Antagonistische Analyse

Created: 2022-02-11 Updated: 2024-04-17 History Videos

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[Hier entsteht ein neues Buch, das nach und nach mit Quellen und Ideen gefüllt werden soll. Sobald das Buch abgeschlossen ist, wird dieser Eintrag entfernt.]

Gliederung

  1. Ziel
  2. Methode
    1. Konzepte
      1. Konzepttheorien
      2. Pragmatismus als Anwendungsbezogenheit von Konzepten
      3. Definitionen als der Versuch, ein Wort zu erklären
      4. Festigkeit als hohe Überlebenswahrscheinlichkeit von Überzeugungen
      5. Ähnlichkeit als Bewertungskriterium
    2. Analyse
    3. Antagonismus
    4. Abgrenzungen
  3. Anwendung
    1. Platon
    2. Aristoteles
    3. Kant
    4. Hegel
    5. Marx
    6. Nietzsche
    7. Wittgenstein
    8. Heidegger
    9. Adorno
    10. Luhmann
    11. Habermas
    12. Eine antagonistische Analyse der antagonistischen Analyse
  4. Zusammenfassung
  5. Anmerkungen
  6. Literatur

1. Ziel

Dieses Buch hat das Ziel, eine Analysemethode vorzustellen, die Überzeugungen anhand ihrer Grenzen untersucht.

Dies umfasst Fragen wie: Was sind überhaupt die Grenzen einer Überzeugung? Wie stellt man eine solche Grenze fest? Kann eine Überzeugung Schwächen besitzen? Sind das die Grenzen? Welche Folgen und logischen Schlüsse werden durch eine Überzeugung ausgeschlossen? Welche Gedankengänge werden durch eine Überzeugung erschwert?

Falls diese Fragen geklärt werden können, erhält man ein Beurteilungskriterium für die Anwendbarkeit einer Überzeugung für diejenigen Teile der Welt, die nicht durch die Untersuchung ausgeschlossen werden konnten.

Und dieses Beurteilungskriterium hilft wiederum dabei, zu entscheiden, welche persönlichen Überzeugungen sinnvoll sind und welche vielleicht überarbeitet werden sollten.

Persönliche Überzeugungen beschreiben ein konkretes Verständnis über die Welt aus der Perspektive eines Individuums. Zum Beispiel ist mein Verständnis von Freiheit oder der Gesellschaft oder aber auch schon von einer Katze eine persönliche Überzeugung. Eine Überzeugung ist in diesem Zusammenhang eine subjektiv für wahr gehaltene Aussage über die Welt. Diese Aussage lässt sich wiederum anhand von überprüfbaren Eigenschaften innerhalb von ausformulierten Experimenten kontrollieren, sodass man sie auf diese Weise sicherstellt, dass sie zumindest unter den geprüften Umständen der Wahrheit entspricht.

Eine Analysemethode ist ein Werkzeug, um etwas in seine möglichen Bestandteile zu zerlegen.1 Ein solcher Prozess dient dazu, die Beziehung des Ganzen zu seinen Bestandteilen sowie die Beziehung der Bestandteile zu anderen Bestandteilen aufzuzeigen. Eine Analyse ermöglicht es demnach, Eigenschaften der Bestandteile auf das Ganze zu übertragen und damit eine Aussage über ein Untersuchungsobjekt zu treffen.

Wenn man zum Beispiel eine Pflanze analysiert, dann überprüft man ihre Teile und fragt danach, wie diese Teile jeweils zum Ganzen beitragen. Haben die Teile jeweils eine eigenständige oder eine gemeinsame Funktion? Ein Laubbaum besitzt beispielwesie an bestimmten Zeiten im Jahr Blätter, die als einzelne Teile über Photosynthese einen Stoffwechsel der gesamten Pflanze ermöglichen. Aus dieser Analyse folgt, dass Laubbäume damit insgesamt photosynthesefähig sind. Diese Herangehensweise der Zerteilung und Zusammensetzung ist auch in sehr viel allgemeineren Kontexten der Welt umsetzbar, so zum Beispiel wie in diesem Fall bei Überzeugungen.

Die antagonistische Analyse soll darüber hinaus helfen, wissenschaftliches Arbeiten zu präzisieren und das eigene Leben für eine Vielzahl von Perspektiven zu öffnen, indem sie dazu in der Lage ist, auch die Schwächen der eigenen Überzeugungen herauszuarbeiten.

Das Wort Antagonist geht auf den Antagonisten als die Gegenfigur (Gegenspieler oder Widersacher) in einer Erzählung zurück. Die literarische Funktion der Antagonistin besteht darin, die Hauptfigur an seine Grenzen zu führen, damit diese sich durch Herausforderungen weiterentwickeln kann.2 Die antagonistische Analyse versucht auf eine ähnliche Weise, Überzeugungen über ihre Grenzen zu verstehen, damit diese anschließend weitergedacht werden können.

Im nachfolgenden Text beschreibe ich dafür zunächst ganz allgemein, was ein Konzept ist (2.1), um damit ein Mittel für den Austausch von Überzeugungen vorzustellen. Daran anschließend gehe ich näher darauf ein, was die Funktion einer Analyse von Konzepten ist (2.2), um noch einmal deutlich zu machen, wofür die hier beschriebene Methode verwendet werden kann. Weiterhin gehe ich näher darauf ein, wie sich der Gedanke einer antagonistischen Analyse entwickelt hat (2.3), bevor ich diese Analysemethode von anderen Methoden abgrenze (2.4), um ihren eigenen Wert hervorzuheben.

