Glauben

2013-10-01

Der Glaube ist die Grundlage jeder Auffassung, unabhängig von Religion oder Wissenschaft. Er ist ein Ausdruck des Vertrauens und ein fester Bestandteil unseres Denkens. Im Glauben wird unsere Welt definiert. Während er im religiösen Kontext als wesentlicher Teil der Überzeugung gefeiert wird, gilt er in der Forschung am ehesten noch als Wahrscheinlichkeitsvermutung. Wenn er dort überhaupt gilt. Doch was macht den Glauben aus? Und kann man nicht eigentlich auf ihn verzichten?

Ich bin mir nicht sicher. Es gibt verschiedene Formen des Glaubens. So dominiert zwar in den meisten Fällen der religiöse Aspekt, aber auch von weltlicher Seite aus betrachtet, hat er einiges zu bieten. So erscheint er in diesem Zusammenhang vornehmlich als unverzichtbares Element zwischen Zweifel und absolutem Wissen.

So kann niemand jemals davon ausgehen, vollkommen zweifelsfrei eine Aussage zu treffen, da wir nun einmal eine sehr eingeschränkte Wahrnehmung besitzen. Wenn überhaupt sind es effektive Annäherungen. Und je effektiver, desto glaubhafter. Selbst Konzepte wie die Evolution oder die Relativitätstheorie bleiben davon nicht verschont. Nur bedeutet das eben nicht, dass wir beispielsweise bloß nicht mehr an die Erdanziehungskraft glauben müssen und schon würde sie uns nicht mehr betreffen. Es bedeutet vielmehr, dass die Anziehungskraft kein unveränderlicher Bestandteil ist, sondern lediglich dabei hilft, einige Phänomene sehr effizient zu erfassen.

Wir nehmen in dieser Hinsicht unseren Glauben nicht so sehr wahr, weil es eben keine nachvollziehbare Alternative zur heutigen Vorstellung von Gravitation gibt. Vielleicht existiert aber irgendwann eine genauere Beschreibung, vielleicht viel einfacher. Das kann ich nicht wissen. Doch der heutigen Vorstellung davon, diesem Glauben, kann man sich kaum entziehen. Und deshalb sollte er auch nicht unterschätzt werden. Weil er aufzeigt, dass unsere Erkenntnis beschränkt ist und dass wir viel zu viele Dinge einfach als gegeben hinnehmen.

Gliederung

Argumentenauflistung: Philosophie / Erkenntnis

  1. Argumente: Glaube als Grundlage - Welche Bedeutung hat der Glaube als menschliche Veranlagung?
    • Glaube als Bestandteil des Denkens: Man glaubt an die eigene Wahrnehmung, weil man ansonsten keine Entscheidung treffen könnte.
    • Glaube an Ideale: Man wünscht sich Idealzustände, weil sie einen Vorgeschmack auf eine Welt liefern, in der man glücklich ist.
  2. Argumente: Glaube an Gott - Was begründet den Glauben an eine übergeordnete Macht? Was spricht dagegen?
    Dafür:

    • Persönliche Erfahrung: Man spürt ein Bedürfnis nach etwas Größerem.
    • Ungelöste Fragen: Die Welt ist nicht vollständig erklärbar.
    • Moral: Gott gibt uns einen Sinn und sagt, wie wir uns zu verhalten haben.
    • Demut: Gottes Größe lässt Probleme klein erscheinen.
    • Glück: Gott bedeutet höchstes Glück.
    • (Vorteile:) Menschen schätzen den sozialen Kontakt oder erhoffen sich einen persönlichen Gewinn.
    • (Mystifizierung:) Gott ermöglicht eine interessantere Sicht auf das Leben.
    Dagegen:

    • Kein Beweis: Es gibt keinen fassbaren Beweis für das Vorhandensein eines Gottes.
    • Böses: Es gibt keinen vernünftigen Grund dafür, warum Gott Böses zulässt.
    • Vielzahl der Interpretationen: Jeder Mensch hat eine unterschiedliche Vorstellung von Gott.
    • Entdeckungen: Wissenschaftliche Erkenntnisse verdrängen Gott aus den entsprechenden Bereichen.
    • (Nicht notwendig:) Es lässt sich auch ohne Gott ein glückliches und moralisches Leben führen.
    • (Einschränkung:) Religiöse Regeln schränken das eigene Leben ein.

  3. Argumente: Glaube an Esoterik - Was macht den Reiz unorthodoxer Methoden aus? Was sollte man beachten?
    Dafür:

    • Vertrauen: Der Placebo-Effekt funktioniert, weil man von der Wirkung einer Methode fest überzeugt ist.
    • Regelmäßigkeit: Wiederholungen führen zu Sicherheit und damit zu mehr Ausgeglichenheit.
    • Erfüllung: Der Wunsch nach einer Lösung wird befriedigt, unabhängig von einer nachweisbaren Wirkung.
    Dagegen:

    • Gefährlichkeit: Schwere Erkrankungen werden vernachlässigt.
    • Abwegigkeit: Die Wirksamkeit ist auf den Körper beschränkt und kann nicht alle Probleme lösen.
    • Beliebigkeit: Die Wirkung auf den Körper ist nur bedingt von der Methode abhängig.

