Döring (2023)
Created: 2025-08-01 Updated: 2025-08-12
| ref-id: | 5ZAHH7GX |
| Show creator | Döring |
| All creators | Döring, Nicola (author) |
| Title | Forschungsmethoden und Evaluation in den Sozial- und Humanwissenschaften |
| Show date | 2023 |
| Type name | book |
Ziel
- "Studierende und Forschende sollen darin unterstützt werden, ihre eigenen empirischen Studien mit Blick auf das Forschungsproblem sowie die vorhandenen Ressourcen realistisch zu planen, gemäß dem methodischen „State of the Art“ umzusetzen und der Wissenschaftsgemeinschaft sowie der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Zudem will das Buch das nötige Hintergrundwissen liefern, das zum Verständnis und zur kritischen Beurteilung vorliegender Untersuchungen bzw. zur Lektüre der sozial und humanwissenschaftlichen Fachliteratur notwendig ist." (S. VII, Vorwort zur fünften Auflage)
Fragen (an die Autoren)
- Sollte man eine Unterscheidung zwischen quantitativem und qualitativem Paradigma überhaupt unterstützen? Wenn man sich anschaut, dass Daten immer in irgendeiner Weise erhoben und beurteilt werden, scheint eine Trennung anhand der Frage, ob Zahlen in Kategorien vorkommen (quantitativ), fragwürdig. Es lassen sich zum Beispiel auch Zahlen aus einer qualitativen Forschung extrahieren (zum Beispiel der Anteil eines Themas eines Interviews). Und die theoretische Vorarbeit einer quantitativen Arbeit ist nichts anderes als qualitative theoretische Arbeit.
- [Ich denke, es ist eine sinnlose Debatte und jeder der auf eine bestimmte Methodik besteht, weil er denkt, dass nur so die Qualität der Wissenschaft aufrechterhalten werden kann, ist meines Erachtens nach fehlgeleitet. Das wird meiner Ansicht nach besonders daran deutlich, dass die Existenz von "Mixed Methods" vermittelt, dass eine klare Aufteilung nicht funktioniert. Der einzige Maßstab sollte die Validität sein: gibt es eine Verbindung zwischen den gemessenen Daten und der Lösung eines realen Problems.]
- [Der Unterschied zwischen quantitativer und qualitativer Forschung kann auch als Unterschied zwischen jeweils deduktiver und induktiver Forschung gesehen werden, wobei diese Unterscheidung nicht ganz aufgeht, da eine explorative Forschung ebenfalls quantitativ induktiv arbeiten kann, wenn die Stichprobe sehr groß ausfällt.]
- Ist die Unterscheidung zwischen manifesten und latenten Variablen sinnvoll?
- [Ob eine Variable leicht oder schwierig überprüf- und abfragbar ist, kann sich über die Zeit hinweg verändern und sollte nicht für selbstverständlich hingenommen werden, siehe die Veränderung bei der Überprüfung des Geschlechts.]
Konzepte
- Unterscheidung von Quantitativer, Qualitativer und Mixed-Methods-Forschung: Wenn ein Durchschnitt von den erhobenen Zahlen-Daten gebildet werden kann (wenn also die erhobenen Zahlen verschiedener Individuen einer Kategorie zugeordnet wurden), dann handelt es sich um quantitative Forschung. Ansonsten ist es qualitative Forschung.
- Indikator: Ein Indikator ist ein messbarer Wert, der einen behaupteten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang mit einem Konzept besitzt. Zum Beispiele eine Frage in einem Fragebogen.
