelle und warum ist sie wichtiger als eine andere, wie zum Beispiel die Frage nach dem Denken oder die nach der Bedeutung (1)? Und darüber hinaus: Warum verknüpfe ich die Frage nach der Wahrnehmung im Titel mit weiteren Fragen (2)?

(1) Ich setze die Frage nach der Wahrnehmung an den Anfang, weil ich davon überzeugt bin, dass sie für das Verständnis aller anderen Aspekte der Philosophie notwendig ist, da ihre Antworten darüber entscheiden, welche anderen Fragen überhaupt gestellt werden können. Schließlich können wir keine Frage über etwas stellen, das wir nicht auf irgendeine Weise schon einmal wahrgenommen haben.

Nehmen wir zum Beispiel einen Begriff wie Gott, der scheinbar nicht klassisch wahrnehmbar ist, weil wir ihn zum Beispiel nicht mit unseren Sinnen wahrnehmen können. Über den Begriff werden trotz fehlender Sinneswahrnehmungen, sehr viele Fragen gestellt. Wie ist das möglich? Bei diesem (aber auch bei jedem anderen) abstrakten Ausdruck lässt sich feststellen, dass man sich nur damit beschäftigen kann, wenn man den Begriff entweder im Umgang mit anderen kennengelernt hat oder er sich über seine Folgen auf unsere Umgebung gezeigt hat.

Wenn man den Begriff von anderen Menschen gelernt hat, dann müssen diese Menschen den Begriff auch in irgendeiner Weise gelernt haben und damit etwas Bestimmtes verbinden. Wenn das nicht der Fall wäre, ist der Begriff bedeutungslos. Daraus folgt, dass jeder Begriff aus der Wahrnehmung der Menschen entstammt, die diesen Begriff als Bezeichnung für eine Erfahrung in der Welt gebraucht haben, weil ihnen etwas aufgefallen ist. Wenn diese Menschen dann beispielsweise religiös sind, erkennen sie in ihren Erfahrungen die Handlungen Gottes in der Welt und beschreiben einen Schöpfer. Wenn sie nicht religiös sind, sehen sie darin etwas anderes.

In jedem Fall benötigt man jedoch eine Bestätigung über das Vorhandensein von etwas, um ihm Eigenschaften zuschreiben und darüber sprechen zu können. Das bedeutet nicht, dass es physikalisch vorhanden sein muss, sondern nur, dass es in irgendeiner Weise verwendet werden kann. Aus diesem Grund nehmen wir meiner Ansicht nach auch Sachen wie grammatische Propositionen wahr, die natürlich keine Elemente in der physikalischen Welt darstellen. Wir nehmen sie wahr, weil ihre Verwendung in unserer Sprache eine Funktion erfüllt, die wir beobachten können.

Aus diesen Gründen erscheint es mir wichtig, zunächst einmal zu klären, welche Vorstellungen wir überhaupt von dieser Bestätigung haben, bevor wir dazu übergehen können, andere Fragen klären zu wollen. Denn wenn wir bei unseren Untersuchungen auf Schwierigkeiten stoßen sollten, brauchen wir, um sie zu lösen, vielleicht nur eine andere Perspektive einzunehmen, anstatt die vollständige Argumentation zu verwerfen.

(2) Darüber hinaus verknüpfe ich die Frage nach der Wahrnehmung mit weiteren Fragen, da Wahrnehmung zwar im Zentrum dieses Kapitels steht, aber die anderen Begriffe meiner Ansicht nach mit ihr zusammenhängen. Wenn ich also in einem Kapitel mehrere Fragen in den Titel setze, dann gehe ich von einem Zusammenhang zwischen den Begriffen aus, den ich durch diese Form hervorheben möchte.

II. Von welchen Wahrnehmungsmodellen gehe ich aus?

Doch was genau ist Wahrnehmung? In unserem Alltagsverständnis verbinden wir damit vordergründig zwei Verwendungsmöglichkeiten: 1. den Prozess der Aufnahme von Informationen über die klassischen fünf Sinne und 2. eine ganz konkrete Aufnahme in einer bestimmten Situation. Bei meinen weiteren Beschreibungen konzentriere ich mich auf die erste Verwendung des Begriffs, da diese die allgemeinere Form beschreibt, aus der die konkrete abgeleitet werden kann. Wissenschaftliche Annäherungen erweitern diese allgemeine Vorstellung und beschreiben den Prozess als eher nicht kontrollierbare durch das Gehirn gesteuerte Verarbeitung der von uns aufgenommenen Welt.

"Die Welt wie wir sie wahrnehmen ist ein Konstrukt unseres Gehirns. Zur Erschaffung dieser Welt nutzt das Gehirn nicht nur die aktuelle sensorische Information, die es von unseren Sinnesorganen erhält. Es steckt auch Annahmen hinein, die es für die Auswertung der Sinnesinformation braucht, sowie Erfahrung und Wissen, die es in unserem Gedächtnis findet."16

Wahrnehmung ist bei dieser Erklärung (1.) vordergründig ein für das Individuum passiver Prozess, der dafür verantwortlich ist, unsere Vorstellung von der Welt zu prägen, indem er diese aus den sensorischen Informationen und den Annahmen unseres Gehirns konstruiert. Hier wird auch deutlich, dass Wahrnehmung eine Verbindung zu Begriffen wie Sinn, Erfahrung, Erinnerung, Wissen, Erkenntnis oder auch das Denken im Allgemeinen aufweist und dass wir uns über diesen Zusammenhang bewusst werden müssen, um zu einem vollständigen Verständnis des Prozesses zu gelangen.

