Erzählen

Created: 2016-05-06 Updated: 2022-03-03 History Videos

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Confidence: Ich muss noch mehr dazu forschen, da ich noch keine zufriedenstellenden Antworten gefunden habe.

Diese Seite beschäftigt sich mit dem Erzählen als Möglichkeit, Erfahrungen aufzubereiten und anderen zur Verfügung zu stellen. Auf dieser Seite möchte ich klären, was das Erzählen als Tätigkeit genau beschreibt und wie man es nutzen kann, um anderen etwas Bestimmtes zu vermitteln.

Gliederung

  1. Konzept
    1. Veränderungen
    2. Grenzfälle
    3. Weitere Überlegungen
  2. Untersuchungsansätze
    1. Handlung
    2. Figuren
    3. Welt
    4. Erzählinstanz
    5. Beziehungen
  3. Erzählerische Mittel
  4. Textsorten und Genres
    1. Horror
  5. Erzählmuster
    1. Joseph Campbell
    2. Dan Harmon
    3. Pixar-Methode
    4. Frank Kermode
  6. Essays

Konzept


Figure 1. Verschiedene Formen der Informationsvermittlung

Definitionen von grundlegenden Konzepten wie dem Erzählen sind schwierig, weil sie ein breites Spektrum unterschiedlicher Funktionen abdecken sollen. Dadurch werden sie jedoch komplex und unhandlich.

Ich würde das gern vermeiden, da ich davon überzeugt bin, dass das Erzählen sehr wichtig in der menschlichen Kommunikation ist. Aus diesem Grund handelt es sich bei der nachfolgenden Definition vor allem um den Versuch, eine einfach gehaltene Annäherung an die Tätigkeit des Erzählens zu finden.

Ich möchte mit dieser Definition die Art der Vermittlung in den Vordergrund setzen. Anstatt also darüber zu sprechen, welche Inhalte eine Erzählung behandelt oder welche formalen Merkmale die dazugehörigen Medien aufweisen müssen, möchte ich mich auf die Art und Weise konzentrieren, nach der eine Handlung ausgeführt werden muss, um als Erzählung zu gelten.

Für mich erklärt diese Definition am ehesten, warum in unserem Denken nicht einfach alles als Erzählung bezeichnet werden kann, denn Erzählungen sind für mich nicht durch Inhalte oder Medien beschränkt, sondern werden durch ein bestimmtes Verhalten bestimmt.

Das Erzählen ist eine Art der Vermittlung von Informationen, bei der über die zum Miterleben anleitende Präsentation von Veränderungen innerhalb einer beliebigen Ausdrucksform (zum Beispiel Text, Film, Musik, Computerspiel) ein Kommunikationsziel (zum Beispiel Unterhaltung, Wissensaustausch, Warnung, Empathieerzeugung, Erkenntnis) erfüllt werden soll.

Wenn zum Beispiel ein Zeuge in einem Gerichtsprozess aussagt, dass ein Beschuldigter zur besagten Zeit am Tatort gewesen ist, dann wird zunächst einmal nur eine logische Verknüpfung zwischen einer Frage (War der Beschuldigte zu der Zeit am Tatort?) und einer ergänzten Information (Der Beschuldigte war am Tatort.) erzeugt. In diesem Fall würde ich bisher nur von einer Wirklichkeitsdarstellung eines Zustands in der Vergangenheit sprechen.

Sobald der Zeuge allerdings beschreibt, was der Beschuldigte den Tag über gemacht hat und wie er dann zum Tatort gelangt ist, werden die Zuhörer dazu angeregt, die beschriebenen Veränderungen zu verfolgen, um unter Umständen selbst zu einer Schlussfolgerung zu gelangen. Dieses zweite Verfahren der Anleitung der Verfolgung von Veränderungen beschreibt für mich eine Erzählung. In diesem Fall handelt es sich um eine mündliche Erzählung im Gegensatz zu Erzählungen im Film, in der Musik oder in Computerspielen.