Im Anschluss an die Beschreibung der Methode wende ich diese auf eine Auswahl von Überzeugungen an (3.), die ich als besonders unzugänglich identifiziert habe. Ich möchte aufzeigen, warum die antagonistische Analyse ein guter Weg ist, um schwer zu verstehende Konzepte und deren Erklärungen zugänglicher zu machen. Dabei gehe ich zunächst darauf ein, warum ich die Konzepte für zu kompliziert erachte und führe dann aus, wie sie über die Methode zugänglicher gemacht werden können.

Zum Abschluss fasse ich meine Überlegungen und deren konkrete Anwendung noch einmal zusammen (4.), um einen schnellen Zugang zu den Ergebnissen meiner Arbeit zu ermöglichen.

2. Methode

Die antagonistische Analyse ist eine Analysemethode. Damit ist gemeint, dass sie eine Herangehensweise ist, die dazu benutzt werden kann, etwas in seine Bestandteile zu zerlegen und darüber anschließend eine Aussage zu einem Untersuchungsobjekt als Ganzes zu treffen. Das Untersuchungsobjekt der antagonistischen Analyse sind persönliche Überzeugungen oder genauer deren Benennung als konkretes Konzept. In den nachfolgenden Kapiteln gehe ich deshalb näher darauf ein, was Konzepte sind, wie ein Konzept definiert werden kann und wie die antagonistische Analyse dafür genutzt werden kann, Konzepte in ihre Bestandteile zu zerlegen, um dadurch Aussagen über das Konzept insgesamt zu treffen.

2.1 Konzepte

2.1.1 Konzepttheorien

Wenn man über etwas sprechen möchte, dann braucht man dafür irgendwie etwas, um auf diese Sache verweisen zu können. Hätte man das nicht, dann könnte eine andere Person nicht entziffern, was man überhaupt meint. Also nutzt man entweder einen Namen oder ein Bild oder einen Ton. Egal was. Man benötigt jedoch ein Zeichen, das auf eine Sache verweist, die man benennen möchte. Dieser offensichtliche Zusammenhang führt zu einer wichtigen Erkenntnis: Nur weil es ein Wort gibt, bedeutet das nicht, dass dieses Wort etwas optimal verständlich macht, denn in praktisch allen Fällen, in denen das Wort vorkommt, ist die natürliche Sprache nicht perfekt, sondern einem Sprachwandel unterworfen.

Nur weil wir zum Beispiel über Freiheit, Leben oder über Atome sprechen, bedeutet das also nicht, dass unsere Definition dieser Konzepte bereits abgeschlossen ist. Besonders auch unter der Möglichkeit, dass wir eben falsch liegen könnten, weil wir zum Beispiel als Individuen etwas nicht verstanden haben, nicht die richtigen Verbindungen gezogen haben oder eine Information einfach noch nicht zu uns durchgedrungen ist. Oder es könnte genauso sein, dass wir eine Sache als Menschen insgesamt vielleicht gar nicht wissen können, weil sie wissenschaftlich bisher noch nicht erfasst wurde oder sie sich vielleicht ganz grundsätzlich jeglichem Verständnis entzieht.

Diese Fehlbarkeit unserer Wahrnehmung und unseres Wissens prägen fundamental mein Denken über die Welt und sind der Grund dafür, warum ich das Leben und den Austausch darüber vor allem als eine Summe dieser verschiedenen möglichen subjektiv geprägten Auffassungen betrachte, mit denen wir uns umgeben. Jeder sollte dementsprechend dazu angehalten sein, die Überzeugungen anderer Menschen in ihrer Wahrheit zu untersuchen, um damit zu besseren Entscheidungen zu gelangen, weil diese Überzeugungen eben nicht natürlich und offensichtlich sind.

Das sind die Gründe dafür, warum ich eine Auseinandersetzung mit Konzepten als wichtig betrachte und warum ich mir die Mühe mache, diese nun anschließend näher zu bestimmen.

Ein Konzept (Begriff, Idee, Kategorie, Universalie, Ausdruck) ist die Verbindung der Bezeichnung und des Inhalts einer persönlichen Überzeugung. Wenn ich ein Konzept erzeugen möchte, dann verbinde ich ein Wort mit meiner eigenen persönlichen Überzeugung einer Sache, indem ich dieser Überzeugung einen eigenen Namen verleihe oder einen vorhandenen Namen zuweise. Zum Beispiel verweist die Bezeichnung "Atheismus" auf den Inhalt einer persönlichen Überzeugung des Atheismus. Das Wort "Konzept" verweist dementsprechend auf die Überzeugung, dass ein Wort auf eine Überzeugung verweisen kann.

Neben dieser Definition existiert die Vorstellung von Konzepten wohl schon immer. Ein erster Versuch, Konzepte allgemeiner zu verstehen, beginnt jedoch in der griechischen Antike. Aristoteles bespricht ein Konzept zum Beispiel als Wesen eines Begriffs, das näher zu bestimmen gilt.3 Diese aristotelische Theorie von Konzepten wird auch als Definitionismus bezeichnet4, als Vorstellung, dass eine Beschreibung der Wirklichkeit nur dann schlüssig ist, wenn all ihre verwendeten Begriffe sinnvoll definiert sind. Ein Begriff ist in dieser Vorstellung dann sinnvoll definiert, wenn alle notwendigen und hinreichenden Bedingungen aufgelistet wurden, die den entsprechenden Begriff auszeichnen.

Eine notwendige Bedingung wird von allen Elementen einer Gruppe geteilt. Wenn also ein Element diese Eigenschaft nicht besitzt, ist es entweder kein Element der Gruppe oder aber die Bedingung ist nicht notwendig.