Wahrnehmung kann jedoch auch anders betrachtet werden: zum Beispiel so, dass sie (2.) lediglich eine Verbindung zwischen unseren Vorstellungen und der uns umgebenden Welt schafft und damit überhaupt keinen konstruierenden Teil besitzt. Oder sie kann so betrachtet werden, dass sie (3.) die Welt als solche vollständig erschafft und damit gar keinen sensorischen Teil enthält.

Nachfolgend möchte ich die Voraussetzungen für die verschiedenen Modelle näher betrachten, um mit ihrer Hilfe zu einem eigenen Wahrnehmungsbegriff zu gelangen, der als Grundlage für meine weiteren Ausführungen dienen kann.

III. Was ist ein Ich? Was sind Handlungen?

Wenn man davon ausgeht, dass Wahrnehmung etwas ist, was einem passiert oder das man selbst ausübt, dann muss man zunächst einmal klären, was dieses Ich überhaupt ist, das etwas wahrnehmen kann oder etwas wahrnimmt? Ohne wenigstens ein grundlegendes Verständnis dieses Zusammenhangs ist es nicht möglich, Wahrnehmung weiter zu denken, da man sonst den alltäglichen Gebrauch des Wortes vernachlässigt.

Man benötigt also generell die Vorstellung eines eigenständigen Ichs, eines Inneren oder auf anderes bezogen eines abgegrenzten Etwas, eines Individuums, um Vorgänge begründen zu können. Und man braucht die Vorstellung einer Handlung, von Prozessen, um die alltägliche Erfahrung von Abläufen kategorisieren und beschreiben zu können. Hätte man diese beiden Beschreibungsmuster nicht, könnte man Veränderungen von individuellen Sachen nicht bestimmen. Wie sollte man zum Beispiel erklären, dass ein Hund bellt, wenn man weder ein Konzept eines abgegrenzten Individuums (eines Hundes) noch ein Konzept eines Ablaufs (des Bellens) hätte? Handlungen sind in diesem konkreten Fall der Definition nicht motiviert, da es unmöglich ist, herauszufinden, ob die Abläufe außerhalb des eigenen Denkens eine Eigenständigkeit besitzen. Weiterhin ist es auch fragwürdig, was Motivation außerhalb des eigenen Denkens überhaupt ist: Ist ein Stein zum Beispiel motiviert, den Hügel herunterzurollen, weil dieses Ziel für ihn existiert? Für das Innere gibt es wiederum die Frage, wie man überhaupt feststellen will, wie unsere Motivation nicht durch etwas Äußeres gesetzt wird?

Eine konkrete Ausformulierung dieses Problems hatte ich bereits in meiner Einführung erwähnt: Ich erachte es für schwierig, ein selbstmotiviertes handelndes Ich mit den Gesetzen des uns bekannten Universums zu vereinbaren. Denn wenn unser Ich durch unsere Vergangenheit geprägt ist, dann können wir keine Entscheidungen treffen, weil wir nichts tun können, was nicht mit unserer Vergangenheit vereinbar ist. Wie sollte man zum Beispiel die Entscheidung getroffen haben, einen Ball zu fangen, den man nie gesehen hat? Man kann keine konkrete Entscheidung für etwas treffen, was einem nicht kausal passiert ist.

Also sind unsere Möglichkeiten: Man geht davon aus, dass man dazu in der Lage ist, etwas zu tun, was gegen die Gesetze des Universums (konkret die Kausalität) verstößt, was bedeutet, dass die Gesetze anders funktionieren als nach der Kausalität. Oder man geht davon aus, dass das Universum in einem bestimmten Maß Kausalitäts- und Logikbrüche zulässt, was dazu führen würde, dass man sich niemals sicher sein kann, ob irgendwas in Zukunft noch so ist, wie es bisher war. Dann könnte es aber schon morgen keine Gravitation mehr geben. Oder man geht davon aus, dass es keine Freiheit gibt, sondern alle Entscheidungen, die man trifft, durch den Aufbau des Universums vorherbestimmt sind und wir lediglich das Phänomen beobachten können, dass wir scheinbar Entscheidungen treffen.

Trotz dieser generell eher unbefriedigend erscheinenden Auswahl, bin ich mit der letzten Antwort doch ganz zufrieden und würde mich für diesen Ausweg stark machen. Denn selbst wenn unsere Entscheidungen nur Illusionen unserer Wahrnehmung sein sollten, so sind es dennoch Illusionen, die in unserem Interesse liegen (weil sie aus unserer eigenen Vergangenheit heraus entstehen) und die wir in diesem Moment erleben, was sie relevant für unser Leben und unser Wohlergehen macht.

Wenn man diesen Ausweg wählt, um die Vorstellung von Handlungen zu beschreiben, dann kann man unser Alltagsphänomen von Freiheit darüber erklären, dass wir selbst innerhalb der Physik durch die Physik handeln. Wir sind der vollständige Körper, der eine Bewegung ausführt und damit die Entscheidung trifft und erlebt. Wir sind aber auch vollständig von der Physik abhängig, die uns das Treffen dieser Entscheidung erleben lässt.17

IV. Welche Voraussetzungen hat das Konzept der Wahrnehmung?

Nachdem ich nun meine Vorstellung des Ichs und des Handelns verdeutlicht habe, steht für mich die Frage im Raum, welche Eigenschaften ein Ich hat, das etwas wahrnimmt. Was macht also ein wahrnehmendes Ich konkret zu einem wahrnehmenden Ich?