Dabei ist gesondert zu betonen, dass der Wahrheitsgehalt der einzelnen Bestandteile bei genau dieser Erzählung sehr wichtig ist (das Gericht ist an der Wahrheit interessiert, um eine mögliche Schuld zu klären, im Gegensatz zu vielen sonst ausgedachten Geschichten). Dennoch ist der Wahrheitsgehalt in diesem Fall nicht allein relevant, sondern wird durch den logischen Zusammenhang der Veränderungen ergänzt, der eine Herleitung der Zuhörenden ermöglicht. Dieser präsentierte Zusammenhang kann wiederum nicht nur die Beweiskraft der Zeugenaussage erhöhen, sondern macht die Zeugenaussage in diesem Beispiel ganz konkret zu einer Erzählung.

Veränderungen

Eine Veränderung ist der Übergang von einem Zustand zum nächsten. Eine Darstellung von mehreren Zuständen, die in einem logischen Zusammenhang stehen, kann demnach zu einer Erzählung werden, wenn die Präsentation dieser Zustände dazu anleitet, sie mitzuerleben und zu verfolgen.

Ein Zustand ist die Zuordnung einer bestimmten Menge von Eigenschaften.

Was als Veränderung und was als Zustand begriffen wird, ist davon abhängig, was jeweils subjektiv erkannt wird. Dies macht den Übergang vom Beschreiben zum Erzählen fließend. Je mehr Elemente einer Veränderung jedoch vorhanden sind, desto mehr kann von einer Erzählung anstatt von einer Beschreibung gesprochen werden. Solche Elemente sind zum Beispiel das Vorhandensein von Akteuren (handelnden Individuen) und deren Wirkungen oder die mehrfache unterschiedliche Darstellung derselben Sache zu verschiedenen Zeiten.

Grenzfälle

Ein Landschaftsgemälde ist normalerweise ein Kunstwerk, das vordergründig einen Zustand repräsentiert und demnach nicht als Erzählung aufgefasst werden kann. Wenn ein solches Gemälde jedoch auf der linken Seite eine morgendliche Lichtgestaltung besitzt und nach rechts hin die Lichtgestaltung graduell zur Nacht wechselt, dann wird über die Darstellung eine Veränderung wiedergegeben. Diese leitet möglicherweise auch zum Miterleben an, indem sie eine klare zeitliche Veränderung aufweist und nicht chaotisch wechselt. Je nach Betrachtungsweise kann davon gesprochen werden, dass ein solches Landschaftsgemälde entweder etwas beschreibt oder erzählt, je nachdem ob man die Lichtgestaltung als Teil des Zustands oder als anleitende Veränderung betrachtet.

Sich über die Zeit verändernde Kunstwerke wie Statuen aus sich verändernden Materialien sind an die Wahrnehmungsmöglichkeiten der Zuschauenden gebunden. Aus der Perspektive eines gewöhnlichen menschlichen Zuschauers wird nur ein Zustand wahrgenommen, während aus der Perspektive eines Zeitraffers eine Veränderung abläuft. Hier wird infragegestellt, ob es überhaupt Zustände gibt, die sich niemals verändern und ob man dann den Betrachtungszeitraum nicht einfach nur entsprechend groß wählen muss, um aus jeder Beschreibung eine Erzählung machen zu können. Dies ist im besonderen Maße zu beachten, da sich die Interpretation einer wahrnehmenden Person verändern kann und beim nächsten Mal einen anderen Zustand aufnehmen könnte.

