Philosophie

2019-04-28 History Videos

Auf dieser Seite versuche ich meine philosophischen Vorstellungen und Ideen mit den Überzeugungen anderer Menschen zu vergleichen und darüber ein besseres Verständnis dafür zu bekommen, warum ich von etwas überzeugt bin.

Konzepte

Ein Konzept (Begriff, Idee, Kategorie, Universalie, Ausdruck) ist die Verbindung der Bezeichnung und des Inhalts einer persönlichen Überzeugung. Zum Beispiel verweist die Bezeichnung "Atheismus" auf den Inhalt einer persönlichen Überzeugung des Atheismus. Das Wort "Konzept" verweist dementsprechend auf die Überzeugung, dass ein Wort auf eine Überzeugung verweisen kann. Durch die Verbindung eines Wortes mit einer Überzeugung wird es möglich, sich auf etwas in der Welt zu beziehen, das selbst nicht direkt über Wahrnehmungen zugänglich ist. Der Atheismus kann zum Beispiel nicht angesehen oder ertastet werden. Dennoch hilft ein Konzept dabei, eine Vorhersage von Verhaltensweisen und Wahrnehmungen wahrscheinlicher zu machen: Atheisten werden zum Beispiel im Allgemeinen weniger beten.

Persönliche Überzeugungen beschreiben grundsätzlich ein bestimmtes Verständnis über die Welt aus der Perspektive eines Individuums.

Im Gegensatz zu ähnlichen Wörtern wie "Begriff" oder "Idee" besitzt die Bezeichnung "Konzept" eine Assoziation mit etwas Geschaffenem. Dass ich dementsprechend das Wort "Konzept" bevorzuge, soll mich vordergründig daran erinnern, dass Begriffe, Konzepte, Ideen immer im Zusammenhang mit meiner eigenen Erfahrung stehen und von mir bestätigt und erzeugt werden.

Konzepte werden stark durch die eigene Wahrnehmung beeinflusst, da unser Gehirn etwas kategorisieren kann, ohne dass man dies mitbekommen muss. Die Frage danach, ob zuerst Konzepte oder aber Wahrnehmungen vorhanden waren, löst sich dadurch auf, dass wahrnehmende Individuen in eine Welt hineingesetzt werden, in der bereits bestimmte Konzepte vorgegeben sind, die wiederum ihre Wahrnehmung bestimmen. Dementsprechend ist die Frage nach der Erstbeeinflussung nur relevant, weil sie deutlich macht, dass die Wahrnehmung eines Individuums auch andere Grundkategorien (neben zum Beispiel Räumlichkeit oder Zeitlichkeit) besitzen könnte.

Definitionen von konkreten Konzepten (wie zum Beispiel Atheismus) können nicht falsch sein. Sie können nur widersprüchlich gegenüber anderen Definitionen sein, weil eine Definition immer Beziehungen zu anderen Überzeugungen beschreibt.

Eine Überzeugung ist in diesem Zusammenhang eine für wahr gehaltene Aussage über die Welt. Aus dieser Überlegung folgt, dass die Wahrheit einzelner Aussagen nicht überprüfbar ist, weil die Einzelbegriffe so definiert sein können, dass die Aussagen der Wahrheit entsprechen, auch wenn sie aus subjektiver Sicht vielleicht nicht so erscheinen. Die Wahrheit von Konzepten ist dementsprechend an die Konsistenz der Beschreibung der Wirklichkeit durch alle anderen Konzepte geknüpft. (Quine - Two dogmas of empiricism) Ich bin mir nicht sicher, ob ich dieser Vorstellung vollständig zustimme, aber sie versucht zumindest, eine Antwort auf das entsprechende Problem der Wahrheit von einzelnen Aussagen zu geben.

Die nachfolgenden Konzepte haben einen fundamentalen Einfluss darauf, was ich selbst für wichtig erachte und wie ich mir vorstelle, dass andere Menschen ihre Gedanken sortieren und für sich selbst rechtfertigen. Grundsätzlich sind es Überlegungen in Bezug auf selbstgemachte Erfahrungen, die ich über die Zeit hinweg mit Quellen und weiterer Forschung ergänzen möchte.

Pragmatismus als Anwendungsbezogenheit von Konzepten

Für mich ist es wichtig, dass ich dazu in der Lage bin, jede Position, die ich vertrete, so gut wie möglich herleiten zu können, weil ich davon ausgehe, dass ich nur auf diese Weise anderen ermöglichen kann, meine Gedankengänge nachzuvollziehen und sie zu akzeptieren. Um diesem Anspruch näher zu kommen, versuche ich meine Überzeugungen in meinen Alltag einzubringen, indem ich versuche, ihre Folgen zu bestimmen und sie auf meine eigenen Handlungen auszurichten.