Ein solches Ich lässt sich meiner Ansicht nach wie weiter oben bereits angerissen vordergründig als eine Art von Abgrenzung denken. Wenn ich sage, dass ich etwas tue oder dass mir etwas zustößt, bedeutet das, dass dieses Ich im Zusammenhang mit den genannten Ereignissen steht. Es ist jedoch nicht identisch mit den Ereignissen.

Das erscheint zunächst einmal als nichts Besonderes, aber für mich ist das eine wichtige Erkenntnis: Jedes Ereignis besitzt damit ein erfahrendes Ich, das dem Ereignis auf irgendeine Weise beiwohnt, darüber hinaus aber auch ein etwas, das von den Ereignissen betroffen ist (durch eine Handlung, ein Erleiden oder eben eine Wahrnehmung). Ich möchte noch kurz ergänzen, dass ich nicht denke, dass damit der Ereignis-Begriff vollständig erfasst wurde, da zum Beispiel auch der Ablauf eines Ereignisses relevant sein könnte. Allerdings folgt aus der einfachen Trennung von erfahrendem Ich und von einem Ereignis Betroffenes, dass das übergeordnete Ereignis und das Ich nicht identisch sein können, da das vom Ereignis Betroffene nicht identisch mit dem erfahrenden Ich sein muss. Bei einigen Ereignissen kann das erfahrende Ich allerdings identisch mit dem von dem Ereignis Betroffenen sein. Zum Beispiel bei solchen Aussagen wie: ich fürchte mich.

Die erste Voraussetzung für eine Wahrnehmung scheint damit die Trennung in einen Wahrnehmenden (erfahrendes Ich) und etwas Wahrnehmbares (Betroffenes) zu sein oder anders formuliert: 1. Eine Wahrnehmung benötigt eine Beobachterin und etwas Beobachtbares.

Ich halte diese Vorstellung für sehr stark, aber möchte auch die Gegenposition beleuchten, um zu überprüfen, ob diese sinnvoll vertreten werden kann. Um also diese Annahme zu widerlegen, müssen wir uns eine Wahrnehmung ohne Perspektive vorstellen, ohne Wahrnehmenden und ohne etwas Wahrnehmbares.

Wenn wir uns eine Wahrnehmung ohne Perspektive vorstellen wollen, würde sich der Begriff wahrscheinlich am ehesten in eine Richtung entwickeln, in der wir davon ausgehen, dass wir identisch mit dem gesamten Universum sind. Nur wenn wir alles sind, gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Beobachter und Beobachtbares. Das ist der einzige Zustand, der mir bewusst ist, bei dem die Einteilung von Beobachter und Beobachtbares nicht stattfinden muss. Auch wenn das nach einer Übertreibung klingt, sollte diese Vorstellung nicht sofort beiseitegeschoben werden.

Da über die Grundlagen unserer Wahrnehmung gesprochen wird, kann man weder belegen noch widerlegen, dass wir alles sind. So könnte es zum Beispiel sein, dass wir einfach alles sind, aber von unserem Wesen her so eingeschränkt, dass wir nicht bemerken, dass wir alles sind. Mir erscheint es jedoch sinnvoller zu sein, Annahmen zu bevorzugen, bei denen wir nicht sagen müssen, dass etwas existiert, was über unser Alltagsverständnis hinaus geht und was wir auch sonst nicht weiter nachweisen können. So ersparen wir uns Argumente, die wir wahrscheinlich nicht so gut belegen können.

Eine solche Herangehensweise bei der Überprüfung von Thesen ist gefährlich, da sie bestimmte Möglichkeiten aufgrund einer scheinbaren Praxistauglichkeit bewusst vernachlässigt. Sie führt aber auch zu einem effizienten Umgang mit philosophischen Vorstellungen, die für den Alltag eine weniger große Bedeutung haben. Wenn zum Beispiel eine Vorstellung keine Voraussagen über die Welt treffen kann, dann erhält diese Vorstellung einfach weniger Aufmerksamkeit, da sie maximal eine Interpretation anbieten kann, die auch von anderen Vorstellungen abgedeckt wird.

Die Vorstellung, dass wir alles sind, erfordert einen wesentlich größeren Beweisaufwand als die Vorstellung, dass es eine Aufteilung zwischen Beobachter und Beobachtbares gibt, da unser Alltag dadurch gekennzeichnet ist, dass wir anscheinend eine individuelle Wahrnehmung besitzen und individuelle Entscheidungen treffen können. Damit ist die Vorstellung, dass wir alles sind, zwar nicht widerlegt, aber es ist schwieriger, sie unter anderen möglichen gleichwertigen Vorstellungen zu vertreten.