Eine hinreichende Bedingung führt wiederum dazu, dass etwas als Element der Gruppe bezeichnet werden kann, wenn es die jeweilige Bedingung erfüllt. Dementsprechend kann es Bedingungen geben, die notwendig sind, die von allen Elementen einer Gruppe geteilt werden, aber die allein noch nicht ausreichend sind, damit etwas als Element der Gruppe gelten kann. Vielleicht sind zum Beispiel alle Schwäne weiß. Weiß-Sein ist dadurch eine notwendige Bedingung eines Schwans. Aber nur weil etwas weiß ist, bedeutet das noch nicht, dass es ein Schwan ist. Das Weiß-Sein ist dementsprechend keine hinreichende Bedingung für den Schwan.

Die Vorstellung, dass ein Konzept über notwendige und hinreichende Bedingungen beschrieben werden kann, hat einen großen Einfluss auf die Art und Weise ausgeübt, wie Konzepte auch in der Wissenschaft beschrieben werden. Die aristotelische Konzepttheorie ist dabei sehr nützlich, weil sie die kategorische Zuordnung von Wahrnehmungen in der Forschung klärt. Indem eine Wahrnehmung dementsprechend bestimmte Eigenschaften besitzt, kann sie einem Konzept zugeordnet und damit als Instanz (als praktische Realisierung oder Element) dieses Konzepts begriffen werden.

(1) Das zentrale Problem dieser Konzepttheorie besteht jedoch darin, zu erklären, wie es möglich ist, dass ein Individuum ein Konzept verwendet, ohne dass dieses Individuum auch eine genaue Definition für dieses Konzept besitzt.5 Wenn ich jemandem zum Beispiel etwas vorspiele (ich lüge also), dann spiele ich nicht auf dieselbe Weise, wie, wenn ich zum Beispiel im Garten mit einem Ball spielen würde. Aber dennoch habe ich eine Vorstellung davon, dass ich in beiden Fällen spiele. Obwohl ich also keine konkrete Definition fürs "Spielen" besitze, nutze ich das Wort in meinem Alltag, um über verschiedene Spiel-Tätigkeiten zu sprechen.6 (2) Ein weiteres Problem besteht darin, dass Definitionen nach Popper nicht überprüft werden können und damit niemals falsch sein und damit auch nicht verbessert werden können, da nicht alle Möglichkeiten, die gegen eine bestimmte Definition sprechen, ausgeschlossen werden können.7 Und selbst wenn ich zum Beispiel sage, dass alle Schwäne weiß sind und es ein schwarzes Tier gibt, das bis auf die Farbe alle Eigenschaften eines Schwans hätte, dann würde dies logisch die Definition eines Schwans nicht infragestellen. (3) Unabhängig von diesen Problemen besteht auch die Möglichkeit, dass sich Konzepte und Wahrnehmungen verändern können. Ein Schwan muss zum Beispiel nicht immer weiß sein. Verliert er dann seinen Schwan-Status? Und wenn die Farbe nicht ausschlaggebend ist, gibt es denn irgendwelche Eigenschaften, die sich nicht verändern können oder dürfen? Und wie stellt man diese fest, wenn man nur eine begrenzte Beobachtungszeit besitzt?

All diese Probleme mit der aristotelischen Konzepttheorie führen zu anderen Überlegungen, wie ein Konzept beschrieben werden könnte. Ein möglicher Ansatzpunkt besteht darin, Prototypen eines Konzepts zu bestimmen. Prototypen besitzen in diesem Fall eine Liste von typischen Eigenschaften der gemeinten Sache. Eine Frucht ist zum Beispiel süß, besitzt Kerne und hat eine Haut. Aus diesem Grund könnte man davon ausgehen, dass ein Apfel eher als eine Frucht bezeichnet werden sollte, als vielleicht eine Zucchini.8 Eine solche prototypische Konzepttheorie umgeht das Problem mit den fehlenden konkreten Definitionen, indem eine grobe Liste von typischen Eigenschaften parat gehalten wird, nach denen Handlungen ausgerichtet werden können. Allerdings besitzt die Prototypentheorie das Problem, dass die inhaltliche Abgrenzung von Konzepten noch schwieriger wird. Es ist nicht klar, warum eine Zucchini trotz spezifisch bestimmbarer Eigenschaften weniger Frucht sein soll.9 Auch ist nicht geklärt, wie auf Elemente eines Konzepts verwiesen werden soll, wenn man sich nicht darauf einigen kann, welche Eigenschaften für ein Konzept notwendig sind, da Prototypen derselben gemeinten Sache in verschiedenen Individuen unterschiedlich ausgeprägt sind.

Ein weiterer Ansatz, um die Probleme der vorhergehenden Konzepttheorien zu lösen, basiert auf den Überlegungen von Quine10, dessen Hauptkritikpunkt darin besteht, dass eine einzelne Definition immer auch vom gesamten Wissenssystem abhängig ist. Das führt dazu, dass eine einzelne Definition korrekt gehalten werden kann, wenn das System an anderen Stellen verändert wird. Quine besteht deshalb darauf, dass eine einzelne Definition nicht unabhängig von allen anderen Konzepten und Verweisen betrachtet werden kann. Darauf aufbauend entsteht eine Konzepttheorie, bei der ein Konzept ein gewisses veränderbares Modell für den Ablauf der Wirklichkeit darstellt. Diese Wissenstheorie von Konzepten11 setzt darauf, dass Konzepte abgrenzbare Wirklichkeitsbeschreibungen darstellen, die eine sinnvolle Funktion im Leben der Menschen übernehmen. Diese Theorie bietet ebenfalls eine Antwort darauf, wie Konzepte verwendet werden können, ohne genau zu wissen, worum es sich handelt. Indem das Konzept als Liste von wahrscheinlichen Verweisen auf andere Konzepte in uns vorhanden ist, versucht man darüber, ein Verständnis jeweils immer wieder neu zu konstruieren. Dennoch bietet auch diese Theorie keine zufriedenstellende Lösung, wie ein Austausch über Konzepte stattfinden soll, wenn jeder seine eigene Theorie darüber besitzt, wie etwas funktioniert.

