Unterrichtswerte

2020-09-14

[Duration: 32 min]

Unterricht ist davon geprägt, dass eine Lehrperson als Repräsentantin einer bestimmten erzieherischen Überzeugung auftritt. Dabei sind bestimmte Aspekte für die Lehrperson zugänglich, weil sie zum Beispiel eigene Werte repräsentieren und andere Aspekte wiederum unzugänglich, weil sie möglicherweise nur Gefühle und Wirkungen sind, die bei den Schülerinnen und Schülern ausgelöst werden.

An dieser Stelle möchte ich über meine eigenen Werte sprechen, um diese für mich selbst und andere explizit zugänglich zu machen und mich stets daran zu erinnern, wie ich meinen Lehrauftrag verstehe.

Glück

Das menschliche Lernen ist eng mit dem eigenen positiven Empfinden verbunden (Wozniak 2017). Wenn Menschen Stress ausgesetzt sind oder sie etwas lernen müssen, das sie nicht in ihr eigenes Leben einbinden können, dann besteht die Gefahr, dass das eigenständige Lernen generell gefährdet ist. Daneben ist aber auch das eigene Lebensglück gefährdet, weil diese Menschen unter erzwungenen Situationen etwas lernen, was ihnen möglicherweise nicht dabei weiterhilft, ein zufriedenes Leben zu führen. Dies kann unter anderem dazu führen, dass sie nicht dazu in der Lage sind, Lebensprobleme eigenständig zu lösen.

Glück als Wert innerhalb des Unterrichts beinhaltet demnach für mich eine Auseinandersetzung mit der Lebensrealität der Lernenden sowie dem Versuch, die aufkommenden Bedürfnisse entsprechend zu klären. Schule muss nicht immer Spaß machen. Schule muss aber den Anspruch der Schülerinnen und Schüler auf ein glückliches und zufriedenes Leben respektieren. Glück ist deshalb für mich das zentrale Ziel einer jeden Unterrichtsgestaltung. Ein glückserzeugender Unterricht versucht das Positive einer Lehrsituation für die Beteiligten zu verstärken und das Negative zu vermindern. Glücksorientierter Unterricht beinhaltet aber auch eine Auseinandersetzung und Balancierung des eigenen Glücks in Bezug auf Problemsituationen im Unterricht.

Autonomie

Schule soll Menschen in die Lage dazu versetzen, ihr Leben in der Art und Weise zu bewältigen, dass sie damit das eigene Glück und das Glück anderer (innerhalb der Gesellschaft) vergrößern können. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Lernenden eine gewisse Eigenständigkeit entwickeln, da nur in diesem Fall die Gesellschaft aufrechterhalten werden kann, wenn die vorherigen Generationen aussterben (Dewey [1916] 2011). Lernende sollen autonom handeln und ohne weitere Anleitung ihr Leben gestalten können.

Autonomie führt während des Unterrichts zu einer größeren Konzentration auf selbstständige Ausarbeitungen. Lernende sollen dabei nicht nur auf entdeckende Weise lernen, um über verschiedene Lösungswege nachzudenken. Sie sollen auch bei den Zielstellungen der eigenen Arbeit mitwirken und diese mit den Kompetenzanforderungen des Lehrplans vergleichen.

Menschlichkeit

Die Wichtigkeit der Erziehung als Weitergabe der gesellschaftlichen Verantwortung führt in manchen Situationen dazu, dass sich die Erziehung grundlegend gegen das Glück und gegen die Autonomie wirkt. Manche Erkenntnisse erscheinen so wichtig, dass alles andere hinter ihnen anstehen muss. Dies führt zu einem asozialen Verhalten gegenüber den Lernenden.

Menschlichkeit soll diesem Gedanken entgegenwirken. Menschlichkeit ist für mich innerhalb des Unterrichts ein respektvoller Austausch, der auf der Würde, dem Eigenwert eines jeden Individuums, aufsetzt. Wie ich auch an anderen Stellen mehrfach erwähnen werde, handelt es sich dabei um die Fähigkeit des Lehrenden, im Lernenden sich selbst zu erkennen und sich zu fragen, was man selbst erwarten und sich wünschen würde, wäre man in der Position des Lernenden (in Anlehnung an die goldene Regel).