Aus der Vorstellung der Auftrennung der Wahrnehmung in Beobachterin und Beobachtbares lässt sich die zweite Voraussetzung der Wahrnehmung ableiten: Wenn wir davon ausgehen, dass ein Beobachter eine bestimmte Perspektive besitzt, dann bedeutet dies, dass der Beobachter nur über diese Perspektive etwas wahrnehmen kann. Er kann nicht auf mehr Informationen zugreifen, als ihm die Perspektive generell ermöglicht. Ein Hund hat zum Beispiel nur ein bestimmtes Farbsehen und kann nicht mehr Farben sehen. Die zweite Voraussetzung der Wahrnehmung lautet dementsprechend: 2. Der Beobachter ist eingeschränkt.

Ich gehe davon aus, dass selbst im dritten Wahrnehmungsmodell ein Beobachter eingeschränkt ist, weil seine Konstruktion keine vollständige Wirklichkeit zu jeder Zeit hervorbringt. Obwohl die Wahrnehmende das Wahrnehmbare in diesem Modell zu jeder Zeit vollständig konstruiert, so kann sie all ihre Konstruktionen nicht zu jeder Zeit gleichzeitig wahrnehmen, was dazu führt, dass sie aus diesem Grund eingeschränkt ist.

Wenn wir davon ausgehen, dass unsere Wahrnehmung eingeschränkt ist, dann bedeutet das, dass wir nur auf einen Teil aller möglichen Wahrnehmungen zugreifen können. Das bedeutet wiederum, dass es so etwas wie eine individuelle Abbildung eines möglichen Bereichs aller Wahrnehmungen gibt. Daraus entsteht die dritte Voraussetzung für Wahrnehmung: 3. Wahrnehmung ist subjektiv. Wir gehen davon aus, dass unsere Vorstellung von der Welt nicht identisch mit der Wirklichkeit ist, weil wir als Individuen eingeschränkt sind18. Das widerlegt jedoch nicht das zweite Modell, da wir zwar dort vielleicht die Wirklichkeit so sehen, wie sie ist, aber nicht davon ausgehen können, dass unsere Interpretation dieser Wirklichkeit uns zu jeder Zeit alles zeigt, was in dieser Wirklichkeit existiert. Das bedeutet aber auch, dass wir im zweiten Wahrnehmungsmodell eine subjektive Wahrnehmung besitzen, weil unsere Gedanken zur objektiven Welt unterschiedlich sind, da wir nicht die vollständige objektive Welt kennen.

V. Was ist wahrnehmbar? Was ist eine Sache?

Nachdem diese drei Voraussetzungen angesprochen wurden, möchte ich nun näher auf das Beobachtbare eingehen, von dem ich bereits bei der ersten Voraussetzung gesprochen habe, aber das ich zugunsten einer tieferen Analyse des Beobachter-Ichs vernachlässigt habe.

Dazu möchte ich zunächst den Begriff der Sache einführen19. Eine Sache oder Ding ist ein Platzhalter für alles, was wahrgenommen oder nicht wahrgenommen werden kann20. Der Begriff dient dazu, sich auf etwas beziehen zu können, was nur möglicherweise in der Welt existiert. Wenn dieses Etwas dann wahrgenommen wird, dann existiert die Sache ganz konkret für uns in einem bestimmten Moment. Wenn sie nicht von einem Individuum wahrgenommen wird, dann existiert sie für dieses Individuum nicht, aber könnte trotzdem für andere existieren. Die Gesamtheit der Sachen, die von uns wahrgenommen werden können, bildet damit das Beobachtbare einer Beobachterin und ist damit Teil der ersten Voraussetzung.

Die Definition der "Sache" beinhaltet die Vorstellung, dass es etwas geben könnte, das wir nicht wahrnehmen können. Dies dient zur Veranschaulichung einer Möglichkeit, denn in der Wissenschaft existiert nichts außerhalb unserer Wahrnehmung, da es keine sinnvolle Möglichkeit gibt, zu überprüfen, ob etwas nicht wahrgenommen werden kann.

Wir können zwar davon ausgehen, dass unsere Wahrnehmung eingeschränkt ist, weil wir eine konkrete Perspektive einnehmen. Davon können wir aber nur die Möglichkeit ableiten, dass es etwas geben könnte, das außerhalb dieser Perspektive existiert. Wir können es jedoch niemals belegen, da wir aus unserer eigenen Perspektive nicht ausbrechen können. Wir können sie erweitern, aber jede neue Sache, die wir wahrnehmen, befindet sich wieder unter den Sachen, die wir eben wahrnehmen können, sodass sie nicht mehr unter die Sachen fällt, die nicht wahrgenommen werden können. Daraus folgt zwar, dass es Sachen gibt, die wir vorher nicht wahrgenommen haben. Aber wir können dennoch niemals herausfinden, ob sie bereits vorher existiert haben.

Das bedeutet, dass wir nur über Sachen sprechen können, die wir bereits wahrgenommen haben. Über die Sachen, die bisher von niemandem wahrgenommen werden können, kann nichts Überprüfbares gesagt werden, außer dass sie nicht wahrgenommen werden können.

Die fünf Sinne (Sehen, Hören, Tasten, Riechen und Schmecken) stellen die wesentlichen Möglichkeiten dar, wie Informationen von Sachen aufgenommen werden können. Es gibt allerdings auch andere Formen, die weniger bekannt sind (zum Beispiel die Temperaturwahrnehmung, das Gleichgewichtsempfinden, die Informationen unseres Darms oder die Körperempfindung der Extremitäten). Damit muss sich die Informationsaufnahme allerdings noch nicht erschöpfen, weil nicht endgültig geklärt werden kann, ob es nicht noch andere Formen der Informationsaufnahme gibt (zum Beispiel göttliche Eingebungen, Verbindungen von zusammengewachsenen Gehirnen oder Übertragungen mithilfe von Computer-Gehirn-Schnittstellen).