Der Pragmatismus ist eine philosophische Strömung, die sich dieser Aufgabe widmet. Peirce formulierte in diesem Zusammenhang eine pragmatische Maxime: "Überlege, welche Wirkungen, die denkbarerweise praktische Bedeutung haben können, wir dem Gegenstand unseres Begriffes zuschreiben. Dann ist unser Begriff dieser Wirkungen der ganze Umfang unseres Begriffs des Gegenstandes."1

Manchmal verlieren allerdings Vorstellungen für mich ihre Bedeutung, weil ich für sie im Moment keine Verwendung habe und ich muss sie neu herleiten, wenn ich sie wieder brauche. Ich denke, dass dies ein natürlicher Prozess ist, da nicht jede Vorstellung immer genauso stark benötigt wird. Dennoch versuche ich, mit dieser Webseite dieser Situation entgegenzuwirken, um die Zeit des Erneutlernens zu verringern.

Festigkeit als hohe Überlebenswahrscheinlichkeit von Überzeugungen

Festigkeit bezeichnet in Bezug auf Wahrnehmungen die Vorstellung, dass Überzeugungen aus bestimmten Gründen stärker im Körper verankert sind oder insgesamt weniger vergessen werden. Gleichzeitig kann sich Festigkeit aber ebenfalls auf Informationen beziehen, die sich generell wenig verändern. Konzepte besitzen dementsprechend eine hohe Festigkeit, wenn sie 1. von vielen Menschen über einen langen Zeitraum verwendet werden oder 2. wenn sie sich aus irgendwelchen Gründen über einen langen Zeitraum nicht verändern. Ich möchte mich vor allem auf die erste Verwendung beziehen.

Festigkeit ist in diesem Zusammenhang als Beschreibungskriterium sehr ungenau, da es nur darauf hinweist, dass etwas sehr verbreitet ist und sich aus irgendwelchen Gründen halten kann. Für mich ist das Konzept aber dennoch wichtig, weil es ein Hinweis auf mögliche Forschungsaspekte sein kann. Wenn Überzeugungen sehr fest in uns verankert sind (wie zum Beispiel die Unterscheidung von Gut und Böse), dann ergeben sich daraus Fragen, wie sich das auf unsere Gesellschaft und unser Handeln auswirkt. Feste Konzepte sind möglicherweise Konzepte mit einem großen Einfluss und sollten deshalb untersucht werden.

Ein möglicher Grund für die hohe Festigkeit einer Überzeugung ist das Konzept einer Wahrnehmungsfalle.2 Diese beschreibt, dass ein Individuum durch eine prägende Erfahrung in der Vergangenheit, bei neuen Erfahrungen ähnliche Einschätzungen trifft und ähnliche Gefühle erlebt.

Ähnlichkeit als Bewertungskriterium

Ähnlichkeit (in Bezug auf Gleichheit und Unterschiedlichkeit) ist ein abstraktes subjektives Bewertungskriterium bei der Berurteilung der Welt. Wie sich Ähnlichkeit ausprägt, ist von den verglichenen Eigenschaften abhängig und auch von Individuum zu Individuum verschieden. Grundsätzlich hat es aber etwas mit identischen Wahrnehmungen zu tun, die dementsprechend auf dieselbe Weise kategorisiert werden. Für mich ist Ähnlichkeit das wichtigste Bewertungskriterium, denn ohne die Beurteilung der Ähnlichkeit wäre es schwierig, überhaupt etwas unterscheiden zu können, da uns kein abstraktes Kriterium zur Verfügung stünde, um zu klären, ob etwas von etwas anderem abweicht.

Dies erscheint mir besonders wichtig in Bezug auf unsere Individualität und die Ausprägung unseres Mitgefühls, denn je größer die Ähnlichkeit einer Sache mit uns selbst ist, desto eher scheinen wir auch etwas für diese Sache zu empfinden. Ein Beispiel ist die Frage danach, warum wir tendenziell eher etwas für unsere eigene Familie empfinden?

Distanzismus

Distanzismus beschreibt für mich das Konzept, dass Menschen weiter entfernt stattfindende Ereignisse weniger emotional aufnehmen. Wenn jemand auf der anderen Seite der Welt stirbt, dann hat es in bestimmten Situationen weniger Einfluss, als würde jemand aus dem direkten Umfeld sterben.

Für mich ergibt sich ein Distanzismus aus (1.) der fehlenden Direktheit der Erfahrung und (2.) einer fehlenden wahrgenommenen Ähnlichkeit zu Betroffenen.

Das Konzept wird unter anderem auch kurz von Nicholas Fearn in Bezug auf seine moralischen Untersuchungen von Peter Singers Utilitarismus besprochen3. Dabei macht er deutlich, dass es rational keinen Unterschied machen sollte, wie weit jemand von einer moralischen Entscheidung entfernt sein sollte. Dass dies trotzdem tendenziell passiert, ist für mich ein interessanter Untersuchungsgegenstand.