Glaube als Grundlage

Wasserstoff

  1. Glaube als Bestandteil des Denkens: Der Glaube ist Bestandteil jeder Auffassung, weil wir ab einem gewissen Punkt unserer Wahrnehmung immer vertrauen müssen. Da unsere Wahrnehmung aber durch unseren Körper eingeschränkt ist, können wir nur an das glauben, was uns in diesem Zusammenhang am wahrscheinlichsten erscheint. Wenn wir darauf nicht vertrauen würden, könnte unser Körper keine unserer Entscheidungen rechtfertigen und wir wären bewegungsunfähig.
    • Beispiel: Wenn wir unserer Wahrnehmung nicht vertrauen würden, dann könnten wir nicht entscheiden, ob wir zu unserem Kühlschrank gehen sollten, um uns etwas zu Essen zu holen. Wir würden bezweifeln, dass es einen Kühlschrank gibt. Oder ein Hungergefühl. Oder unsere Existenz.
    • Beispiel: Die Relativitätstheorie könnte falsch sein, weil uns nicht alle Informationen über das Universum zur Verfügung stehen, sodass beispielsweise Schwankungen der Naturgesetze die Formeln nutzlos machen würden. Wir glauben allerdings trotzdem an sie, weil wir sie jetzt anwenden können und sie jetzt funktionieren. Genauso gut kann es aber in Zukunft eine bessere Theorie geben, die auf Phänomene eingeht, die die Relativitätstheorie nicht bedacht hat.
    • Beispiel: Wir vertrauen wissenschaftlichen Arbeiten, ohne selbst Experimente durchzuführen, weil wir daran glauben, dass Wissenschaftler einem gewissen moralischen Kodex folgen und ihre Arbeiten bereits mehrfach überprüft wurden.
    • Gegenargument: Wenn eine Theorie immer und immer wieder in unterschiedlichen Experimenten dieselben Resultate zutage fördert, muss davon ausgegangen werden, dass es sich um eine vollständig nachvollziehbare Situation handelt und ein Glauben nicht notwendig ist, um den Ergebnissen zu vertrauen.
      • Entkräftung: Die Frage ist, wie unterschiedlich die Experimente wirklich sind? Wir können nicht an anderen Stellen des Universums testen. Die Ergebnisse variieren in geringem Maße selbst auf der Erde. Und auch wenn die Ergebnisse gleich wären, bleibt eine Restunsicherheit aufgrund unserer eingeschränkten Beobachtung. Das macht es schwierig, etwas wirklich endgültig zu bestimmen.
    • Gegenargument: Die Mathematik liefert ein Konzept, das keinen Glauben benötigt, da die Logik die Ergebnisse vorschreibt. 1 + 1 bleibt 2. Wir müssen also nicht daran glauben, dass 1 + 1 wirklich 2 ergibt, sondern wir wissen es.
      • Entkräftung: Grundsätzlich richtig, aber wir müssen auch an die Richtigkeit der Regeln glauben, die 1 + 1 = 2 festlegen. Und die Mathematik hat ebenfalls nur eine Bedeutung innerhalb der Beschreibung unserer beschränkten Wahrnehmung der Welt. Wenn wir also zwei Sachen sehen, obwohl jemand anderes nur eine Sache sieht, dann haben wir ein Problem.
    • Fazit: Für mich ist es nachvollziehbar, dass unsere Wahrnehmung eingeschränkt ist und wir deshalb nur an etwas glauben können, ohne es jemals wirklich zu wissen. Dementsprechend beschreiben wir über Begriffe wie Gravitation lediglich sehr effizient einige von uns wahrgenommene Phänomene, nicht aber unbedingt endgültige Bestandteile des Universums.
  2. Glaube an Ideale: Wir glauben an unsere Ideale, an die besten Ausprägungen unserer Vorstellungen, weil sie unsere Wünsche widerspiegeln. Sie sind für den Körper in dieser Hinsicht ein Vorgeschmack auf einen Zustand, in dem er sich besser fühlen kann. Deshalb geht es uns auch gut, wenn wir selbstgesteckte Vorgaben einhalten. Nicht weil wir sofort Erfolge sehen, sondern weil wir uns auf einen erwünschten Zustand zubewegen.
    • Beispiel: Wir hören beispielsweise nicht sofort damit auf, an eine gerechte Welt zu glauben, nur weil wir sehen, dass es ungerechte Menschen gibt. Dafür ist die Idee, die dahinter steckt, für uns viel zu wichtig. Und jeder Schritt, der in diese Richtung führt, in unserem Verständnis absolut notwendig.
    • Ergänzung: Dieser Glaube wird jedoch nicht vollständig von den Vorstellungen von einer besseren Welt beherrscht. Vielmehr ist er ein Nebenprodukt unserer Ziele. Wir wurden erfolgreich von einer Sache überzeugt und stehen nun auch ohne ständiges Erwähnen aller Argumente für diese Position ein. Wir glauben daran, weil wir ein Gefühl dafür haben, weil uns die Situation wichtig erscheint.
    • Fazit: Der Glaube an Ideale vereint die Wünsche und Träume von einer besseren Welt, unabhängig davon, ob so eine Welt jemals existieren wird. Das Besondere besteht darin, dass uns diese Vorstellungen auch in schwierigen Situationen erhalten bleiben. Sie geben uns Hoffnung. Das macht sie zu etwas anderem als nur zu einem Bestandteil des Denkens.

Glaube an Gott

Glaubensproblematik: Ob Gott existiert, lässt sich nicht restlos klären. Deshalb geht es eher darum, die Argumente für und wider auszuwerten und sich der generellen Situation bewusst zu werden. Was bringt mich dazu, meinen Überzeugungen zu vertrauen? Warum sollte ich glauben? Wann sollte ich zweifeln?

