13. Juli 2010 / , / 6c

Ich bin zu dumm dazu, mir einen wirklich passenden Titel auszudenken, deshalb ist der jetzt auch hier ein ganz klein wenig länger als meine üblichen Titel. Mir fällt es extrem schwer, aber ich muss mich von euch für eine sehr lange Zeit verabschieden, euch danken, euch etwas schenken, euch sagen, dass ihr etwas Besonderes seid, euch in einer stürmischen Nacht in einer verlassenen Scheune auf einer Strohdecke sagen, dass ich euch liebe. Ja. Das ist mein Leben. Ich lebe es so, wie es passt. Es ist manchmal nicht ganz einfach, aber es gefällt mir so und wenn es mir gefällt, dann ist alles gut.

Das ist der Eintrag, der alles erklären soll. Der Eintrag, der alles in sich vereinen soll. Der, der euch an den verrückten Menschen erinnern soll, der hier geschrieben hat, bevor er weggegangen ist. Und es fällt mir schon wieder schwer, mich zu konzentrieren. Es erwarten mich sehr viele Dinge, deshalb möchte ich kurz beschreiben, was ich vorhabe und warum ich mich dazu entschieden habe.

Eine Reise

Ab nächster Woche mache ich mich auf den Weg durch Deutschland. Ich plane, mit einem Rucksack von Stadt zu Stadt zu wandern und eine Welt zu erleben, die mir vorher nicht zugänglich gewesen ist. Ich habe lange überlegt, ob ich davon überhaupt berichten möchte, aber letztendlich ist wie viele Dinge ein Abschnitt in meinem Leben, der mich in großer Art und Weise prägen wird.

Was die Reise für mich interessant macht, sind gewisse Regeln, die ich mir selbst auferlege und die mir dabei helfen sollen, ein ungetrübteres Bild von der Welt zu bekommen:

Ich versuche, …

  1. solange es mir möglich ist, zu Fuß zu reisen.
  2. neue Menschen kennenzulernen und mehr über ihr Leben zu erfahren.
  3. mich auf der Reise weiterzubilden und mich auf ein Studium vorzubereiten
  4. so wenig Geld wie möglich auszugeben.
  5. alles, was mir passiert, zu dokumentieren.

Für mich wird es vor allem ein Geduldstest, bei dem ich versuche, ein Leben abseits meiner Freunde und meiner Familie zu führen, ich mich mit den unterschiedlichsten Problemen beschäftigen muss und der mir hoffentlich einen Einblick in unsere Gesellschaft gewährt, um sie dadurch besser verstehen zu können.

Einige Ziele

Etwas, das an diesem Plan besonders heraussticht, ist die lokale Begrenzung auf Deutschland. Für mich ist Deutschland vor allem meine Heimat, die ich gerne in ihrer Vollständigkeit kennenlernen würde. Mich interessieren die unterschiedlichen Dialekte, mich interessieren die kulturellen Eigenheiten und mich interessieren die Menschen, die sich Gedanken über ihr Leben machen und es nicht einfach so hinnehmen.

Aus diesem Grund habe ich mir auch in Zusammenhang mit der dritten und fünften Regel bestimmte Projekte vorgenommen, die ich auf meiner Reise versuche anzugehen:

  • Fotos schießen — Auch wenn es sich mehr oder weniger einfach anhört, so denke ich doch, dass Fotos eine unglaubliche Macht innehaben, Dinge auszudrücken. Ich kann eine schöne Landschaft in all ihren Facetten beschreiben, doch ein Foto macht es für alle sofort ersichtlich.
  • Bücher lesen und kommentieren — Für mich ist es wichtig, dass ich meine Erfahrungen dokumentiere. Daraus ergibt sich, dass ich natürlich auch über alles schreibe, was mich gedanklich beschäftigt. Bücher sind in diesem Zusammenhang und darüber hinaus perfekt dafür geeignet, sich auf der einen Seite zu entspannen und auf der anderen Seite über die Welt nachzudenken.
  • Zeichnen und malen — Ein weiterer wichtiger Punkt ist für mich die bildliche Darstellung meiner Gedanken. Manchmal reichen Worte für die Gefühle und Erfahrungen, die man macht nicht aus. Deshalb sollte man sich nicht vor einem bestimmten Medium verschließen. Aus diesem Grund werde ich hin und wieder meine Zeit nutzen und etwas zeichnen, das mich bewegt.
  • Sport treiben — Zusätzlich zur Wanderung sehe ich Freizeitsport als einen wichtigen Faktor an, den Körper fit zu halten und damit zu den Höchstleistungen zu bringen, die einem über den Weg laufen. Hin und wieder etwas für den Körper zu tun, wird mir dabei helfen, aktiv zu bleiben, um somit auch besser auf unvorhergesehene Situationen reagieren zu können.
  • Auf Kleinigkeiten achten — Ich denke, es ist wichtig, regelmäßig auch den kleinen Dingen Beachtung zu schenken und sie wirklich auch wahrzunehmen. Ob es sich dabei nun um den Wind handelt, der über die Ebenen dahin weht oder ob es die hupenden Autos der Großstadt sind; das ist egal. In vielen Fällen aber achten wir schon gar nicht mehr darauf und sind dann immer wieder erneut davon überrascht, wie sehr sie uns und unsere Gefühlslage unbewusst beeinflussen.