Bestimmte Handlungen wie das Stellen von Fragen können ebenfalls dazu genutzt werden, Informationen zu vermitteln. Ich gehe jedoch davon aus, dass die Vermittlung der Informationen in eine der drei Grundkategorien fällt. Wenn ich zum Beispiel danach frage, was der Zusammenhang zwischen einer Handlung und ihren Folgen ist, dann vermittle ich damit, dass es zwischen diesen beiden Konzepten eine logische Verknüpfung geben könnte. Damit würde die Frage als Bestandteil einer Erörterung verstanden werden, da sie die Behauptungen "es gibt Handlungen", "es gibt Folgen" und "es gibt einen Zusammenhang zwischen Handlungen und Folgen" über eine Besitzabhängigkeit (Handlungen besitzen Folgen) und damit logisch verknüpft. Die Frage als Form der Erörterung weist darüber hinaus jedoch darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen Handlungen und Folgen bisher untererklärt ist und demnach noch eine Auflösung benötigt.

Weitere Überlegungen

Während bei der vorgestellten Definition des Erzählens die Art der Vermittlung in den Vordergrund gesetzt wurde, gibt es eine Reihe von weiteren Überlegungen, die sich auf andere Aspekte des Erzählbegriffs beziehen.

Eine dieser Überlegungen betrachtet eine Geschichte als eine Karte von Konzepten für verschiedenste Phänomene und Systeme, bei denen bestimmte vorsortierte Kategorien genutzt werden, um ein Verständnis zu erzeugen. Auf der Erzählebene sind diese Kategorien zum Beispiel Untersuchungsansätze wie Handlung, Figuren oder Erzählinstanz. Solche Beschreibungen von Geschichten als konzeptionelle Karten verweisen darauf, dass Erzählungen für das menschliche Verständnis wichtig sind, weil sie davon ausgehen, dass das Gehirn Informationen entsprechend solcher konzeptionellen Karten sortiert.

Literatur ist die Anerkennung eines Textes als etwas Besonderes (dementsprechend Kunst). Eine andere Definition bezeichnet Literatur als jegliche schriftliche Fixierung innerhalb eines bestimmten Bereiches (Fachliteratur). Eine Diskussion über die Literarizität eines Textes ist jedoch in den meisten Fällen ein Austausch über die Anerkanntheit eines Werkes als Kunst innerhalb einer Gesellschaft. Die Diskussion versucht, den Wert eines Werkes anhand der verschiedenen Ausprägungen von Untersuchungsansätze zu klären. Ob eine solche Wertzuschreibung über die persönliche Anerkennung hinausgehen kann, ist von neurologischen Effekten wie einem wahrscheinlichen Wohlbefinden bei bestimmten Wahrnehmungen abhängig (aufgrund zum Beispiel des Erlebens von Geborgenheit bei Traditionen oder einem allgemeinen Wohlgefühl bei einem konkreten visuellen Reiz).

Die Unterscheidung von schriftlich fixierten Texten in Epik, Lyrik und Dramatik ist vor allem dafür geeignet, bestimmte Methoden für die Analyse und Textgestaltung zu sammeln. Grundsätzlich schränken sie aber durch ihre Omnipräsenz als Gattungstrias das Denken über Texte radikal ein, weil sie eine Taxonomie vorspielen, die nur sehr oberflächlich gerechtfertigt werden kann. Zum Beispiel ist die Erzählinstanz der Epik als Sprechinstanz in allen drei Gattungen vorhanden. Ebenfalls ist die anleitende Präsentation einer Veränderung (das Erzählen als Vermittlung) in allen Gattungen verbreitet. In Versen geschriebene Texte (Lyrik) stellen zum Beispiel nur selten einen einzigen Zustand dar. Das Konzept der Gattung wird bereits im Konzept der Textsorte aufgenommen. Dabei wird ein eher geschichtsträchtiges Wort (siehe Gattung bei Aristoteles oder Goethe) durch ein eher wenig an bestimmte Definitionen gebundenes Wort wie Sorte ersetzt, das aus diesem Grund mehr Definitionsfreiraum erhält.

Untersuchungsansätze

Die vorgestellten Untersuchungsansätze sind mögliche Ausgangspunkte für eine nähere Beschäftigung mit einem konkreten Text. Sie müssen nicht alle abgearbeitet werden, sondern bieten lediglich die Chance auf interessante Einblicke.