Diese Probleme scheinen nicht leicht auflösbar zu sein. Dennoch habe ich in der Vergangenheit gute Ergebnisse mit dem Konzept der Sprachdynamik12 erreicht. Diese Modell ermöglicht es, die Veränderungen einer Sprache zugänglich zu machen und die internen Definitionskonflikte aufzulösen. Dies ist besonders relevant, wenn Konzepte viele unterschiedliche Anwendungsbereiche besitzen und nicht einfach zu vereinheitlichen sind (zum Beispiel bei Wörtern wie "Liebe, Freiheit, Subjektivität" im Gegensatz zu Wörtern wie "Tisch, Messer, Kamin"). Die Sprachdynamik geht davon aus, dass Synchronisationsprozesse zwischen Individuen auf verschiedenen zeitlichen und bedeutungstragenden Ebenen stattfinden, die dazu führen, dass eine Anpassung an den jeweiligen Sprachgebrauch und damit fundamental auch an die verwendeten Konzepte stattfindet. Dieser Angleichungsprozess an die Konzepte der jeweiligen Synchronisationspartner löst meines Erachtens nach das Problem der Wissenskonzepttheorie zufriedenstellend auf, sodass eine Kombination aus Synchronisationsprozessen und veränderbaren Modellen für den Ablauf der Wirklichkeit entsteht.

Meine Konzepttheorie orientiert sich an der Wissenskonzepttheorie, indem ein Konzept eine bestimmte persönliche Überzeugung repräsentiert. Eine persönliche Überzeugung ist wiederum grundsätzlich ein bestimmtes Verständnis über die Welt aus der Perspektive eines Individuums. Ich trenne jedoch grundsätzlich zwischen Konzept als Benennung einer Überzeugung und der Definition als Versuch diese Benennung anderen über mögliche Handlungen zugänglich zu machen. Das führt dazu, dass meine Konzepttheorie allgemeiner bleiben kann und lediglich auf etwas hinweist, anstatt es sofort konkret bestimmen zu müssen. Meine Konzepttheorie kann deshalb vielleicht als Zeichenkonzepttheorie benannt werden, da sie auf die konkrete persönliche Überzeugung zeigt (verweist), anstatt sie genauer zu bestimmen. Dennoch löst sich der Wunsch nach einer konkreten Definition nicht auf, sondern wird auf den Definitionsvorgang verschoben (Definitionen als der Versuch, ein Wort zu erklären).

Die Zeichenkonzepttheorie wird durch biologische und psychologische Aspekte des Menschseins beeinflusst. Einige dieser Aspekte möchte ich nachfolgend näher vorstellen.

Die Struktur des menschlichen Körpers führt dazu, bestimmte Überzeugungen wahrscheinlicher hervorzubringen, da der Körper die Voraussetzung für eine individuelle Bestätigung einer Sache ist, die man als Person erfährt und die dann für eine Benennung zur Verfügung steht. Etwas, das man nicht wahrnimmt, kann deshalb nicht benannt werden, da es nichts für diese Person gibt, was benannt werden kann. Ein Beispiel für eine Überzeugung, die durch die Struktur des Körpers beeinflusst wurde, ist das wahrscheinliche Vorhandensein einer natürlichen Abstraktionsfähigkeit: Man kann zum Beispiel etwas kategorisieren, ohne dass man dies bewusst steuert. Folgende Erwartung kann dafür als Begründung herangezogen werden: Die Farbe eines Balls, den man aus einem nicht weiter einsehbaren Loch herauszieht, wird mit rot vorhergesagt, weil alle vorherigen Bälle ebenfalls rot waren. Dies macht deutlich, dass die Überzeugung, dass man eine Abstraktionsfähigkeit (in diesem Fall die Verallgemeinerung von Einzelfällen zu einer Regel) besitzt und Schlussfolgerungen aus den eigenen Erfahrungen zieht, wahrscheinlicher ist, als die Überzeugung, dass man etwas nur zufällig macht. Dass man rot als Farbe für den Ball erwartet, scheint nicht nur Zufall zu sein, sondern Teil einer Abstraktionsfähigkeit.

Die Frage danach, ob zuerst Konzepte oder aber Wahrnehmungen vorhanden waren, löst sich in diesem Fall dadurch auf, dass wahrnehmende Individuen in eine Welt hineingesetzt werden, in der bereits bestimmte Konzepte durch unseren Körper (Räumlichkeit, Zeitlichkeit) vorgegeben sind, die wiederum ihre Wahrnehmung bestimmen.13 Dementsprechend ist die Frage nach der Erstbeeinflussung nur relevant, weil sie dazu anregen kann, darüber nachzudenken, dass die Wahrnehmung eines Individuums auch andere Einteilungen (neben zum Beispiel Räumlichkeit oder Zeitlichkeit) besitzen könnte.