Warum ich mir diese Last aufbürde? Weil ich Dinge gerne geordnet habe. Weil ich wissen will, was mein Ziel ist, was ich wirklich will, nicht, was ich denke, was ich will, wenn ich schwach bin. Weil das mein Leben ist.

Was übrig bleibt

Ich habe im letzten Jahr mehr geleistet, als in meinem gesamten Leben vorher und darauf bin ich sehr stolz. Ich habe angefangen ernsthaft zu filmen, habe in einem Jahr mehr Ideen in Filme umgesetzt, als ich mir hätte vorstellen können. Ich habe einen echten Spielfilm gedreht und ihn dann auch noch vorgeführt. Ich habe Musik gemacht, Alben, EPs, Singles — elektronisch, klassisch, ambient, 8-Bit. Ich habe Fotos geschossen, schwarzweiß, ausgeblichen oder sepiafarben. Ich habe mir Gedanken über die Computerspieleindustrie gemacht und vor allem habe ich so viel wie möglich mit meinen Freunden unternommen.

Was zurückbleibt, ist diese Zeit. Sie war toll. Es war auch der erste Sommeranfang, den ich richtig genossen habe, den ich mit so vielen Menschen verbracht habe, die ich mag und die mich daran erinnert haben, warum das Leben in jeder Sekunde ausgekostet werden muss. Mit jedem Tag, der vergeht, werde ich älter und ich merke, dass je besser ich in einer bestimmten Sache werde, mir mehr Gedanken darüber mache, dass das Glück, das ich dabei empfinde, nicht ewig anhält. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, das mir erst durch diese längere Pause wirklich bewusst geworden ist.

Ich ändere mich ständig und muss mich an diese Änderungen gewöhnen, ob es mir gefällt oder nicht. Mir machen einige dieser Veränderungen Angst, andere sind positiv, aber das ist nicht der Punkt. Der Ja-Sager ist ein sehr guter Film, der mir so viel über das Leben beigebracht hat. Der Punkt ist, dass wir heute jemand sind und morgen jemand anderes sein können. Es ist nicht wichtig, wer wir sind, es ist einfach nur wichtig, dass wir da sind und uns weiterhin unsere Gedanken machen.

Geschenk

Doch bevor ich mich nun wirklich verabschiede, möchte ich euch noch etwas geben, was lange Zeit verloren galt. Hier ist es: Das Xesier-Archiv. Alle Beiträge, die seit der Gründung von Xesier geschrieben wurden (und darin auch geblieben sind), finden sich dort. Ihr könnt sie euch durchlesen und vielleicht bringen sie euch auf eine Idee oder helfen euch in einer schwierigen Lebenslage. Es ist euch überlassen. Und auch wenn es kaum einen kratzen wird, dass das Xesier-Archiv zurückgebracht wurde, so ist es mir schon eine Genugtuung, dass ich wenigstens Wilhelm zufrieden stellen konnte.

Zukunft

Ich weiß nicht, was ich machen werde, ich weiß nicht, wo ich etwas, wenn ich etwas machen würde, machen werde und ich weiß nicht, wann ich etwas, wenn ich etwas machen würde, machen werde, wenn ich etwas irgendwo machen würde. Ansonsten kann man vielleicht erwarten, dass ich 2011 irgendwann zurück sein werde und vielleicht wieder Filme und Musik und so ein Zeug machen werde. Aber das sind Spekulationen von einem vergangenen Ich. Zum Abschluss kann ich nur noch sagen, dass ich euch gerne hab und hoffe, dass ich euch alle irgendwann einmal wiedersehe. So, tschüss und danke für den Fisch. Und da ich Kaki King liebe, hier noch einmal eines ihrer stärksten Lieder, live, allein, ohne Studio. Life Being What It Is.