Für mich stellt sich bei der Informationsaufnahme allerdings die Frage, welche Gemeinsamkeiten zwischen all diesen Handlungen bestehen und was dementsprechend eine konkrete Wahrnehmung von einer Nicht-Wahrnehmung unterscheidet.

VI. Welche Verbindung hat die Wahrnehmung zu anderen Ausdrücken? (wird bearbeitet)

Um der Antwort auf die Frage, was eine Wahrnehmung konkret ausmacht, näher zu kommen, möchte ich zunächst genauer auf die schon oben erwähnte Verbindung zu anderen Begriffen eingehen. Diese Begriffe sind der Sinn, die Erfahrung, die Erinnerung, das Wissen, die Erkenntnis und das Denken.

Sinne stellen die verschiedenen Formen der Informationsaufnahme dar. Dabei mache ich jedoch keinen Unterschied zwischen den fünf Hauptsinnen und anderen Sinnen (wie zum Beispiel der Temperaturwahrnehmung). Hier besteht jedoch die Möglichkeit, dass sich meine Vorstellung der Wahrnehmung stark von anderen philosophischen Überlegungen unterscheidet. Während philosophische Einführungen anführen, dass Wahrnehmung nur eine Möglichkeit von Erkenntnis darstellt, vertrete ich jedoch die Ansicht, dass Wahrnehmung die einzige Möglichkeit darstellt, wie eine Information aufgenommen werden kann. Damit ist es meiner Ansicht nach auch die einzige Möglichkeit, wie uns Informationen als Grundlage unseres Denkens zur Verfügung gestellt werden, sodass Wahrnehmung für mich zur Voraussetzung für jede Erkenntnis und jedes Denken wird.

Wahrnehmung ist nur die Aufnahme von Unterschieden über die Sinne.

Das Vergessen macht es unmöglich zwischen einem verlorenen Sinneseindruck und einem nicht gemachten Sinneseindruck zu unterscheiden. Was dazu führt, dass es auch möglich ist, Wahrnehmung nur als Aufnahme von Unterschieden zu beschreiben, während jegliche Verarbeitung bereits ein gedanklicher Prozess ist. Argumente, die dagegen sprechen: Unsere Biologie gestattet uns nur eine bestimmte Perspektive (Vier Farben sehen, bestimmte Frequenzen, Blindheit); Unsere Sinne treffen durch ihren Aufbau bereits eine Auswahl

Das Denken ist wiederum ein Oberbegriff für Wahrnehmung, da die Wahrnehmung die Grundlage dafür darstellt

VII. Was ist meiner Ansicht nach eine Wahrnehmung? Was ist ein Bewusstsein? Was ist Aufmerksamkeit? Was ist ein Gefühl?

Um etwas wahrnehmen zu können, ist es notwendig, zwei Zustände miteinander zu vergleichen, wobei sich der zweite Zustand in irgendeiner Form vom ersten unterscheiden muss.

Wenn wir uns zum Beispiel einen unendlichen Raum vorstellen, in dem es nichts gibt, dann können wir erst etwas wahrnehmen, wenn irgendetwas in diesen Raum gesetzt wird. Ist die eingesetzte Sache aber in jeglicher Form mit dem Nichts des Raumes identisch, dann können wir sie niemals wahrnehmen, da wir keine Möglichkeit hätten, sie vom Nichts zu unterscheiden.

Aus diesem Grund ist eine konkrete Wahrnehmung für mich ein bewusst gewordener Unterschied; der Prozess der Wahrnehmens wiederum das Bewusstwerden eines Unterschieds. Das bedeutet, dass wir nur das wahrnehmen können, was wir auch unterscheiden können.

Daraus folgt, dass eine Information immer einen Unterschied deutlich macht. Ein Unterschied wiederum bezeichnet die Andersartigkeit einer Sache im Vergleich mit einer weiteren Sache.

Das Bewusstwerden oder das Bewusstsein sind für mich ein Zustand einer sich erhöhenden oder einer erhöhten Aufmerksamkeit. Wenn wir zum Beispiel eine erhöhte Aufmerksamkeit für einen Apfel auf einem Tisch besitzen, dann ist uns genau dieser Apfel bewusst. Unsere Aufmerksamkeit ist dann auf die Unterschiede ausgerichtet, die wir von diesem Apfel aufgenommen haben. Diese Definition ist darauf ausgerichtet, Bewusstsein in Bezug auf Wahrnehmung näher zu erläutern. In einem anderen Kontext lässt sich Bewusstsein auch identisch mit meiner Definition einer inneren Handlungsfähigkeit oder einem subjektiven Erlebnis von Zuständen fassen. In diesem Zusammenhang lassen sich auch Gefühle näher beschreiben. Ein Gefühl ist für mich ein bewusst gewordener Unterschied, der besonders intensiv unsere Aufmerksamkeit beansprucht.

Aufmerksamkeit beschreibt für mich den Zustand der Konzentration einer inneren Handlungsfähigkeit auf eine durch Unterschiede erkenntliche Sache.