Konzepte sind der Versuch, eine Überzeugung mit einer beliebigen Bezeichnung zu verbinden, um auf diese Überzeugung hinweisen und sie von anderen Überzeugungen abgrenzen zu können. Eine Vorstellung von Konzepten zu hinterfragen ist schwierig, da jeder Versuch, sich eine Alternative zu überlegen, bei mir damit endet, ebenfalls ein Konzept zu formulieren. Vielleicht lässt sich dieser Prozess, wenn man es erzwingen möchte, am ehesten damit ersetzen, sein Leben im Jetzt zu verbringen und gar keine expliziten Konzepte zu formulieren. Aber selbst das erscheint schwierig, da etwas erkannt werden muss, damit man es nutzen kann. Wenn man aber keine Vorstellung eines Konzeptes hat, dann kann man auch nicht Essbares von Nichtessbarem unterscheiden, da "essbar" eine Bezeichnung für eine bestimmte Überzeugung wäre, die aber keine Zuordnung bekommen würde. Was zurückbleibt, wäre einzig eine Art Intuition über alles, was sich ereignet, ähnlich vielleicht zu den direkten Wahrnehmungen eines Kleinkindes.

2.1.2 Pragmatismus als Anwendungsbezogenheit von Konzepten

Der Pragmatismus ist eine philosophische Strömung, die den Anspruch hat, die Folgen von Konzepten zu bestimmen und sie auf eigene Handlungen auszurichten. Eine solche Sichtweise ermöglicht es, dass Konzepte anwendungsbezogen gedacht werden können. Charles Sanders Peirce formulierte in diesem Zusammenhang eine pragmatische Maxime: "Überlege, welche Wirkungen, die denkbarerweise praktische Bedeutung haben können, wir dem Gegenstand unseres Begriffes zuschreiben. Dann ist unser Begriff dieser Wirkungen der ganze Umfang unseres Begriffs des Gegenstandes."14 Ich verstehe diese Maxime so, dass die "Wirkungen, die denkbarerweise praktische Bedeutung haben können," mit den Folgen, die sich aus meinen Überzeugungen ergeben, identisch sind. Mit dem "ganze[n] Umfang unseres Begriffs" ist dementsprechend gemeint, dass die sich aus meinen Überzeugungen ergebenden Folgen für mein Handeln oder jegliche Veränderung in der Welt nicht nur ein Teil meines Konzepts einer Sache, sondern das gesamte Konzept sind. Alle Elemente, die nichts mit den Folgen auf die Welt zu tun haben, sind dementsprechend sprachlicher Ballast, der keine Bedeutung für das Konzept hat. Ein sprachlich ausformuliertes Konzept sollte dementsprechend immer die Folgen beschreiben.

Manchmal verlieren Vorstellungen ihre Bedeutung, weil sie im Moment gerade nicht verwendet werden könnnen. Deshalb muss man sie neu herleiten, wenn man sie wieder braucht. Ich denke, dass dies ein natürlicher Prozess ist, da nicht jede Vorstellung immer genauso stark benötigt wird.

Der Pragmatismus kann nicht erklären, woher die Tendenz oder der Wunsch kommt, etwas über seine Folgen hinaus zu erklären. Er ignoriert dabei auch das Gefühl, etwas rhetorisch Angenehmes zu erzeugen und bevorzugt damit den Inhalt. Die Konzentration auf den Inhalt wird dabei bewusst in Kauf genommen, um die Anwendbarkeit zu maximieren. Aber dadurch wird die Anwendbarkeit einer Untersuchung über die Empfindung einer bestimmten Erfahrung gesetzt. Ein Gefühl für das Künstlerische wird unterdrückt, um die negativen Folgen einer negativen Kunsterfahrung so gering wie möglich zu halten. Dennoch geht dadurch eine mögliche positive Kunsterfahrung verloren.

2.1.3 Definitionen als der Versuch, ein Wort zu erklären

Definitionen sind die Annäherung an die Gesamtheit der Verweise eines Konzepts. Die Verweise werden nach Relevanz aufgelistet und in ihrer Verwendung und Wirkung beschrieben.

Verweise bezeichnen das Konzept, dass Konzepte über andere Konzepte miteinander verbunden sein können. Ein Stuhl kann zum Beispiel aus Holz hergestellt sein. Das Konzept Stuhl ist demnach mit dem Konzept Holz über das Konzept Herstellungsmaterial verbunden. Oder ein Buch kann auf einem Tisch liegen. Dann ist das Konzept Buch mit dem Konzept Tisch über das Konzept Lage verbunden.

Es gibt wie bereits im ersten Kapitel besprochen verschiedene Möglichkeiten die Beziehungen und die Relevanz eines Wortes in der Zeichenkonzepttheorie darzustellen. Meine bevorzugte Variante, etwas zu definieren (zurückgeführt auf meine pragmatische Überzeugung), besteht darin, das beschriebene Konzept als Ergebnis einer Handlung zu betrachten.

Diese Ausprägung auf die Handlung ermöglicht es, die Definition immer selbst zu überprüfen, da sich die Definition wie eine Anleitung zur Ausführung liest. Beispielsweise ist ein Konzept die Verbindung eines Wortes mit einer persönlichen Überzeugung. Wenn ich also ein Konzept erzeugen möchte, dann verbinde ich ganz konkret ein Wort mit meiner eigenen persönlichen Überzeugung einer Sache. Häufig besteht die Frage darin, wie komplex eine Definition sein muss, um eine Handlung verständlich genug zu machen.

An diese Anleitung zur Ausführung schließt sich in einer umfangreicheren Definition eine funktionale Erklärung als Begründung für diese Überprüfungshandlung an. Indem ich argumentiere, warum diese Handlung auf diese Weise erfolgt, kann ich deutlich machen, was mich dazu gebracht hat, die Definition auf diese Weise zu wählen. Selbst bei einem einfachen Gegenstand wie einem Stuhl kann so eine funktionale Erklärung sehr kompliziert sein. Was ist schließlich ein Grund dafür, dass Menschen sitzen wollen und nicht alles im Stehen erledigen? Oder was ist der Grund einer Definition, zwischen Stuhl und Sessel zu unterscheiden?