- Unterscheidung explorativ, explanativ, deskriptive Studien: explorativ: neue theoretische Überlegungen erkunden, explanativ: thesen- und theorieprüfend, deskriptiv: Darstellung einzelner interessierter Merkmale in einer Datenbasis
- Augenschein-Validität: Bezieht sich darauf, "ob bzw. wie stark Laien bzw. Testpersonen anhand des Testmaterials auf das zu testende Merkmal rückschließen können." (S. 441)
- Unterscheidung von Hypothesen: 1. Unterschiede zwischen zwei oder mehr Gruppen (Unterschiedshypothesen), 2. Zusammenhänge zwischen zwei oder mehr Variablen (Zusammenhangshypothesen), 3. Veränderungen zwischen Messpunkten (Veränderungshypothesen)
Erkenntnisse
- Vertiefung: Eine Operationalisierung ist nur notwendig, wenn man ein Konzept überprüfen möchte, nicht wenn man ein Konzept entdecken möchte
- Eine Operationalisierung endet mit einer operationalen Definition, die ein Konzept als Ergebnis seiner messbaren Variablen beschreibt
- Es sollten immer mehrere Indikatoren für ein komplexes Konzept (Konstrukt) genutzt werden, sodass auch ein Zusammenhang zwischen den Variablen festgestellt werden kann.
Notizen
8. Operationalisierung
- Nur relevant für Quantitative und Mixed-Methods-Forschung, da Qualitative Forschung keine Operationalisierung benötigt, da Konzepte als Ergebnisse und nicht als Startpunkt gewählt werden
- Methoden zur Bildung oder Operationalisierung in der quantitativen und qualitativen Forschung kennen
- Beispiel gewalthaltiger Computerspiele - Kategorisierungsproblem (S. 224): Es ist unklar, wann ein Computerspiel als gewalthaltig bezeichnet werden kann
- Phasen: Quantitativ: Konzeptspezifikation, Operationalisierung auf Skalenniveaus über Einzelindikatoren, psychometrischen Skalen oder Indizes, Datenerhebung; Qualitativ: Datennerhebung anhand einer Frage, Interpretation und Verdichtung durch Inhaltsanalyse; Konzeptspezifikation
- Was ist Konzeptspezifikation? - Inhaltliche Festlegung eines Konzepts
- Quantitativ = deduktiv, Festlegung von allgemeinen Elementen, die im spezifischen Fall geprüft werden
- "Aus Theorien werden Hinweise darauf entnommen, welche Konzepte wie zu verstehen und zu messen sind, um mithilfe der entsprechenden Messinstrumente empirische Daten zu gewinnen." (S. 225)
- Qualitativ = induktiv, spezifische Fälle werden zu Konzepten verallgemeinert
- Quantitativ = deduktiv, Festlegung von allgemeinen Elementen, die im spezifischen Fall geprüft werden
- Latente und manifeste Variablen - Auswahl von Indikatoren und Datenerhebungsinstrumenten
- Konstanten: keine Veränderung eines Merkmals, Variable: Veränderung eines Merkmals
- stetige Variablen: unendlich abstufbar; diskrete Variablen: zählbare Werte
- manifeste Variablen: offensichtliche, teilweise von außen sichtbare, leicht überprüfbare Variablen; latente Variablen: nicht leicht überprüfbare Variablen, da das Konzept unklar ist - [latente Variablen entstehen bei unklaren Konzepten, was die Unterscheidung für mich fragwürdig macht]
- 1. Nominaldefinition als Klärung des Sprachgebrauchs eines Konzepts durch andere Substantive
- Explikation als theoretische Festlegung der Funktionsweise eines Konzepts
- [Es wird nicht weiter beschrieben, inwiefern unterschiedliche Definitionen Auswirkungen auf die Operationalisierbarkeit eines Begriffs besitzen.]
- intensionale und extensionale Definitionen - jeweils Inhalte oder Beispiele finden
- 2. Bedeutungsanalyse bei widersprüchlichen etablierten Konzepten (vgl. S. 228) - [Alle Konzepte sind widersprüchlich und es kommt meistens nur darauf an, ob man sich die Mehrarbeit antun möchte, aus verschiedenen Überlegungen eine eigene Vorstellung weiter auszuarbeiten. Die Philosophie basiert auf diesen Überlegungen]
- 3. Dimensionale Analyse von neuen theoretischen Konzepten - Aspekte herausarbeiten (nach Kromrey, 2006): 1. Ideen- und Materialsammlung, 2. Systematisierung (zum Beispiel Ursache-Wirkungs-Relation), 3. Auswahl der untersuchungsrelevanten Aspekte, 4. Entwicklung eines deskriptiven Begriffsschemas (Zusammenhänge von Begriffen klären) - [Diese Herangehensweise könnte zu einem Prozessdruck führen, da eine Auswahl der Aspekte erst relevant wird, wenn man direkt operationalisiert]
- Ad-Hoc-Instrumente: beliebig ausgewählte Fragen (S. 231) - [Zu klären, ob ein Instrument etwas misst oder nicht misst, sollte nicht abfällig mit der Benennung als Ad-Hoc-Instrument abgetan werden. Jedes geprüfte Instrument kann falsch liegen, weil etwas nicht beachtet wurde.]