Sprachproblematik: Da der Begriff "Gott" nicht eindeutig bestimmt werden kann, ist selbst eine relativ allgemeine Aussage wie "übergeordnete Macht" keine gute Beschreibung. Was bedeutet übergeordnet? Wie viel Macht besitzt Gott? Je nachdem, wen man fragt, erhält man unterschiedliche Antworten (siehe: Vielzahl der Interpretationen). Aus diesem Grund beziehe ich mich bei meinen Argumenten vorzugsweise auf die Annahme eines allwissenden, allmächtigen, nicht-fassbaren Wesens, so wie es von den monotheistischen Weltreligionen gefordert wird.

  1. Persönliche Erfahrung: Unser Leben wird von vielen Unsicherheiten, Fragen und Problemen erdrückt, und meist wissen wir nicht, wofür wir uns entscheiden sollen. Doch mit einem Mal erscheint dieses Gefühl nach einem Dahinter, ein Gefühl von unglaublicher Liebe, das man in sich selbst entdeckt. Und es ist so tiefgreifend und umfassend, dass sich die Angespanntheit der Zukunft auflöst und vollständig von der Größe dieses Gedankens erfasst wird. Dem Gedanken an Gott.
    • Beispiel: Gott hilft dabei, das Leben zu begreifen, es zu genießen, es in schwierigen Zeiten zu überstehen. Die Gewissheit einer vollständigen Liebe bekräftigt einen darin, sich selbst besser zu verstehen und besser mit anderen Menschen umzugehen, damit das Glück des einen zum Glück anderer werden kann.
    • Gegenargument: Eine persönliche Erfahrung mit Gott ist ein Ausdruck für das Bedürfnis nach Sicherheit. Letztendlich kann sie nur so viel bewirken, wie ihr zugesprochen wird, da jede Auswirkung nur von einem selbst bewertet wird. Ob Gott wirklich damit etwas zu tun hat, ist eine Interpretationsfrage.
      • Entkräftung: Warum sollten Religionen oder der Glaube an Gott allerdings aus dem Sicherheitsbedürfnis des Menschen entsprungen sein? Religionen streben eher einen Ausgleich mit dem Leben an, anstatt eine konkrete Gefahrenabwehr.
      • Weiterführung: Doch selbst Ausgleich und Entspannung sind grundsätzlich nur sehr fein ausgearbeitete Muster, um am Leben zu bleiben. Man möchte sie erreichen, weil Stress den Körper belastet. Darüber hinaus beschreiben Religionen meist sehr genau, wie man sich in seinem Leben verhalten soll, damit man sich und anderen nicht schadet. Sie haben sogar häufig den Anspruch, für die Zeit nach dem Tod eine Bedeutung festzulegen. Es wird versucht, die Angst vor dem Sterben oder auch schon vor Schmerzen zu besänftigen, sodass man sich letztendlich umsorgt fühlen kann.
      • Weiterführung: Der Mensch kann zwar von einem großen Gedanken wie Gott tief emotional bewegt werden, viel wahrscheinlicher ist aber, dass er aufgrund seiner eingeschränkten Wahrnehmung ein Ereignis falsch deutet und überbewertet. Gott steigt in diesem Zusammenhang zu einer positiven Erscheinung auf, weil man dieses erlebte Positive eben mit Gott verbindet.
  2. Ungelöste Fragen: Es gibt Fragen über unsere Welt, auf die es keine einfachen beziehungsweise überhaupt keine Antworten gibt. Gott als Schöpfer füllt diese Lücke. Er ist für die Ordnung unseres Universums zuständig. Er ist die erste Ursache. [1]
    • Gegenargument: Wenn es eine Ursache braucht, um zu existieren, dann braucht auch Gott eine Ursache. Wenn es jedoch keine Ursache braucht, dann braucht es auch nicht unbedingt einen Gott, um das Universum zu schaffen.
    • Beispiel: Was sind Naturgesetze? - Naturgesetze sind aufs Wesentliche reduzierte nahezu konstante, überprüfbare Abläufe im Universum. Sie sind Gottes Weg mit uns zu interagieren.
    • Gegenargument: Man kann Naturgesetze messen, aber man kann keinen Ursprung für sie festlegen, weil niemand sagen kann, warum sie existieren. Man kann nach einer Antwort suchen, aber Gott ist in diesem Fall nur ein vorzeitiges Ende der Suche. Man sagt mit Gott, dass es etwas ist, woran man nur glauben kann. Doch was gibt einem diese Gewissheit?
    • Beispiel: Warum gibt es uns? - Gott hat alles erschaffen, damit wir die Vielfältigkeit des Lebens wahrnehmen können. Er hat uns erschaffen, weil er eine Bestimmung für uns hat.
    • Gegenargument: Ein allmächtiger Gott braucht keine Menschen, um etwas zu erreichen. Warum sollte er Bedürfnisse haben? Er kennt den Ausgang jeder Aktion. Und er kann alles sofort herbeiführen.
