Erzählen

Created: 2016-05-06 Updated: 2021-07-28 History Videos

Status: unfinished
Confidence: Ich muss noch mehr dazu forschen, da ich noch keine zufriedenstellenden Antworten gefunden habe.

Diese Seite beschäftigt sich mit dem Erzählen als Möglichkeit, Erfahrungen aufzubereiten und anderen zur Verfügung zu stellen. Auf dieser Seite möchte ich klären, was das Erzählen als Tätigkeit genau beschreibt und wie man es nutzen kann, um anderen etwas Bestimmtes zu vermitteln.

Begriff

Definitionen von grundlegenden Konzepten sind häufig schwierig, weil sie ein breites Spektrum unterschiedlicher Funktionen abdecken sollen. Dadurch werden sie komplex und unhandlich. Ich würde das jedoch gern vermeiden, da ich denke, dass das Erzählen eine sehr wichtige Tätigkeit ist.

In Bezug darauf möchte ich in diesem Definitionsversuch vor allem die Art der Vermittlung in den Vordergrund setzen. Anstatt also darüber zu sprechen, welche Inhalte eine Erzählung behandelt oder welche formalen Merkmale die dazugehörigen Medien aufweisen, möchte ich mich auf die Art und Weise konzentrieren, nach der eine Handlung ausgeführt werden muss, um als Erzählung zu gelten.

Für mich erklärt dieser Ansatz am ehesten, warum in unserem Denken nicht einfach alles als Erzählung bezeichnet werden kann, da Erzählungen grundsätzlich für mich nicht durch Inhalte oder Medien beschränkt werden, sondern durch ein bestimmtes Vermittlungsverhalten.

Das Erzählen ist eine Art der Vermittlung von bestimmten Informationen, bei der über die anleitende Präsentation von Veränderungen innerhalb einer beliebigen Ausdrucksform ein Kommunikationsziel erfüllt werden soll.

Wenn zum Beispiel ein Zeuge in einem Gerichtsprozess aussagt, dass ein Beschuldigter zur besagten Zeit am Tatort gewesen ist, dann wird zunächst einmal nur eine logische Verknüpfung zwischen einer Frage (War der Beschuldigte zu der Zeit am Tatort?) und einer ergänzten Information (Der Beschuldigte war am Tatort.) erzeugt. In diesem Fall würde ich bisher nur von einer Wirklichkeitsbeschreibung eines Zustands in der Vergangenheit sprechen.

Sobald der Zeuge allerdings beschreibt, was der Beschuldigte den Tag über gemacht hat und wie er dann zum Tatort gelangt ist, werden die Zuhörer dazu angeregt, die beschriebenen Veränderungen zu verfolgen, um unter Umständen selbst zu einer Schlussfolgerung zu gelangen. Dieses zweite Verfahren der Anleitung der Verfolgung von Veränderungen über die Darstellung logischer Zusammenhänge beschreibt für mich eine Erzählung. In diesem Fall handelt es sich um eine mündliche Erzählung im Gegensatz zu Erzählungen im Film, in der Musik oder in Computerspielen.

Dabei ist gesondert zu betonen, dass der Wahrheitsgehalt der einzelnen Bestandteile bei genau dieser Erzählung sehr wichtig ist (das Gericht ist an der Wahrheit interessiert, um eine mögliche Schuld zu klären, im Gegensatz zu vielen sonst ausgedachten Geschichten). Dennoch ist der Wahrheitsgehalt nicht allein relevant, sondern wird durch den logischen Zusammenhang der Veränderungen ergänzt, der eine Herleitung der Zuhörenden ermöglicht. Dieser präsentierte Zusammenhang kann wiederum nicht nur die Beweiskraft der Zeugenaussage erhöhen, sondern macht die Zeugenaussage in diesem Beispiel ganz konkret zu einer Erzählung.

Untersuchungselemente

Untersuchungselemente sind mögliche Einteilungskategorien, um die Intentionen und die Botschaft eines Textes zu strukturieren und darüber mögliche Interpretationen wahrscheinlicher zu machen. Man möchte Interpretationen wahrscheinlicher machen, weil ein Text darüber zugänglicher wird und es einem leichter fällt, etwas Vermitteltes über eine neue Sichtweise kennenzulernen. Die nachfolgenden Überkatagorien lassen sich auf unterschiedliche Textsorten anwenden, besitzen aber ihren Ursprung vor allem in der Forschung zur Erzählung innerhalb von schriftlichen literarischen Texten und werden deshalb vordergründig aus dieser Perspektive erläutert.

Geschichte/Erzählung/Récit: Eine Erzählung (oder im Alltag geläufiger eine Geschichte) kann als das Produkt eines Erzählprozesses bezeichnet werden. Ein Prozess ist erzählend, wenn die Empfänger der Kommunikation vom Sender rhetorisch dazu angeleitet werden, die dargestellten Veränderungen zu verfolgen. Eine Erzählung basiert dabei auf den Erfahrungen des Senders. Diese werden jedoch durch Weltwissen (zum Beispiel Geschichtswissen oder Wissen über das Verständnis bestimmter Symbole) angereichert und vom Empfänger in sein eigenes Verständnis übersetzt.

Handlung

Handlungen beschreiben Veränderungen in einem vorliegenden Text. Handlung ist damit der Begriff für die Eigenschaft eines Textes, dass sich im Text etwas verändert. Handlungen grenzen sich von Welten dahingehend ab, dass sie eine bestimmte Perspektive einnehmen.

Figuren

Figuren oder Charaktere bezeichnen handlungstragende, mit Eigenschaften ausgestaltete Individuen oder Träger von Veränderungen. Eine Figur wird an manchen Stellen auf die Handlungsfähigkeit oder die Reflexionsfähigkeit verkürzt.

Welt

Die Welt einer Erzählung ist die gedachte Wirklichkeit, in der sich einzelne Aspekte der Veränderung realisieren. Eine ausgedachte Welt kennzeichnet sich durch bestimmte Abweichungen von der Realität, die Autorinnen die Möglichkeit geben, nicht nur von der Wahrheit abzuweichen, sondern überhaupt kreativ sein zu können.

Erzählinstanz

Die Erzählinstanz ist die vermittelnde, manchmal auch personifizierte Eigenschaft eines Textes, etwas auf eine bestimmte Weise zu kommunizieren. Die Personifizierung hilft dabei, als Bild zu verdeutlichen, wie die Informationsübertragung gedacht werden kann (zum Beispiel wie bei der oben erwähnten mündlichen Erzählung einer Geschichte eines Zeugen). Insgesamt ist es aber problematisch, die Erzählinstanz zu sehr zu vermenschlichen, da sonst nichtmenschliche rhetorische Kommunikationsformen wie Schrift, Strukturierung und geistige Interpretation in der Untersuchung vernachlässigt werden.

Essays

Genres

Horror