Abschließend nutze ich meistens Beispiele, um die Definition zu veranschaulichen, um damit ein konkretes, sehr weit verbreitetes Muster (in Anlehnung an die Prototypentheorie) zu verwenden, das die Aufnahme einer bestimmten Definition in den eigenen Wissensbestand vereinfachen kann. Andere rhetorische Mittel werden auch in Betracht gezogen, aber meist zugunsten eines Beispiels weggelassen, da Beispiele eine starke Anwendungsbezogenheit besitzen, die wiederum die Gesamtwirkung der Definition als Handlungsdarstellung unterstützt.

Wissen oder Konzepte als Ergebnisse von Handlungen zu betrachten und ihre praktischen Auswirkungen zu betonen, erscheint vielleicht auf den ersten Blick seltsam, weil es Sachen gibt (wie zum Beispiel Sterne), die scheinbar außerhalb der Reichweite von Handlungen stehen. Ich würde jedoch drei Argumente dagegen anführen: Zunächst einmal muss eine Handlung nicht nur auf das Handeln eines Individuums beschränkt sein. Kausale Erscheinungen wie Naturgesetze können dahingehend auch als Auslöser für Ereignisse und damit als Handlungen begriffen werden. Wenn man sich jedoch auf individuelle Handlungen beschränken möchte, um die Nähe einer Definition zum Menschen zu betonen, könnte als Zweites eine erste Annäherung darin bestehen, die eigene Wahrnehmung als Handlung zu betrachten und dessen Ergebnis entsprechend zu beschreiben (zum Beispiel: die Sonne ist der hellste Fleck, den man sieht, wenn man von der Erde am Tag in den Himmel schaut). Abschließend ist es als Drittes sehr gut möglich, dass irgendwann in der Zukunft die Entstehung von Sternen ähnlich zugänglich werden könnte wie der Aufbau eines Stuhls. Das bedeutet, dass die handlungsorientierte Definition eines Sterns als eine sinnvolle Überprüfung für seine Entstehung gelten kann und dementsprechend den beiden Teilen einer Definition (einer umfangreichen Beschreibung der Beziehungen und der Relevanz einer Sache zu anderen Sachen) genügt.

Konzepte können darüber hinaus mithilfe von Wahrscheinlichkeitsbezeichnern definiert werden. Dies soll darauf hinweisen, dass es einen Einfluss von individuellen Faktoren auf den Erkenntnisprozess gibt. Anstatt also davon auszugehen, dass zum Beispiel Atheismus beinhaltet, dass alle Atheisten nicht in die Kirche gehen, beschreibt man, dass Atheismus mit großer Wahrscheinlichkeit dazu führt, dass Atheisten weniger das Bedürfnis besitzen, regelmäßig religiöse Stätten aufzusuchen, da sie nicht von einer Gottesidee überzeugt sind. Die Angabe "mit großer Wahrscheinlichkeit" ist dabei der Wahrscheinlichkeitsbezeichner, der eine konkrete Definition in ihren Wirkungsbereich begrenzt.

2.1.4 Festigkeit als hohe Überlebenswahrscheinlichkeit von Überzeugungen

Festigkeit bezeichnet in Bezug auf Wahrnehmungen die Vorstellung, dass Überzeugungen aus bestimmten Gründen stärker im Körper verankert sind oder insgesamt weniger vergessen werden. Gleichzeitig kann sich Festigkeit aber ebenfalls auf Informationen beziehen, die sich generell wenig verändern. Konzepte besitzen dementsprechend eine hohe Festigkeit, wenn sie 1. von vielen Menschen über einen langen Zeitraum verwendet werden oder 2. wenn sie sich aus irgendwelchen Gründen über einen langen Zeitraum nicht verändern. Ich möchte mich vor allem auf die erste Verwendung beziehen.

Festigkeit ist in diesem Zusammenhang als Beschreibungskriterium sehr ungenau, da es nur darauf hinweist, dass etwas sehr verbreitet ist und sich aus irgendwelchen Gründen halten kann. Für mich ist das Konzept aber dennoch wichtig, weil es ein Hinweis auf mögliche Forschungsaspekte sein kann. Wenn Überzeugungen sehr fest in uns verankert sind (wie zum Beispiel die Unterscheidung von Gut und Böse), dann ergeben sich daraus Fragen, wie sich das auf unsere Gesellschaft und unser Handeln auswirkt. Feste Konzepte sind möglicherweise Konzepte mit einem großen Einfluss und sollten deshalb untersucht werden.

Ein möglicher Grund für die hohe Festigkeit einer Überzeugung ist das Konzept einer Wahrnehmungsfalle.15 Diese beschreibt, dass ein Individuum durch eine prägende Erfahrung in der Vergangenheit, bei neuen Erfahrungen ähnliche Einschätzungen trifft und ähnliche Gefühle erlebt.

Die Überlebenswahrscheinlichkeit einer Überzeugung liefert möglicherweise keine Hinweise darauf, ob ein Konzept für die Gesellschaft relevant ist, da es auch sein kann, dass es evolutionär mitgetragen wird, weil es mehr Energie kosten würde, es wieder zu verlernen. Dabei könnte es sein, dass das Konzept zwar bekannt ist, aber bereits von anderen Konzepten abgelöst wurde.