Angst vor Veränderungen

Veränderungen können dazu beitragen, dass sich die Beurteilung der Ähnlichkeit zu einer Sache anpasst. Das könnte zum Beispiel dazu führen, dass eine angenehme Situation dadurch gestört wird, dass neue Faktoren mitbedacht werden müssen, was wiederum zu einem erhöhten Stresserlebnis führt.

Als Reaktion auf diese Möglichkeit entwickelt sich eine Abneigung gegenüber neuen Situationen und Veränderungen. Dies könnte die Grundlage für Erklärungen zum Konservatismus oder zu Ausgrenzungen sein.

Literatur

Zusammenhang zwischen Entwicklungen und Glück

In der Reflexion über meine Erfahrungen ist mir aufgefallen, dass ich mich besonders in den Momenten glücklich fühle, in denen ich einen Fortschritt beobachten oder sogar beeinflussen kann. Dieser Fortschritt kann als die Wahrnehmung von etwas Neuem (bewusste Auseinandersetzung mit spannenden Erfahrungen), vordergründig aber als die Aktualisierung einer Entwicklung betrachtet werden. Um sich glücklich zu fühlen, scheint es demnach erfolgsversprechend zu sein, sich den Sachen zu widmen, die eine Entwicklung ermöglichen.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr Verbindungen sehe ich zu Gebieten wie der Motivation, die möglicherweise aus der Perspektive des Interesses an der Entwicklung beschrieben werden kann. Intrinsische Motivation, das Wohlgefühl, etwas einfach zu tun, wäre damit vor allem der Versuch, eine Entwicklung an sich selbst zu verfolgen, was durch die Nähe der Entwicklung besonders einfach erfolgen kann. Es ist demnach motivierend, eine eigene Fähigkeit zu erleben, die als Ergebnis einer Entwicklung betrachtet werden kann (im Gegensatz dazu stehen beeindruckende Fähigkeiten wie zum Beispiel die Feinmotorik menschlicher Bewegungen, die allerdings gemeinhin als etwas Alltägliches erlebt werden und demnach nicht dieselbe Motivation auslösen).

Eine mögliche Definition von Entwicklung wäre: Das Neue mit dem Alten verbinden, ohne dass das Neue mit dem Alten identisch ist. Dabei kann das Alte sehr ähnlich mit dem Neuen sein. Zum Beispiel könnte sich am selben Ort aus einem unbepflanzten Fleck Erde ein Gemüsegarten entwickeln. Ich bin mir dabei jedoch nicht sicher, ob das Erleben der Zeit eine Grundlage oder eine Folge einer Entwicklung darstellt. Ich tendiere zurzeit zu der Vorstellung, dass es eine Folge ist.

Logik

Probalistische Argumentationen

Die Analyse von Argumenten führt dazu, dass der Eindruck entstehen kann, dass Prämissen eine gewisse Gültigkeit besitzen, weil sie häufig als wahrheitsbehauptende Aussagesätze ohne Klärung der Zuversicht formuliert werden. Darüber hinaus sind meist die daraus folgenden Konklusionen gültig, was den Eindruck verstärkt, dass deduktive Herangehensweisen Wahrheiten offensichtlich machen.

Allerdings lässt sich teilweise niemals belegen, ob eine Prämisse der Wahrheit entspricht, sodass die Methode der deduktiven Analyse als solche eher dazu führt, dass man von etwas überzeugt wird, das man nicht überprüfen kann.

Um diesem Problem aus dem Weg zu gehen, bevorzuge ich Argumentationen, die ihre Wahrscheinlichkeitsbestimmungen mit in die Formulierung einbeziehen, um darüber zu erklären, wo Unsicherheiten bestehen und wie diese möglicherweise beseitigt werden können.

Literatur

Erkenntnistheorie

Weitere Aspekte

Ethik

Die Ethik beschäftigt sich mit grundlegenden Fragen zu Handlungen und Entscheidungen. In den nachfolgenden Abschnitten bespreche ich vordergründig eigene Schlussfolgerungen, wobei allgemeinere Positionsmöglichkeiten und Metaethik eher auf der dafür angelegten eigenständigen Ethik-Seite besprochen werden.

Unterscheidung von Privatleben und Öffentlichkeit

Ich gehe davon aus, dass sich Menschen häufig unmoralisch gegenüber der eigenen Gemeinschaft verhalten, weil sie ihr eigenes Leben im Vergleich zu dieser bevorzugen und demnach Entscheidungen treffen, die vordergründig einen positiven Ausgang für sie selbst besitzen. (Quelle)

Dies lässt sich in einer freiheitlich ausgerichteten Gesellschaft nicht grundsätzlich vermeiden, da die Integrität des eigenen Körpers und die körperliche Unversehrtheit zu den wichtigsten Werten zählen (man kann Menschen unter diesen Voraussetzungen nicht dazu zwingen, sich gemeinschaftlich zu verhalten, da ihr Körper ihnen tendenziell wichtiger als die Ziele anderer Menschen ist).

