Erörtern

Created: 2022-08-12 Updated: 2023-01-01 History Videos

Diese Seite beschäftigt sich mit dem Erörtern als Möglichkeit, Erfahrungen aufzubereiten und anderen zur Verfügung zu stellen. Auf dieser Seite möchte ich klären, was das Erörtern als Tätigkeit genau beschreibt und wie man es nutzen kann, um anderen etwas Bestimmtes zu vermitteln.

Gliederung

  1. Konzept
  2. Anmerkungen
  3. Abbildungen
  4. Literatur

Konzept

Figure 1. Verschiedene Formen der Informationsvermittlung

Eine Behauptung ist eine auf den Wahrheitsgehalt ausgerichtete Aussage über einen Zustand oder eine Veränderung.

Das Erörtern ist die explizite Darstellung der Verknüpfung von Behauptungen auf Basis eines logischen Zusammenhangs.

Zum Beispiel: Ich habe das Fenster geöffnet, weil mir warm gewesen ist. Der Zustand "Mir ist warm", bei dem mir als Person die Eigenschaft "Wärme" zugeordnet wurde, wird mit der Veränderung "Das Fenster ist durch mich geöffnet worden" (der Zustand des Fenster war zunächst "geschlossen" und hat sich daraufhin zu "offen" geändert) durch das Wort "weil" verknüpft, indem "weil" einen Herleitungszusammenhang (Kausalität) deutlich macht und damit darstellt.

Erörterungen sind dafür da, zu vermitteln, dass etwas aus Sicht des Kommunizierenden offensichtlich verknüpft ist. Das ist ihre hauptsächliche Aufgabe.

Ob es wirklich verknüpft ist, spielt keine Rolle, denn eine solche Verknüpfung kann auf unterschiedliche Weise nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Zum Beispiel kann es sein, dass die Elemente zwar einzeln zutreffen, aber die Verknüpfung nicht: Ich habe das Fenster zwar geöffnet und mir ist tatsächlich warm, aber ich habe das Fenster nicht geöffnet, weil mir warm ist, sondern weil ich eine Fliege rauslassen wollte. Oder es kann sein, dass die Elemente selbst nicht zutreffen: Das Fenster wurde zwar von mir geöffnet, aber mir ist nicht warm.

Erörterungen können demnach auch Lügen oder Falschaussagen beinhalten, selbst wenn sie darauf ausgerichtet sind, den Anschein zu erwecken, dass sie auf den Wahrheitsgehalt ausgerichtet sind.

Das Erörtern grenzt sich vom Erzählen dadurch ab, dass der Zusammenhang zwischen den Zuständen beim Erzählen weniger deutlich dargestellt wird. Während das Erörtern den Zusammenhang zwischen Zuständen also explizit macht, bleibt dieser beim Erzählen implizit.

Folgendes Beispiel dazu: "Er ist die Treppe zum Keller hinuntergegangen." ist eine Veränderung, eine Behauptung und kann eine sehr kurze Form einer Erzählung sein. Es ist aber noch keine Erörterung, da die beiden Zustände der Veränderung ("Er ist oben und nicht im Keller." und "Er ist unten und im Keller.") nicht schlussfolgernd miteinander verbunden worden sind und damit ihr Herleitungszusammenhang nicht direkt sichtbar wird. Vielmehr entsteht die Verknüpfung von Zuständen bei diesem Beispiel durch das in der menschlichen Erfahrung vorhandene Verständnis von den möglichen Veränderungstypen (zeitlich oder räumlich in Bezug auf Temperatur, Größe, Form, Farbe, Lautstärke und anderen).

Um daraus eine Erörterung zu machen, lässt sich das Beispiel folgendermaßen umformulieren: "Zunächst war er oben, dann hat er die Treppe genutzt, um nach unten in den Keller zu gehen." Es kann nun eher von einer Erörterung gesprochen werden, weil die Treppe explizit als Mittel etabliert wird, um nach unten in den Keller zu gehen. Eine genaue Unterscheidung ist in den Grenzen zwischen Erzählung und Erörterung nicht immer leicht zu finden.

In visuellen Medien wie einer Grafik wird eine Erörterung häufig in Form von mathematischen Symbolen wie Gleichheitszeichen oder Pfeilen fassbar. Gleichzeitig sind diese Visualisierungen aber nicht so effektiv, da ihre Darstellungsform auch anders interpretiert werden kann.

In Computerspielen können wiederum die Regeln einer Welt beeinflussbar gemacht werden, was zu einem Bewusstwerden der logischen Verknüpfung der Zustände in der Welt führt und damit das Erörtern ermöglicht. Diese Form des Erörterns ist sehr überzeugend, weil die Folge der Regelveränderung erfahrbar gemacht wird. Die Frage nach anderen physikalischen Zuständen (zum Beispiel die Auswirkungen von Schwerelosigkeit im Weltraum) ist in einer Computerspielwelt nicht nur ein Gedankenexperiment, sondern über das Medium direkt erlebbar.

Dies macht in diesem Fall aber eine konkrete Unterscheidung von Erzählung und Erörterung in einem Computerspiel sehr viel schwieriger, da die Beweisführung der Verknüpfung zwischen Zuständen häufiger mit der anleitenden Präsentation der Veränderungen zusammenfällt. Ob die Darstellung der Verknüpfung für eine Spielerin dadurch expliziter wird oder aber eher implizit bleibt, weil die Welt bereits insgesamt angenommen wurde, lässt sich nicht deutlich vorhersagen.

Anmerkungen

Abbildungen

Literatur