    • Beispiel: Warum können wir uns entscheiden? - Gott hat uns einen freien Willen gegeben, weil wir bestimmen sollen, wie wir leben wollen.
    • Gegenargument: Wenn Gott allwissend ist, können wir nicht frei handeln. Er kennt nicht nur den Ausgang all unserer Entscheidungen, sondern hat uns durch unsere individuelle Schöpfung so erschaffen, dass wir uns nur so entscheiden können, wie er es wollte.
    • Gegenargument: Ungelöste Fragen werden durch Gott nicht beantwortet, sondern sie werden umformuliert. Es handelt sich dementsprechend um ein sprachliches Problem, wenn man alles, was man nicht erklären kann, mit Gott bezeichnet (Siehe dazu: Entdeckungen). Die Religion schafft eine Sprache des Unbekannten, die nicht erklären muss, wie etwas funktioniert, sondern dazu dient, eine subjektive Verknüpfung aller Elemente zu vollziehen.
      • Beispiel: In der Anime-Serie Neon Genesis Evangelion werden religiöse Begriffe benutzt, um eine Vertrautheit mit der Science-Fiction zu schaffen. Engel sind darin beispielsweise monströse Erscheinungen, die die Erde angreifen. Adam, die genetische Basis für das Leben. Die Lanze des Longinus, eine Waffe von unglaublicher Stärke.
  3. Moral: Da Gott allwissend ist und alles Gute in sich vereint, sind unsere Vorstellungen von gerechtem Handeln maßgeblich von ihm geprägt. Ohne ihn gebe es keinen Grund, gut sein zu wollen.
    • Beispiel: Unsere moralische Erziehung erfolgt über unser Streben nach diesem Guten. Vom Religionsunterricht über Gottesdienste bis zu jedem persönlichen Gespräch mit und über Gott.
    • Beispiel: Wenn es Gott nicht geben würde, dann wäre unser moralisches Handeln kein Element des Guten und Gerechten, sondern eine egoistische Entscheidung des Menschen, die er aus evolutionären Gründen getroffen hätte.
    • Gegenargument: Zunächst einmal möchte ich kritisieren, dass selbst wenn Gott das Gute und Gerechte repräsentiert, das moralische Handeln egoistisch ausgeprägt wäre, weil nicht versucht wird, sich dem Guten anzunähern, sondern vordergründig Gott gerecht zu werden. Wenn Gott in diesem Zusammenhang etwas für uns Fragwürdiges fordert, dann wäre dies dennoch "gut", weil Gott es gesagt hat. Doch woher wissen wir, dass wir Gott richtig verstanden haben? Und wenn es für uns fragwürdig ist, dann muss auch die Moral außerhalb von Gott existieren, weil er ansonsten nichts Fragwürdiges fordern könnte.
    • Gegenargument: Weiterhin ist zu erwähnen, dass eine Moral, die auf entwickeltem Mitgefühl aufbaut, keineswegs schlechter ist. Trotz des egoistischen Hintergrundes, den Fortbestand des eigenen Lebens zu sichern, sind die Gefühle dahinter immer noch echt. Man möchte anderen Menschen helfen, weil sie einem selbst ähnlich sind, weil man sich selbst darin erkennt.
  4. Demut: Egal welche Schwierigkeiten man hat, Gottes Existenz und seine uneingeschränkte Liebe helfen beim Überdenken des Problems. Man schaut durch ihn mit einer anderen Perspektive darauf.
    • Beispiel: Wenn die Arbeit uns zu schaffen macht, unser Chef wieder einmal nur herumbrüllt oder die Lehrer einen wieder einmal für etwas Nichtiges ermahnen, dann fühlt man sich schnell unwohl und ungeliebt. Doch mit Gott begreift man, dass Menschen auf der Welt unter viel schlechteren Bedingungen zu leben haben. Wenn Menschen auf der Straße nach Essen betteln oder sie unter unwürdigen hygienischen Bedingungen eine Familie gründen. Gottes Größe lässt uns über unser Schicksal reflektieren und zeigt uns auf, dass wir nur ein Bestandteil eines wesentlich größeren Systems sind.
    • Gegenargument: Gott hat auf uns einen solchen Effekt, weil er einen großen Kontrast zu unserem relativ kleinen Leben aufbaut. Je größer dieser Kontrast, desto interessanter ist für uns die Vorstellung, ein Teil davon zu sein und unser Leben von einer anderen Seite aus zu betrachten. Kontraste sind ein wesentlicher Bestandteil, um unseren Körper zu beeindrucken. Demut lässt sich in diesem Zusammenhang auch ohne Gott erzeugen, wenn wir uns darüber bewusst werden, mit welchen Maßstäben wir es in unserem Universum zu tun haben.
  5. Glück: Gott ist der Inbegriff des Guten, der Gerechtigkeit und der Liebe. Er sorgt sich um uns, und wir erleben in dieser Behütung unser Glück. Wir können mit ihm über alles reden, er ist immer für uns da. Mit Gott können wir uns selbst bewusst werden.