- reflektives Messmodell: Konzept ist Ursache, Indikator ist Wirkung: Schüchternheit <-- Fragen zu schüchternem Verhalten werden positiv beantwortet
- formatives Messmodell: Indikator ist Ursache, Konzept ist Wirkung: Erst bei nachweisbaren hohen Touristenströmen --> Hoher Globalisierungsgrad
- Abhängige Variablen (untersuchte Auswirkungen, meist stetige Variablen, nach Conrad & Maul, 1981, S. 151) werden operationalisiert über mögliche folgende Indikatoren:
- Häufigkeit: Wie viel mal reagiert eine Person auf etwas?
- Reaktionszeit: Wie viel Zeit vergeht, bis eine Person reagiert?
- Reaktionsdauer: Wie lange reagiert eine Person auf etwas?
- Reaktionsstärke: Wie intensiv reagiert die Person auf etwas?
- Reaktionsqualität: Positiv oder negative Reaktion oder Zuwendung/Abweisung?
- Wahlreaktion: Welche Wahl trifft eine Person bei unterschiedlichen Möglichkeiten?
- Relevante Bedingung bei der Operationalisierung dieser Variablen: Zeitpunkt der Messung: nach Abschluss der Intervention, während der Intervention
- Unabhängige Variablen (unabhängig von anderen Variablen, genutzt für Gruppierung von Individuen oder unterschiedlichen Messmöglichkeiten [Filme, Texte, Bilder, Geräusche], Auslöser der abhängigen Variablen, meist diskrete Variablen mit wenigen Abstufungen)
- Diese Variablen sollen sich nur in ihrem untersuchten Aspekt unterscheiden (zum Beispiel bei Offenheit im Grad der Offenheit einer Tätigkeit)
- [Es ist unklar, wie man sicherstellen möchte, dass sich eine Auswahl auf eine bestimmte unabhängige Variable bezieht; dieser Teil wirkt naiv]
- Beispiel: Grad der Gewalthaltigkeit eines Computerspiels als unabhängige Variable könnte sich auswirken auf die abhängige Variable Aggressivität, die über mehrere messbare Indikatoren (zum Beispiel Reaktionsqualität oder Wahlreaktion) deutlich werden sollen
- Dosierung der unabhängigen Variable hat Auswirkung auf die Effektstärke: Wenn ich etwas nur einmal für fünf Minuten mache, erwarte ich eine andere Auswirkung als bei einer Sache, die ich täglich für fünf Monate mache.
- Die theoretische Konstruiertheit von gemessenen Variablen hinsichtlich bestimmter Konzepte und Merkmale muss hinterfragt und diskutiert werden (welche alternativen Deutungen sind möglich) (S. 234)
- Vier Skalenniveaus
- Nominalskala: Gleichheit zwischen unterschiedlichen Qualitäten: Welche Krankheiten haben Sie?
- Ordinalskala: Rangskalierte unterschiedliche Qualitäten: Was für einen Abschluss besitzen Sie?
- Intervallskala: Gleichheit zwischen einer Qualität: Wie viel Freude empfinden Sie? 1 sehr wenig - 5 sehr viel. - kein Nullpunkt möglich
- Verhältsnisskala: Gleichheit von Verhältnissen: Wie häufig gehen Sie schwimmen? _ Mal pro Monat - absoluter Nullpunkt möglich
- Rating-Skala und psychometrische Skala
- Messung theoretischer Konzepte mit Einzelindikatoren, psychometrischen Skalen und Indizes