Unsere innere Handlungsfähigkeit ist ein Sammelbegriff für die Möglichkeit eines Ichs, sich selbst wiederzugeben und ist vordergründig durch unsere innere Stimme, das Erinnern und Denken gekennzeichnet. Ich weiß nicht, ob diese Aufzählung vollständig ist.

Bei der Aufmerksamkeit gibt es für mich keinen Unterschied zwischen einer Sache, die von außen (Sehen, Hören, Temperaturwahrnehmung, etc.) oder von innen (Erinnerung) kommt, da durch die Verarbeitungsprozesse des Gehirns alles im Inneren entsteht. Die äußeren Sachen können lediglich eine stärkere Präsenz in der Aufmerksamkeit besitzen, weil die aufgenommenen Unterschiede durch das permanente Vorhandensein nicht schwächer werden. Äußere und innere Sachen lassen sich deshalb meiner Ansicht nach nur ungenau über die Stärke des entstandenen Reizes unterscheiden. Damit lässt sich feststellen, dass das Bewusstwerden einer Sache demnach der Prozess der erhöhten Konzentration der inneren Handlungsfähigkeit auf einen Unterschied ist, der dann als Abgrenzungsmerkmal für die Unterscheidung von anderen Sachen aufgefasst wird.

Eine erweiterte Beschreibung des Wahrnehmungsprozesses könnte dann lauten: Sachen erzeugen im Austausch mit den Grundkräften ein bestimmtes Kraftmuster, das wiederum eine Reaktion im Individuum anregt, die dann ab einer gewissen Stärke die Grenze des Bewusstseins überschreitet. Dort beschäftigt sich dann unsere Aufmerksamkeit mit der Reaktion, die wir als Unterschied zu einem Ruhezustand begreifen, verbindet sie mit unseren Erfahrungen (wobei bestimmte Reaktionen präsenter als andere sind) und regt damit abschließend unser Denken an, sodass wir am Ende des Wahrnehmungsprozesses mit unserer inneren Handlungsfähigkeit zu einer Erkenntnis gelangen. Darüber hinaus gibt es eine gewisse Nachwirkung des ursprünglichen Reizes, da dieser im Körper durch Wahrnehmungsmechanismen reproduziert und verstärkt wird.21

Aus diesem Grund handelt es sich für mich bei „unterbewussten Wahrnehmungen“ nicht unbedingt um Wahrnehmungen, sondern nur um die Aufnahme von Unterschieden, die jedoch die Aufmerksamkeit nur in geringem Maße in Anspruch genommen haben. Wäre eine „unterbewusste Wahrnehmung“ für mich eine vollständige Wahrnehmung, dann wären in meinem System Wahrnehmungen und die Aufnahme von Unterschieden identisch. Das widerspricht aber meiner Ansicht nach der alltäglichen Auffassung von Wahrnehmung, die eher durch eine konkrete und bewusste Auseinandersetzung mit Objekten geprägt ist. Ein Beispiel für die Aufnahme von Unterschieden, bei dem das Bewusstsein aber zum Beispiel überhaupt nicht involviert ist, besteht im Lernen von Handlungen, die auch ohne bewusste Reflexion abgespeichert werden können. So zum Beispiel, wenn beim Fahrradfahren mehrere Handlungen auf einmal gelernt werden, unsere Aufmerksamkeit aber nur eine Handlung bewusst wahrnimmt.

In diesem Zusammenhang stellt sich für mich die Frage, ob eine Handlung durch nicht wahrgenommene Unterschiede beeinflusst werden kann; wenn zum Beispiel ein Unterschied zwar aufgenommen, aber nicht bis zu unserem Bewusstsein durchgedrungen ist? Ich denke, dass wir letztendlich durch alle Unterschiede beeinflusst werden, die in irgendeiner Weise über unseren Körper aufgenommen wurden. Das bedeutet, dass ich davon ausgehe, dass jede Handlung möglicherweise von nicht näher nachvollziehbaren Unterschieden mitgeprägt ist. Jedoch gehe ich gleichzeitig davon aus, dass unsere konkrete Wahrnehmung am meisten darüber bestimmt, was unsere innere Handlungsfähigkeit für grundlegende Entscheidungen trifft.

Ein Beispiel für den beschriebenen Wahrnehmungsprozess lässt sich auf folgende Weise konstruieren: Wir schauen in einen Wald hinein und entdecken ein über das Geäst springendes Reh. Ab diesem Zeitpunkt haben sich schon alle Teile des Wahrnehmungsprozesses abgespielt: Das Reh hat ein spezifisches Kraftmuster. Es besitzt eine bestimmte Farbe, eine bestimmte Gestalt, erzeugt bestimmte Töne, einen bestimmten Geruch, welche wir alle über unsere Wahrnehmungsorgane aufnehmen. Dabei fällt uns vielleicht die Gestalt und Farbe mehr auf, als die Töne oder der Geruch. Ein sich schnell veränderndes Kraftmuster deutet im Gegensatz zu den starren Holzresten auf dem Waldboden auf eine mögliche Beute oder eine Gefahr hin, was dazu führt, dass die Reaktion auf das sich bewegende Reh eher in unser Bewusstsein gelangt, als die sich langsam hin und her bewegenden Bäume, die zwar auch in unserem Wahrnehmungsbereich liegen, die aber nicht auf die gleiche Weise in unser Bewusstsein gelangen. Unterbewusst bestätigen sie allerdings den Rahmen für die vormals bewusste Wahrnehmung, dass es sich um einen Wald handelt. Die sich bewegenden Bäume und das Geäst unterstützen damit die Gesamtwahrnehmung des Rehs und damit unseren Kategorisierungsprozess. Das Kraftmuster des Rehs vermischt sich mit unseren Erfahrungen über ähnliche Kraftmuster: Wie sehen Rehe überhaupt normalerweise aus? Stimmt diese Vorstellung mit unserer Reaktion überein? Falls das zutrifft, verstärken wir die Reaktion so, dass wir die Umrisse, das Fell und das Geweih erkennen können, während andere wahrscheinlich erst einmal davon überwältigt sind, überhaupt ein sich bewegendes Tier zu sehen. Abschließend lässt sich feststellen, dass unser Wahrnehmungsprozess Unterschiede im Vergleich zum Waldhintergrund festgestellt hat, die durch unsere evolutionäre Prägung in unser Bewusstsein gelangt sind und dort die Erkenntnis „Reh“ gebildet haben, die wiederum zu einer Entwarnung oder zu einer Schärfung unserer weiteren Aufmerksamkeit führt, je nachdem ob wir innerhalb unserer Erfahrung eine Bedrohung erwartet haben oder nun eine Beute jagen wollen.