    • Beispiel: Gottes Liebe, Gottes Schöpfung, Gottes Größe sind jeden Tag in unserem Leben. Der Gedanke an dieses Gute und die Tatsache, dass wir ein Teil dieses Guten sind, macht seine Existenz nicht nur wünschenswert, sondern vollkommen offensichtlich. Er ist der größte Gedanke, ein Gedanke, über den nichts anderes gedacht werden kann.
    • Gegenargument: Die Grundlage für eine persönliche Erfahrung mit Gott ist die Ansicht, dass Gott alles Positive in sich vereint. Die Gegenargumente bei der persönlichen Erfahrung gelten damit auch für dieses Argument.
    • Gegenargument: Der Mensch hebt Gott auf ein Podest, weil Gott für ihn nicht zugänglich ist, weil er eine Vorstellung davon ist, wie man selbst gern sein würde. Gott kann nichts falsch machen, weil er nur eine Repräsentation des Guten ist. Wenn jemand in Gottes Namen etwas Falsches tut, dann ist Gott nicht dafür verantwortlich, sondern dieser Mensch hat Gott missverstanden. Wenn eine Person allerdings in Gottes Namen etwas anscheinend Richtiges tut, dann wurde er von Gott geleitet.
  6. (Vorteile:) Es ist besser an Gott zu glauben als nicht an ihn zu glauben. Unsere Kultur und unsere sozialen Strukturen wurden maßgeblich vom Glauben geprägt. Aber auch die Menschen, die man trifft und die an Gott glauben, bereichern unser Leben ungemein.
    • Beispiel: Wie viel Kunst, wie viele Gedanken, wie viele Lebensbereiche unserer Kultur sind maßgeblich von Menschen beeinflusst, die an Gott glauben? Selbst wenn wir nicht erfahren können, ob er existiert, so ist doch seine Wirkung in den Menschen keinesfalls zu verneinen.
    • Gegenargument: Die Tatsache, dass die Vorstellung von Gott auf uns so eine Faszination ausübt und damit einen wichtigen Beitrag in unserer Kultur geleistet hat, lässt sich nicht widerlegen. Doch im Gegenzug gibt es keinen Grund anzunehmen, dass unsere gesamte Kultur verschwindet, wenn wir nicht mehr an Gott glauben. - Die Vorstellung eines Gottes würde in der Zukunft wahrscheinlich als interessantestes kulturelles Ereignis der Geschichte betrachtet werden. Eine Erklärungsstruktur, mit der Menschen anderen Menschen ihre Vorstellungen verständlich gemacht haben.
    • Beispiel: Regelmäßige Treffen mit festen Traditionen, das Sprechen über dasselbe Thema und das Hinarbeiten auf ein gemeinsames Ziel führen dazu, dass wir uns geborgen fühlen können. Wir verstehen uns selbst mit Menschen, denen wir vorher möglicherweise skeptisch gegenüberstanden.
    • Beispiel: Die Kirche hilft kranken und einsamen Menschen dabei, wieder in die Gemeinschaft eingegliedert zu werden und moralische Grundlagen zu erlernen. Ohne die Verbindung über ein übergeordnetes Thema gebe es solche Gruppierungen nicht.
    • Gegenargument: Das übergeordnete Thema muss nicht die Religion sein, sondern kann sich auch aus der Philosophie ergeben. Theologische Fragen lassen sich eins zu eins übersetzen. Es liegt an den Menschen, wie sie mit ihrem Leben umgehen und wie sie anderen Menschen helfen. Religiöse Moral ist nur einer von vielen Wegen.
  7. (Mystifizierung:) Die Welt ist bürokratisch, zerstörerisch und karg. Durch Gott schaffen wir uns eine bessere und interessantere Vorstellung von dieser Welt. Wir sind Teil einer großen Geschichte, die von Gott erzählt wird.
    • Anmerkung: Der Film Life of Pi bespricht dieses Argument in großer Ausführlichkeit.
    • Beispiel: Wenn wir uns eine Welt vorstellen, die nicht durch die Weisheit und Intelligenz eines Wesens geschaffen wurde, bleibt nicht viel Menschlichkeit zurück. Wir sind nur ein winziger Haufen Atome unter Milliarden anderen winzigen Haufen von Atomen. Ohne Gott ist unser Leben ohne Schönheit, ohne Wunder, ohne Wärme.
    • Gegenargument: Oh nein, denn unser Leben ist so etwas unglaublich Unwahrscheinliches. So unglaublich interessant. So unglaublich großartig. Wir befinden uns mit jedem unserer Lebensmomente am äußersten Rand einer schon Milliarden von Jahren andauernden Entwicklung des Universums. Und wir sind ein Teil dieser Entwicklung. Wir bestimmen sie gerade genau in diesem Moment. Wir leben mit so vielen Wundern, die wir aufgrund von Alltäglichkeit ausblenden, die aber dennoch nichts anderes als Wunder sind. Wir leben.