Die Untersuchungsansätze ermöglichen dabei eine Einteilung der Elemente eines Textes, um die Intentionen und Botschaften zu strukturieren und mögliche Interpretationen mit Belegen abzusichern. Wenn Interpretationen abgesichert wurden, kann die eigene Wahrnehmung von anderen überprüft werden. Das über den Text Vermittelte kann dann aber auch verallgemeinert und auf andere Erfahrungen übertragen werden. Dies ist vielleicht für diejenigen spannend, die herausfinden möchten, wie sie selbst etwas besser vermitteln könnten.

Die nachfolgenden Katagorien lassen sich auf verschiedene Ausdrucksformen (Filme, Computerspiele, Theater, Musik) anwenden, besitzen aber ihren Ursprung vor allem in der Forschung zur Erzählung innerhalb von schriftlichen literarischen Texten und werden deshalb vordergründig aus dieser Perspektive erläutert.

Geschichte/Erzählung/Récit: Eine Erzählung (oder im Alltag geläufiger eine Geschichte) kann als das Produkt eines Erzählprozesses bezeichnet werden. Ein Prozess ist erzählend, wenn die Empfänger der Kommunikation vom Sender überzeugend dazu angeleitet werden, die dargestellten Veränderungen zu verfolgen. Eine Erzählung basiert dabei auf den Erfahrungen des Senders. Diese werden jedoch durch Weltwissen (zum Beispiel Geschichtswissen oder Wissen über das Verständnis bestimmter Symbole) angereichert und vom Empfänger in sein eigenes Verständnis übersetzt.


Figure 2. Untersuchungsansätze

Handlung

Handlungen beschreiben Veränderungen in Texten. Die Handlung als Untersuchungsansatz ist demnach die Eigenschaft eines Textes, die Veränderung einer Sache zu einer anderen darstellen zu können. Handlungen grenzen sich von Welten dahingehend ab, dass sie eine bestimmte Perspektive einnehmen.

Figuren

Figuren oder Charaktere bezeichnen handlungstragende, mit Eigenschaften ausgestaltete Individuen oder Träger von Veränderungen. Eine Figur wird an manchen Stellen auf die Handlungsfähigkeit oder die Reflexionsfähigkeit verkürzt.

Welt

Die Welt einer Erzählung ist die gedachte Wirklichkeit, in der sich einzelne Aspekte der Veränderung realisieren. Eine Welt umfasst damit die Gesamtzahl aller möglichen Veränderungen. Eine ausgedachte Welt kennzeichnet sich durch bestimmte Abweichungen von der Realität, die Autorinnen die Möglichkeit geben, nicht nur von der Wahrheit abzuweichen, sondern überhaupt kreativ sein zu können.

Erzählinstanz

Die Erzählinstanz ist die teilweise personifizierte Eigenschaft eines Textes, etwas auf eine bestimmte Weise zu kommunizieren. Die Personifizierung hilft dabei, als Bild zu verdeutlichen, wie die Informationsübertragung gedacht werden kann (zum Beispiel wie bei der oben erwähnten mündlichen Erzählung einer Geschichte eines Zeugen). Sie ist darüber hinaus auch sinnvoll, um den Aspekt der Anleitung stärker hervorzuheben, der für die Erzählung als Art der Vermittlung relevant ist. Insgesamt ist es aber problematisch, die Erzählinstanz zu sehr zu vermenschlichen, da ansonsten die nichtmenschlich geprägten erzählerischen Mittel der Erzählinstanz wie das Aussehen der Schrift (Farbe, Größe) oder der Aufbau des Textes zu einer bestimmten Struktur (die Worte eines Textes formen zum Beispiel einen Apfel) in der Untersuchung vernachlässigt werden.

