Ethik

2019-06-08 History Videos

Die Ethik ist der Teilbereich der Philosophie, der sich mit Handlungen und Entscheidungen beschäftigt. Im folgenden möchte ich Fragen vorstellen, die das Denken über die Ethik als Ganzes geprägt haben und deshalb als Metaethik begriffen werden.

Die erste wichtige Frage ist für mich nach dem Unterschied zwischen Ethik und Moral, da diese häufig auch synoynm gebraucht werden. Der Unterschied zwischen Ethik und Moral besteht für mich allerdings darin, dass sich die Ethik mit allen Fragen zu Handlungen und Entscheidungen beschäftigt, während sich die Moral konkret auf die Frage bezieht, was die richtigen Handlungen und Entscheidungen sind bzw. sein sollen. Richtige Handlungen und Entscheidungen müssen dabei gewisse Bedingungen erfüllen, da sie nur in diesen Fällen richtig sein können. Erfüllt man diese Bedingungen, dann handelt man moralisch.

In diesem Zusammenhang wird dementsprechend gefragt, was diese Bedingungen sein können. Eine Antwort darauf lautet, dass Moral vor allem beinhaltet, dass wir uns an die Regeln einer Gemeinschaft halten sollten. Moralisch zu sein, erfüllt in diesem Fall also die Bedingung, in Übereinstimmung mit den Regeln einer Gemeinschaft zu leben. Eine damit zusammenhängende Frage besteht darin, ob man sich generell an die Regeln seiner Gemeinschaft halten sollte oder ob es Ausnahmen geben darf?

Eine andere Antwort auf die Frage nach den Bedingungen besteht darin, zu sagen, dass alles moralisch ist, was mir selbst hilft, weil damit die Bedingung erfüllt wird, dass ich danach handle, was mir selbst am meisten hilft oder die Umsetzung meiner eigenen Werte maximiert (Egoismus). Hier kann gefragt werden, ob die Maximierung meiner Werte bereits beinhaltet, dass ich aufgrund von Widerstand in einer Gemeinschaft weiß, dass sie nicht umsetzbar sind oder nicht.

Das zentrale Problem innerhalb der Ethik beschäftigt sich mit der Frage, ob die Bedingungen, die unser moralisches Handeln lenken, aus der Natur, unserer Wahrnehmung oder unserer Umwelt heraus hergeleitet werden können und damit in den Bereich des Überprüfbaren fallen. Wenn wir die Bedingungen nicht aus der Natur herleiten können, dann müssen wir uns fragen, was unser Verständnis von richtigem Handeln sonst bedingt? Bei dieser Frage spielen besonders der naturalistische Fehlschluss von Moore und die Sein-Sollen-Dichotomie von Hume eine große Rolle. Ersterer besagt, dass etwas nicht dadurch gut wird, weil es in der Natur vorkommt. Wer zum Beispiel behauptet, dass etwas gut ist, weil es angenehm ist, hat noch nicht nachgewiesen, warum alles, das angenehm ist, gut sein soll. Zweitere besagt, dass ein Übergang von Aussagen über die Welt hin zu Aussagen, wie die Welt sein sollte, eine Erklärung benötigen, um gerechtfertigt zu sein.

Eine mögliche Antwort auf das angesprochene Herleitungsproblem ist der Kognitivismus, der davon ausgeht, dass eine Herleitung möglich ist und die Bedingungen dementsprechend in der Welt erkennbar sind. Eine andere Antwort ist der Nonkognitivismus. Dieser lautet, dass die Herleitung nicht möglich ist, weil die Bedingungen keine Übereinstimmung mit der Wirklichkeit besitzen oder benötigen und auch nicht über Experimente oder logische Beweise nachgewiesen werden können.

Ein damit zusammenhängendes Problem beschäftigt sich mit der Frage, ob die Bedingungen über das Subjekt hinaus in der Welt existieren. Wenn wir uns die Bewertung moralischer Aussagen anschauen, muss geklärt werden, ob es etwas objektiv Absolutes gibt, auf das wir unsere Moral stützen können (Realismus) oder ob unser Moralverständnis subjektiv und demnach von den Beteiligten abhängig ist (Antirealismus).

Im Bereich der Ethik besteht eine weitere wichtige Frage darin, was angeschaut werden sollte, um individuelles Handeln entsprechend einer bestimmten Moral zu beurteilen. Die beiden großen Antworten darauf sind: die Antriebe oder die Gründe der Handlung (in der Pflichtethik oder Deontologie) oder die aus der Handlung entstandenen Folgen (in der Folgenethik oder dem Konsequentialismus).

Wenn wir das individuelle konkrete Handeln eines Menschen nicht bewerten wollen, können wir genereller versuchen, festzustellen, ob die Bedingungen für richtiges Handeln in den entsprechenden Situationen selbst gegeben sind. Ein solcher Versuch besteht zum Beispiel darin, den Charakter einer Person zu beurteilen (Tugendethik). Oder darin, die Institutionen seiner Umgebung zu beurteilen und dahingehend zu beschreiben, welche Handlungen sie zulassen, um somit die Funktion der Ethik in diesen Institutionen beschreiben zu können (Systemtheorie).

Weiterhin muss geklärt werden, ob unsere Moral unsere Handlungen bestimmt und damit unsere Entscheidungen lenkt oder ob uns Moral lediglich dabei hilft, unsere Entscheidungen besser zu verstehen und damit ein nachgeordneter Systematisierungsprozess ist.

Handlungen und Entscheidungen sind in einer ähnlichen Fragestellung grundsätzlich mit einer Vorherbestimmtheit (Determinismus) vereinbar, indem man zum Beispiel davon ausgeht, dass auch die Illusion einer freien Handlung von äußeren Aspekten beeinflusst wird. Diese äußeren Aspekte sind unter anderem auch die ethischen Vorstellungen einer Gesellschaft. Dadurch können wir uns zwar nicht direkt dafür entscheiden, welchen ethischen Grundsätzen wir folgen. Aber das wir bestimmten Grundsätzen folgen, wird durch Vorherbestimmtheit nicht ausgeschlossen. Aus diesem Grund ist die Beschreibung der Grundsätze dabei behilflich, Menschen zu überzeugen, über ihre Grundsätze nachzudenken und diese Grundsätze darüber indirekt zu beeinflussen.