Gegenposition: Atheismus

  1. Kein Beweis: Keiner der vorgebrachten Gründe für das Vorhandensein eines Gottes ist gut überprüfbar. Warum soll man an etwas glauben, was unwahrscheinlich ist?
    • Beispiel: Wenn jemand eine Geschichte erzählt, die uns unglaubwürdig erscheint, dann fangen wir an, Fragen zu stellen, um das Vorgetragene besser einordnen zu können. Wenn allerdings die Fragen nicht beantwortet werden können, gehen wir davon aus, dass die Geschichte sich nicht so zugetragen haben kann, wie sie uns präsentiert wurde.
    • Gegenargument: Wenn intelligente Menschen auf der gesamten Welt von den gleichen Situationen berichten, sollte man dann nicht davon ausgehen, dass an der Geschichte doch etwas dran ist?
      • Entkräftung: Das Problem besteht in der Unterschiedlichkeit der Beschreibungen (siehe: Vielzahl der Interpretationen). Wenn alle Menschen dieselben konkreten Beobachtungen machen würden, dann wäre dieses Argument nachvollziehbar. Da sich aber die Beobachtungen meistens auf etwas Unbekanntes beziehen, ist es einfach, eine nicht wahrnehmbare Macht dahinter zu vermuten.
    • Beispiel: Wenn Gott möchte, dass wir an ihn glauben und er allmächtig ist, warum macht er es für uns nicht einfacher, ihn wahrzunehmen? Warum macht er nicht alle Bibeln unzerstörbar? Oder warum erscheint er nicht jedem Menschen in einer persönlichen Ansprache? [2]
    • Gegenargument: Gott zeigt sich nicht, weil er möchte, dass die Menschen an ihn glauben. Wenn er sich zeigen würde, wäre es Gewissheit.
      • Entkräftung: Aber warum sollte man überhaupt an ihn glauben? Warum ist es erstrebenswert? Die Frage wird nicht dadurch beantwortet, dass man das Vertrauen in nicht überprüfbare Überzeugungen als etwas Positives auslegt.
    • Gegenargument: Gottes Existenz ist bereits offensichtlich und kann nicht offensichtlicher gemacht werden.
      • Entkräftung: Wenn Gottes Existenz bereits offensichtlich ist, warum gibt es so viele unterschiedliche Auffassungen über sein Wirken? Gottes Natur wird selbst von Menschen mit derselben Glaubensgrundlage unterschiedlich aufgefasst.
    • Gegenargument: Wenn Gott sich zeigt, dann würde er uns damit die Entscheidung abnehmen, ihm zu folgen und zu lieben, was gegen den freien Willen spricht.
      • Entkräftung: Es gibt keinen Grund, Gott zu folgen, nur weil er sich offenbart hat. Religiöse Figuren wie Adam oder der Teufel haben sich trotz Gottes Präsenz gegen ihn gestellt.
    • Gegenargument: Wenn Gott sich zeigt, dann würde er damit nichts Gutes tun. Diejenigen, die nicht glauben und rebellieren, würden auch weiterhin nicht glauben und sich gegen ihn wehren.
      • Entkräftung: Gottes Allmacht ist dazu in der Lage, Menschen mit seinen Fähigkeiten ohne Weiteres zu überzeugen. Wenn Gott sich zeigt, dann ist es auch wahrscheinlich, dass Menschen darauf reagieren werden.
    • Gegenargument: Gott wünscht sich nicht nur eine bloße Wahrnehmung seiner Existenz, da diese keine wirkliche Verbindung zu ihm schafft.
      • Entkräftung: Eine Wahrnehmung der Existenz ist allerdings die Grundlage für eine solche Verbindung. Es ist nicht nachvollziehbar, warum man eine Beziehung zu etwas aufbauen sollte, wovon man ausgeht, dass es nicht existiert.
    • Gegenargument: Gott zeigt sich nicht, weil er davon ausgeht, dass eine von Wundern getragene Liebe zu ihm nicht dieselbe Wirkung hätte.
      • Entkräftung: Gott könnte aufgrund seiner Allmacht mit uns auf eine Weise interagieren, die Wunder nicht notwendig macht.
  2. Böses: Wenn Gott der Inbegriff des Guten ist, wenn er alles weiß, wenn er unendliche Macht besitzt, die selbst über unseren logischen Verstand hinausgeht: Warum müssen wir dann leiden? [3]
    • Gegenargument: Wir haben es selbst verschuldet, dass wir leiden. Gott bestraft uns für etwas, das wir getan haben.
      • Entkräftung: Das Leid ist nicht gleich über alle Menschen verteilt, sondern tritt wahllos und in unterschiedlicher Härte auf. Es sterben Kinder, die nie eine Chance hatten, sich in irgendeiner Weise zu beweisen.
      • Entkräftung: Es wäre unsinnig, anderen Menschen zu helfen, da Gott möchte, dass sie leiden.
    • Gegenargument: Wir leiden, damit Gott unseren Glauben überprüfen kann, damit wir nicht nur glauben, weil es schön und gut ist.
      • Entkräftung: Wenn Gott allwissend ist, muss er unseren Glauben nicht überprüfen, er kennt bereits die Antwort. Wenn er aber die Antwort bereits kennt und uns trotzdem Schmerzen zufügt, dann wäre er böse.
    • Gegenargument: Es spielt keine Rolle, dass wir jetzt leiden, da das Leiden im Jenseits aufgehoben werden kann.
      • Entkräftung: Wir leiden aber jetzt. Und ein Gott, der sich diesem Leid nicht jetzt annimmt, ist ein Gott, der nicht gut ist.
    • Gegenargument: Gott möchte, dass wir einen freien Willen haben, da Liebe, Glaube und Enthusiasmus nur aus freier Überzeugung entstehen können. Und das funktioniert nur, wenn er auch das Böse zulässt.
      • Entkräftung: Menschen sind nicht vollkommen frei. Sie können nicht einfach so fliegen, bloß weil sie es wollen. Oder schneller als das Licht reisen. Sie können immer nur innerhalb einer vorgegebenen Auswahl an Möglichkeiten wählen.
      • Entkräftung: Wenn Gott allmächtig wäre, dann hätte er eine Welt erschaffen können, in der es einzig möglich ist, sich selbst zu schaden. Wenn Menschen böse sein wollen, dann können sie anderen damit nicht schaden, hätten aber trotzdem die Möglichkeit dazu, sich dafür zu entscheiden.
      • Entkräftung: Es gibt keinen Grund, warum Gott in diesem Fall Naturkatastrophen zulassen sollte, die in keinem Zusammenhang zu menschlichen Entscheidungen stehen.
    • Gegenargument: Gott möchte, dass wir über das Leiden lernen, bessere Menschen zu werden.
      • Entkräftung: Leid ist nicht gleichmäßig verteilt. Manche Menschen müssen mehr leiden als andere, obwohl es dafür keinen ersichtlichen Grund gibt.