Dieses Beispiel der Wahrnehmung einer durch die fünf Hauptsinne wahrgenommenen Sache lässt sich um Beispiele von durch andere Sinne wahrgenommene Sachen ergänzen. So lösen beispielsweise die Temperaturwahrnehmung oder das Gleichgewichtsempfinden ebenfalls über ausreichend starke Kräfte das Bewusstwerden eines Unterschiedes aus: wir frieren plötzlich oder wir fühlen uns schwindlig.

VIII. Welchem Modell meiner Klassifizierung entspricht meine Wahrnehmungsdefinition?

Auf diesen Vorstellungen aufbauend entspricht meine konkrete Vorstellung des Wahrnehmungsprozesses dem ersten vorgestellten Modell der Wahrnehmung. Bei diesem konstruiert unser Gehirn eine subjektive Vorstellung unserer Welt.

Wenn mein Wahrnehmungskonzept eher dem zweiten Modell entsprechen würde, dann würde das bedeuten, dass wir eine objektive Welt direkt wahrnehmen könnten. Das erscheint mir allerdings unwahrscheinlich, weil es zum Beispiel so etwas wie optische Illusionen gibt.

[fig=Schachbrett-Illusion((http://henry.herkula.info/medien/upload/2018/05/21/20180521231959-63c5d429.png))=(())]

In Abbildung 1 besitzen die Flächen A und B dieselben Farbwerte. Sie erscheinen lediglich unterschiedlich, weil ihre Umgebung unsere Wahrnehmung beeinflusst.

[fig=Schachbrett-Illusion mit zusätzlichem Farbbereich ((http://henry.herkula.info/medien/upload/2018/05/21/20180521231959-4e1e54f0.png))=(())]

Abbildung 2 macht diese optische Täuschung greifbar, indem sie eine Farbfläche in der Mitte zwischen A und B hinzufügt und aufzeigt, dass A und B identisch sind.

[fig=Flecken((http://henry.herkula.info/medien/upload/2018/05/21/20180521232000-6981af5e.jpg))=(())]

Schaut euch Abbildung 3 in Ruhe an und überlegt euch, bevor ihr weiterlest, was ihr dort sehen könnt!

Die Flecken in Abbildung 3 erscheinen zunächst völlig beliebig. Wenn man sich jedoch länger mit ihnen beschäftigt, entdeckt man die Umrisse einer Kuh. Und wenn man diese Umrisse einmal entdeckt hat, kann man sich ihnen nicht mehr entziehen.

Diese Effekte zeigen, dass es einen klaren Unterschied zwischen einer objektiven Welt und einer subjektiven Wahrnehmung geben muss und dass wir die Welt nicht direkt wahrnehmen, da wir sonst trotz unterschiedlicher Interpretation meines Erachtens immer dasselbe sehen müssten.

In der weiteren Untersuchung erscheint mir auch das dritte Modell der Wahrnehmung unwahrscheinlich, weil sich unsere Wahrnehmung nach bestimmten Mustern verändert. Selbst wenn wir unsere gesamte Wahrnehmung selbst konstruieren, besteht die Frage, warum zum Beispiel Menschen in unser Sichtfeld laufen oder warum wir erschreckt werden können? Wenn wir unsere eigene Vorstellung von der Wirklichkeit vollständig selbst konstruieren, warum überrascht uns irgendwas, was in dieser Welt passiert?

Auch stellt sich mir die Frage, wenn wir davon ausgehen, dass wir selbst nur Beobachter, aber keine Konstrukteure sind, inwiefern wir noch davon sprechen können, dass wir unsere Wahrnehmung selbst konstruieren. Und sobald wir davon ausgehen, dass jemand anderes unsere Wahrnehmung erschafft, müssen wir uns fragen, wo sich dieses andere Etwas befindet.

Das sind für mich die wesentlichen Gründe, warum ich das erste Modell für das sinnvollste halte.

