Welche Basis besitzen die hier beschriebenen Überlegungen?
Created: 2026-07-30 Updated: 2026-07-30
John Dewey
- Learning by Doing: Lernen geschieht am besten durch eigenes Handeln, Experimentieren und Problemlösen, nicht durch passives Auswendiglernen.
- Dewey beginnt mit einer Kritik der traditionellen Schule. Diese gehe davon aus, dass Wissen ein fertiger Bestand von Wahrheiten sei, der von Lehrenden auf Lernende übertragen werde. Für Dewey ist Wissen dagegen das Ergebnis eines Untersuchungsprozesses (inquiry). Menschen geraten in problematische Situationen. Sie beobachten, bilden Hypothesen, handeln, überprüfen die Folgen ihres Handelns und korrigieren ihre Annahmen. Dieser Prozess ist identisch mit Lernen. Deshalb kann Lernen nicht primär durch Zuhören entstehen, sondern durch eigenes problemlösendes Handeln. Der berühmte Ausdruck learning by doing fasst diese Grundidee zusammen, obwohl Dewey ihn selbst nur selten wörtlich verwendet.1
- Schule als Lebensgemeinschaft: Die Schule soll keine Vorbereitung auf das Leben sein, sondern selbst ein Ort demokratischen Zusammenlebens. Kinder lernen Kooperation, Verantwortung und Kommunikation.
- Kinder lernen soziale Kompetenzen nicht durch moralische Belehrung. Sie lernen sie nur durch tatsächliche Zusammenarbeit. John Dewey (1899): The School and Society
- Erfahrung als Grundlage des Lernens: Bildung entsteht durch Erfahrungen, die reflektiert und verarbeitet werden. Nicht jede Erfahrung bildet, entscheidend ist ihre Qualität und ihre Einordnung.
- Dewey übernimmt vom Pragmatismus die Annahme, dass Erkenntnis aus der Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt entsteht. Eine Erfahrung verändert den Handelnden. Bildung besteht deshalb nicht im Ansammeln von Fakten, sondern darin, Erfahrungen so zu organisieren, dass sie spätere Erfahrungen verbessern. Nicht jede Erfahrung bildet. Manche Erfahrungen können sogar "fehlbildend" sein, wenn sie Neugier hemmen oder weiteres Lernen verhindern. Darum unterscheidet Dewey zwischen bildenden Erfahrungen, nicht bildenden Erfahrungen, fehlbildenden Erfahrungen. Die Qualität einer Erfahrung entscheidet sich daran, ob sie weiteres Lernen ermöglicht und ob sie sinnvolle Verbindungen zu zukünftigen Erfahrungen schafft. John Dewey (1938): Experience and Education
- Kindorientierung: Unterricht soll an den Interessen, Fähigkeiten und Erfahrungen der Lernenden anknüpfen.
- Lehrkraft als Begleiter: Die Lehrperson ist weniger Autorität als vielmehr Moderator und Unterstützer des Lernprozesses.
- Da Lernen nur durch eigene Erfahrung möglich ist, kann der Lehrer Erkenntnis nicht "übertragen". Er kann jedoch geeignete Problemsituationen schaffen, Erfahrungen strukturieren, Reflexion anregen. Der Lehrer bleibt Autorität hinsichtlich Erfahrung und Organisation, aber nicht als bloße Wissensquelle.
Demokratiebildung
- Demokratie als Lebensform: Demokratie bedeutet eine Kultur des gemeinsamen Austauschs, der Kooperation und des gegenseitigen Respekts.
- Dewey kritisiert politische Theorien, die Demokratie ausschließlich über Institutionen definieren. Institutionen funktionieren nur dann demokratisch, wenn Menschen miteinander kommunizieren, unterschiedliche Interessen austauschen, gemeinsame Lösungen entwickeln. Deshalb entsteht Demokratie zuerst im Alltag. Parlament und Wahlen sind lediglich Ausdruck einer bereits demokratischen Gesellschaft.
- "A democracy is more than a form of government; it is primarily a mode of associated living, of conjoint communicated experience."
- Öffentliche Deliberation: Politische Probleme sollen durch Diskussion, gemeinsame Beratung und vernünftige Argumente gelöst werden. Deliberation meint Beratschlagung.
- Für Dewey gibt es kaum gesellschaftliche Probleme mit endgültig richtigen Lösungen. Politik ähnelt wissenschaftlicher Forschung. Menschen formulieren Hypothesen, diskutieren Alternativen, prüfen Folgen, korrigieren Irrtümer. Demokratie ist deshalb ein permanenter Lernprozess. John Dewey (1927): The Public and Its Problems
- Beteiligung aller Bürger: Demokratie lebt von der aktiven Mitwirkung informierter Bürgerinnen und Bürger.
- Bildung als Voraussetzung der Demokratie: Nur durch gute Bildung können Menschen kompetent an demokratischen Prozessen teilnehmen.
- Demokratische Entscheidungen verlangen Urteilskraft, Kritikfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Perspektivenübernahme. Diese Fähigkeiten entstehen durch Erziehung. Deshalb sind Demokratie und Schule für Dewey untrennbar. Ohne demokratische Bildung degenerieren demokratische Institutionen.
- Verbindung von Wissenschaft und Politik: Gesellschaftliche Probleme sollten mithilfe wissenschaftlicher Erkenntnisse und öffentlicher Diskussion bearbeitet werden.
- Dewey glaubt nicht, dass Wissenschaft fertige Wahrheiten liefert. Wissenschaft ist vielmehr eine Methode, Probleme systematisch zu untersuchen. Diese Methode sollte auch Politik anwenden: Fakten sammeln, Hypothesen bilden, Folgen prüfen, Irrtümer korrigieren. Demokratie ist somit ein offener Lernprozess.