      • Entkräftung: Warum möchte Gott, dass wir überhaupt etwas über das Leiden lernen, wenn er uns dieses Wissen bereits hätte mitgeben können, ohne dass wir es erfahren müssen?
    • Gegenargument: Gott möchte, dass Leid existiert, weil wir nur so sehen können, was gut ist.
      • Entkräftung: Ein allmächtiger Gott braucht das Böse nicht, um zu zeigen, was das Gute ist. Er könnte uns so schaffen, dass wir das Gute auch so wertschätzen könnten.
    • Gegenargument: Gottes Plan ist für uns nicht fassbar.
      • Entkräftung: Wenn Gott das Böse zulässt, ohne dass wir jemals verstehen werden warum, dann ist nicht nachvollziehbar, warum Gott gut sein soll.
      • Entkräftung: Wenn Gott das Böse zulässt, ohne dass wir jemals verstehen werden warum, dann ist auch nicht nachvollziehbar, warum wir das Böse aufhalten sollten. Wenn wir Gott nicht verstehen, dann ist das Böse möglicherweise etwas Gutes.
  3. Vielzahl der Interpretationen: Jeder religiöse Mensch kann nur von einer Vorstellung überzeugt sein. Doch wenn man sich für einen Weg entscheidet, woher weiß man dann, dass dies der richtige Weg ist, und alle anderen falsch?
    • Beispiel: Wenn nur eine Vorstellung unter allen möglichen richtig ist, dann hat man, je nachdem, wo man aufwächst, bessere oder schlechtere Chancen, der richtigen zu begegnen. Wenn man sich für die falsche entscheidet und dann nach dieser Überzeugung bewertet wird, dann steht das gesamte Leben nach dem Tod auf dem Spiel. Wenn allerdings die einzelnen Regeln der Religionen keine Rolle spielen, dann haben sie bei der Annäherung an Gott keine Bedeutung und machen kirchliche Aussagen überflüssig.
    • Gegenargument: Gott hat jede einzelne Überzeugung für die Menschen so geschaffen, dass sie für den Einzelnen Sinn ergeben, letztendlich aber alle zu einem glücklichen Leben führen. Dadurch kann Gott unterschiedliche Dinge fordern und sich mit den verschiedenen Überzeugungen selbst widersprechen, während er den Menschen die Wahl lässt, für sich etwas auszuwählen, was sie für richtig erachten.
      • Entkräftung: Doch wenn Gott hinter jeder Überzeugung steckt, dann ist dieser Gott gleichzeitig böse und gut, gleichzeitig auf der Erde und im Himmel, gleichzeitig alles und eben nichts. Er wird zu einer Einbildung, die die Funktion erfüllt, die wir ihr zuschreiben.
  4. Entdeckungen: Als die Wissenschaft noch am Anfang stand, wurden Götter für alle Phänomene herangezogen, die nicht verstanden wurden. Mit jeder neuen Erkenntnis verschwanden jedoch die vormals unbestrittenen Eingriffe Gottes. Je mehr wir über unsere Welt erfahren, desto weniger Einfluss hat Gott darauf.
    • Beispiel: Jeder Glauben mit mehreren Göttern sieht unterschiedliche Aufgaben vor. Doch wissenschaftliche Erkenntnisse machen es offensichtlich, dass sie eben nicht für das Aufgehen der Sonne, das Wetter oder die Fruchtbarkeit auf den Feldern zuständig sind. Heutzutage übernimmt Gott meist nur noch mystische, seelische Aufgaben, besitzt aber keinen direkten Einfluss mehr.
  5. (Nicht notwendig:) Auch wenn es keinen vorbestimmten Sinn im Leben gibt, bedeutet das nicht, dass das Leben leer sein muss. Kontraste und das Einfühlen in andere Personen schaffen die Grundlage für ein interessantes und moralisches Leben. Im Vordergrund steht die Vielfältigkeit der Welt und das Erkennen von Unterschieden.
    • Ausführung: Kontraste sind die Grundlage für ein vielfältiges und interessantes Leben, weil sie unseren Blick auf etwas Ungewöhnliches lenken. Die wahrgenommene Entfernung der beiden beobachteten Elemente voneinander führt zu einer verstärkten Auseinandersetzung damit, weil wir deren Ausmaß erkennen wollen. Die Grundlage für die Konzentration auf Kontraste entstammt der Wichtigkeit der Unterscheidung von Gefahren in der Natur.
      • Beispiel: Wenn wir in der Natur nicht zwischen den Farben der Blätter und der unserer Fressfeinde unterscheiden könnten, hätten wir nicht überlebt.
      • Beispiel: Größenunterschiede, Perspektivwechsel, Entfernungen, neue Elemente in unserem Leben, die im Gegensatz zum Bekannten stehen, stechen hervor und beeindrucken uns.
      • Ergänzung: Kontraste sind unerschöpflich, weil wir sie nicht nur durch unsere Sinneswahrnehmung, sondern auch durch ein erneutes Überdenken unserer Situationen entdecken können.
    • Ausführung: Weltliche Moral entsteht aus dem Egoismus heraus, sich selbst am Leben zu erhalten, indem man Vertrauen zu anderen Individuen aufbaut und sie dieses erwidern. Wenn man diesen Gedanken bis zu Ende denkt, dann bemüht man sich darum, andere Menschen nicht zu verletzen, damit sie einen nicht verletzen. Man erreicht das, indem man sich in die Situation der betroffenen Person hineinversetzt und überlegt, wie man selbst handeln oder reagieren würde, damit es einem oder allen gut geht.
      • Ergänzung: Darüber hinaus hat sich dieser Egoismus so weiterentwickelt, dass man ihn nicht mehr unbedingt als Egoismus wahrnimmt. Wenn ein Vater sich beispielsweise vor sein Kind stellt, um es zu beschützen, handelt es sich weiterhin um einen Egoismus, aber das eigene Leben wird dabei hinten angestellt, um den Fortbestand seines Nachwuchses (seines Erbgutes) sicherzustellen.
  6. (Einschränkung:) Warum sollte man sich an Vorschriften halten, die man nicht gutheißt, wenn sie letztendlich keine Bedeutung haben? Man verschwendet Zeit mit Riten und Traditionen und schränkt sich dadurch nur selbst ein.
    • Beispiel: Wenn man dazu tendiert, dass Gott eher nicht existiert, dann sollte man sich nicht den Eigenheiten von Religionen beugen, da diese nur dazu führen, dass man sich von sich selbst entfremdet.
    • Gegenargument: Die Traditionen einer Religion schaffen jedoch manchmal ein Vertrauensverhältnis zwischen den Menschen, die darüber ihre Identität bestimmen können, auch wenn sie nicht davon überzeugt sind.