2.1.5 Ähnlichkeit als Bewertungskriterium

Ähnlichkeit (in Bezug auf Gleichheit und Unterschiedlichkeit) ist ein abstraktes subjektives Bewertungskriterium bei der Berurteilung der Welt. Wie sich Ähnlichkeit ausprägt, ist von den verglichenen Eigenschaften abhängig und auch von Individuum zu Individuum verschieden. Grundsätzlich hat es aber etwas mit identischen Wahrnehmungen zu tun, die dementsprechend auf dieselbe Weise kategorisiert werden.

Ähnlichkeit ist das wichtigste Bewertungskriterium eines Konzepts, denn ohne die Beurteilung der Ähnlichkeit wäre es schwierig, überhaupt etwas unterscheiden zu können, da uns kein abstraktes Kriterium zur Verfügung stünde, um zu klären, ob etwas von etwas anderem abweicht.

Abstrakte Kriterien können nicht direkt überprüft werden, sondern sind nur ein verbindendes, kategorisierendes Konzept. Das bedeutet, dass Ähnlichkeit auch Unterschiedlichkeit heißen könnte, da es vor allem um den Vergleichsprozess als solchen geht, der durch das Kriterium repräsentiert wird.

2.2 Analyse

Das Ziel einer Analyse besteht darin, mehr über ein Untersuchungsobjekt zu erfahren, indem dessen Funktionsweise und Struktur näher untersucht werden. Dabei wird das Objekt in Einzelteile zerlegt, die anschließend miteinander in Beziehung gesetzt und verglichen werden. Die erkannten Bestandteile sollten die Eigenschaft besitzen, dass sie in ähnlichen Kontexten oder bei ähnlichen Objekten wiedererkannt werden können, damit eine klare Herleitung zwischen den Elementen einer Sache und dessen erwarteten Folgen möglich ist.

2.3 Antagonismus

Jeder Mensch verdient Anerkennung, aber kein Mensch verdient sie für alle Zeiten.

Ich bin davon überzeugt, dass keine Person für immer einen gedanklichen Raum in der Zukunft der Menschheit einnehmen sollte.

Für mich ist das wie ein Angriff auf die für uns bisher nicht fassbaren Erkenntnisse und individuellen Erfahrungen der Zukunft, die keinen Platz erhalten, weil sie bildhaft gesprochen von jemandem aus der Vergangenheit blockiert werden.

Dennoch lassen sich Menschen durch Geschichten über das Wirken von Individuen dazu bringen, diese für ihre Leistungen besonders zu verehren, um darüber möglicherweise auch einen Sinn für ihr eigenes Leben zu formulieren und ein Gefühl von Traditionalität, Eingebundenheit und Voranschreiten zu empfinden.

Ich denke, dass dieses Verhalten schädlich ist, weil es Autoritätsargumente verstärkt, anstatt über Lösungen nachzudenken.

Indem nämlich eine einzelne Person durch die Gesellschaft gewürdigt wird, erhalten ihre Argumente allein durch ihren Status eine Bedeutung anstatt durch die Schlüssigkeit und die moralische Überlegenheit der Argumente selbst.

Andererseits kann eine Identifikation mit guten Menschen dazu anleiten, selbst nach einem guten vielleicht sogar auch moralisch gerechtfertigten Verhalten zu streben.

Dabei bleibt aber unberücksichtigt, gerade im Hinblick auf die moralischen Veränderungen der Vergangenheit, was gegebenenfalls als gut oder moralisch gerechtfertigt gelten kann.

Unabhängig davon verdient es meiner Ansicht nach auch die Menschheit als Ganzes und besitzt sogar eine gewisse Verpflichtung dazu, sich an sich selbst und ihre Errungenschaften und Fehler zu erinnern.

Ich bin da ein starker Vertreter einer kritischen und umfangreichen Geschichtswissenschaft.

Ohne dies viel weiter auszuführen, geht es mir vor allem darum, dass die Menschheit auf ihre Geschichte zurückgreifen kann, um zukünftige Probleme zu lösen, ohne ihre Fehler aus der Vergangenheit wiederholen zu müssen

Allerdings sollte diese Geschichte als gemeinsames Unterfangen und gemeinsame Forschung aller Menschen betrachtet werden und nicht als das Ergebnis weniger genialer Individuen.

Eine solche Entpersonalisierung bedeutet jedoch auch nicht, dass niemand erwähnt werden sollte, lediglich dass niemand die alleinige Aufmerksamkeit für die Vergangenheit erhalten sollte.

In unserer Gesellschaft gibt es jedoch viele versuchte Verewigungen von Personen: Stadtnamen wie Karl-Marx-Stadt, Straßen- und Ortsnamen wie Clara-Zetkin-Park.

Immanuel-Kant-Gymnasien, zahlreiche Preise, Einrichtungen, Namen von Himmelskörpern, Statuen, Konzepten.

Aber auch die spezifische Form eines Teils der Wissenschaft ist darauf ausgerichtet, Verewigungen zu begünstigen: Indem zum Beispiel Quellenangaben vor allem über die Benennung von Individuen umgesetzt werden, gibt es eine Tendenz, sich selbst über die eigene Menge an Veröffentlichungen zu definieren.

Grundsätzlich äußere ich mich negativ dazu, Statussymbole und Ewigkeitsmarkierungen zu sammeln, weil sie dazu beitragen, dass ein Konzept nicht allein nach seinem Wert für die Gesellschaft, sondern vor allem nach dem Einfluss seiner Autorin bemessen wird.

Diese Position ist aber selbstzerstörerisch.