Dennoch lässt sich ein vollständig egoistisches Verhalten durch soziale Regeln zumindest einschränken, denn ich gehe davon aus, dass diese dabei helfen, ein gemeinschaftsorientiertes Verhalten in unserem Alltag zu einer Gewohnheit zu machen und dadurch ein besseres Leben für alle zu ermöglichen.

Entgegen dieser Vorstellung halte ich es auf psychologischer Ebene jedoch für notwendig, dass allen Menschen ein Raum zur Verfügung gestellt wird, in dem sie sich ausleben können, solange dies nicht dazu führt, dass sie andere Menschen in ihren Wünschen einschränken oder sie verletzen. (Quelle)

Eine mögliche Lösung für dieses Problem besteht darin, Privates von Öffentlichem zu trennen. Das Privatleben wird dann zu einem Ort, an dem Verhaltensweisen ausgelebt werden können, über die man sich selbst nicht sicher ist, die man untersuchen möchte oder die in der Gesellschaft nicht normalisiert sind. Beispiele dafür sind teilweise immer noch Homosexualität, Geschlechtssuche und sexuelle Vorlieben; aber auch das Ausleben von bestimmten Gefühlen zur Entspannung oder Unterhaltung. Um sich vor Verhaltensweisen zu schützen, die die eigene Würde und das eigene Selbstbild angreifen (gerade wenn man vielleicht auch noch nicht bereit dafür ist), ist es meiner Ansicht nach sinnvoll, nicht alles von sich selbst zu veröffentlichen und dementsprechend ein Privatleben führen zu können.

Für mich selbst folgere ich grundsätzlich daraus, dass ein öffentliches Leben vor allem dadurch gekennzeichnet sein sollte, sich entweder gesellschaftlich so zu verhalten, dass niemand anderes durch das eigene Auftreten und Handeln (oder Nichthandeln) verletzt wird oder aber dass man gewillt ist, für seine eigenen Überzeugungen einzustehen und für Veränderungen einzutreten. Beides halte ich für begründbar richtige Haltungen, wobei immer auch eine kritische Auseinandersetzung mit den Folgen bestehen sollte.

Für mich bedeutet das konkret, dass ich in meiner öffentlichen Präsenz vor allem danach strebe, die Seiten an mir zu zeigen, die ich diskutieren möchte und von denen ich ausgehe, dass sie anderen helfen können.

Öffentlichkeit ist demnach ein Ausgleich zwischen Transparenz und Datensparsamkeit sowie dem Aushalten von Meinungsvielfalt und dem Recht auf Unbehelligtsein. Offene Fragen sind für mich, wie ich genau in jedem Moment festlegen soll, wann etwas öffentlich oder privat für mich ist, wie ich das anderen mitteilen kann, ohne dadurch gleichzeitig etwas zu veröffentlichen und was damit einhergehend der gesellschaftliche Wert von Klatsch ist.

Ergänzungen

Religion

Fragen

Erkenntnis

Wie kann ich mir sicher sein, dass ich etwas weiß? Wie kann ich sicherstellen, dass ich diese Sachen wirklich weiß?

Kann ich außer der Tatsache, dass ich etwas erfahre, noch etwas anderes wissen?

Moral

Kann eine Handlung (wie ein Verhalten oder eine Entscheidung) jemals vollständig richtig oder falsch sein oder hängt unser Bild von unserer Perspektive ab und verändert sich dementsprechend durch neue Erfahrungen?

Gibt es moralisch neutrale Handlungen oder sind alle Handlungen entweder richtig oder falsch, weil sie entweder für die Umsetzung der eigenen Werte dienlich sind oder nicht?

Muss die Durchsetzungsstärke einer moralischen Überzeugung in das Denken über die moralische Überzeugung mit einbezogen werden? Wenn sich eine moralisch bessere Überzeugung nicht durchsetzen kann, ist sie dann bedeutungslos?

Gibt es unabhängige moralische Grundsätze, oder stützt sich Moral auf das Wohlergehen derjenigen, die daran beteiligt sind?

Ist Konformität oder Nonkonformität zu bevorzugen?

Unterschied zwischen Moralität (was ist richtig) und Legalität (was ist gesetzlich erlaubt).

Anmerkungen

  1. http://www.peirce.org/writings/p119.html ↩︎
  2. https://astralcodexten.substack.com/p/trapped-priors-as-a-basic-problem ↩︎
  3. Fearn 2012, "Distancism" ↩︎

Literatur