Glaube an Esoterik

  1. Vertrauen: Wenn das Gehirn davon überzeugt ist, dass eine Methode wirkt, dann verhält sich auch der Körper dementsprechend. Dieser Effekt wird von der Alternativ- aber auch von der regulären Medizin intensiv genutzt. [1]
    • Beispiel: Menschen erholen sich schneller von Krankheiten, sind weniger gestresst und haben ein besseres Verhältnis zu ihrem Körper. Die Esoterik schafft es, Barrieren einzureißen, indem sie Möglichkeiten vorschlägt, das eigene Leben zu ordnen und zu genießen.
    • Hinweis: So wie der Placebo-Effekt für etwas Positives eingesetzt werden kann, wirkt er mit dem entsprechenden Vertrauen natürlich auch in eine negative Richtung. Solange man sich dem Einfluss dieses Effektes bewusst ist, kann er dementsprechend auch keine starken Veränderungen in einem auslösen.
  2. Regelmäßigkeit: Wenn man bestimmte Methoden immer wiederholt, dann gewöhnt man sich auch an diese. Dadurch wird der Körper darauf trainiert, auf diese Mittel zu vertrauen, was in schwierigen Situationen dazu führt, dass er weniger Stress empfindet.
    • Beispiel: Immer wenn wir meditieren, erinnern wir den Körper an eine innere Ruhe, um ihn in einen Entspannungszustand zu versetzen. Wir werden gelassener und können mit schwierigen Situationen dementsprechend besser umgehen.
  3. Erfüllung: Grundsätzlich strebt der Mensch danach, ein Problem schnell zu lösen, damit er sich nicht mehr damit beschäftigen muss und damit weniger Stress empfindet.
    • Beispiel: Wenn ein Problem akut vorhanden ist, sucht man so schnell wie möglich nach einem Ausweg. Liebeskummer, Mobbing, Gewalt, Einsamkeit. Die Esoterik bietet eine schnelle Lösung durch eine Verschleierung der Methoden, sodass man sich selbst damit täuschen kann und entsprechende Ergebnisse erzielt.

Gegenposition: Skeptiker

  1. Gefährlichkeit: Placebos haben eine nachgewiesene medizinische Wirkung. [1] Sobald Krankheiten allerdings eine kritische Grenze überschreiten, können Placebos auch nicht mehr helfen. Da aber die esoterischen Methoden bisher geholfen haben, ignoriert man wahrscheinlich die Verschlechterung des Zustands und behandelt wie gewohnt.
  2. Abwegigkeit: Obwohl ein körperliches Wohlbefinden eintreten kann, sollte man vorsichtig sein, tiefgreifende Entscheidungen mit der Esoterik zu treffen. Es gibt keine Grundlage dafür, den Methoden zu vertrauen.
    • Beispiel: Wenn man übers Kartenlegen feststellen möchte, ob man für einen neuen Beruf geeignet ist oder nicht, dann geht man davon aus, dass Energien die Karten so beeinflussen, dass sie eine bessere Entscheidung ermöglichen. Aber die Zukunft ist nicht so aufgebaut, dass es nur einen Weg gibt, der am besten für einen ist. Jeder Weg hat seine Besonderheiten und seine Berechtigung.
  3. Beliebigkeit: Letztendlich spielt es keine Rolle, welcher esoterischen Richtung man vertraut, da der Placebo-Effekt universell wirkt.

Anmerkungen

Glaube an Gott

Ein Großteil der Argumente gegen den Glauben an Gott sind Zusammenfassungen aus dem Buch "Daylight Atheism" (2012) von Adam Lee.

  1. Debate: Does God Exist?. Biola University. 2009. Online: Christopher Hitchens vs William Lane Craig - Does God Exist Debate
  2. Adam Lee. Daylight Atheism. Chapter Four: One More Burning Bush. 2012. Abgeänderte Form online: The Argument from Divine Hiddenness
  3. Adam Lee. Daylight Atheism. Chapter Three: All Possible Worlds. 2012.

Glaube an Esoterik

  1. Miller, Colloca, Kaptchuk. The placebo effect: illness and interpersonal healing. Perspectives in Biology and Medicine. 2009. Online: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2814126/.
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