Wie jedes Mem16, das sich nicht selbst vermehren möchte, ist eine solche Überzeugung nicht sehr praktikabel, wenn gleichzeitig eine Veränderung der Umgebung angestrebt wird.

In meinem Wahrheitsbestreben wende ich mich aus diesem Grund der Analyse und dem Antagonismus zu.

Der Antagonist ist dem Helden einer klassischen Erzählung gegenübergestellt.17

Die Heldin wird von allen bewundert.

Sie ist der Inbegriff einer dem gesellschaftlichen Normen und dem Status entsprechenden, aber nicht unbedingt immer nach Status strebenden Figur.

Es wurde bereits viel über Helden geschrieben.17

Die Antagonistin versucht in einer positiven Deutung ihrer literarischen Funktion, dem Helden seine Schwächen aufzuzeigen, damit dieser daran wachsen kann.

Die antagonistsche Analyse möchte in ähnlicher Weise die Arbeit und die Konzepte einer anderen Person über ihre Schwächen verstehen.

Indem ein Bösewicht zum Beispiel den Helden in eine tödliche Falle hineinsteckt18, wird dieser dazu angeregt, über sich hinauszuwachsen und die Hindernisse zu überwinden.

Im wissenschaftlichen Kontext soll der Antagonismus dazu beitragen, dass Überzeugungen vor allem daran bemessen werden, was sie nicht erklären können und wo sie zusammenbrechen.

Gleichzeitig regt man den Leser einer wissenschaftlichen Arbeit dazu an, sich mit den generelleren Fragen dahinter auseinanderzusetzen und nicht ohne Kritik eine wissenschaftliche Arbeit zu einem Standard zu erheben.

Eine antagonistische Analyse möchte eine Arbeit jedoch nicht kritisieren, um allein ihre Schwächen oder eine mögliche Unbrauchbarkeit aufzuzeigen, sondern vor allem um sie zu verstehen.

Jede antagonistsche Analyse nimmt die getroffenen Aussagen ernst und versucht, ihre Bedeutsamkeit deutlich hervorzuheben, so wie der Bösewicht einer Geschichte sich nicht über die Heldin lustig macht, sondern sie als Gegenspielerin ernst nimmt.

Im Gegensatz zu einer anderen Darstellung geht es bei der antagonistischen Analyse allerdings eben darum, die nicht erreichten oder unvollständigen Leistungen hervorzuheben.

Antagonistisch meint hier, dass das Negative eines Untersuchungsobjekts aufgezeigt werden soll, um es überwinden zu können, ohne gleichzeitig ein Argument dafür zu liefern, das Untersuchungsobjekt selbst behalten zu müssen.

Dies soll zu eigenen philosophischen Weiterentwicklungen anregen, anstatt eine Interpretation der Welt durch eine bestimmte philosophische Perspektive zu bevorzugen.

Jede konzeptionelle Überlegung sollte ihre eigenen Aussagen stets einer antagonistischen Analyse unterziehen, um darüber deutlich zu machen, dass es nicht um die Anerkennung dieser konkreten Überzeugung, sondern um die Suche nach der bestmöglichen Annäherung an die Wahrheit geht.

Sie sollte sich deshalb fragen: Was wollte ich eigentlich erklären, was konnte ich mit meiner Erklärung nicht erreichen und wo bricht meine Erklärung zusammen?

Fehlt eine antagonistische Analyse der eigenen Aussagen, sollte sich stets gefragt werden, ob man damit zum eigenen Schaden manipuliert werden soll.

2.4 Abgrenzungen

3. Anwendung

Es spielt keine Rolle, ob meine Interpretation der vorgestellten Werke akzeptiert ist oder nicht, da es mir grundsätzlich darum geht, ein besseres Verständnis zu erhalten. Wenn ich also meine Erläuterung über meine Verständnisschwierigkeiten transparent mache, können andere davon profitieren.

Die Anwendung gliedert sich in zwei Teile. Zunächst mache ich deutlich, warum ich einen Autoren ausgewählt habe, um eine antagonistische Analyse vorzunehmen.

3.1 Platon

3.2 Aristoteles

3.3 Kant

3.4 Hegel

3.7 Wittgenstein

3.12 Eine antagonistische Analyse der antagonistischen Analyse

4. Zusammenfassung

Anmerkungen

  1. Schweikle/Schweikle/Burdorf/Fasbender/Moennighoff 2007, S. 22 ↩︎
  2. Siehe: "Online-Lexikon Literaturwissenschaft. Begriffe - Autoren - Werke" 2007, Huber/Böhm 2007, Schweikle/Schweikle/Burdorf/Fasbender/Moennighoff 2007, S. 28 ↩︎
  3. Aristoteles 2013, 1028a ↩︎
  4. Crumley 2006, S. 150f ↩︎
  5. Crumley 2006, S. 151 ↩︎
  6. Wittgenstein 1953, § 66 ↩︎
  7. Popper 1994 ↩︎
  8. Crumley 2006, S. 152ff ↩︎
  9. Prinz 2002 ↩︎
  10. Quine 1951 ↩︎
  11. Murphy/Medin 1985 ↩︎
  12. Schmidt/Herrgen 2011 ↩︎
  13. Für mich ist das eine der wenigen Leistungen, die Kant mit seinem Konzept der Anschauungsformen sinnvoll verdeutlichen konnte. Vgl. Kant/Timmermann 1998 ↩︎
  14. Peirce 1878 ↩︎
  15. https://astralcodexten.substack.com/p/trapped-priors-as-a-basic-problem ↩︎
  16. Te ↩︎
  17. Quelle ↩︎, ↩︎
  18. Quelle ↩︎

Literatur