Beziehungen

Eine Beziehung verbindet ein Konzept mit einem anderen Konzept über ein drittes Konzept. Es geht in diesem Fall nicht konkret um die persönliche Beziehung zwischen Menschen, die bei der Analyse der Figuren relevant ist, sondern um die Beziehung zwischen Konzepten. Ein Stuhl kann zum Beispiel aus Holz hergestellt sein. Das Konzept Stuhl ist demnach mit dem Konzept Holz über das Konzept Herstellungsmaterial verbunden. Oder ein Buch kann auf einem Tisch liegen. Dann ist das Konzept Buch mit dem Konzept Tisch über das Konzept Lage verbunden.

Beziehungen sind eine sehr allgemeine Kategorie und können auf jede Untersuchung angewendet werden. Die Untersuchung von Beziehungen in Erzählungen soll jedoch dazu anregen, die Elemente eines Werkes mit der Wirklichkeit zu vergleichen, um die Bedeutung eines Werkes für einzelne Menschen feststellen zu können. Wenn keine Beziehung zur Wirklichkeit hergestellt werden kann, dann wäre das Werk für ein Individuum bedeutungslos.

Erzählerische Mittel

Erzählerische Mittel (auch rhetorische Figuren, rhetorische Stilmittel) sind formalisierte Möglichkeiten, einzelne konzeptionelle Kategorien (Untersuchungsansätze wie Handlung, Figuren, Welt, Erzählinstanz oder Beziehungen) näher auszugestalten. Während Erzählmuster häufig umfassende Strukturierungstendenzen vorgeben, erscheinen erzählerische Mittel eher modularer. Im Gegensatz zu rhetorischen Figuren umfasst die Bestimmung von erzählerischen Mitteln auch Elemente der inhaltlichen Strukturierung (Motive), die im Zusammenhang mit intertextuellen und historischen Referenzen (Stoffen) stehen können sowie intersubjektiv verwendete Überzeugungen (Konzepte). Dabei bilden sie bestimmte Untergruppen, die unterschiedliche Abgrenzungsaspekte in den Vordergrund setzen können.

Eine von mir bevorzugte Variante der Einteilung von formal orientierten Mitteln bezieht sich auf die Fachbereiche der Sprachwissenschaft. Ein erzählerisches Mittel wie die Metapher lässt sich dabei vor allem der Semantik zuordnen, da es nicht um klangliche (phonologische) oder stellungsbezogene (syntaktische) Aspekte der Bedeutung geht, sondern um die Erläuterung eines Konzeptes durch ein anderes (semantisch, bildhafte Figur), konkreter durch eine Ersetzung der Bedeutung einer Sache durch eine andere (Trope), konkreter durch eine über den gewohnten Zusammenhang hinausgehende Verwendung eines Ausdrucks (Metapher).

Ein inhaltlich orientiertes erzählerisches Mittel wie das Motiv des strahlenden Helden ist Teil einer näheren Ausgestaltung einer Figur, wobei hier eher eine auf offeneren Beziehungen ausgerichtete Systematik greift. Der strahlende Held enthält dabei bewusste Überschneidungen mit anderen kulturellen Phänomenen wie dem Ritter in strahlender Rüstung oder dem patriotischen Held. Diese Überschneidungen führen zu einer hierarchischen Strukturierung (Taxonomie) für das Verständnis inhaltlicher Stereotypen. Ein kulturelles Phänomen (siehe auch Festigkeit eines Konzepts) ist das populäre und damit wiederholte Auftreten eines Konzepts in der öffentlichen Wahrnehmung einer Gesellschaft, ausgelöst durch die wiederkehrende Auseinandersetzung damit.

Textsorten und Genres

Textsorte und Genre sind ähnliche Konzepte, die eine kulturell geprägte Zusammenstellung von erzählerischen Mitteln bezeichnen. Die Textsorte bezeichnet dabei jegliche Einteilungskategorie für einen konkreten Text, während das Genre eher eine inhaltlich gewachsene Kategorie ist.