IX. Welche weiteren Modelle werden besprochen? (wird bearbeitet)

In der Philosophie wird zwischen Erscheinung und Wirklichkeit unterschieden

https://www.greaterwrong.com/posts/tLYKdGBgRXcrzEatb/the-jordan-peterson-mask

https://en.wikipedia.org/wiki/Pareidolia

Anmerkungen

  1. Ich möchte kurz deutlich machen, dass man das gesamte Ziel (3.) auch als Antrieb bezeichnen kann, da es ganz generell einen Zustand auslöst. Diesem Zustand kann ebenfalls eine neue Handlung folgen, zum Beispiel: Ich besuche meine Großeltern, wenn ich in meiner Heimat ankomme.
    Während der praktische Teil eines Ziels (2) direkt die Handlungen auslöst, die das Ziel zur Erfüllung braucht, ist das Ziel (nach 3) ein Auslöser für Handlungen mit einem neuen Ziel, die den Zielzustand des vorherigen Ziels lediglich als Voraussetzung zum Setzen eines neuen Ziels benötigen. Aus diesem Grund vermeide ich die Bezeichnung von Ziel (3) als Handlungsantrieb, da der Antrieb für die neue Handlung meiner Ansicht nach im neuen und nicht im alten Ziel liegt. ↩︎
  2. Bedürfnisse können weiterhin ineinander verschachtelt sein. In diesem Fall bezieht sich ein Bedürfnis auf ein anderes Bedürfnis und dementsprechend auf ein anderes Ziel. Wenn ich mir zum Beispiel einen Fernseher kaufen möchte, um meine Lieblingssendungen zu schauen, dann habe ich das Ziel mir einen Fernseher zu kaufen, um das Bedürfnis zu befriedigen, meine Lieblingssendungen schauen zu können. Aber es ist gar nicht klar, warum ich meine Lieblingssendungen schauen möchte. Das Schauen der Lieblingsendungen kann sich auf ein weiteres wesentlicheres Bedürfnis beziehen oder aber selbst ein konkretes Unwohlsein beinhalten, wenn es nicht befriedigt wird. ↩︎
  3. Die Beurteilung von Entscheidungen ist immer vom Zeitpunkt abhängig, da man ihre Folgen nicht vollständig abschätzen kann. Zum Beispiel kann man jetzt davon überzeugt sein, dass es eine falsche Entscheidung war, die Schule abzubrechen. Aber im Moment der Handlung war die Entscheidung für einen selbst die richtige. Aus diesem Grund ist eine generelle Beurteilung von Entscheidungen schwierig, allerdings nicht ausgeschlossen. Sie muss eine durchschnittliche Bewertung der Entscheidung über die Zeit hinweg berücksichtigen oder gute Gründe anführen, warum sich eine Meinung nicht verändern sollte. ↩︎
  4. Vergleich der Synonyme im Duden. ↩︎
  5. Ich behandle weitere Perspektiven zum Glücksbegriff im Bereich „Was ist Glück?“, möchte mich jetzt aber weiter der Motivation widmen. ↩︎
  6. Diese Argumente sind für mich sehr überzeugend, für andere weniger. Ich gehe deshalb im philosophischen Teil noch einmal ausführlicher auf die Diskussion über Freiheit ein. ↩︎
  7. Aus dem Buch: Heiner Rank - Die Ohnmacht der Allmächtigen (1973). ↩︎
  8. N. G. stirbt bei einem Verkehrsunfall; zu der Zeit eine 19-jährige Frau. ↩︎
  9. Scott Alexander schreibt auf Slate Star Codex ↩︎
  10. Ein möglicher Vergleich: Pfister 2015, S. 17ff. ↩︎
  11. Yudkowsky 2008 ↩︎
  12. Vgl. König 2013, S. 8. Und vgl. Pfister ↩︎
  13. Vgl. König 2013, S. 10ff. ↩︎
  14. Vgl. Pfister 2015, S. 17ff. ↩︎
  15. Weimer 2005, S. 5. Dieser Grund ist nur unter der Voraussetzung gültig, dass Argumente universell verstanden werden können. ↩︎
  16. Frings/Müller 2014, S. 281. ↩︎
  17. Yudkowsky ↩︎
  18. In der Philosophie wird dieser Aspekt auch als Unterschied zwischen Erscheinung und Wirklichkeit bezeichnet, „zwischen dem, was die Dinge zu sein scheinen, und dem was sie sind“ (Russell 2003, S. 10) ↩︎
  19. Ich verbinde den Begriff der Sache mit dem der Wahrnehmung, weil eine Sache nur existiert, wenn wir sie wahrnehmen können. Natürlich könnte man noch tiefer in den Begriff einsteigen, aber ich verzichte darauf, weil es mir vordergründig um Wahrnehmung geht. Nur kurz zur Einordnung: Normalerweise ist eine Sache einfach nur identisch mit einem Gegenstand, etwas worüber man spricht und das existiert. Ich erweitere den Begriff, weil ich denke, dass er allgemein genug ist, um auch die Möglichkeit zu implizieren, dass man über etwas Potenzielles spricht, was nur möglicherweise oder aber auch gar nicht existiert. ↩︎
  20. Ich unterscheide zwischen Sache und Ausdruck, weil eine Sache für mich auch eine konkrete Handlung sein kann, während ein Ausdruck immer etwas Abstraktes ist. Weiterhin unterscheide ich zwischen Sache und Entität, weil eine Sache auch etwas Nichtexistierendes sein kann, was eine Entität nicht ist. ↩︎
  21. Fehlende Referenz! ↩︎

Abbildungen

Literaturverzeichnis