Zum Beispiel sammelt ein Western als Genre vor allem inhaltlich geprägte Motive wie den Antihelden, den einsamen Wolf, die unerforschte Welt, das verschlafene Städtchen und erschafft mit einem einzelnen Wort eine bestimmte Identität. Diese Zusammenstellung kann dann in Verbindung mit anderen historischen Gegebenheiten oder Genres über Neuzusammenstellungen zu einem bewusst erzeugten Gefühl führen, zum Beispiel als ein Western im Weltraum (wie zum Beispiel Cowboy Bebop).

Im Gegensatz dazu könnte eine andere Art der Einteilung zu Textsorten führen, die zum Beispiel das Vorhandensein von musikalischen oder syntaktischen Elementen besprechen, ohne überhaupt auf die inhaltliche Struktur eingehen zu müssen. Textsorten sind daher das offenere Konzept.

Horror

Erzählmuster

Erzählmuster sind ein größeres erzählerisches Mittel und beschreiben welche Handlungs- und Figurenstruktur eine Erzählung nutzt. Sie können damit sowohl als Basis für eine Untersuchung als auch als Vorlage für eigene Erzählungen verwendet werden.

Joseph Campbell

Der Monomythos ist das Konzept, dass ein Erzählmuster auf alle Geschichten der Menschheit angewendet werden kann, da diese auf gemeinsame psychologische Muster zurückgreifen. Campbell formuliert einen solchen Ansatz in seinem Buch "The Hero with a Thousand Faces".

Dan Harmon

  1. A character is in a zone of comfort or familiarity.
  2. They desire something.
  3. They enter an unfamiliar situation.
  4. They adapt to that situation.
  5. They get that which they wanted.
  6. They pay a heavy price for it.
  7. They return to their familiar situation.
  8. They have changed as a result of the journey.

Pixar-Methode

https://www.aerogrammestudio.com/2013/03/07/pixars-22-rules-of-storytelling/

Once upon a time there was . Every day, . One day . Because of that, . Because of that, . Until finally .

Frank Kermode

Frank Kermode beschreibt ein Muster für die Analyse von Geschichten, bei dem Geschichten als der Versuch einer Harmonisierung zwischen Anfang, Mitte und Ende bewertet werden, wobei Menschen sich danach sehnen, dem Anfang oder Ende beizuwohnen. Dies erscheint als eine Weiterentwicklung des Konzepts, dass das Erzählen Veränderungen präsentiert, im Hinblick auf die menschliche Psyche und die alltägliche Wahrnehmung, nach der sich nur wenig von Tag zu Tag verändert.

"Kermode claims that humans are deeply uncomfortable with the idea that our lives form only a short period in the history of the world. So much has gone before us and so much will come after us. We look for a 'coherent pattern' to explain this fact, and invest in the idea that we find ourselves in the middle of a story. In order to make sense of our lives we need to find some 'consonance' between the beginning, the middle, and the end.
Humans have always used such 'fictions' to impose structure on the idea of eternity, including Homer, Augustine of Hippo and Plato. Stemming from a long tradition of Christian apocalyptic thought, we now have the idea that the beginning was a golden age. The middle is the age in which we now live, and is characterised by 'decadence', where what was good has declined and is in need of 'renovation'. In order to usher in a new age, a process of painful purging (or 'terrors') needs to be undergone. This allows us to explain the chaos and 'crisis' we see unfolding around us.
People living in the middle often believe that the end is very near, and that their own generation is the one with responsibility to usher in a new world. Kermode writes: 'It seems to be a condition attaching to the exercise of thinking about the future that one should assume one's own time to stand in extraordinary relation to it.'" - The Sense of an Ending: Studies in the Theory of Fiction

Essays

Die hier vorgestellten Essays sollen eigene Überlegungen zum Erzählen anregen.

Anmerkungen

Abbildungen

Literatur